mini|Auf der 8. Feminale im Oktober 1996 Feminale war der Name des ersten Frauenfilmfestival Deutschlands. Unter der Bezeichnung „1. Kölner FrauenFilmFest – Feminale“ fand sie vom 27. bis 29. April 1984 zum ersten Mal statt. Von 1984 bis 1986 wurde die Feminale jährlich, ab 1986 alle zwei Jahre veranstaltet. Das hing damit zusammen, dass unweit von Köln, in Dortmund, ein weiteres Frauenfilmfest, die femme totale, startete. Bis 2004 wurde die Feminale zwanzig Jahre lang realisiert. 2006 ging das Festival durch die Fusion mit der femme totale im Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln auf.

Gründung 1983 von einer Gruppe von Filmstudentinnen in Köln gegründet, fand die erste Festivalausgabe der Feminale 1984 statt. Träger des Festivals war der gleichnamige Verein. Gezeigt wurden neue Filmproduktionen von Frauen der letzten zwei Jahre.

Anders als bei vielen anderen Filmfestivals standen die Filme bei der Feminale nicht in Konkurrenz, sondern ergänzend zueinander.

Organisiert wurde das erste Festival von Studentinnen der Philosophischen Fakultät an der Universität zu Köln. Die Idee dafür wurde aus einem Seminar am Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, heute Institut für Medienkultur und Theater, entwickelt. Lehrende war Prof. Dr. Renate Möhrmann.

Mit ihrem Aufruf an Filmemacherinnen aus Nordrhein-Westfalen, ihre Filme und Videos gemeinsam in Köln zu präsentieren, setzten Angelika Dötig und Katja Mildenberger den Startimpuls. Weitere Mitglieder der Gruppe waren zu diesem Zeitpunkt und in den ersten Jahren Esther Baron, Birgit Esser, Karin Jurschick, Elke Kimmlinger, Biddy Pastor, Dagmar Röper und Astrid Völker. Im Laufe der Jahre waren außerdem Mechthild Buchholz, Carla Despineux, Anja Dreschke, Regina Eichen, Gaby Gehlen, Sonja Hofmann, Eva Hohenberger, Marion Kranen, Jennifer Jones, Christine Moser, Verena Mund, Beate Preisler, Nicole Rebmann, Irene Schoor u. v. a. maßgeblich an der Realisierung der Feminale beteiligt.

Sonderprogramm „Pionierinnen des feministischen Kinos“ Nachdem ein Jahr zuvor im Berliner Kino Arsenal während einer einwöchigen Veranstaltung der Pionierinnen des feministischen Kinos, Claudia von Alemann und Helke Sander, gedacht worden war, erinnerte 1998 auch die Feminale mit einem Sonderprogramm an das 25 Jahre zurückliegende Erste internationale Frauenfilm-Seminar und ihre Organisatorinnen.NRW film kulturell, Infodienst Nr. 2 – Oktober 1998: Frauen und Film, S. 3

Inhaltliche Ausrichtung und Programm Der Name „Feminale“ sollte auf das Defizit an Produktionen von Frauen in den Programmen bestehender Festivals verweisen und zugleich den Anspruch des Festivals gültig machen, sich als eigenständige Plattform zu etablieren. Auf den Austausch und das Gespräch zwischen Besucherinnen und Filmemacherinnen im Rahmen des Festivals, wurde bei der Feminale besonders großen Wert gelegt. Einzige Bedingung für die Filmeinreichung war, dass es sich um Werke von Frauen handeln musste, dass sie weibliche Sichtweisen und Utopien formulieren und keine Sexismen beinhalten – Format, Genre oder Thema spielten keine Rolle. Bis auf einige Veranstaltungen, deren Besuch nur Frauen vorbehalten war, richtete sich die Feminale größtenteils an alle, um eine uneingeschränkte Öffentlichkeit für feministische Filmarbeit herzustellen. Im Grußwort des Programmhefts zur ersten Feminale schreiben die Organisatorinnen zur Motivation und Ausrichtung des Festivals:

