mini|300px|Dreieinigkeitskirche am Plan

Sennfeld (schweinfurterisch Sennfldd; Spitzname Batzenfeld, abgeleitet von Bad Sennfeld) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt und grenzt an die kreisfreie Stadt Schweinfurt. Sennfeld war ein ehemals kaiserlich unmittelbares und freies Reichsdorf. 2016 wurden die Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste von der Deutschen UNESCO-Kommission in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Sennfeld ist ein Zentrum Fränkischer Tracht, weithin bekannt durch seine Sonderkulturen, insbesondere für Gemüse und ein Schweinfurter Wohnvorort. Hier hat die Carl Kühne KG ihr zweitgrößtes deutsches Werk. Das Dorf liegt am Sennfelder Seenkranz, mit einem der größten naturbelassenen Thermalseen Deutschlands.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt links des Mains, im Schweinfurter Becken und reicht nicht ganz bis an das heutige Mainufer heran, sondern wird durch einen schmalen, teilweise nur wenige Meter umfassenden Streifen Schweinfurter Gebietes vom Flussufer getrennt. Der historische Ortskern Sennfelds wurde auf einer Sandbank am Sennfelder Seenkranz gegründet und liegt nur knapp 2 Kilometer östlich des Schweinfurter Marktplatzes.

Das Gemeindegebiet grenzt im Nordwesten an den Schweinfurter Stadtpark Wehranlagen. Der Westen der Gemeinde, mit Industrie- und Gewerbegebieten, bildet eine funktionale Einheit mit Schweinfurt, mit äußerlich nicht erkennbaren Grenzen (siehe: Hafen-Ost). Im Südwesten hat Sennfeld Anteil am Schwebheimer Wald. Im Osten erreicht die Gemeinde mit ihren höchsten Punkt. Hier liegt auch der zu Schonungen gehörende, nur über Sennfeld erreichbare Reichelshof, der von Sennfeld beansprucht wird. Der Sennfelder Bahnhof liegt auf Schweinfurter Gebiet.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Schonungen, Gochsheim und Schweinfurt.

Gemeindegliederung Außer dem Pfarrdorf Sennfeld gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt nur die Gemarkung Sennfeld. Sie hat eine Fläche von 6,973 km² und ist in 3574 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1951,16 m² haben.

Ausgebliebene Gebietsreform Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern war zunächst angedacht, Sennfeld nach Schweinfurt einzugemeinden. Dies wurde, ohne Berücksichtigung der Wirtschaftsgeographie, durch heute schwer nachvollziehbares politischen Denken verhindert (siehe: Schweinfurt, Keine Eingemeindungen bei Gebietsreform). Daher besitzt Sennfeld ein kleines Gemeindegebiet, das identisch mit der gleichnamigen Gemarkung ist. Sennfeld gehört heute, neben Schweinfurt, zu den relativ wenigen Gemeinden in die bei der Gebietsreform kein Ort eingemeindet wurde.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|hochkant=1.5|Reichsdörfer im Heiligen Römischen Reich im Jahr 1618

+ Reichsdörfer und reichsritterliche Orteum die Reichsstadt Schweinfurt (im Terr. v. 1620–1802) rahmenlos|zentriert|hochkant=1.5

Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde ist eng verknüpft mit den benachbarten Orten Schweinfurt (ehemalige Reichsstadt) und Gochsheim (ehemaliges freies Reichsdorf). Das Dorf trägt wie sein Nachbar Gochsheim das Attribut „ehemals kaiserlich unmittelbares und freies Reichsdorf“.

Im Jahr 1094 war die erste urkundliche Erwähnung: Kaiser Heinrich IV. bestätigte dem Kloster Theres Schenkungen von Botho von Kärnten und seiner Frau Judith, Markgräfin von Schweinfurt, auch in „Sendelveit“. Im Jahr 1282 wurde das Dorf erstmals urkundlich von einer Reichsvogtei in Schweinfurt erwähnt, zu der die beiden Dörfer Sennfeld und Gochsheim gehörten.

König Albrecht verpfändete dem Hochstift Würzburg 1304/05 die Reichsvogtei Schweinfurt mit den beiden Dörfern Sennfeld und Gochsheim. Im Jahr 1309 wechselte diese Pfandschaft an die Grafen von Henneberg. In einem Henneberger Urbar (Grundbuch) wurde 1317 berichtet, dass in Sennfeld ein „Gericht des Reichs wegen“ besteht. Deshalb konnte Sennfeld ab dieser Zeit als Reichsdorf bezeichnet werden. Die Reichsstadt Schweinfurt befreite sich im Jahr 1386 mit Sennfeld und Gochsheim mit eigenen Mitteln aus der Pfandschaft.

