Die Kirche der Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe in Parys () ist ein Bauwerk aus dem zu Ende gehenden 14. Jahrhundert und war von der Reformation bis 1945 evangelische Pfarrkirche für das Kirchspiel Paaris in Ostpreußen. Heute ist sie als römisch-katholisches Gotteshaus eine Filialkirche der Pfarrei Korsze () in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Parys liegt nördlich der Stadt Korsze im mittleren Norden der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Durch das Dorf verläuft die Woiwodschaftsstraße 590. Die nächste Bahnstation ist Korsze.

Der Standort der Kirche befindet sich im Dorf südlich der Hauptstraße.

Kirchengebäude mini|links|Die Kirche in Paaris (2022) mini|Der aus Bäumen hervorragende Kirchturm Bei der Kirche in Parys handelt es sich um einen rechteckigen Backsteinbau auf Feldsteinfundament.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 80, Abb. 299 Er wurde in zwei Abschnitten errichtet: um 1370/1380 der Westteil und 1400 der Ostteil. Der 30 Meter hohe Turm mit den Staffelgiebeln und dem spitzbogigen, abgetreppten Eingangsportal wurde erst nachträglich – wohl im 15. Jahrhundert – vorgesetzt.Parys – Paaris bei ostpreussen.net

Der Ostgiebel wurde 1599 durch Formen im Zeitgeschmack ersetzt, wobei der ursprüngliche Fries noch erkennbar ist. Seine jetzige Gestalt erhielt er bei einem Umbau 1706. An der Nordseite der Kirche sind eine Vorhalle und die Sakristei angebaut.

Der mit Holz flachgedeckte Innenraum wurde im 19. Jahrhundert renoviert. Der Altar stammt aus dem Jahre 1703. Der Altaraufsatz ist die letzte urkundlich beglaubigte Arbeit des Isaak Riga aus Königsberg (Preußen). Er ist einfacher als die meisten seiner Werke gestaltet: im Hauptgeschoss ein Kruzifix, darüber Gottvater aus den Wolken ragend, als Bekrönung das Lamm und der segnende Heiland. An den Seiten die Evangelisten und Engel. Bei der Kanzel handelt es sich um einfaches Schnitzwerk.

Im Jahre 1785 baute Adam Gottlob Casparini aus Königsberg eine Orgel ein. Sie wurde 1899 durch ein Werk von Bruno Goebel, ebenfalls aus Königsberg, ersetzt. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei in den Jahren 1605 und 1733 gegossenen Glocken.

Die Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet. In den Folgejahren wurde sie von einem evangelischen in ein katholisches Gotteshaus umfunktioniert. Als Filialkirche der Pfarrei in KorszeParafia Korsze im Erzbistum Ermland ist sie der „Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe“ gewidmet.

Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Die Kirche in Parys ist vorreformatorischen Ursprungs. Mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen wurde sie evangelisch.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Otspreußens Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 473 Von 1543 bis 1618 versah der Pfarrer von Paaris auch noch die Kirche Groß Wolfsdorf (heute ).Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 107 Anfangs zur Inspektion Rastenburg zugehörig war das Kirchspiel Paaris dann bis 1945 in den Kirchenkreis Rastenburg (polnisch Kętrzyn) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel 1273 Gemeindeglieder. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Behörden, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zuständigkeit des Königs ablösten.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung zwischen 1945 und 1950 setzten der evangelischen Kirchengemeinde in Paaris ein Ende. Heute in Parys lebende evangelische Kirchenglieder sind in die Pfarrei in Kętrzyn eingegliedert, die zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehört.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Paaris gehörten außer dem Pfarrort Paaris vor 1945:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Groß Bogslack Bogusławki Paarishof Parysek * Groß Winkeldorf Wiklewo * Seeligenfeld Błogoszewo Klein Winkeldorf Wiklewko Waldriede Olszynka

Pfarrer Bis 1945 amtierten an der Kirche Paaris als evangelische Geistliche die Pfarrer:

Michael Eusebius, bis 1541 Daniel Maaß, 1543–1548 Briccius Lehmann Johann Deseritius, 1550–1556 NN., ab 1556 Theobald Axt, 1558–1561 Jacob Ritter, 1561–1564 Peter Schacht, ab 1564 Jacob Eichler, 1569–1588 Nicolaus Rhodius, 1588–1617 Peter Gottber, ab 1618 Johann Gottberg, bis 1680 Georg Thilo, 1680–1730 Johann Gottfried Rakau, 1715–1739 Michael Andreas Schiemann, 1739–1770 Andreas Albert Czerniczki, 1771–1816 Ernst Wilhelm Bethke, 1817–1818 Christian Grünheyd, 1818–1823 Georg Carl Fleischer, 1823–1830 Georg Ludwig Steinwender, 1830–1846 Carl Ludwig Wessel, 1846–1861 Hermann Künstler, 1861–1867 Johann Rudolf Em. Lingenberg, 1868–1875 Louis Emil Eugen Press, 1875–1880 Gustav Adolf R. Kaehler, 1881–1883 J.F. Emil Mertens, 1884–1896 Ernst Bruno Max Reck, 1896–1900 Gottfried Ferdinand Schenk, 1901–1928 Karl Friedrich Wilhelm Gaser, 1934–1936 Gerhard Spellmeier, 1938–1945

Katholisch Die zahlenmäßig wenigen katholischen Einwohner von Paaris waren 1860 in die Pfarrei Rößel (), 1872 in die Pfarrei Rastenburg und 1904 bis 1945 in die Pfarrei Korschen eingegliedert worden.Paaris bei GenWiki Sie gehörten zum damaligen Bistum Ermland. In den Kriegsfolgejahren kamen zahlreiche polnische Neubürger nach Parys, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Sie reklamierten das bisher evangelische Gotteshaus für sich. Es ist heute Filialkirche der Pfarrei Korsze im Dekanat Reszel im jetzigen Erzbistum Ermland.

Weblinks

Historische Aufnahmen von Kirche und Dorf Paaris

Einzelnachweise

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