Die brasilianische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Brasiliens in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Sie hat den Spitznamen Os Tupis („die Tupis“), nach dem gleichnamigen indigenen Volk. Die organisatorische Verantwortung trägt der im Jahr 1963 gegründete Verband Confederação Brasileira de Rugby (CBRu). Brasilien wird vom Weltverband World Rugby in die dritte Stärkeklasse () eingeteilt. Das Team gilt als die sechstbeste Nationalmannschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent (nach Argentinien, den Vereinigten Staaten, Kanada, Uruguay und Chile).
Das erste Test Match fand 1950 gegen Uruguay statt. Die Mannschaft errang bisher drei Titel bei Südamerikameisterschaften und klassierte sich einmal auf dem zweiten sowie dreimal auf dem dritten Platz. Seit 2016 nimmt Brasilien an der jährlichen Americas Rugby Championship teil, zusammen mit der zweiten Mannschaft Argentiniens, Chile, Kanada, Uruguay und den USA. Für eine Weltmeisterschaft konnte sich die Mannschaft bislang nicht qualifizieren. Traditionell spielt Brasilien in gelben Trikots mit grünen Farbakzenten, grünen Hosen und grünen Socken.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Brasilien ist die Confederação Brasileira de Rugby (CBRu). Der Verband wurde 1963 unter dem Namen União de Rugby do Brasil (URB) gegründet und 1970 in Associação Brasileira de Rugby (ABR) umbenannt; seinen heutigen Namen trägt er seit 2010. Der Verband ist seit 1995 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Er war außerdem im Jahr 1988 Gründungsmitglied des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR).
Die höchste Rugby-Union-Liga des Landes ist die seit 1964 bestehende Campeonato Brasileiro de Rugby mit zwölf Mannschaften (deshalb auch der Markenname Super 12). Die meisten davon kommen aus dem Bundesstaat São Paulo. Einst stammten die meisten Spieler der Nationalmannschaft aus dieser Liga und waren Amateure. Seit 2020 gehören sie jedoch überwiegend dem Team Cobras an, das an der Profiliga Super Rugby Americas teilnimmt. Diese umfasst auch Teams aus Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay. Weitere Spieler sind vor allem in Europa als Profisportler tätig.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die CBRu weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Brasilien über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt Brazil Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby mini|hochkant|Charles William Miller gilt als Begründer des brasilianischen Fußball und Rugby
Wie in anderen südamerikanischen Ländern führten britische Einwanderer den Rugbysport Ende des 19. Jahrhunderts in brasilianischen Hafenstädten ein. Sie gründeten mehrere Athletikvereine, in denen auch Fußball gespielt wurde. Am ersten dokumentierten Rugbyspiel in Brasilien nahm 1891 unter Aufsicht von Charles William Miller der São Paulo Athletic Club (SPAC) teil. Danach war vor allem Augusto Shaw in der weiteren Verbreitung des Rugby aktiv, während sich Miller ausschließlich dem Fußball widmete.Bath: The Complete Book of Rugby. S. 64.
In den 1920er und 1930er Jahren erlebte das brasilianische Rugby eine Blütezeit, erfuhr jedoch nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Fußball. Rugby spielten weitgehend Personen mit einer britischen Herkunft oder sonstigen Verbindung mit dem Vereinigten Königreich. 1926 wurde eine eigene brasilianische Liga begründet. Gegen 1932 wurde eine Nationalmannschaft zusammengestellt, die Brasilien erstmals in einem Länderspiel gegen eine südafrikanische Mannschaft vertrat, die Partie ging jedoch verloren. Der Sport erfuhr einen Rückschlag, als die autoritäre Diktatur des Estado Novo ihm die Anerkennung als Nationalsport verweigerte, da er nur in vier Bundesstaaten ausgeübt wurde; die erforderliche Anzahl waren fünf Bundesstaaten. Zwischen 1941 und 1946 kam Rugby durch den Zweiten Weltkrieg wie in vielen anderen Ländern zum Erliegen.