1540 löste sich die Pfarrei von ihrer Mutterkirche in Gochsheim. Die Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim fielen im Jahr 1575 unter die Schutz- und Schirmherrschaft des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter, der aber entgegen seinen vertraglichen Verpflichtungen die Reichs- und Religionsfreiheit der beiden Dörfer nicht anerkennen wollte. Im Jahr 1635 verlor das Dorf die Reichsfreiheit, da Kaiser Ferdinand II. in einem Lehenbrief dem Würzburger Fürstbischof Franz Graf von Hatzfeld die beiden Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim schenkte.

Während des Zweiten Markgrafenkrieges 1553 hielten sich Schweizer Gardisten mit ihren Pferden im Dorf auf, worauf die Schweizerstraße einen Hinweis gibt.

Im Januar 1648 zerstörten schwedische Soldaten in Sennfeld alle Gebäude bis auf drei Häuser, um eine Verschanzung gegnerischer Truppen zu verhindern.

Am 23. Januar 1649 wählten die 29 übriggebliebenen Ortsnachbarn ihren neuen Schultheiß. Am 14. August 1649 wurde die Reichsfreiheit durch eine Restitutionskommission in Schweinfurt wieder erlangt. Der aus dieser Zeit stammende Plantanz wird noch gegenwärtig zur Kirchweih getanzt und gilt als Symbol der wiedererlangten Reichsfreiheit. 1802 verlor Sennfeld sie jedoch erneut und es wurde in das Kurfürstentum Bayern eingegliedert. 1810 kam der Ort zum Großherzogtum Würzburg; 1814 wurde er endgültig dem Königreich Bayern eingegliedert. Im Jahr 1818 entstand die Ruralgemeinde Sennfeld.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1850 wurde ein Kindergarten als einer der ersten in ganz Bayern errichtet. Am 23. November 1903 wurde die Eisenbahnlinie Schweinfurt – Gerolzhofen über Sennfeld eröffnet.

Im Zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde Sennfeld aufgrund der Nähe zur Industriestadt Schweinfurt sehr unter den Bombenangriffen auf Schweinfurt zu leiden. Am 31. März 1944 fielen während eines Fliegerangriffs eine englische Luftmine sowie eine Vielzahl an Spreng-, Brand- und Phosphorbomben auf den alten Dorfkern. Viele historische Baudenkmäler wie die alte evangelisch-lutherische Dreieinigkeitskirche, das Rathaus und die alte Schule wurden zerstört. Zudem wurden bei diesem Angriff 203 Wohnhäuser beschädigt, wovon 37 total zerstört, 42 schwer und 124 leicht beschädigt wurden. Mehrere Dutzend Nutzgebäude wie landwirtschaftlichen Nebenbauten, Scheunen und Gewächshäuser waren ebenfalls betroffen. Zusammen mit Angriffen am 17. August 1943 (im Rahmen der Operation Double Strike) und am 24. Februar 1944 fielen drei Luftminen, 35 Sprengstoff-, 550 Phosphor- und 600 Stabbrandbomben auf die Gemeinde Sennfeld.

Das Dorf, das zu diesem Zeitpunkt ca. 2800 Einwohner zählte, wurde am 12. April 1945 an amerikanische Truppen übergeben.

Bei der Gebietsreform in Bayern war bereits vom Freistaat die Eingemeindung von Sennfeld, Niederwerrn und Dittelbrunn nach Schweinfurt beschlossen. Danach wurde auf Weisung des gebürtigen Niederwerrner Staatssekretärs Erwin Lauerbach der Beschluss komplett rückgängig gemacht.Schweinfurter Tagblatt: Schweinfurt ging bei der Gebietsreform leer aus, 22. Februar 2012

Einwohnerstatistik 2010: 3916 2018: 4564 Einwohner

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3984 auf 4564 um 580 Einwohner bzw. um 14,6 %. Quelle: BayLfStat

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 43,2 % der Einwohner evangelisch, 37,4 % römisch-katholisch und 19,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Sennfeld Religion, Zensus 2011 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Im Januar 2024 hatte Sennfeld ca. 4760 Einwohner davon waren 32 % evangelisch, 31 % katholisch und 37 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Gemeinde Sennfeld Bevölkerung (Stand August 2020) Statistik 2024, abgerufen am 28. Juli 2025

Politik mini|250px|Blick über das nördliche Gemeindegebiet auf Schloss Mainberg und Schonungen Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014SitzeSitzeCSU45SPD44Freie Wähler54Grüne33

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 28. November 2017 Oliver Schulze (Freie Wähler), der sich bei der Bürgermeisterwahl am 26. November 2017 mit 63,7 % der Stimmen gegen zwei Mitbewerber durchsetzte; die Amtszeit läuft außerhalb des Turnus bis 27. November 2023. Sein Vorgänger war Emil Heinemann (CSU/Freie Wähler).

