mini|alternativtext=Werbung von Pianohaus B. Kemp und Pianofabrik Th. Mann & Co. auf dem Buchdeckel des Adressbuchs von Bielefeld von 1919.|Werbung von Th. Mann & Co. auf dem Buchdeckel des Adressbuchs von Bielefeld von 1919. Th. Mann & Co. war eine von 1836 bis etwa 1942 bestehende Bielefelder Piano- und Flügelfabrik, sowie Instrumentenhandlung für Flügel, Pianinos und Harmoniums mit zeitweisen Niederlassungen in Hamm, Dortmund, Gütersloh, Herford, Detmold, Rinteln und Paderborn. Bis etwa 1890 fertigten Th. Mann & Co. zudem Harmoniums und Tafelklaviere.

Christian Wilhelm Volkening (gelegentlich auch J. Volkening, * 5. August 1807 in HilleTaufen, Trauungen, Beerdigungen für 1801 - 1808, Band 16; KB EKvW (Kirchenbuch-Digitalisate der Ev. Kirche von Westfalen), 2978, Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Nr. 52.; † 26. Oktober 1858 in Bielefeld)

Christian Volkening entstammte der Westfälischen Familie Volkening und war das siebte von acht Kindern eines Müllers aus Hille und Bruder des Predigers Johann Heinrich Volkening. Als Geselle bei Andreas Streicher in Wien lernte Volkening das Klavierbauhandwerk. Im Anschluss an seine Lehrzeit begab er sich mit zwei anderen Gehilfen, Johann Bernhard Klems und Sassenhof, nach Norddeutschland. Während Klems in Düsseldorf und Sassenhof in Bremen ihre Arbeit fortsetzten, gründete Volkening, nach Station in Bünde, seine Klavierbauwerkstatt 1836 in Bielefeld. Wohnhaft an der Kreuzstraße 640, meldete er unter der Laufenden Nummer 27 seine Firma 1839 ebenda an.

Als junger Instrumentenbauer in Bielefeld stellte Volkening seine Flügel und Pianos u. a. auf der Allgemeinen Deutschen Gewerbe-Ausstellung zu Berlin im Jahre 1844, wo er ein Pianino und einen Konzertflügel mit Streicherscher Patent-Mechanik ausstellte, und der ersten Industrie-Ausstellung aller Völker in London 1851 aus. In Berlin fanden seine Instrumente beim Fachpublikum Beachtung: Volkening „lieferte in einem sowohl durch Ton als Spielart sehr ansprechenden Flügel und einen Pianino um so Verdienstlicheres, als ihm in dem kleinen Städtchen wohl schwerlich vorzügliche Muster zu Gebote stehen.“ Im folgenden Jahr empfing Volkening bei der Gewerbeproducenten-Ausstellung in Berlin die Bronzene Medaille. mini|links|alternativtext=Volkening Klavier Nummer 154|Klavier aus der Werkstatt C.W. Volkening mit handschriftlich auf den Rasten vermerkten Nummer 154. Volkening fertigte um 1840 einen Mahagoni furnierten Hammerflügel auf Vasenartigen Beinen und mit Ahornintarsienschmuck an, der von Franz Liszt auf dessen Konzertreise 1841 gespielt wurde. Davon zeugt eine eigenhändige Inschrift Liszts auf dem Instrument: „Bielefeld — Konzert am 13. November F. Liszt.“ Das Instrument befindet sich heute in der Sammlung des Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig. Die Einladung nach Bielefeld erfolgte durch Volkening, welcher durch eine Annonce dazu einlud:"Bekanntmachung. / Allen Musikfreunden hier und in der Umgebung die Anzeige, daß der durch seine / Compositionen berühmte und wegen seiner hohen, die genialste Kühnheit und Kraft mit der / herzansprechendsten Innigkeit und Zartheit vereinigenden Virtuosität im Pianofortespiel in / ganz Europa bewunderte Herr Franz Liszt, welcher augenblicklich zu Münster anwesend / ist, auf dringendes Ansuchen sich gegen den Unterzeichneten bereitwillig erklärt hat, am / bevorstehenden Sonnabende bei seiner Durchreise nach Berlin und Petersburg auch das / hiesige musikliebende Publikum in einem Conzerte zu erfreuen, wenn zu demselben vorher / 150 Zuhörer subscribiren würden. / Bielefeld, den 8. November 1841. / Volkening, / Pianoforte-Fabrikant."mini|Markenemblem von Th. Mann & Co. auf dem Flügel Nr. 16750Die münsterischen Hotellisten vom 9. November führen "Volkening, Pianoforte=Fabrikant a. Bielefeld" als Gast bei Gerbaulet im Könige von England am Prinzipalmarkt 5 aus, wo auch Liszts Sekretär Gaetano Belloni residierte.

