mini|Abteikirche von Nordwesten (2016) mini|hochkant|Grundriss der Abteikirche Die Abteikirche Unserer Lieben Frau von Marienstatt ist die Abteikirche der Zisterzienserabtei Marienstatt und eine überregional bedeutsame Marienwallfahrtskirche. mini|Ostpartie von Südosten (2005) mini|Strebensystem der nördlichen Langhausfassade (2014)

Lage Die Abteikirche und die angrenzenden barocken Klostergebäude befinden sich im Tal der Nister in der Ortsgemeinde Streithausen im rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis ca. 82 km (Fahrtstrecke) südöstlich von Köln bzw. ca. 65 km östlich von Bonn in einer Höhe von ca. . Der Marienwanderweg verbindet die Abtei Marienstatt mit dem ehemaligen Kloster Marienthal in Seelbach bei Hamm an der Sieg.

Baugeschichte Die möglicherweise kurz nach dem Umzug der Mönche ins Nistertal (1222), spätestens aber 1245 begonnene und 1324 noch unvollendet vom Kölner Erzbischof Heinrich von Virneberg geweihte Abteikirche gilt – neben der 1235 begonnenen Elisabethkirche von Marburg – als eine der ersten gotischen Kirchen östlich des Rheins. (Allerdings hatte man schon vor 1190 begonnen, den Limburger Dom im gotischen Stil umzubauen. Und der erste große gotisch begonnene Kirchenbau östlich des Rheins war 1209 der Magdeburger Dom. Der ca. 80 km [Luftlinie] nordwestlich von Marienstatt gelegene sogenannte Altenberger Dom – ebenfalls eine Zisterzienser-Klosterkirche – entstand erst ab dem Jahr 1255.) Der mit Methoden der Bauforschung erschlossene Baufortschritt ergab drei Bauphasen. Abgeschlossen wurde der Kirchenbau erst um 1420, wie die Gewölbeanfänger und Schlusssteinwappen der Westjochgewölbe sowie das große Maßwerkfenster der Westfassade zeigen.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmale. Rheinland Pfalz, Saarland. Bearbeitet von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Ekkart Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 640–645, hier S. 640.

Unter Abt Benedikt Bach wurde die Kirche von 1688 bis 1720 im Barockstil neu ausgestaltet, u. a. mit zahlreichen Altären. Kurz danach begann 1735 unter Abt Petrus Emons der völlige Neubau der benachbarten Klostergebäude; 1751 waren sie fertiggestellt. 1802 wurde das Kloster aufgehoben und die Kirche 1831 zur Pfarrkirche.

Die baugeschichtliche Wiederentdeckung des frühgotischen Kirchenbaus setzte mit dem nassauischen Oberbaurat Richard Görz ein, der die Kirche in den 1840er-Jahren untersuchte und 1868 einen Tafelband veröffentlichte.Richard Görz: Die Abteikirche zu Marienstatt bei Hachenburg. Christian Limbarth, Wiesbaden 1867, ohne Seite (Vorwort). –Digitalisat auf dilibri.de, abgerufen am 3. Dezember 2023. Auf ihn gehen Ideen der ab Ende des 19. Jahrhunderts verwirklichten Purifizierungen (Stilreinigungen) zurück, denn er verurteilte die zu seiner Zeit erst rund 150 Jahre alte Barockisierung in zeittypischer Ausdrucksweise zutiefst: „Das Innere der Kirche ist bei der 1752 vorgenommenen Renovation auf eine geschmacklose Weise übertüncht und mit vielen abscheulichen Einbauten, Statuen, barocken Altären, Beichtstühlen etc. entstellt worden. Sehr deutlich sieht man an diesen Neuerungen in welches Kunstelend die damalige Zeit verfallen war (…).“Richard Görz: Die Abteikirche zu Marienstatt bei Hachenburg. Christian Limbarth, Wiesbaden 1867, S. 4 (Digitalisat auf dilibri.de, abgerufen am 3. Dezember 2023). Zur von Görz dringend gewünschten „vollständigen Wiederherstellung der Kirche in stylgemäßer Weise“Richard Görz: Die Abteikirche zu Marienstatt bei Hachenburg. Christian Limbarth, Wiesbaden 1867, S. 5 (Digitalisat auf dilibri.de, abgerufen am 3. Dezember 2023). gab Gelegenheit die Wiederbesiedlung des Klosters Marienstatt ab 1888 durch Zisterzienser aus Mehrerau unter dem aus Koblenz stammenden Abt Maurus Kalkum. Die dann durchgeführten durchgreifenden Restaurierungen des Kircheninnern um 1892 und von 1940 bis 1947 opferten die barocke Ausstattung weitgehend, um den höher geschätzten gotischen Raumeindruck und die ursprüngliche, farbige Ausmalung freizulegen bzw. nach den aufgefundenen Resten wiederherzustellen.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmale. Rheinland Pfalz, Saarland. Bearbeitet von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Ekkart Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 640–645, hier S. 640 und 642. Aus dem 18. Jahrhundert erhalten blieben lediglich die ins südliche Seitenschiff versetzten, barocken Marmoraltäre des „Hadamarer Barock“ (heute: Dreifaltigkeitsaltar, Barbara-Altar, Antonius-Altar), zwei Weihwasserbecken sowie zwei reich geschnitzte Beichtstühle und in die ebenfalls in die Seitenschiffe umgesetzten schmiedeeisernen Chorgitter. Die ehemals in der Kirche über den Rundpfeilern und vor dem Blendtriforium aufgestellten, überlebensgroßen Schnitzfiguren (Apostel, Ordensväter und andere Heilige) kamen ins Abteigebäude und in die Bibliothek.Jörg Ditscheid: Zisterzienserabtei Marienstatt. Geschichte – Kunst – Rundgang. Marienstatt 2023, ISBN 978-3-00-076090-7.