Seit jeher wurde die Konzeption des Festivals von einem Plenum erarbeitet, das sich aus Vereinsmitgliedern, Interessentinnen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen zusammensetzte. Letztere waren – unterstützt durch Ehrenamtliche – auch für die Filmrecherche im Aus- und Inland zuständig. Durch eine offene Ausschreibung wurde zudem versucht, Filme mit in das Programm einzubeziehen, denen bisher noch keine Aufmerksamkeit (etwa durch Festivals) zuteilwurde. Abgesehen von Sonderprogrammen wie Lesben- und Länderprogrammen, Specials und Retrospektiven, wurden alle Filme gemeinsam gesichtet – was allerdings angesichts der schieren Menge der Einreichungen (Ende der 1990er Jahre waren es ca. um die 600) kaum mehr zu bewerkstelligen war. Ab Anfang der 1990er Jahre gab es ein Lesbenfilmprogramm, eine Jugend-Film-Forum, zahlreiche Diskussionsveranstaltungen sowie einen „Filmmarkt“, bei dem Veranstalterinnen, Journalistinnen und Filmemacherinnen sich miteinander austauschen konnten.

Seit den 1990er Jahren traten außerdem inhaltliche und politische Aspekte der gezeigten Filme – und damit die Frage nach dem „feministischen Film“ – programmatisch stärker in den Vordergrund. Dies lässt sich am Beispiel des Festivalprogramms von 1996 verdeutlichen: Neben einer umfangreichen Auswahl an Filmen von rund 150 Regisseurinnen fanden eine Retrospektive zur feministischen Filmemacherin und Medienkünstlerin Valie Export statt, das Filmvorführungen, Videoinstallationen und ein Künstlerinnengespräch zwischen Valie Export und Trinh T. Minh-ha umfasste. Des Weiteren wurden auch die Filme der Komponistin und Filmemacherin Trinh T. Minh-ha in einer Werkschau präsentiert. In einem gesonderten Lesbenfilmprogramm präsentierte die Feminale eine eigens kuratierte Auswahl an Filmen sowie zwei Programme zu neuen lesbischen Filmen, zusammengestellt von Vertreterinnen der Frauenfilmverleihe Cinenova aus London und Women Make Movies aus New York. Im Rahmenprogramm fand hierzu eine Podiumsdiskussion statt mit unter anderen den lesbischen Filmemacherinnen Barbara Hammer und Cheryl Dunye. Letztere wurde im gleichen Jahr mit dem Teddy Award der Biennale ausgezeichnet für ihren Film The Watermelon Woman. In weiteren Ausgaben der Feminale gab es außerdem Retrospektiven zu Ula Stöckl, Ulrike Ottinger, Helke Sander und Elfi Mikesch sowie Porträts zu Claire Denis und Lynne Hershman.

Ebenso wichtig wie die Filmvorführungen waren die Workshops, Vorträge und Ausstellungen, die das Programm jeder Festivalausgabe vervollständigten. Neben Diskussionen über feministische Bildpolitiken und deren Repräsentation in Film und Filmtheorie, standen bei den Veranstaltungen kulturpolitische Belange weiblicher Filmschaffender sowie deren Vernetzung im Vordergrund. Die Feminale fand über zwanzig Jahre hinweg regelmäßig in Köln statt und avancierte in kurzer Zeit zu einem feministischen Filmfestival von internationalem Renommee.

Entwicklung der Festivalstrukturen Die ersten Ausgaben der Feminale waren als Werkschau von Filmen und Videos von Frauen aus der Region konzipiert. 1986 wurden auch Filme aus Österreich und der Schweiz ins Programm mit aufgenommen. Ab 1988 geschah der Wechsel vom Jahres- zum Zwei-Jahres-Rhythmus. Zeitgleich öffnete sich das Programm für Einreichungen aus weiteren europäischen Ländern wie Spanien und Großbritannien. Damit vollzog die Feminale den Schritt hin zu einem internationalen Festival, was sich später in Sektionen wie dem „Europäischen Programm“ oder dem „Länderprogramm“ ausdrückte. Dies spiegelt sich auch in der Namensgebung wider: während das Festival als „Feminale – Kölner FrauenFilmFest“ begann, änderte sich die Selbstbezeichnung ab 1992 in „Feminale – Internationales FrauenFilmFestival“.