Erste Jahre der Nationalmannschaft Im September 1950 bestritt Brasilien sein erstes Test Match auswärts in Montevideo gegen Uruguay und unterlag knapp mit 6:8. Im Februar 1951 hätte Brasilien an den ersten Panamerikanischen Spielen in Buenos Aires teilnehmen sollen, doch das Rugbyturnier kam aus organisatorischen Gründen nicht zustande. Es wurde auf September verschoben und nun als ABCU-Turnier bezeichnet (nach den vier Teilnehmerländern). Beim ersten Rugby-Kontinentalwettbewerb verlor Brasilien alle drei Spiele: mit 0:68 gegen Chile, mit 0:72 gegen Argentinien (traditionell einem der stärksten Teams weltweit) und mit 10:17 gegen Uruguay. Sieben Jahre später erhielt das Turnier nachträglich die Anerkennung als erste Südamerikameisterschaft. In den 1950er Jahren war Rugby in Brasilien nur auf sporadischer Basis organisiert; es gab keinen offiziellen Verband und die Nationalmannschaft wurde ausschließlich von Jimme Macintyre, dem Organisator der SPAC, zusammengestellt. Brasilien spielte erst wieder bei der Südamerikameisterschaft 1961 Test Matches, unterlag dort jedoch Uruguay, Argentinien und Chile. Der heutige Verband Confederação Brasileira de Rugby (CBRu) wurde 1963 unter dem Namen União de Rugby do Brasil (URB) mit dem Ziel der effektiveren Organisation gegründet. Erster Verbandspräsident war Harry Donovan. Ein Jahr später wurde die nationale Liga Campeonato Brasileiro de Rugby erstmals ausgetragen. Im selben Jahr erreichte Brasilien in der Südamerikameisterschaft mit den zweiten Platz sein damals bestes Ergebnis nach einem Unentschieden gegen Chile (16:16), einer weniger deutlichen Niederlage gegen Argentinien (8:30) und einem Sieg über Uruguay (15:8). Danach nahm Brasilien erst wieder an der Südamerikameisterschaft 1971 teil; dort gelang jedoch nur ein Sieg gegen Paraguay, während gegen Argentinien, Uruguay und Chile deutliche Niederlagen resultierten.
1970 benannte sich der brasilianische Verband in Associação Brasileira de Rugby (ABR) um und in den folgenden Jahren begann sich das Rugby dank der verbesserten Strukturen auch außerhalb der britischen Gemeinschaft des Landes zu verbreiten. Brasiliens Rugby erfuhr einen regelrechten Wachstumsschub; der Sport wurde an den Universitäten des Landes angeboten und das Land gehörte vermehrt zu den Zielen von Touren namhafter Rugbynationen. 1974 empfing Brasilien erstmals Frankreich und unterlag mit 7:99, wobei der französische Verband dem Spiel wegen des großen Klassenunterschieds nicht den Test-Match-Status zuerkannte. In den Südamerikameisterschaften der Jahre 1973, 1975 und 1979 unterlag das Team jeweils Argentinien, Chile und Uruguay, während Siege gegen Paraguay gelangen. Hingegen resultierte 1977 nach vier Niederlagen der letzten Platz.
Als das Nachbarland Argentinien sämtliche sportlichen Begegnungen mit Südafrika untersagte, bildete sich 1980 eine „Schattenmannschaft“ namens Sudamérica XV (auch Jaguares Sudamericanos genannt). Zwar setzte sie sich überwiegend aus Argentiniern zusammen, doch auch mehrere Brasilianer gehörten ihr an. Die insgesamt fünf betroffenen Verbände erkannten die Mannschaft offiziell nicht an, duldeten sie aber stillschweigend. Im Verlaufe der nächsten vier Jahre trat die Sudamérica XV achtmal gegen die Springboks, die südafrikanische Nationalmannschaft, an, konnte aber nur ein Spiel für sich entscheiden (am 3. April 1982 in Bloemfontein).Garcia: La fabuleuse histoire du rugby. S. 611–612. Argentinien, der ungeschlagene Gewinner aller bisherigen Kontinentalmeisterschaften, verzichtete auf die Teilnahme an der Südamerikameisterschaft 1981, was den anderen Teilnehmern die Möglichkeit eröffnete, erstmals den Titel zu erringen. Die Brasilianer erlitten jedoch drei deutliche Niederlagen gegen Chile, Uruguay und Paraguay, woraufhin sie Gruppenletzter wurden.
