Jannik Sinner (* 16. August 2001 in Innichen, Südtirol) ist ein italienischer Tennisspieler. Als erster Italiener übernahm er im Juni 2024 die Führung in der Weltrangliste, die er aktuell anführt. Im selben Jahr gewann er als erster Italiener die Australian Open und die US Open, 2025 siegte er erstmals in Wimbledon. Neben 30 Einzeltiteln und einem Doppeltitel sowie bislang insgesamt fünf gewonnenen Grand-Slam-Titeln waren seine größten Erfolge im Team der Gewinn des Davis Cups 2023 und 2024.
Karriere Anfänge als Skifahrer und Wechsel zum Profitennis Sinner wuchs in einer deutschsprachigen Familie in Sexten in Südtirol auf. Er spielte zum ersten Mal mit drei Jahren Tennis, allerdings bis zu seinem neunten Lebensjahr nie intensiv. Stattdessen war er als Skifahrer aktiv und wurde 2008 Italienmeister im Riesenslalom sowie 2012 Vize-Italienmeister. Durch seinen Tennistrainer Heribert Mayr reifte in ihm der Entschluss, sich statt auf eine Skikarriere auf das Profitennis zu konzentrieren.
Mit 14 Jahren ging er in das Trainingscenter Piatti Tennis im ligurischen Bordighera, das von Riccardo Piatti und Massimo Sartori, dem Trainer von Andreas Seppi, geleitet wird. Ab September 2015 startete Sinner bei verschiedenen Juniorenturnieren sowie in der Qualifikation einzelner Turniere der ITF Future Tour. 2017 konnte er in Katar und Spanien zwei Juniorenturniere gewinnen. Erstmals ins Hauptfeld eines Future-Turniers kam er im Januar 2018 beim Turnier von Scharm asch-Schaich, wo er direkt sein erstes Spiel gegen den Top-800-Spieler Aryan Goveas gewann. Im Mai kam er in Casale Monferrato erstmals bis ins Viertelfinale eines ITF-Turniers. Im August erreichte er beim Turnier von St. Christina in Gröden erstmals das Finale, musste sich aber dem Deutschen Top-400-Spieler Peter Heller in zwei Sätzen geschlagen geben. Durch diesen Erfolg stieß Sinner erstmals in die Top 1000 der Weltrangliste vor, außerdem gewann er beim selben Turnier seinen ersten Doppeltitel. Dank einer Wildcard konnte der Südtiroler in Como erstmals im Hauptfeld der ATP Challenger Tour spielen, verlor aber seine Auftaktpartie gegen den Top-200-Spieler Andrej Martin in zwei Sätzen. Sein erstes Spiel auf Challenger-Ebene gewann er im Oktober beim Turnier in St. Ulrich in Gröden, wo er – ebenfalls mit einer Wildcard ausgestattet – den Top-700-Spieler Luca Giacomini in zwei Sätzen bezwang. Im Achtelfinale unterlag er mit 7:6 (8:6), 5:7, 5:7 aber dem Top-200-Spieler Constant Lestienne.
2019: Erste Challenger-Titel und NextGen-Erfolg Seinen ersten Challenger-Titel gewann Sinner im Februar 2019 in Bergamo bei seinem erst dritten Turnier dieser Kategorie. Er stand erneut dank einer Wildcard im Hauptfeld und schlug auf dem Weg ins Finale mit Salvatore Caruso und Gianluigi Quinzi zwei Top-200-Spieler. Im Finale setzte er sich gegen seinen Landsmann Roberto Marcora in 72 Minuten mit 6:3, 6:1 durch. Insgesamt gewann er bei diesem Turnier – als 546. der Weltrangliste – gegen sechs Spieler, von denen keiner schlechter stand als Platz 301. Mit diesem Turniersieg war er der erste Spieler des Jahrgangs 2001 und der bis dahin jüngste Italiener, der einen Challenger-Titel gewann. In der Weltrangliste verbesserte er sich damit um über 200 Plätze und erreichte mit dem 324. Rang eine neue Höchstplatzierung. Im März gewann er auch seine ersten beiden ITF-Turniere in Trient und Santa Margherita di Pula, wo er bei beiden Turnieren jeweils nur einen Satz abgab.