Wappen

Interkommunale Allianz Die Gemeinde Sennfeld gehört zur interkommunalen Allianz Schweinfurter Mainbogen (siehe: Grafenrheinfeld, Interkommunale Allianz).

Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen Sennfelder Kirchweih (Friedensfest)

Die Sennfelder Kirchweih (Friedensfest) ist als immaterielles Kulturerbes eines der traditionsreichsten fränkischen Feste, mit dem charakteristischen Plantanz. Es ist ein historisches Friedens- und Freudensfest zum Gedenken an die Wiedererlangung der Reichsfreiheit 1649, jeweils um den ersten Sonntag im September. Das Fest findet am Plan statt. So wird der zentrale Dorfplatz in mehreren Dörfern, insbesondere im Raum Schweinfurt genannt. Traditionell wird auf der zu Schweinfurt näher liegenden Sennfelder Kirchweih Bier und auf der zeitgleich stattfindenden Gochsheimer Kirchweih Wein ausgeschenkt. Die Nachkirchweih findet eine Woche nach der Kirchweih an selber Stelle statt.

Erntedankfest Das traditionelle Erntedankfest am ersten Sonntag im Oktober hat im Gärtnerdorf, mit seinen Sonderkulturen, besondere Bedeutung. Die Jungbauern richten es am herbstlich geschmückten Plan aus, mit den Spezialitäten Zwieflplootz mit Speck (Zwiebelkuchen), Peterlesplootz (Petersilienkuchen) und Federweißen. Der Festumzug durchs Dorf besteht aus mehreren Motivwagen und Fußgruppen.

Sennfelder Seenkranz

Den westlichen Bereich des Seenkranzes bildet der Sennfelder See. Sein östlicher Teil, der Dorfsee, ist ein heute wieder naturbelassener Thermalsee (siehe auch: Bad Sennfeld). Ein Strandbad liegt hier am Rande des historischen Dorfkerns. Ein weiteres Strandbad am gegenüberliegenden Ufer des Dorfsees ist derzeit nicht in Betrieb. Nördlich des Sennfelder Sees liegt eine große Freizeitanlage mit Tennisplätzen. Fußwege führen von dort zum nahen Schweinfurter Stadtpark Wehranlagen.

Zum Badestrand an der Schonunger Bucht, am Main, führt die einzige Zufahrtsstraße durch Sennfeld.

Bad Sennfeld

mini|hochkant=1.6|Bad Sennfeld im Jahre 1887

Das ehemalige Kurhaus liegt 500 m östlich des alten Dorfkerns, am Rande der Sennfelder Sonderkulturen, an der einstigen Weiherleinsmühle. 1809 wurde der Schweinfurter Stadtphysikus Elias Schmidt auf die in Sennfeld bereits bekannte Heilquelle aufmerksam. 1841 ließ Carl Gottfried Träger aus Schweinfurt die Quelle fassen und richtete ein echtes Bad ein. Im Dorfsee, einem Bereich des Sennfelder Seenkranzes, wurden 14 Thermalquellen eingefasst. Das Kurhaus mit seiner Schwefelquelle und Mooranwendungen eröffnete 1865.Eröffnungsanzeige im Schweinfurter Tagblatt vom 8. Mai 1865.http://www.schweinfurtfuehrer.de/stadtrandgemeinden/sennfeld/ abgerufen am 2. April 2016. Nach Vorbild des nahen Bad Kissingen wurden Kurkonzerte veranstaltet. 1927 wurde das Kurbad erweitert.

In den 1950er Jahren wurde der Kurbetrieb eingestellt. Seitdem fließt das Heilwasser ungenutzt in den Sennfelder See. Das alte Kurhaus, mit kleinem Kurpark und alten Baumbestand wird weiterhin gastronomisch genutzt.http://www.bad-sennfeld.de/ abgerufen am 3. April 2016.

Polizeimuseum Ein privates Polizeimuseum unterhält Sennfelds Altbürgermeister Emil Heinemann.

Bau- und Bodendenkmäler mini|Kathol. Pfarrkirche St. Elisabeth