mini|Candace Owens (2024)
Candace Amber Owens Farmer (* 29. April 1989 in Stamford, Connecticut) ist eine US-amerikanische politische Aktivistin und politische Kommentatorin. Sie wird weithin dem rechtskonservativen, rechtspopulistischen bzw. rechtsextremen Spektrum zugerechnet. Von 2017 bis 2019 war sie verantwortlich für die Kommunikation der rechten Organisation Turning Point USA, anschließend verbreitete sie ihre Positionen von 2019 bis 2024 bei der Plattform The Daily Wire, um sich schließlich 2024 mit einem eigenen Kanal selbständig zu machen. Sie wurde bekannt durch ihre Kritik an der Black-Lives-Matter-Bewegung sowie als Vertreterin der Position, die afroamerikanische Bevölkerung solle sich von der Demokratischen Partei abwenden (die Afroamerikaner traditionell mehrheitlich wählen). Sie war lange Zeit eine exponierte Unterstützerin von Donald Trump und der MAGA-Bewegung.
Große Aufmerksamkeit, auch außerhalb der USA, erregte sie durch stark provokante Positionen, kränkende, diffamierende Behauptungen sowie antisemitische Aussagen.
Leben Candace Owens wuchs in Stamford (Connecticut) auf, wo sie nach der Scheidung ihrer Eltern von ihren Großeltern großgezogen wurde. Während ihres letzten Jahres an der High School (2007) erhielt sie rassistische Telefonanrufe einschließlich Morddrohungen, die zu einem Auto zurückverfolgt werden konnten, in dem der Sohn des Bürgermeisters anwesend war. Owens’ Familie verklagte die Schulverwaltung, weil die Stadt ihre Rechte nicht geschützt habe, woraufhin ihr 37.500 US-Dollar Schadensersatz zugesprochen wurden. Owens studierte Journalismus an der University of Rhode Island, verließ aber nach dem vorletzten Studienjahr die Universität. Danach arbeitete sie für die Zeitschrift Vogue und ab 2012 vier Jahre bei einem Private-Equity-Unternehmen.
2016 machte Owens die Website SocialAutopsy.com öffentlich, über die Cyber-Mobbing bekämpft werden sollte, indem die Urheber von beleidigenden bzw. drohenden Mitteilungen ausfindig gemacht werden. Owens startete eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter.com für das Projekt, die jedoch schnell eine Kontroverse auslöste. Personen verschiedenster politischer Gruppierungen machten geltend, dass SocialAutopsy.com über das Doxing von Nutzern deren Privatsphäre verletze. Kritiker der Website veröffentlichten Owens’ private Informationen, wofür Owens die Personen des linken Spektrums verantwortlich machte, die zeitgleich in die GamerGate-Kontroverse über Sexismus in Videospielen involviert waren. Dies brachte ihr wiederum Unterstützung durch deren konservative Gegenspieler ein, darunter Milo Yiannopoulous und Mike Cernovich, zwei weit rechts stehende politische Kommentatoren. Das beeinflusste Owens, sich selbst den Konservativen zuzuwenden. Letztlich löschte Kickstarter die Crowdfunding-Kampagne, und SocialAutopsy.com konnte nie seinen eigentlichen Zweck erfüllen.
Im Jahr 2017 begann Owens, auf ihrem YouTube-Kanal Red-Pill-Black-Videos zu veröffentlichen, in denen sie Liberale und Linke kritisiert und afroamerikanischen Konservativismus bewirbt. Taking the red pill, auf Deutsch das „Nehmen der roten Pille“, ist eine bei Konservativen beliebte Metapher für das Lossagen von linken Narrativen, die sie unhinterfragt glaubten. Am 21. November 2017 verkündete der Gründer der rechtsgerichteten Organisation Turning Point USA Charlie Kirk, während die Organisation mit Rassismusvorwürfen konfrontiert war, dass Owens Leiterin für städtisches Engagement werde. Sie war von 2017 bis zum Mai 2019 bei der Organisation Leiterin für Kommunikation.
