Das Hochgericht Nalbacher Tal oder die „Herrschaft Nalbacher Tal“ bestand aus den Dörfern Nalbach, Piesbach, Bettstadt,Bettstadt heißt im Mittelalter Betscheid. Der Name, der heute mundartlich „Bettschd“ ausgesprochen wird, deutet auf eine mittelalterliche Waldrodung hin. Bettstadt ging im Jahr 1937 in Piesbach auf. Diefflen, Bilsdorf und Körprich. Die Herrschaft lag an der unteren Prims, einem Nebenfluss der Saar im heutigen Landkreis Saarlouis im Saarland. Das kleine Territorium erstreckte sich von der Mündung der Theel in die Prims bei Körprich bis zur Banngrenze zwischen Diefflen und Dillingen. Das Gebiet des Nalbacher Tales war ursprünglich Reichsgebiet, bevor es zum Kurfürstentum Trier kam. Im Jahre 1048 schenkte der Erzbischof von Trier, Eberhard von Schwaben, den Hof Nagelbach dem Trierer Simeonstift. Das Hochgericht Nalbacher Tal war eine Gemeinherrschaft, die mehreren Vögten unterstand. Es gehörte zu den Nicht eingekreisten zum Heiligen Römischen Reich zugehörigen Territorien und Ständen. Im Gefolge der Französischen Revolution endete auch im Nalbacher Tal die jahrhundertealte Adelsherrschaft mit dem Jahr 1798. Im selben Jahr wurde das ehemalige Hochgericht Teil des neugeschaffenen französischen Département de la Sarre (dt. Saardepartement). Die Franzosen gründeten zwei Jahre später, im Jahr 1800, die Mairie (Bürgermeisterei) Nalbach. Völkerrechtlich erfolgte die Angliederung an Frankreich durch den Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801. Infolge der Bestimmungen des Wiener Kongresses wurde das ehemalige Hochgericht Nalbacher Tal als Bestandteil der Provinz Großherzogtum Niederrhein am 2. Dezember 1815 im Rahmen einer Feier in der Saarlouiser Kirche St. Ludwig durch den Oberappellationsrat Mathias Simon in Besitz des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. genommen und damit Teil des Staates Preußen.Saarkalender Jg. 5, 1827, S. 106.Intelligenzblatt Saarbrücken Nr. 1, 1815.Alois Prediger: Geschichte des Landkreises Saarlouis, Bd. 1, Französisches Erbe und preußische Formung (1815–1848), Saarbrücken 1997, S. 55–72.

Nachbarterritorien Am Vorabend der Französischen Revolution war die Herrschaft Hochgericht Nalbacher Tal von folgenden Herrschaftsterritorien umgeben:

(im Uhrzeigersinn) Reichsherrschaft Buprich-Hüttersdorf, Heiliges Römisches Reich Primsweiler, Reichsherrschaft Dagstuhl Meierei Reisweiler, Fürstentum Nassau-Saarbrücken, Heiliges Römisches Reich Reichsherrschaft Schwarzenholz, Heiliges Römisches Reich Reichsherrschaft Saarwellingen, Heiliges Römisches Reich Seigneurie der Abtei Fraulautern, Baillage de Sarrelouis, Königreich Frankreich Seigneurie Dillingen, Herzogtum Lothringen, Königreich Frankreich Seigneurie Beckingen (Kommende Beckingen), Herzogtum Lothringen, Königreich Frankreich Hochgericht Düppenweiler, Heiliges Römisches Reich

Geschichte mini|Blick vom Hoxberg aus auf das Nalbacher Tal mit den historischen Talgemeinden Diefflen (seit 1969 zu Dillingen/Saar), Nalbach, Piesbach, Bilsdorf und Körprich sowie auf den 414 m hohen Litermont; Das Nebelband am Horizont bezeichnet den Verlauf der Saar mini|Gemarkungen des Nalbacher Tales: Das schraffierte Gebiet bezeichnet die Gemarkung Diefflens, die am 1. August 1969 nach Dillingen ausgemeindet wurde. Das punktierte Gebiet (Bahnhofsviertel) wurde von der Gemeinde Saarwellingen am 1. Januar 1974 an die Gemeinde Nalbach abgetreten. mini|Stift St. Simeon in Trier, Grundherr durch die Schenkung des Trierer Erzbischofs Eberhard von Schwaben, Caspar Merian 1670; Vor der im Vordergrund sichtbaren Freitreppe mussten sich die Kandidaten für das Amt des Hofmeiers des Nalbacher Tales den Stiftsherren von St. Simeon vorstellen.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 28.