Ende April konnte Sinner in Budapest erstmals an einem Turnier auf der ATP Tour teilnehmen, wo er eine Wildcard für die Qualifikation erhielt. Zwar unterlag er in der zweiten Runde, rückte als Lucky Loser aber dennoch ins Hauptfeld nach und konnte dort gegen Máté Valkusz auch seinen ersten Sieg im Hauptfeld auf diesem Turnierniveau verbuchen. Dadurch stieg er am 29. April erstmals in die Top 300 der Weltrangliste (Platz 298) auf. Beim Challenger-Turnier von Ostrava eine Woche später verlor er erst im Finale gegen Kamil Majchrzak und konnte im Viertelfinale mit Jiří Veselý erstmals einen Top-100-Spieler schlagen. Beim Masters-Turnier in Rom stand er per Wildcard dann direkt im Hauptfeld und konnte in der ersten Runde – trotz deutlich verlorenem ersten Satz – die Partie gegen den Top-100-Spieler Steve Johnson noch für sich entscheiden. In der zweiten Runde verlor er gegen Stefanos Tsitsipas – die damalige Nummer 7 der Welt – dann zwar klar in zwei Sätzen, kletterte in der Weltrangliste aber bis auf Platz 229 weiter nach vorne.
Zwischen Mai und Juli war Sinner bei einigen Turnieren der ATP Tour am Start, konnte sich dort jedoch nur vereinzelt fürs Hauptfeld qualifizieren und schied auch in Wimbledon bereits in der Qualifikation aus. Beim ATP-250-Turnier in Umag Mitte Juli gewann er hingegen nach erfolgreicher Qualifikation auch die erste Runde und konnte sich damit erstmals in den Top 200 der Weltrangliste platzieren (Platz 199). Beim Challenger-Turnier in Lexington zwei Wochen später war Sinner an Position 3 gesetzt und konnte das Turnier im Finale gegen Alex Bolt gewinnen, der ihn in der Qualifikation von Wimbledon noch knapp besiegt hatte. Bei den US Open 2019 qualifizierte er sich im zweiten Anlauf dann erstmals für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. In der ersten Runde musste er sich dort zwar Stan Wawrinka geschlagen geben, konnte aber immerhin einen Satz für sich entscheiden.
Anfang Oktober kam Sinner beim Challenger-Turnier von Mouilleron-le-Captif bis ins Halbfinale und gewann zuvor im Viertelfinale gegen Marius Copil erneut gegen einen Top-100-Spieler. Eine Woche später bezwang er beim ATP-250-Turnier von Antwerpen im Achtelfinale den auf Platz 13 der Weltrangliste stehenden Gaël Monfils deutlich in zwei Sätzen und unterlag – nach einem Sieg gegen Frances Tiafoe im Viertelfinale – erst im Halbfinale erneut gegen Stan Wawrinka. Beim ATP-500-Turnier eine Woche später in Wien kam es nach einem Erstrundensieg gegen Philipp Kohlschreiber wie in der Vorwoche zum Duell mit Monfils, das dieser diesmal knapp im Tiebreak des zweiten Satzes für sich entschied. Nach diesen Turnieren konnte sich Sinner erstmals in den Top 100 der Weltrangliste platzieren (Platz 93).
Im Herbst 2019 erhielt Sinner eine Wildcard für die dritte Auflage der Next Generation ATP Finals in Mailand. Nach erfolgreicher Gruppenphase und einem Halbfinal-Erfolg gegen Miomir Kecmanović gewann er als bislang jüngster Spieler auch das Finale, mit einem deutlichen Erfolg gegen den Vorjahresfinalisten Alex de Minaur. Eine Woche später trat Sinner zum Abschluss der Saison bei seinem Heimat-Turnier in St. Ulrich an, wo er ohne Satzverlust im gesamten Turnier mit einem Sieg gegen Sebastian Ofner im Finale sein drittes Challenger-Turnier gewann. Er beendete das Jahr, das er auf Platz 553 der Weltrangliste begonnen hatte, damit auf Platz 78.
2020: Etablierung auf der ATP Tour und erster Titel Das Jahr 2020 begann für Sinner mit den beiden Erstrunden-Niederlagen gegen Emil Ruusuvuori und Benoît Paire bei den Turnieren von Canberra und Auckland wenig erfolgreich. Dank der Erfolge im Vorjahr war er aber trotz dieser beiden Auftaktniederlagen schon so weit vorne in der Weltrangliste platziert, dass er dadurch erstmals direkt für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers qualifiziert war. Bei den Australian Open feierte er mit einem Drei-Satz-Erfolg gegen den australischen Qualifikanten Max Purcell seinen ersten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier, unterlag in der zweiten Runde aber in drei Sätzen dem Ungarn Márton Fucsovics. Anfang Februar verlor er beim ATP-250-Turnier von Montpellier in der ersten Runde in zwei Sätzen gegen Mikael Ymer, gegen den er sich im Jahr davor bei den NextGen-Finals noch klar durchsetzen konnte. Erfolgreicher war für ihn das darauffolgende ATP-500-Turnier von Rotterdam: Nach einem Walkover in der ersten Runde gewann er im Achtelfinale mit 7:6 (9:7), 7:5 gegen David Goffin und feierte damit seinen ersten Erfolg gegen einen Top-10-Spieler; im Viertelfinale unterlag er Pablo Carreño Busta mit 5:7, 6:3, 6:7 (6:8) nur knapp. Beim ATP-250-Turnier eine Woche später in Marseille schied er im Achtelfinale gegen die Nummer 5 der Welt, Daniil Medwedew, aus. Er gewann zwar den ersten Satz in weniger als 25 Minuten deutlich mit 6:1, verlor aber danach die anderen beiden Sätze ebenso deutlich mit 1:6, 2:6.