Über den Inhalt und Verlauf des Konzerts in Bielefeld ist nichts bekannt, da die damalige Bielefelder Zeitung als staatliches Anzeigenblatt noch keinen Kulturteil besaß und bislang keine privaten Aufzeichnungen entdeckt werden konnten. Es ist jedoch anzunehmen, dass es vergleichbar durchgeführt und besucht bar, wie jene in Münster und Osnabrück. Lediglich im Rückblick findet sich in späteren Jahren und in anderem Zusammenhang die Anmerkung eines Musikkritikers über das Konzert, zu welchem er bemerkte, dass Besucher "in gelinden Wahnsinn verfallen [seien], wie vor Zeiten bei Liszt's Ankunft".

Nach Eigenaussage der späteren Fabrik Th. Mann & Co fertigte Volkening einen der ersten Stutzflügel an, dessen Konstruktionsidee durch den Zuspruch einer sächsischen Prinzessin bei einem Konzerte in Bad Oeynhausen 1850/51 nach Dresden gebracht wurde.

C. W. Volkening gründete sein Geschäft vermutlich im Haus Kreuzstraße 640b in Bielefeld und zog zu Beginn der 1840er Jahre in das Haus Kreuzstraße 645, wo er zuletzt 6 Gehilfen beschäftigte.

Familie Volkenings erste Frau, Ailoisia Volkening, geb. Zentner, verstarb am Morgen des 27. Juli 1839 im Alter von 24 Jahren.

C.W. Volkening war ab dem 1. Dezember 1842 in zweiter Ehe mit Friederike Henriette Volkening, geborene Idel (* um 1801; † 13. Okt. 1875) verheiratet.

Theophil Mann sen. (Eigentlich Heinrich Jakob Theophilus Mann; Gelegentlich auch Theophilus Mann oder Theodor Mann; * 14. April 1831; † 21. Juni 1913) mini|alternativtext=Standorte von Th. Mann & Co. in Bielefeld 1886|Standorte von Th. Mann & Co. in Bielefeld 1886 Theophil Mann wurde als Sohn des Seilermeisters Johann Heinrich Mann (* 27. April 1784; † 14. Februar 1853) und dessen Frau Caroline Friederike Löseke (* 22. Februar 1794; † 20. September 1865) in Hildesheim geboren. Im Anschluss an seine Schulzeit machte er eine Tischlerausbildung, bevor ab 1848 in der Werkstatt des Hofinstrumentenmachers J. H. Weykopf in Hannover Einblick in den Klavierbau bekam. Nach nur kurzem Einstand ging es für ihn von dort zurück in die Heimat zum Orgelbauer Heinrich Schaper. Theophil Mann war ebenfalls ein Schüler Streichers in Wien. C. W. Volkening rief Th. Mann bereits 1849 nach Bielefeld. Bei Volkening erlernte Th. Mann das Klavierbauhandwerk von Grund auf kennen. Zum Vertiefen seiner Kenntnisse, machte Mann ab 1853 Stationen in den Werkstätten Ernst Irmler jun., Leipzig, Eduard Voigt und Karl Rönisch, Dresden, Karl Schönberner, Bautzen, Alois Bieber, München und Carl Blädel, Stuttgart.

Nach dem Tod Volkenings übernahm Th. Mann die Werkstatt und führte sie ab 1859 als „Pianoforte=Fabrik Th. Mann, Bielefeld“ fort, nachdem seinem Niederlassungsgesuch als Instrumentenmacher in der Stadtverordnetenversammlung vom 11. Januar 1859 stattgegeben wurde. Theophil Manns Ziel war die Anfertigung hochwertiger Pianos mit einem gut ausgebildeten Mitarbeiterstamm. In den Anfängen der Firma – zu dieser Zeit mutmaßlich im sogenannten Kühneschen Haus der Bäckers Christian Kühne an der Kreuzstraße 565 in Bielefeld ansässig, beschäftigte Theophil Mann sen. neun Arbeiter. Die Produktionsqualität wirkte sich auf den Absatz der Instrumente aus und dessen Anstieg machte einen Ausbau der Werkstatt notwendig. In den 1870er Jahren zählten die Instrumente von Th. Mann, neben Herstellern wie Bechstein, Biese, Duysen, Seiler und Gebauer zu den qualitativ hochwertigen «Markenklavieren».

Mitte 1868 wurde der Neubau am Oberntorwall 29 in Bielefeld fertiggestellt und die Fabrik zog aus dem Gebäude Kreuzstrasse 565 aus. Gleichzeitig verlagerte Theophil Mann dorthin sein Ladengeschäft, das bis dato in der Obernstraße von Wilhelm Bertelsmann angemietet war. Am 5. November registrierte Th. Mann unter seinem Namen und unter der Nummer 501 seine Firma im Firmenregister. Seiner Frau Sophie wurde Prokura erteilt. Diese Prokura erlosch am 22. Februar 1894. Zu diesem Zeitpunkt begann Th. Mann nachweislich damit, gebrauchte Instrumente zur Miete anzubieten. In einer Anzeige im Bielefelder Wochenblatt vom 2. Mai 1874 wird die monatliche Miete für ein "gutes Pianino" mit 3 Thaler angegeben.