Am 27. Juli 1927 verlieh Papst Pius XI. der Kirche anlässlich ihres 700. Weihetages den Ehrentitel einer Basilica minor.

Die letzte große Innen- und Außenrestaurierung der Abteikirche und ihrer Ausstattung erfolgte 2000–2007.

mini|Mittelschiff des Langhauses mit Blick nach Osten (2016)

Architektur Die Klosterkirche ist eine Basilika aus verputztem Schieferbruchstein mit Kreuzgewölbe und Querhaus sowie einem kurzen -Chor mit einem Kapellenkranz-Umgang. Die Kirche ist innen 62 m lang, das Langhaus 20 m, und im Mittelschiff 9 m breit. Das Äußere des baugeschichtlich bedeutenden Chors gliedert sich durch ein System aus dreifach abgetreppten Strebepfeilern zwischen den bogenförmig vortretenden Kapellen, die darüber in Viertelkreis-Schwibbögen den Obergaden stützen.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmale. Rheinland Pfalz, Saarland. Bearbeitet von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Ekkart Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 640–645, hier S. 642. Der achteckige Dachreiter mit hohem Spitzhelm über der Vierung ist in der heutigen Form mit veränderten Proportionen erst von 1931.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmale. Rheinland Pfalz, Saarland. Bearbeitet von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Ekkart Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 640–645, hier S. 643.Christian Hillen: Die Zisterziensterabtei Marienstatt (= Germania Sacra, 3. Folge, 14, Bd. 7). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-046735-2, S. 27. Im Innern betonen kräftige Rundpfeiler den dreigeschossigen Wandaufbau.