Einem größeren Publikum wurde Owens bekannt, als der afroamerikanische Rapper Kanye West im April 2018 auf Twitter bekannt gab, ihre Ansichten zu befürworten. Im Mai 2018 bezeichnete US-Präsident Trump sie schließlich als „sehr kluge Denkerin“, die einen „großen Einfluss“ auf die US-amerikanische Politik habe. Im Oktober 2018 initiierte Owens die Blexit-Kampagne. Blexit ist ein an den Begriff „Brexit“ angelehntes Kofferwort aus black (deutsch: schwarz) und exit (deutsch: Ausstieg). Ziel der Kampagne ist es, Afroamerikaner zu ermutigen, der demokratischen Partei zu entsagen und sich stattdessen als Republikaner zu registrieren. Owens kündigte an, dass Kanye West Merchandise für die Bewegung designt habe. West widersprach dem jedoch; er wolle nicht mit Blexit assoziiert werden und sei benutzt worden, um Botschaften zu verbreiten, an die er nicht glaube. Owens entschuldigte sich daraufhin bei West. Eine Analyse zeigt, dass Twitter-Accounts, die sonst russische Propaganda verbreiten, direkt nach Bekanntgabe der Kampagne 16 % aller Tweets zu Blexit veröffentlichten. mini|Owens 2019 bei der Young Black Leadership Summit im Weißen Haus mit Präsident Trump Am 9. April 2019 sagte Owens auf Einladung republikanischer Politiker im House Judiciary Committee aus, einem ständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Thema der Anhörung waren Hasskriminalität und der Einfluss weißer Nationalisten und ihrer Ideologie in den USA. Owens bezeichnete diese Themensetzung jedoch als irreführend; tatsächlich gehe es den Demokraten nur um „Angstmacherei, Macht und Kontrolle“ (fear-mongering, power and control) durch die Zensur abweichender Meinungen. Für Aufsehen sorgte insbesondere, dass der demokratische Politiker Ted Lieu sie mit einer Tonaufnahme konfrontierte, in der sie angeblich Adolf Hitler verharmloste. Owens trat als Kommentatorin unter anderem beim US-Fernsehsender Fox News und in der Webshow von InfoWars, einem Onlineportal für Verschwörungstheorien, auf. Für die konservative Organisation PragerU moderiert sie ab März 2019 die Talkshow The Candace Owens Show. Im April 2020 kündigte Owens an, in der Zukunft ein politisches Amt anzustreben, entweder das einer Gouverneurin oder einer Senatorin. Am 6. Februar 2021 gab sie per Twitter bekannt, „sie liebe Amerika und denke daran, für die US-Präsidentschaft zu kandidieren“.I love America. Thinking about running for President., Tweet vom 6. Februar 2021, abgerufen am 11. Februar 2021 Bei ihrem Twitter-Konto nutzt sie dasselbe Namensmuster wie Donald Trump, indem ein „Real-“ vor den eigenen Namen gestellt wird, was für Echtheit bürgen soll. Owens wechselte 2021 zu der rechtskonservativen Medienorganisation The Daily Wire von Ben Shapiro und moderierte die politische Talkshow Candace. Im März 2024 wurde sie nach einer Reihe von antisemitischen Kommentaren und monatelangen Spannungen mit Ben Shapiro und anderen Mitarbeitern von Daily Wire entlassen.
Positionen mini|Candace Owens 2018 bei der Conservative Political Action Conference (CPAC) in National Harbor, Maryland
Nach eigener Aussage war Owens bis 2015 nicht an Politik interessiert. In einer Kolumne ihres mittlerweile aufgegebenen Blogs Degree180 sprach sie sich 2015 gegen die konservativen Politiker der Tea-Party-Bewegung aus. In Gastbeiträgen auf ihrem Blog wurde Donald Trump während des Präsidentschaftswahlkampfs verächtlich gemacht. Popularität erlangte Owens jedoch erst, als sie sich von diesen Positionen lossagte und im Juli 2017 in einem auf Youtube veröffentlichten Video ihr „Coming-out“ als Konservative feierte. Seitdem vermarktete sie sich als konservative Unterstützerin des US-Präsidenten Trump, den sie unter anderem als „Retter“ der westlichen Welt bezeichnete. Sie gestand, zuvor nie gewählt zu haben, zu den Midterm-Wahlen 2018 aber erstmals als registrierte Republikanerin abgestimmt zu haben. Insgesamt wird Owens als ultrakonservativ, weit rechts oder gar als Vertreterin der Alt-Right eingeordnet, wobei sie letztere Bezeichnungen für sich ablehnt.
