HMCS Algonquin (R17) war ein Zerstörer der Royal Canadian Navy, der 1943 mit seiner Indienststellung übernommen und umbenannt wurde. Der Zerstörer der S- bis W-Klasse der Royal Navy war als HMS Valentine (R17) gebaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Algonquin mit den Battle Honours „Norway 1944“, „Normandy 1944“ und „Arctic 1944/45“ ausgezeichnet. Für einen geplanten Einsatz im Pazifik wurde das Schiff nicht rechtzeitig einsatzbereit.

1950 bis 1953 wurde die Algonquin zu einer U-Boot-Abwehr-Fregatte umgebaut. Der Umbau folgte den Plänen der Royal Navy zum Umbau von „War-Emergency“-Zerstörern zu Typ 15-ASW-Fregatten. Danach verbrachte das Schiff die meiste Zeit im Atlantik, bis es 1970 außer Dienst gestellt wurde.

Geschichte der Algonquin Die Royal Canadian Navy (RCN) wollte sich umformen von einer Marine für die Sicherung von Geleitzügen gegen U-Boote in eine ausgewogenere Flotte, die allgemeinere kanadischen Interessen in einer Nachkriegszeit dienen konnte. Eine Gelegenheit ergab sich im Sommer 1943, da die Royal Navy erhebliche Personalsorgen hatte und nicht sicher war, alle Schiffe, die ab Herbst 1943 in Dienst kommen sollten, auch bemannen zu können. Auf der Quebec-Konferenz im August konnte die RCN ihren Wunsch nach größeren Schiffen für eine ausgewogenere Flotte durchsetzen: sie sollte ein oder zwei Kreuzer und zwei Flottenzerstörer bemannen. Die Schiffe sollten als Schiffe der RCN in Dienst gestellt werden. Die Royal Navy bot die vorhandenen britischen Tribal-Zerstörer Eskimo und Tartar an. Die RCN bevorzugte jedoch neue Zerstörer des War-Emergency-Typs, der ihr vielseitiger erschien und eine größere Reichweite besaß. Bedarf an zusätzlichen Zerstörern bestand wegen der Schlacht auf dem Atlantik, den dort eingetretenen Verlusten und der nicht kurzfristig zu erwartenden Fertigstellung der in Kanada im Bau befindlichen Zerstörer der Tribal-Klasse. In Würdigung des großen Einsatzes der Kanadier im Kampf auf dem Atlantik entschloss sich die Royal Navy, zwei im Bau befindliche Zerstörer der V-Gruppe zu verschenken. Man entschied sich, die kurz vor der Auslieferung stehenden Zerstörer Valentine und Vixen abzugeben, die bei John Brown & Company in Clydebank bzw. bei J. Samuel White in Cowes in der Endausrüstung waren. Sie gehörten zur V-Gruppe („8th Emergency Flotilla“), die am 1. September 1941 bestellt worden war. Die offizielle Übernahme der beiden Zerstörer erfolgte bei der endgültigen Ablieferung der Zerstörer im Februar 1944. Am 21. Februar 1944 wurde die für die RN gebaute Vixen als Sioux in Cowes übernommen und in Dienst gestellt.

Schon am 17. Februar 1944 wurde in Clydebank die Valentine als Algonquin übernommen und in Dienst gestellt. Der Zerstörer war für die Royal Navy bei John Brown als Kempenfelt am 8. Oktober 1942 begonnen worden.Macpherson: The Ships of Canada's Naval Forces 1910–2002, S. 63. Schon 1942 umbenannt, lief er dann als Valentine am 2. September 1943 vom Stapel. Ihren Namen bei der RCN erhielt sie zu Ehren der kanadischen Ureinwohner (First Nations), die zur Algonquin-Sprachfamilie gehörten. Der Name sollte zu den zuletzt für Kanada gebauten Tribal-Zerstörern passen und verschleiern, dass es sich um einen abweichenden Typ handelte.

Die Bewaffnung entsprach den meisten britischen Schiffen der Kriegsbauten seit der U-Gruppe mit vier einzelnen 12,0-cm-L/45-Mk.XII-Geschützen, einer Zwillings-4,0-cm-L/58-Bofors-Flak in Hazemayer-Lafette und vier 2,0-cm-Oerlikon-Zwillings-Maschinenkanonen sowie zwei 53,3-cm-Vierlings-Torpedorohrsätzen und zwei Abwurfgestellen und vier Werfern für bis zu 130 Wasserbomben.