Der Wiederbeginn nach der Coronapause in den USA war für Sinner wenig erfolgreich: beim in New York stattfindenden Masters von Cincinnati scheiterte er bereits in der Qualifikation, bei den US Open verletzungsbedingt angeschlagen in Runde 1 (Fünf-Satz-Niederlage gegen Karen Chatschanow). Erfolgreicher verlief für ihn hingegen die verkürzte europäische Sandplatzsaison. Beim Masters in Rom kam er nach einem Zweitrundensieg gegen Stefanos Tsitsipas ins Achtelfinale, wo er in drei Sätzen Grigor Dimitrow unterlag. Bei den French Open besiegte er in der ersten Runde in drei Sätzen David Goffin und im Achtelfinale in vier Sätzen Alexander Zverev. Im Viertelfinale konnte er dem späteren Turniersieger Rafael Nadal in zwei umkämpften Sätzen Paroli bieten, jedoch keinen davon für sich entscheiden und unterlag somit letztlich glatt in drei Sätzen. Durch das erstmalige Erreichen des Viertelfinales bei einem Grand-Slam-Turnier erreichte Sinner mit Platz 46 erstmals die Top 50 der Weltrangliste. Beim zweiten Turnier in Köln drei Wochen danach kam es im Halbfinale erneut zum Duell mit Zverev, das der Deutsche diesmal in zwei Sätzen für sich entscheiden konnte. Beim Turnier in Sofia gewann Sinner zum Abschluss der Saison seinen ersten Titel auf der ATP-Tour. In der ersten Runde konnte er Márton Fucsovics in zwei Sätzen besiegen, gegen den er bei den Australian Open zu Jahresbeginn noch glatt verloren hatte. Im Viertelfinale bezwang er Alex de Minaur in drei, im Halbfinale Adrian Mannarino in zwei Sätzen. Das Finale gewann Sinner in drei Sätzen gegen Vasek Pospisil, er war damit der jüngste ATP-Sieger seit Kei Nishikori 2008.
2021: Vier Turniersiege, erstes Masters-Finale und Top-10-Aufstieg Zu Beginn des Jahres konnte Sinner das ATP-250-Turnier in Melbourne gewinnen, u. a. durch einen Halbfinalsieg in einem mehr als drei Stunden dauernden Match gegen Karen Chatschanow. Bei den Australian Open traf er nur einen Tag nach seinem Finalsieg auf Denis Shapovalov, dem er sich nach 2:1-Satzführung noch in fünf Sätzen geschlagen geben musste. Nach zwei Viertelfinals bei den Turnieren von Marseille und Dubai erreichte Sinner Mitte März in Miami dann erstmals das Finale eines Masters-Turniers. Sowohl gegen Karen Chatschanow (3. Runde) als auch Roberto Bautista Agut (Halbfinale) konnte er zuvor einen verlorenen ersten Satz noch drehen und die Partie für sich entscheiden. Im Finale verlor er dann in zwei Sätzen gegen Hubert Hurkacz. Durch das Turnier verbesserte er sich in der Weltrangliste auf Platz 23 und kam damit erstmals in die Top 30.
Zu Beginn der Sandplatzsaison schied Sinner beim Masters von Monte-Carlo gegen den Weltranglistenersten Novak Đoković zwar schon in der zweiten Runde aus, konnte sich in der Weltrangliste aber dennoch auf Platz 19 verbessern und damit erstmals die Top 20 erreichen. In Barcelona erreichte er nach Zweisatzsiegen gegen Roberto Bautista Agut und Andrei Rubljow das Halbfinale, verlor dieses aber ebenfalls in zwei Sätzen gegen Stefanos Tsitsipas. Nach schwächeren Ergebnissen in den folgenden Turnieren unterlag Sinner bei den French Open wie im Vorjahr Rafael Nadal, dieses Mal im Achtelfinale. Auf Rasen kam er sowohl im Queen’s Club als auch in Wimbledon nicht über die erste Runde hinaus.