Wie auch Volkening zuvor, beschickte Th. Mann zahlreiche Industrieausstellungen im In- und Ausland. Auf der Industrie- und Kunstausstellung in London 1862 zeigte Th. Mann „ein Pianino mit der Vorrichtung (...) eines ‚beweglichen Hammerstuhles‘ statt des Pédales céleste.“ mini|links|alternativtext=Klavier von Theophil Mann, hergestellt um 1873 und mit handschriftlich vermerkter Seriennummer 1008.|Klavier von Theophil Mann, hergestellt um 1873 und mit handschriftlich vermerkter Seriennummer 1008. Für das Jahr 1871 wird im Katalog zur Wiener Weltausstellung 1873 vermerkt, dass Th. Mann in jenem Jahr 20 Arbeiter beschäftigte und diese 120 Instrumente herstellten, durch deren Verkauf 24.000 Thaler umgesetzt wurden.

Noch 1873 beschickte Th. Mann alleinig unter seinem Namen die Weltausstellung in Wien mit drei Pianos, für die er eine Verdienstmedaille erhielt. Zu sehen waren ein kreuzsaitiges Piano zu 975 Reichsmark, ein geradsaitiges Instrument zu 822 Rmk und ein schrägsaitiges Klavier zu 675 Rmk. Hervorgehoben wurde der Erfindungsreichtum des Instrumentenbauers, die solide Bauweise der Pianos und deren „edle(r) und weiche(r) Ton“.

Kurz vor Eintritt Hermann Steinhaus, beschäftigte die Pianofortefabrik Th. Mann 40 Gehilfen. Zugleich wurde im Mai 1874 das Klavier mit der Seriennummer 1000 fertiggestellt.

Privatleben und Familie Theophil Manns älterer Bruder Karl Gottlieb Mann (* 18. August 1826; † 9. August 1873) übernahm den Seilereibetrieb des Vaters.

In erster Ehe war Th. Mann seit dem 4. März 1860 mit Johanne Elise Agnes, geborene Wehde verheiratet (* 1837; † 1870). Sie war Tochter von Friedrich Wilhelm Wehde und Anne Henriette Volkening, deren Vater Johann Friedrich Volkening Bruder von Johann Heinrich Volkening und Halbbruder Christian Wilhelm Volkening war.

Am Abend des 1. September 1870 verstarb Theophil Manns Frau, nachdem sie elf Tage zuvor das dritte gemeinsame überlebende Kind gebar. Die beiden Kinder Friedrich Carl (* 1. Februar 1861; † 5. September 1863) und Johanna Friederike (* 28. September 1862; † 12. September 1863) verstarben jung. Weitere Kinder waren Anna Emma (* 5. November 1864), Emma Johanne (* 1866) und Henriette Elisabeth (* 1868).

Am 14. September 1896 feierten Th. Mann und seine zweite Frau Sophie Elise Mann, geb. Oldermann (* 7. Juli 1839; † 7. Januar 1915) ihre silberne Hochzeit im Kreis von Verwandten, Freunden und Angestellten.

Theophil Mann Sen. verstarb am 21. Juni 1913 in seiner zweiten Heimat Gütersloh, wohin er sich 1905 mit seiner Frau zurückzog, nachdem er die Fabrik seinem ältesten Sohn Th. Mann Jun. übergeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt war Theophil sen. wohnhaft in Gütersloh der Roonstraße 11.Kirchenkreis Gütersloh Beerdigungen 1874 - 1921 Band 20 Mikrofilm 0677-0678 Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, S. 472 Nr. 76. Die Beerdigung fand am 24. Juni in Bielefeld auf dem Alten Friedhof (ehemals Nicolaifriedhof) am Jahnplatz statt. Die Grabrede hielt Wilhelm von Bodelschwingh. mini|Th. Mann & Co. Klavier mit der Seriennummer 4222, entstanden um 1885. Friedrich Wilhelm Mann wurde als zweites Kind von Theophil und Sophie Mann am 18. Mai 1874 geboren. Der promovierte Pädagoge wanderte später nach Santiago de Chile aus, wo er als Professor der Philosophie und Pädagogik am Instituto Pedagójico lehrte und als Direktor des Liceo de Aplicación von 1904 bis 1914 tätig war.

Th. Manns Sohn, Traugott Heinrich Mann, geboren am 5. Januar 1881 promovierte 1904 an der Universität Berlin mit einer Arbeit unter dem Titel "Beiträge zur Kenntnis arabischer Eigennamen". Um 1913 war er Direktor der deutschen Realschule in Aleppo, Syrien. Traugott Mann war mit Anna Helene Maria Käthe Mann verheiratet. Er starb am 5. April 1949 in Berlin.

Soziales, politisches und kulturelles Engagement