Einsätze im Weltkrieg Nach der Indienststellung verlegte die Algonquin nach Scapa Flow, wo sie zusammen mit ihrem Schwesterschiff Sioux eingefahren wurde.Schull: The Far Distant Ships, S. 230. Beide Zerstörer wurden der britischen Home Fleet und der „26th Destroyer Flotilla“ (mit den anderen Zerstörern der V-Gruppe) unterstellt. Am 29. März 1944 verließ die Flottille Scapa Flow und gehörte ab dem 31. zur Deckungsgruppe des Nordmeergeleitzugs JW 58, zu der zwei Schlachtschiffe, zwei Flugzeugträger und vier Geleitträger, vier Kreuzer und insgesamt elf Zerstörer, darunter die beiden neuen kanadischen und drei britische Schwesterschiffe, gehörten. Ab dem 3. April sicherte die Flottille die Kampfgruppe, die das deutsche Schlachtschiff Tirpitz angriff (Operation Tungsten). Die Kampfgruppe unter Vizeadmiral Moore auf dem Schlachtschiff Anson bestand noch aus den Trägern Furious und Victorious, drei Kreuzern und fünf Zerstörern der Deckungsgruppe. Zum Angriff auf das deutsche Schlachtschiff starteten von den Trägern 41 Barracuda-Trägerbomber mit Jagdschutz durch 20 Corsairs und 20 Hellcats. Sie erzielten bei insgesamt vier Verlusten 14 Treffer. Durch den Luftangriff starben auf der Tirpitz 122 Mann, weitere 316 wurden verwundet und das Schlachtschiff war weitere drei Monate nicht einsatzbereit.Rohwer: Seekrieg, 3. – 11. April 1944 Nordmeer, Operation Tungsten. Der Algonquin gelang die Rettung des Piloten einer Hellcat, die in ihrer Nähe notgelandet war. Am 26. April und 6. Mai begleitete die Algonquin britische Trägerkräfte, die deutschen Seeverkehr entlang der norwegischen Küste erfolgreich angriffen.

Dann begann für die beiden kanadischen und die anderen Zerstörer der 26th Destroyer Flotilla das Training für die Operation Neptune, den Marineteil der Landung in der Normandie. Die Flottille verlegte am 28. Mai von Scapa Flow nach Portsmouth.Schull: The Far Distant Ships, S. 232. Algonquin und ihr Schwesterschiff Sioux gaben Feuerunterstützung im Landungsabschnitt Juno Beach, dem kanadischen Abschnitt.Rohwer: Seekrieg, 6. Juni 1944 Kanal, Alliierte Invasion (Decision-Day) in der Normandie.

Landung in der Normandie Am 6. Juni 1944 zerstörte die Algonquin zuerst eine 7,5-cm-Batterie westlich von Saint-Aubin-sur-Mer (Calvados). Danach konzentrierte sie ihr Feuer auf Häuser, in denen deutsche Scharfschützen vermutet wurden.Schull: The Far Distant Ships, S. 275. Am nächsten Morgen wurde das Feuer der Algonquin von Heeresbeobachtern an Land gesteuert. Später konzentrierte sie ihr Feuer auf eine weiter im Inland bei Courseulles-sur-Mer gelegene 8,8-cm-Batterie, deren drei Geschütze sie außer Gefecht setzte.Schull: The Far Distant Ships, S. 283. Den Rest des Tages sicherte der Zerstörer die Landungsflotte und wurde Ziel deutscher Luftangriffe.Schull: The Far Distant Ships, S. 313. Am 10. Juni brachte die Algonquin den Vizeadmiral Percy W. Nelles, den Oberbefehlshaber der RCN, in die Normandie und am 18. Juni General Crerar, den Befehlshaber der kanadischen Landungstruppen, und seinen Stab nach Frankreich. Am folgenden Tag erledigte der Zerstörer einen Artillerieunterstützungs-Auftrag für die Royal Marines bei deren Angriff zwischen Ouistreham und Cabourg. Am 24. Juni beschossen die Schwesterschiffe Algonquin und Sioux eine deutsche Batterie nahe Franceville, kurz bevor sie nach Scapa Flow abgezogen wurden.Schull: The Far Distant Ships, S. 384.

Einsatz im Nordmeer Nach Rückkehr von der Invasionsfront wurde die Algonquin wieder Teil der Zerstörer der Home Fleet.Schull: The Far Distant Ships, S. 371. Vom 9. bis 11. August 1944 gehörten Algonquin und Sioux zur Sicherung einer Trägergruppe, die den deutschen Flugplatz auf Gossen (Norwegen) angriff und den deutschen Schiffsverkehr in der Umgebung schädigte und unterband.Schull: The Far Distant Ships, S. 371f. Ab dem 15. August plante die Home Fleet einen erneuten Angriff auf die Tirpitz im Kaafjord (Operation Goodwood) und die Sicherung der gegenläufigen Nordmeergeleitzüge JW 59 und RA 59. Als am 22. August U 354 in der Angriffsgruppe unter Konteradmiral Rhoderick McGrigor den vorrangig von Kanadiern bemannten Geleitträger Nabob torpedierte, eilten die beiden kanadischen Zerstörer dem Träger zu Hilfe. Die Algonquin übernahm von der Nabob 203 Mann der Besatzung. Der schwer beschädigte Träger konnte eingebracht werden, wurde aber nicht mehr in Stand gesetzt. Der Zerstörer konnte die übernommenen Männer der Nabob an ein anderes Schiff abgeben und zum Einsatz mit der Flotte vor Norwegen zurückkehren.Schull: The Far Distant Ships, S. 375f. Auch im folgenden Monat waren beide kanadischen Zerstörer an der folgenden Geleitzugoperation JW 60 und RA 60 beteiligt.