Für Owens ist der russische Überfall auf die Ukraine 2022 ein weiteres Spektakel „austauschbarer Pantomime-Bösewichte“, welche angeblich eine „undefinierte, aber zwangsläufig perverse Realität“ vor der Öffentlichkeit zu verbergen trachteten, so der Rolling Stone. Sie unterstütze den russischen Präsidenten Putin und zöge ihr rechtes Publikum in eine verwirrende Welt der Verschwörungen, welche der Propagandarealität des Kremls nachempfunden sei, sowohl faktisch als auch insbesondere im Geiste.Ian Garner: Kremlin Propaganda Hasn’t Broken Our Brains — Yet, Rolling Stone, 17. April 2022
Eine Untersuchung des israelischen Thinktanks Jewish People Policy Institute stellte bei Owens für das Jahr 2025 eine erhebliche Zunahme antisemitischer sowie anti-israelischer Aussagen im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren fest. So bezeichnete sie den konservativen politischen Kommentator Ben Shapiro, auf dessen Nachrichtenseite The Daily Wire sie in der Vergangenheit aufgetreten war, als „Talmudjuden“ und benutzte dabei eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Verunglimpfung. Sie behauptete, dass Juden die Hintermänner des Sklavenhandels gewesen seien. Israel bezeichnete sie als „okkulte Nation“ (als angeblichen Beweis verwies sie auf den Davidstern in der Nationalflagge). Zudem deutete sie an, dass Israel hinter dem tödlichen Attentat auf John F. Kennedy gesteckt habe. Zudem warf sie Israel im Krieg gegen die Hamas einen Genozid vor, verglich Israel mit der Terrororganisation Hamas und beschuldigte die israelische Armee, vorsätzlich Kinder zu töten.Leon Kraiem: Study shows 2025 spike in anti-Israel, antisemitic rhetoric from Tucker Carlson, Candace Owens www.timesofisrael.com, 29. Dezember 2025
Owens kritisierte den US-Militäreinsatz in Venezuela Anfang 2026. Auf X schrieb sie, die CIA habe „auf Geheiß globalistischer Psychopathen eine weitere feindliche Übernahme eines Landes inszeniert“. In antisemitischer Weise fügte sie hinzu: „Die Zionisten feiern jeden Machtwechsel.“Leon Holly: Venezuela kooperiert, US-Demokraten opponieren taz.de, 5. Januar 2026
Afroamerikanische Bevölkerung der USA Wichtigstes Thema von Owens’ Aktivismus ist die afroamerikanische Bevölkerung der USA. Owens zufolge hat sich bei dieser eine „Sklavenmentalität“ bzw. „Opfermentalität“ herausgebildet, die von der demokratischen Partei, welche Owens als „Plantage“ (plantation) bezeichnet, ausgenutzt werde. Anstatt sich auf die Zukunft zu konzentrieren, würden Schwarze sich zu sehr auf die in der Vergangenheit liegende Sklaverei fokussieren. Die demokratische Partei würde den Mythos schaffen und aufrechterhalten, dass die Republikaner rassistisch gegenüber Schwarzen seien, und die afroamerikanischen Wähler so einer „Gehirnwäsche unterziehen“, damit sie mehrheitlich für Demokraten stimmten.
Tatsächlich sei aber die demokratische Partei historisch die rassistischere der beiden Parteien gewesen. Dass es der schwarzen Bevölkerung der USA heute ökonomisch schlechter gehe als in den 1950er Jahren zur Zeit der Jim-Crow-Gesetze – eine Behauptung von Owens, die infrage gestellt wird –, sei darauf zurückzuführen, dass sie seitdem durchgängig Demokraten gewählt hätten. Auch die steigende Anzahl gewählter afroamerikanischer Politiker bringe die Anliegen der Schwarzen nicht voran. In ihrer Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses bezeichnete Owens die sogenannte Southern Strategy (deutsch etwa: Südstaaten-Strategie) als „Mythos“. Sie negierte damit, dass die republikanische Partei nach der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre gezielt an die rassistischen Einstellungen vieler weißer Demokraten-Wähler in den Südstaaten appelliert hatte, um deren Zustimmung zu gewinnen.