mini|hochkant|Evangelische Kapelle um 1915 mini|Mahn- und Denkmal der Opfer des I. Weltkrieges mini|Evangelische Waldkapelle mini|Evangelische Waldkapelle 2022 Die Evangelisch-Lutherische Kapelle in Oberbärenburg (im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, nordwestlich von Altenberg) gehört zur Kirchgemeinde Altenberg-Schellerhau und liegt nahe der Bundesstraße 170.

Geschichte Im Zug der Industrialisierung entwickelte sich Oberbärenburg zum Erholungsgebiet. Es entstanden um 1900 zahlreiche Pensionen und Kurheime für die überwiegend aus der Dresdner Region kommenden Erholungssuchenden. In dieser Zeit wurden im Nachbarort Kipsdorf Waldgottesdienste abgehalten. Davon inspiriert entstand der Wunsch nach einer Kapelle und es wurde ein Kapellenverein gegründet, durch ein Fräulein von Hagen, Herrn Vogel und als Schatzmeister Herrn Weltz. Durch Spenden und Sammlungen konnten 11.000 Mark für den Bau der auf 20.000 Mark veranschlagten Kosten für eine Kapelle gedeckt werden. Das Dresdner Architekturbüro Lossow & Kühne wurde mit der Herstellung des Entwurfs beauftragt.Michael Seifert, Martin Hentschel: Mein Bärenburg, Oberbärenburg – Waldbärenburg. Druck & Media, Pobershau 2010.

Im Frühjahr 1913 fand die feierliche Grundsteinlegung statt; am 4. Oktober 1913 wurde die Kapelle geweiht. König Friedrich August III. und Kronprinz Georg von Sachsen gratulierten aus Dresden. Die Kapelle entwickelte sich zur Hochzeitskapelle, in der über 2000 Brautpaare heirateten.

Kapelle Dank des großen Zuspruchs konnte die Kapelle immer in einem guten Zustand gehalten werden. Auch war es möglich, eine Warmwasserheizung zu installieren. Das kleine Harmonium wurde im Jahr 1938 durch eine Orgel der Orgelbauwerkstatt Hermann Eule in Bautzen ersetzt. Im Jahr 1978 wurde eine neue Orgel durch den Zittauer Orgelbaumeister Andreas Schuster eingebaut. Am Orgelprospekt ist der Spruch zu lesen: „Gott schütze Dich vor Sturm und Brand und auch vor des Stümpers Hand.“

In den 1950er-Jahren wurde das Innere der Kapelle neu gestaltet und durch Rietzschel ein großes hölzernes Kreuz mit der Inschrift VIVIT („Er lebt“) aufgestellt. Mittig im Kapellensaal hängt ein großer hölzerner Leuchter aus der Schnitzerwerkstatt aus Seiffen. Die Farbverglasungen der Fenster wurden von einzelnen Familien gestiftet und enthalten christliche Inschriften und Symbole.Werte der Deutschen Heimat. Akademie-Verlag der DDR, Berlin 1964. In den 1960er-Jahren fanden auch Kirchenkonzerte und Lichtbildervorträge statt.

Die Anzahl der Trauungen sank, und es machte sich ein Verschleiß an der Kapelle bemerkbar. So erfolgte im Jahr 2000 eine Generalsanierung zur Erhaltung der Bausubstanz und der Innenausstattung. Dazu gehörten Mauerwerk-Sanierung, Erneuerung der elektrischen Anlagen, Einbau einer neuen Heizung, Maler- und Tischlerarbeiten, Dachklempner- und Dachdeckerleistungen, Fassadenerneuerung mit wetterfestem Schutzanstrich, Stimmung der Orgel und auch die Instandsetzung der Glockenläuteanlage. Die Wiedereinweihung wurde nach vier Monaten am 4. Juni 2000 begangen. Im kleinen Kapellenturm befindet sich eine kleinere Bronzeglocke mit den Inschriften: Ehre sei Gott in der Höhe! und Lobe den Herr, meine Seele!

Geläut Das Geläut besteht aus einer Bronzeglocke, hergestellt von der Glockengießerei Schilling in Apolda. Der Glockenstuhl besteht aus Holz, ebenso das Glockenjoch ebenfalls, im Jahr 2006 wurden diese erneuert. Die Glocke wurden 1913 gegossen. Im Folgenden eine Datenübersicht:

Nr. Gussdatum Gießer Durchmesser Masse Schlagton 1 1933 Glockengießerei Schilling 610 mm 161 kg es″

Waldfriedhof mini|Waldfriedhof Die politische Gemeinde Bärenburg schenkte der Kirchengemeinde 1926 ein Waldstück nahe der Kapelle, das seither als Waldfriedhof genutzt wird, auf dem Anwohner und auch Gäste zur letzten Ruhe gebettet wurden. Der langjährige Gemeindevorstand Karl Fritsche († 4. September 1926) wurde als Erster hier beerdigt. Auch die dreizehn deutschen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Notlazaretten gestorben sind, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Gleich nebenan befinden sich sechs Grabstellen von KZ-Häftlingen, die dem Todesmarsch zum Opfer fielen.

Literatur

Richard Porzig: Illustrierter Führer der Höhenluftkurorte Kipsdorf, Bärenfels und Bärenburg. 2. Auflage, Holfert, Kipsdorf 1907. Otto Eduard Schmidt: Kursächsische Streifzüge einst und jetzt. Band 5 (1922). Michael Seifert, Martin Hentschel (Hrsg.): Mein Bärenburg, Oberbärenburg – Waldbärenburg. Ein historischer Streifzug durch ein halbes Jahrtausend 1510–2010. Druck & Media, Pobershau 2010. Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde. Hrsg. Evangelisches Landeskirchenamt Sachsens; Geleitwort von Jochen Bohl, Fotografien von Klaus-Peter Meißner. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2011, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 338. Doreen Zerbe: Ev.-Luth. Kirchen Altenberg, Schellerhau und Kapelle Oberbärenburg. Verlag Schnell und Steiner, Kunstführer Nr. 2968, Regensburg 2023, ISBN 978-3-7954-7257-3

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Bauwerk in Altenberg (Erzgebirge) Kategorie:Kulturdenkmal in Altenberg (Erzgebirge) Kategorie:Kapelle in Sachsen Kategorie:Kirche in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Kategorie:Erbaut 1913