Am 11. September nahm die Algonquin mit der Sioux an einem weiteren Trägerraid gegen den deutschen Schiffsverkehr teil und sicherte anschließend den Nachschubkonvoi JW 61 die Sowjetunion und den Rückkonvoi RA 61, bei dem zwei Transporter torpediert wurden.Schull: The Far Distant Ships, S. 376.

Die Algonquin sicherte dann am 14./15. Oktober einen britischen Verband, der den deutschen Schiffsverkehr entlang der norwegischen Küste aus der Luft angriff und durch Luftminen nahe Frohavet behinderte.Rohwer: Seekrieg, 24. Oktober 1944 Norwegen, Operation Athletic. Vom 26. bis 28. Oktober gehörte der Zerstörer zur Sicherung des Flugzeugträgers Implacable bei erneuten Angriffen auf Norwegen (Operation Athletic).

In der Nacht auf den 13. November 1944 war Algonquin Teil der Operation Counterblast mit den Kreuzern Kent und Bellona sowie den Zerstörern Myngs, Verulam und Zambesi, die durch „Ultra“-Informationen den deutschen Geleitzug KS 357 zwischen Listerfjord und Egersund angreifen konnten.Schull: The Far Distant Ships, S. 377f. Sie versenkten von vier Frachtern die Greif (998 BRT) und die Cornoualles (3324 BRT) sowie von den sechs Sicherungsbooten die beiden Minensucher M 427 und M 416 (Typ 40) und die U-Boot-Jäger UJ 1221, UJ 1223 und UJ 1713 (Typ KUJTyp KUJ: 830 t / max. 970 t / 58,70 m ü.a./ 53,65 m KWL lang, 8,44 m breit, 3,5 – 4,4 m Tiefgang, 3-Zyl.-3fach-Espansionsmaschine, 750 PSi / 850 PSi Höchstleistung, 11 kn / 12,8 kn bei Meilenfahrt, 1 Schraube, 4700 sm bei 12,5 kn und 193 t Kohle, Bewaffnung: 1 × 8,8-cm L/45, 1 × 3,7 cm, 9 × 2 cm, 6 Wasserbombenwerfer, Besatzung: 1 Offizier, 60 Mann.).Rohwer: Seekrieg, 1.- 28. November 1944 Norwegen, Angriffe auf den Küstenverkehr. Die Algonquin wurde die Beteiligung an der Versenkung der drei U-Boot-Jäger sowie eines Transporters zuerkannt. Bis Ende November war die Algonquin noch an der Sicherung von zwei weiteren Trägerraids gegen Norwegen im Einsatz.

Vom 7. bis zum 14. Dezember 1944 waren die beiden kanadischen Zerstörer mit britischen Flottenverbanden im Einsatz: zuerst mit dem Flottenträger Implacable, den Geleitträgern Premier und Trumpeter, dem Kreuzer Diadem und den Zerstörern Zambesi, Zealous, Vigilant, Savage, Serapis sowie dem norwegischen Schwesterschiff Stord und dann am 14. erneut mit den beiden Geleitträgern, dem schweren Kreuzer Devonshire sowie den Zerstörern Serapis, Savage, Zealous und Zephyr weiter gegen deutsche Einrichtungen und den Schiffsverkehr im Einsatz (Operation Urbane).Rohwer: Seekrieg, 7. – 14. Dezember 1944 Norwegen,Operation Urbane.

mini|Der Geleitträger Puncher

In den ersten drei Wochen des Januar 1945 waren die beiden kanadischen Zerstörer bei der Geleitzugsicherung von JW/RA 63 im Einsatz. Der Rückmarsch wurde durch extrem schlechtes Wetter mit Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h behindert, so dass der Konvoi erheblich verzögert erst am 21. Januar in Loch Ewe eintraf.Schull: The Far Distant Ships, S. 378. Die beiden kanadischen Zerstörer nahmen dann erneut an Trägerangriffen gegen die norwegische Küste teil. Im Februar trafen die beiden kanadischen dann bei den Hebriden den Geleitträger Puncher, der mit einer überwiegend kanadischen Besatzung neu zur Home Fleet trat. Nach einem Getriebeschaden hatte er das Getriebe der schwer beschädigten Nabob und auch Teile von deren weitgehend kanadischen Besatzung erhalten. Die Algonquin verlegte dann ab dem 5. Februar 1945 erstmals nach Kanada.Schull: The Far Distant Ships, S. 399.