Das Industriekraftwerk Wählitz ist ein Braunkohlekraftwerk in Wählitz, einem Ortsteil von Hohenmölsen im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Der Komplex wird als KWK-Anlage von der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) betrieben.
Entstehung Am 25. August 1994 ging nach zweijähriger Bauzeit das Industriekraftwerk Wählitz auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung ans Netz. Es ersetzte die 70 Jahre alte Kraftwerksanlage auf dem Gelände der ehemaligen Brikettfabrik Wählitz. Strom-Magazin vom 31. August 2004, abgerufen am 3. März 2019. Die Finanzierung des Neubaus erfolgte mit öffentlichen Mitteln über die Treuhandanstalt und das Bundesumweltministerium. Der Gesamtinvestitionsaufwand betrug 200 Millionen D-Mark. Die Treuhand übertrug das Kraftwerk der MIBRAG, die erst im Jahr der Kraftwerks-Inbetriebnahme privatisiert werden konnte.Joachim Fröhler: Die Privatisierung der ostdeutschen Energiewirtschaft 1989–1997. Eurotrans-Verlag, 2001, S. 103 f.Carsten Drebenstedt, Mahmut Kuyumcu: Braunkohlesanierung. Springer-Verlag, 2014, S. 17.Andreas Berkner: Auf der Strasse der Braunkohle. Pro Leipzig e.V., 2003, S. 273 f.
Betrieb Der Betrieb umfasst die Produktion von Strom für die Tagebaue der MIBRAG sowie die Erzeugung von Fernwärme für einzelne öffentliche, gewerbliche und private Haushalte in Hohenmölsen und Umgebung.MIBRAG (Hrsg.): Kraftwerk Wählitz Besucherinformation. Zeitz 2016, S. 2. Das Kraftwerk ist an das Werkbahnnetz des Tagebaus Profen angeschlossen und wird täglich mit zwei Zügen Rohbraunkohle beliefert.Werkbahnen im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. (= LMBV Wandlungen und Perspektiven. Heft 20). 2016, abgerufen am 4. März 2019, S. 25. Die Kohle gelangt über Förderbänder in einen Wirbelschichtkessel und wird bei 850 Grad Celsius verbrannt.Kraftwerk Wählitz. In: Mitteldeutsche Zeitung. 14. Oktober 2003, abgerufen am 4. März 2019. Pro Tag fallen 120 Tonnen Flugasche und Schlacke an, die laut Unternehmenspublikationen in Tagebaurestlöcher gekippt oder im Straßenbau verwendet werden.MIBRAG (Hrsg.): Kraftwerk Wählitz Besucherinformation. Zeitz 2016, S. 4. Neben der Rohbraunkohle wird in der Feuerungsanlage Klärschlamm sowie Tiermehl und Blutfett mitverbrannt.Dioxinbelastung in Sachsen-Anhalt KA 6/7161. Landtag von Sachsen-Anhalt Drucksache 6/428, S. 2–4, abgerufen am 3. März 2019.
Wie jedes Braunkohlekraftwerk hat das Industriekraftwerk Wählitz täglich einen sehr hohen Trinkwasserverbrauch. Strom-Magazin vom 22. März 2016, abgerufen am 3. März 2019. Der durchschnittliche Bedarf einer KWK-Anlage pro erzeugter Kilowattstunde Strom liegt bei 2,6 Liter.Stromerzeugung und Wasserverbrauch Bund der Energieverbraucher, abgerufen am 3. März 2019. Stündlich werden im Kraftwerk Wählitz 150 Tonnen Wasserdampf produziert. Homepage MIBRAG, abgerufen am 3. März 2019. Eine Wasserentnahmeabgabe muss der Betreiber des Kraftwerkes nicht entrichten, ebenso keine Förderabgabe.GRÜNE zur Befreiung der Braunkohle von der EEG-Umlage Bündnis 90/Die Grünen Pressemitteilung vom 14. Mai 2014, abgerufen am 3. März 2019. Zudem ist das Unternehmen gemäß einer Sonderregelung von Zahlungen zur EEG-Umlage befreit, da nach Betreiberangaben der erzeugte Strom dem Eigenverbrauch in den MIBRAG-Tagebauen dient.Massive Öko-Rabatte für Braunkohle-Konzerne Der Spiegel vom 16. Januar 2014, abgerufen am 3. März 2019.
Geplante Abschaltung In ihrem am 26. Januar 2019 der Bundesregierung vorgelegten Abschlussbericht kam die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung zu dem Ergebnis, dass das Industriekraftwerk Wählitz „an die Bedürfnisse eines modernen Kraftwerks- und Veredlungsstandortes angepasst“ wurde. Die Kommission empfiehlt, den Kraftwerksbetrieb in Wählitz mittel- bis langfristig zu beenden und den Standort an das bestehende Gasnetz im industriellen Maßstab anzuschließen. Laut des Beschlusses sollen spätestens bis zum Jahr 2038 alle Braunkohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.Abschlussbericht der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (S. 249). Minderheitensekretariat der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen, abgerufen am 3. März 2019.
Siehe auch Industriekraftwerk Deuben Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft mbH
Weblinks Das Industriekraftwerk Wählitz Homepage MIBRAG
Einzelnachweise
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