Der Ortsname Nalbachs dürfte in vorkarolingischer Zeit entstanden sein. Der Name könnte allerdings auch schon aus der Zeit vor der Fränkischen Landnahme, die in einem Zeitraum vom 5. bis zum 8. Jahrhundert erfolgte, stammen.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 1: Vom Faustkeil zum Förderturm, Saarbrücken 1960, S. 62–63. Der namensgebende Nalbach ist einer von drei Bächen (Nalbach, Fußbach, Etzelbach), die den Ort früher, vom Litermont herkommend, durchflossen und in die Prims münden.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 22.

Mittelalter mini|Siedlungsbild des Nalbacher Tales um das Jahr 1522, Die Häuser des Trierer Stiftes St. Simeon (sogenannte Mittelste Vogtei) sind als Punkte markiert. Die Häuser des Vogtes (sogenannte Unterste und Oberste Vogtei) sind als Rechtecke dargestellt. Zeichnung: Georg Colesie, Kreisarchiv Saarlouis

Im Jahre 1048 übertrug der Erzbischof von Trier, Eberhard von Schwaben, den Hof Nagelbach dem von seinem bischöflichen Vorgänger gegründeten Trierer Simeonstift.Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellenmaterials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Koblenz und Trier in kurzen Auszügen, Im Auftrage des Directoriums der Königlich-Preussischen Staats-Archive bearbeitet und herausgegeben von Ad. Goerz, Band 1–4, Coblenz 1876–1886, hier Band 1, Nr. 1322.Monumenta Germaniae Historica, Diplomata regum et imperatorum Germaniae, Heinrici IV. Diplomata, hrsg. von Dietrich von Gladiss und Alfred Gawlik, Nr. 462. Mit dem Begriff „Hof“ als Verwaltungseinheit und Gerichtsbezirk ist das Dorf Nalbach mit den ihm zugeordneten Dörfern zu verstehen. Die Übertragung des Hofes Nalbach wurde auch im Jahr 1098 durch Kaiser Heinrich IV.,Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellenmaterials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Koblenz und Trier in kurzen Auszügen, Im Auftrage des Directoriums der Königlich-Preussischen Staats-Archive bearbeitet und herausgegeben von Ad. Goerz, Band 1–4, Coblenz 1876–1886, hier Band 1, Nr. 1546. im Jahr 1154 durch Papst Hadrian IV. sowie im Jahr 1179 durch Papst Alexander III.Mittelrheinische Regesten oder chronologische Zusammenstellung des Quellenmaterials für die Geschichte der Territorien der beiden Regierungsbezirke Koblenz und Trier in kurzen Auszügen, Im Auftrage des Directoriums der Königlich-Preussischen Staats-Archive bearbeitet und herausgegeben von Ad. Goerz, Band 1–4, Coblenz 1876–1886, hier Band 2, Nr. 9, 420. bestätigt.

Die Nalbacher Kirche St. Peter und Paul wird im Jahr 1154 und 1179 erstmals urkundlich erwähnt. Nalbach gehörte im Mittelalter zum Archidiakonat St. Mauritius Tholey und zum Dekanat bzw. Landkapitel Merzig im damaligen Erzbistum Trier. Das Petrus-Patrozinium (Fischerpatron) könnte auf die Entstehung Nalbachs als Fischersiedlung an der damals fischreichen Prims hindeuten. Ebenso ist ein Bezug zum Petrus-Patrozinium des Trierer Domes denkbar. Das Petrus- bzw. Petrus-und-Paulus-Patrozinium zählt zu den typischen fränkischen Patrozinien des Saarlandes.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 2: Von der fränkischen Landnahme bis zum Ausbruch der französischen Revolution, Saarbrücken 1977, S. 23.

Das Gebiet des Nalbacher Tales war ursprünglich Reichsgebiet, bevor es zum Kurfürstentum Trier kam. Um das Jahr 1195 wird als Nalbacher Vogt Adalbert von Nalbach und ein zugehöriger Hofmeier genannt. Im Protokoll des Jahrgedings von 1324 werden die Nalbacher Talgemeinden Diefflen, Piesbach und Bettstadt sowie die Nalbacher Mühle genannt. Kurz darauf, im Jahr 1327, werden die Talgemeinden Körprich, Theter, Heisterbach, Heynschiet und die Bettstadter Mühle erwähnt. Dabei bestand das Nalbacher Tal aus zwei Vogteien unter der Leitung von Rudolf von Nalbach und Nikolaus von Kastel. Für das Jahr 1332 ist erstmals urkundlich die Körpricher Kapelle erwähnt.