Finanzierung Wurde das Festival zunächst durch die ehrenamtlich ausgeführten Aufgaben der Gründerinnen realisiert, hatte der Umfang der Arbeit Ende der 1980er Jahre Dimensionen erreicht, die den ehrenamtlichen Rahmen weit überschritten. Die Gründung eines Vereins ermöglichte es, ABM-Stellen für hauptamtliche Mitarbeiterinnen einzurichten. Darüber hinaus wurde eine Geschäftsstelle etabliert. Diese Maßnahmen bedeuteten die grundlegende strukturelle Veränderung der bis dahin informell arbeitenden Gruppe, was wiederum eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einerseits, aber auch ein „Informationsgefälle innerhalb der Gruppe“ andererseits nach sich zog, das zu „Diskrepanzen und Konflikten“ führte. Die Finanzierung über die ABM-Stellen sorgte zudem notgedrungen für Diskontinuitäten hinsichtlich der personellen Besetzung des Festivalteams.

Als Projekt der autonomen Frauenbewegung und freien Kulturszene war die grundlegende Finanzierung des Festivals äußerst prekär und dessen Existenz entsprechend immer wieder bedroht. 1994 musste das für Anfang Juni angekündigte Festival aus finanziellen Gründen kurzfristig abgesagt werden, konnte dann aber durch Zusagen von Sponsoren vier Monate später nachgeholt werden.

Obwohl die Feminale sich mit der Zeit zu einem der wichtigsten Frauenfilmfestivals von internationalem Renommee entwickelt hatte, wurden dem Festival von Jahr zu Jahr die finanziellen Mittel gekürzt. Nach zwanzigjährigem Bestehen fiel die Feminale schließlich den Sparmaßnahmen zum Opfer. 2006 beschloss das Land Nordrhein-Westfalen schließlich die Fusion von Feminale und dem Dortmunder Frauenfilmfestival femme totale. Die Zusammenlegung beider Festivals zum Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln sorgte für Widerspruch und Konflikte und lässt sich treffender mit „Übernahme“ anstelle von „Fusion“ beschreiben.

Ausgaben 27. bis 29. April 1984: 1. Kölner FrauenFilmFest – Feminale 17. bis 19. Mai 1985: 2. Kölner FrauenFilmFest – Feminale 16. bis 19. Oktober 1986: 3. Kölner FrauenFilmFest – Feminale 6. bis 10. Juli 1988: 4. Feminale – Kölner FrauenFilmFest 4. bis 8. Juli 1990: 5. FrauenFilmFest, Köln 27. bis 31. Mai 1992: 6. Internationales FrauenFilm Festival Köln 29. September bis 3. Oktober 1994: 7. Internationales FrauenFilmFestival 5. bis 8. Oktober 1995: Feminale Debuts Festival des jungen europäischen Frauen-Kinos 2. bis 6. Oktober 1996: 8. Feminale – Internationales Frauenfilmfestival 1. bis 6. Oktober 1998: 9. Internationales Frauen Film Festival 12. bis 17. Oktober 2000: Zehntes Internationales FrauenFilmFestival – Feminale Köln 2. bis 6. Oktober 2002: 11. Internationales Frauen Film Festival 6. bis 10. Oktober 2004: 12. Feminale Internationales Frauen Film Festival

Auszeichnungen 1994: Während der GMK-Tagung „Multimedia als medienpädagogische Herausforderung“ erhielt die Feminale den mit 2.000 DM dotierten Medienpädagogischen Preis, heute Dieter Baacke Preis, der von Regina Eichen und Petra Wonsowitz entgegengenommen wurde.GMK-Tagung in Bielefeld zu Multimedia. Medienpreis für Feminale in: Neue Westfälische, Nr. 269, Montag, 21. November 1994

Rezeption Während sich die Presseberichterstattung über die Feminale zunächst auf technische Pannen und den self-made Charakter des Festivals konzentrierte, wurde die Feminale mit der Zeit zunehmend als professionelles Festival ernst genommen und die Besprechung der gezeigten Filme und Wertschätzung der Filmarbeit von Frauen rückte in den Vordergrund.

Im November 2021 würdigten die Remake. Frankfurter Frauen Film Tage die Feminale und die femme mit einer Retrospektive.

Weblinks

Chronik der Feminale auf der offiziellen Website des Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln Die im Rahmen von Remake Frankfurter Frauen Film Tage aufgezeichnete Podiumsdiskussion mit Karin Jurschick und Katja Mildenberger von der Feminale. Interview des Kölner Frauengeschichtsverein mit Katja Mildenberger.

Einzelnachweise

Kategorie:Frauen und Film Kategorie:Veranstaltung (Frauen) Kategorie:Filmfestival in Köln Kategorie:Erstveranstaltung 1984 Kategorie:Feministische Kunst