Sarcelles [] ist eine Stadt in Frankreich und die Unterpräfektur des Arrondissements Sarcelles im Département Val-d’Oise mit Einwohnern (Stand ) auf einer Fläche von 8,45 km². Sie liegt an der nördlichen Peripherie von Paris und besitzt die älteste Großwohnsiedlung der Île-de-France. Die Einwohner werden Sarcellois genannt.
Geschichte und Bevölkerungsentwicklung mini|links|Großwohnsiedlung in Sarcelles Der Ort ist seit dem Mittelalter belegt, und zwar 894 als „Cercilla“ und im 13. Jahrhundert als „Sarcella“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Sarcelles stark. Während seine Bevölkerungszahl in den 1950er Jahren noch bei etwa 8000 lag, stieg diese bis 1962 auf etwa 35.000 und überschritt die 50.000 Ende der 1960er Jahre. Von 1955 bis 1975 wurden 12.368 Wohnungen gebaut.Sarcelles : du village au grand ensemble. L’Atelier de Restitution du Patrimoine et de l’Ethnologie (ARPE), S. 16.
Sarcelles hat seit den 1960er Jahren eine große jüdische sephardische Gemeinde. Nach der Unabhängigkeit von Tunesien und Marokko 1956 wurden viele dort lebende Juden Opfer von Ausschreitungen; nach der Suez-Krise 1956 wurden Juden aus Ägypten ausgewiesen, nach dem Sechstagekrieg 1967 und dem Jom-Kippur-Krieg 1973 erlitten die noch in Nordafrika lebenden Juden dasselbe Schicksal. Nach der Unabhängigkeit von Algerien 1962 mussten so gut wie alle Juden dieses Land verlassen. Viele der jüdischen Flüchtlinge aus Nordafrika ließen sich in Sarcelles nieder. Zeitweise lebten dort bis zu 20.000 Juden.Lena Bopp: Ein Albtraum oder die Zukunft? Sarcelles galt lange ein Symbol für das gute Zusammenleben von Juden und Muslimen. Nun streitet Frankreich darüber, was davon übrig ist und was man künftig in der Stadt zu sehen hat. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2024, S. 11.
Ein Großteil der Einwohner von Sarcelles bzw. deren Eltern stammen aus Schwarz- und Nordafrika sowie von den Französischen Antillen.Uwe Wittstock: In den Gettos von Paris beherrscht die Gewalt den Alltag. In: Die Welt, 4. Juni 2025, abgerufen am 27. September 2025. Zudem gibt es eine bedeutende Gemeinde der Assyrer (auch Aramäer oder Chaldäer genannt).
Als einer der typischen Pariser Vororte (frz. Banlieue) mit Großwohnsiedlungen in Plattenbauweise wurde Sarcelles zu einem Synonym für die Isolation der Bewohner solch anonymer und menschenfeindlicher Umgebungen. Der Begriff SarcelliteSarcellite im dictionnaire.reverso.net: de Sarcelles, désigne les problèmes posés par la vie dans les grands ensembles; abgerufen am 22. Juli 2014 bezeichnet im Französischen genau diese problematische Lebenssituation. Bereits seit den frühen 2000er Jahren gilt Sarcelles als einer der gefährlichsten Vororte von Paris.Rahsaan Maxwell: Ethnic Minority Migrants in Britain and France: Integration Trade-Offs. Cambridge 2012, S. 170ff.
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017Einwohner 35.800 51.476 55.007 53.630 56.833 57.071 58.654 58.587 Quellen: Cassini und INSEE
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant 1.3|Kirche Saint-Pierre-et-Saint-Paul Katholische Kirche Saint-Pierre-Saint-Paul aus dem 12. Jahrhundert Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Sarcelles
Religion Sarcelles hat zwei katholische Kirchen, eine kleine protestantisch-reformierte Kirche, sieben Synagogen und zwei Moscheen. Im Juli 2014 verwüsteten zumeist jüngere muslimische Männer bei antisemitischen Ausschreitungen Teile des „La Petite Jérusalem“ genannten sefardischen Wohnviertels in Sarcelles.Michaela Wiegel: „Kommt mit Schlagstöcken, Feuerlöschern und Granatwerfern!“ Propalästinensische Demonstranten lassen ihrem Hass freien Lauf und verwüsten das jüdische Wohnviertel von Sarcelles. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juli 2014, S. 3. Dabei skandierten sie unter anderem „Tod den Juden!“Stefan Ulrich: Furcht vor Pogromen. In Frankreich schlagen Demonstrationen gegen Israel immer öfter in antisemitische Krawalle um. In: Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2014, S. 8. Nach dem Pogrom verließ ein Großteil der jüdischen Bewohner ihre Heimat Sarcelles.
Städtepartnerschaften Hattersheim am Main, Deutschland, seit 1987 Netanja, Israel
Persönlichkeiten Mélanie Bonis (1858–1937), Komponistin Felix Felixowitsch Jussupow (1887–1967), Rasputins Mörder Anna Langfus (1920–1966), Schriftstellerin Dominique Strauss-Kahn (* 1949), ehemaliger Direktor des Internationalen Währungsfonds, war von 1995 bis 1997 Bürgermeister von Sarcelles Bernard Stiegler (1952–2020), Philosoph und Publizist Frédéric Delpla (* 1964), Fechter Frédéric Monino (* 1965), Jazzmusiker Maoua Sanogo (* 1979), Fußballspielerin Frédéric Thomas (* 1980), Fußballspieler Hugo Mamba-Schlick (* 1982), kamerunischer Leichtathlet Younousse Sankharé (* 1989), Fußballspieler Wissam Ben Yedder (* 1990), Fußballspieler Riyad Mahrez (* 1991), Fußballspieler Larry und Laurent Bourgeois (* 1988), das Tanzduo Les Twins Dimitri Foulquier (* 1993), Fußballspieler Jérôme Roussillon (* 1993), Fußballspieler Kader Bamba (* 1994), Fußballspieler James Léa Siliki (* 1996), Fußballspieler Sarah Léonie Cysique (* 1998), Judoka Delphine Delrue (* 1998), Badmintonspielerin Fabien Delrue (* 2000), Badmintonspieler Lenny Pintor (* 2000), Fußballspieler Paméra Losange (* 2002), Sprinterin Mathys Tel (* 2005), Fußballspieler Lenny Chanteur (* 2006), Sprinter Moïse Kouamé (* 2009), Tennisspieler
Literatur Le Patrimoine des Communes du Val-d'Oise, Band 2 (= Collection le patrimoine des communes de France, Bd. 95). Flohic Éditions, Paris 1999, ISBN 2-84234-056-6, S. 817–827. Sarcelles: du village au grand ensemble. L’Atelier de Restitution du Patrimoine et de l’Ethnologie (ARPE), Cergy o. J. <nach 2008>.
Weblinks
Webpräsenz der Stadt Sarcelles
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Île-de-France Kategorie:Unterpräfektur in Frankreich Kategorie:Ersterwähnung 894
Kategorie:Stadt in Frankreich Kategorie:Weinbauort in Frankreich