Im Jahr 1358 übertrug das Trierer Stift St. Simeon die Schirmherrschaft über das Nalbacher Tal dem Grafen Heinrich von Veldenz. Im Jahr 1393 übertrug der Nalbacher Vogt Nikolaus von Kastel und seine Ehefrau Margarete dem Stift St. Simeon das Dorf Theter im Nalbacher Tal. Die genannte Margarete ist vermutlich das Vorbild der legendären Margarete vom Litermont aus der örtlichen Maldix-Sage.

Nach einem Überfall des Johann von Hagen und des Johann von Hunolstein im Jahr 1411 auf das Nalbacher Tal übertrug das Stift St. Simeon dem Herzog von Lothringen die Schirmherrschaft über die Talgemeinden. Um das Jahr 1441 unternahmen die Bauern von Nalbach und Piesbach einen Aufstand gegen die Vogtin Else von Hunolstein. Für das Jahr 1478 ist eine erste Belehnung eines Vogtes durch die Pfalzgrafen bei Rhein (Kurpfalz) belegt: Pfalzgraf Ludwig der Schwarze belehnte den Ritter Heinrich von Rathsamshausen, dessen Herrschaft am Fuß des unterelsässischen Odilienberges lag, mit der obersten und untersten Vogtei im Nalbacher Tal. Die Lehenshoheit der Pfalzgrafen bei Rhein dürfte von derjenigen der Grafen von Veldenz erbmäßig (seit 1444) herzuleiten sein.

Eine erste Volkszählung im Nalbacher Tal ergab im Jahr 1499 ungefähr 56 Feuerstätten.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 249.Hans Peter Klauck: Die Einwohner des Nalbacher Tales vor 1803, Bettstadt, Bilsdorf, Diefflen, Körprich, Nalbach, Piesbach, Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für saarländische Familienkunde e.V., 26. Sonderband, hrsg. von Werner Habicht, Saarbrücken 1989, S. 15–16.Johnn Mathias Sittel: Geschichte und Beschreibung der Vierherrschaft des Nalbacher Tales, Handschrift im Landeshauptarchiv Koblenz, Abteilung 704, Nr. 486.

Vogteihoheit mini|Grabdenkmal des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Johann III. von Metzenhausen, Trierer Dom, linkes Seitenschiff; Während seiner Amtszeit wurde im Nalbacher Tal eine neue Untergerichtsordnung eingesetzt und das Nalbacher Schöffenbuch eröffnet. mini|Skizze des Nalbacher Tales aus dem Jahr 1735; in der Mitte der Lauf der Prims mit zwei Mühlen; am linken Primsufer die Dörfer Körprich und Bilsdorf; am rechten Primsufer Bettstadt, Piesbach, Theter, Nalbach und Diefflen; Oben ist Südosten, Die Skizze dürfte vom Standpunkt des heutigen Nalbacher Friedhofes aus gezeichnet worden sein; Die Großbuchstaben bedeuten: A= Die Körpricher Brühlwiese im Besitz des Trierer Kurfürsten, B= Die Nalbacher Athwiese im Besitz des Trierer Kurfürsten, Die Nalbacher Brühlwiese im Besitz der Kurpfalz bzw. des Freiherren von Hagen, D und E= Zwei Wiesen der Herrschaft von Hagen (Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Münchweiler, Nr. 367, S. 257) mini|Karte des Oberamtes Schaumburg (Baillage du Schaumbourg) mit der Darstellung des Nalbacher Tales (Vallée de Nalbach) sowie der umliegenden Gebiete (Pais limitrophes), gefertigt durch den Geometer J. Coster um das Jahr 1779; Die rote Linie begrenzt das Gebiet Lothringens, die gelbe Linie markiert das Gebiet des Erzbistums und Kurfürstentums Trier, blau gekennzeichnet ist das Nalbacher Tal mit den Talorten Diefflen (Tiffendhal), Nalbach, Piesbach (Pisbach), Bettstadt (Bettscheid), Bilsdorf (Büllersdorff) und Körprich (Kirburg) sowie die von Lebach abhängigen Gebiete. Grün begrenzt ist die Grafschaft Nassau-Saarbrücken, schwarz markiert sind die Reichsherrschaften (Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 702, Karte 7301). mini|Lage des Hochgerichtes Nalbacher Tal in der Grenzsituation zwischen dem Königreich Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation im Jahr 1789