1985 besuchte Frankreich abermals Brasilien, traf diesmal auf eine gefestigtere Mannschaft und gewann mit 41:6; diese Partie zählte ebenfalls nicht als Test Match. Der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder zählte, beschloss im selben Jahr die Einführung der Weltmeisterschaft. Für die erste Austragung 1987 vergab der IRFB neun Startplätze durch Einladungen, wobei Brasilien unberücksichtigt blieb. Im Oktober 1988 war der brasilianische Verband in Asunción eines der Gründungsmitglieder des Kontinentalverbandes CONSUR (Confederación Sudamericana de Rugby; heute Sudamérica Rugby, SAR); die anderen waren Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay.
Nach acht Jahren Pause nahm Brasilien 1989 wieder an der Südamerikameisterschaft teil, konnte jedoch lediglich Paraguay bezwingen. 1991 und 1993 belegte die Mannschaft nach jeweils vier Niederlagen nur den letzten Gruppenplatz. Der brasilianische Verband wurde im Oktober 1995 Vollmitglied des IRFB und nimmt infolgedessen seitdem an WM-Qualifikationen teil. Dadurch waren Brasiliens Spiele der Südamerikameisterschaft 1993 nicht Teil der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1995; ebenso wenig nahm es an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1991 teil. Ein Jahr später endete die erste Teilnahme an einer WM-Qualifikation enttäuschend, als es Trinidad und Tobago mit 0:41 unterlag und damit die Weltmeisterschaft 1999 verpasste.
Im neuen Millennium mini|Die brasilianische und peruanische Rugby-Nationalmannschaften (2005) Ab 2000 fanden die Südamerikameisterschaften jährlich statt, doch die Kräfteverhältnisse auf dem Kontinent schienen unverrückbar zu sein. Zudem war Brasilien in die Division B eingeteilt und traf dort nicht mehr auf die starken Gegner Argentinien, Chile und Uruguay. 2000 gewann es die erste Austragung gegen Peru und Venezuela, 2001 und 2002 wiederholte es diesen Erfolg mit Siegen gegen Kolumbien, Peru und Venezuela. Dabei zählte das Turnier 2001 als erste südamerikanische Qualifizierungsrunde zur Weltmeisterschaft 2003, wodurch Brasilien die folgende Qualifikationsrunde erreichte. In dieser setzten sich die Brasilianer gegen Trinidad und Tobago durch; obschon sie die letzten Spiele gegen Chile und Paraguay verloren und das Hauptturnier versäumten, verkleinerte sich ihr Abstand zu den besseren Teams.
Vor Beginn der Südamerikameisterschaft 2003 verlor Brasilien ein Qualifikationsspiel gegen Paraguay um die Divisionseinteilung, weshalb es in der Division B verbleiben musste. In dieser musste das Team den Venezolanern aufgrund des Ergebnisses der direkten Begegnung den Vortritt lassen. Ein Jahr später mussten sich die Brasilianer mit dem zweiten Platz hinter den Absteigern aus Paraguay begnügen. Die Südamerikameisterschaft 2004 zählte teilweise als erste Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2007, dort ersetzte Peru jedoch Paraguay, wodurch die Brasilianer als Gruppenerste die zweite Runde erreichten. In dieser schieden sie allerdings nach deutlichen Niederlagen gegen Chile und Paraguay aus.
2005 mussten die Brasilianer letztmals den Paraguayern den Vortritt in der Division B lassen. Anschließend gelang ihnen eine markante Steigerung, als sie ihre Division der Jahre 2006, 2007 und 2008 unbesiegt für sich entschieden. Erstmals seit 1989 stieg die Mannschaft in die höchste Division des südamerikanischen Turnieres auf. Die Südamerikameisterschaft 2008 zählte gleichzeitig als erste Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2011. Nach zwei Siegen gegen Trinidad und Tobago erreichte Brasilien die Runde 3a, erlitt in dieser jedoch deutliche Niederlagen sowohl gegen Chile als auch Uruguay.