Ausstattung Das um 1290 geschnitzte, weitgehend figurenlose Chorgestühl aus zwei Reihen und insgesamt 58 Stallen ist eines der ältesten noch genutzten Chorgestühle Deutschlands. Die hervorgehobene Abtsstalle zeigt einen Pelikan, der seine Jungen mit dem eigenen Blut nährt. Das Chorgestühl war ursprünglich nach Westen nahezu geschlossen und diente daher wohl als Abtrennung des Mönchsraums vom Laienraum, da es keine Hinweise auf einen ehemaligen Lettner gibt.Christian Hillen: Die Zisterziensterabtei Marienstatt (= Germania Sacra, 3. Folge, 14, Bd. 7). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-046735-2, S. 37 f. Auch stand das Chorgestühl ursprünglich weiter im Westen in den beiden ersten Jochen des Langhauses und wurde im Zuge der Umgestaltungen immer weiter nach Osten verschoben, wo es nun das Querhaus verstellt. Der kunsthistorisch um 1250 datierte, steinerne Hauptaltar im Chor gehörte zur Erstausstattung der Kirche, obgleich seine Position mehrfach verändert wurde.Christian Hillen: Die Zisterziensterabtei Marienstatt (= Germania Sacra, 3. Folge, 14, Bd. 7). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-046735-2, S. 29. Der 2,45 m lange und 1,58 m tiefe Altar besteht aus einem massiven Unterbau und darauf einer starken Platte ruht. Die Vorderseite des Altars wird an den Ecken von zwei Säulen mit einfachen Kelchkapitellen flankiert. Auf der Rückseite diente eine verschließbare Öffnung zur Aufbewahrung von Kultgeräten. Auf dem Altarblock befindet sich seit 1960 als Altaraufsatz der um 1350 in einer Kölner Werkstatt entstandene, berühmte Ursula-Retabel, in dessen unterem Bereich in aufgeklapptem Zustand Schädelreliquien und zwölf Reliquienbüsten der heiligen Ursula von Köln und ihrer Gefährtinnen zu sehen sind, gehört mit dem Oberweseler Goldaltar und dem Klarenaltar im Kölner Dom zu den bedeutendsten mittelalterlichen Flügelaltären des Rheinlands. Des Weiteren zeigt das Innere des Schreins im oberen Bereich Darstellungen der zwölf Apostel sowie der Krönung Mariens. Das gesamte Retabel wurde in den Jahren 2001 bis 2008 umfassend restauriert. Neben zahlreichen steinernen und gusseisernen Grabplatten befindet sich im Nordquerhaus der Abteikirche das gut erhaltene spätmittelalterliche Hochgrab des Grafen Gerhard von Sayn († 1493) und seiner Frau Elisabeth von Sierck († 1489). Es stand vermutlich ursprünglich im Hauptchor und trägt auf einer steinernen, bemalten Tumba zwei hölzerne, überlebensgroße Figuren des gräflichen Paares. Ein schmiedeeisernes Käfiggitter überfängt das Grabmal. Die in den Jahren 1945 bis 1947 an das südliche Seitenschiff der Kirche angebaute Gnadenkapelle ist der Ort des Gnadenbildes von Marienstatt. Die im frühen 15. Jahrhundert entstandene Darstellung der „schmerzhaften Muttergottes“ stammt aus dem Donau-Alpenraum. Sie wird nachweislich seit 1425 in Marienstatt verehrt. Mit der Aufstellung der Pietà, wörtlich übersetzt „Mutter des Erbarmens“, entwickelte sich Marienstatt zu einem marianischen Wallfahrtsort. Das Ziergitter dieser Kapelle sperrte früher den Mittelgang zwischen dem Chorgestühl ab.Christian Hillen: Die Zisterziensterabtei Marienstatt (= Germania Sacra, 3. Folge, 14, Bd. 7). Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2017, ISBN 978-3-11-046735-2, S. 37. 2009 erhielt die Abteikirche eine neu gestaltete Altarinsel nach dem Entwurf von Leo Zogmayer aus Wien.Abtei Marienstadtt. Baugeschichte. Abgerufen am 6. August 2022. Zuvor befand sich dort bereits entsprechend den Empfehlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils ein um 1970 von dem Kölner Bildhauer Egino Weinert geschaffener, frei stehender Volks- oder Messaltar für die Abteikirche. Der Altar ist aus Bronze, genau wie der Ambo von demselben Künstler. Dieser Altar zeigte als durchgehendes Hauptmotiv Weinreben, entsprechend den Worten Jesu „Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben“ . Innerhalb dessen bzw. innerhalb des Stipes waren kleine Skulpturen eingearbeitet und oben in einem Fries unter der Mensa Reliefs, unter anderem vom Guten Hirten. Ein Emaillekreuz über dem Altar schuf ebenfalls Egino Weinert. Im Zusammenhang mit der letzten Umgestaltung der Abteikirche wurden diese Gegenstände verkauft und befinden sich seitdem in einer Kirche in Neuguinea.Egino-Weinert-Stiftung. Ausgestattete Kirchen. Abgerufen am 6. August 2022. Die neuen Chorfenster schuf 2005 der Glasmaler Wilhelm Buschulte.

Orgel Die Geschichte der Orgeln der Abteikirche lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals gab es ein vorbarockes Instrument, das auf der Nordseite des Hauptschiffes als Schwalbennestorgel angebracht war. Ende des 18. Jahrhunderts befand sich die große Orgel auf der Empore vor dem Westfenster. Im Jahr 1854 errichtete der Orgelbauer Daniel Raßmann (Möttau) auf der Westempore ein neues Orgelwerk mit 16 Registern auf zwei Manualwerken und Pedal, unter Wiederverwendung von Pfeifenmaterial aus dem Vorgängerinstrument. 1941 wurde die Orgel mitsamt der Orgelbühne abgerissen.