Die Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen in Garbno () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Lamgarben in Ostpreußen. Heute ist sie römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Garbno liegt am Flüsschen Guber in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Durch das Dorf verläuft die Woiwodschaftsstraße 592 – ehemalige deutsche Reichsstraße 135 –, die die Städte Bartoszyce (), Korsze (Korschen) und Kętrzyn (Rastenburg) miteinander verbindet und weiter bis nach Giżycko (Lötzen) führt. Die nächste Bahnstation ist Tołkiny (Tolksdorf) an der Bahnstrecke Białystok–Ełk–Korsze.

Kirchengebäude mini|Turmeingangsportal der Kirche Garbno mini|Schrifttafel von 1732 an der Kirchenmauer Eine erste Kirche gab es in Lamgarben schon Mitte des 14. Jahrhunderts. Davon kündet noch der Turm aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In den Jahren 1728 bis 1732 wurde das Kirchenschiff durch einen Neubau ersetztWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 79, Abb. 293, 294: einen verputzten Saalbau mit abgeschrägten Ecken, den innen 1740 der Tischler Christian Böttcher mit einem Gewölbe abdeckte. 1818 bis 1824 wurde das Gotteshaus grundlegend restauriert, nachdem bei einem Orkan am 17. Januar 1818 der Turm auf das Dachgewölbe gefallen war. Die Reparaturarbeiten leitete der Landbaumeister Felisch.

Die Kircheninnenausstattung bestand damals aus einem Altar, einer reich verzierten Kanzel von 1740, Emporenbrüstungen aus dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts mit biblischen Darstellungen sowie einem Kruzifix aus Lindenholz aus der Zeit um 1500.

1830 erhielt die Kirche eine Orgel. Wie man erst nachträglich erfuhr, ist in einer „Inventarisationsliste des Etat-Ministeriums“ aus dem Jahre 1785 für Lamgarben ein Orgelneubau bereits im Jahre 1760 notiert, den der Orgelbaumeister Adam Gottlob Casparini vorgenommen hat, ohne dass sich allerdings Einzelheiten über das Instrument finden lassen.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen, Band II,1: Mosengel, Caspari, Casparini, Berlin, 2008, S. 328 Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken.

Das Langhaus samt seiner Ausstattung wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Kirche danach aber wieder aufgebaut und modern eingerichtet. Innen wurde der Raum mit einer hölzernen Trapezdecke überspannt. Im Übrigen wurden Veränderungen entsprechend der veränderten, weil katholischen, Nutzung der Kirche vorgenommen.

Vor der Kirche steht ein Weihwasserbecken aus Granit, das aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Kirchen-/Pfarrgemeinde Evangelisch Die Gründung einer Kirche in Lamgarben erfolgte bereits in vorreformatorischer Zeit.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 473 Mit der Einführung der Reformation in Ostpreußen wurde die Gemeinde evangelischer Konfession.

Kirchengeschichte Der Pfarrei Lamgarben in der Inspektion Rastenburg wurden am 11. Juni 1528 die Kirchen Kirche Schönfließ () und Tolksdorf (Tołkiny) zugewiesen.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 81 Doch bereits 1603 hatten diese beiden Kirchen einen eigenen Pfarrer und wurden selbständige, aber miteinander verbundene Kirchengemeinden. Im 16./17. Jahrhundert amtierten an der Kirche Lamgarben zeitweilig zwei Geistliche gemeinsam.

Das Kirchspiel Lamgarben zählte im Jahre 1925 insgesamt 1850 Gemeindeglieder, die in 20 Dörfern, Ortschaften bzw. Wohnplätzen lebten. Das Kirchenpatronat oblag dem Rittergutsbesitzer von Lamgarben. Bis 1945 gehörte die Kirchengemeinde zum Kirchenkreis Rastenburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Leben der evangelischen Kirchengemeinde in dem dann Garbno genannten Ort ein Ende. Hier lebende evangelische Einwohner gehören jetzt zur Pfarrei in Kętrzyn in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Lamgarben gehörten bis 1945:Der * kennzeichnet einen Schulort Name Polnischer Name Name Polnischer Name Bannaskeim Banaszki Mickelnick Stary Mikielnik Borschenen Borszyny Neu Mickelnick Nowy Mikielnik Charlottenhof * Ober Plehnen, Adlig ~ Równina Górna * Dublienen Dubliny Plötnick Płutniki Eberstein Dzikowina * Podlacken Podławki Friedrichsthal Podgórzyn Scharfenort Ostry Róg * Godocken Gudziki Schatten Szaty Heinrichshöfen Gromki Sdunkeim Saduny * Lamgarben Garbno Unter Plehnen, Adlig ~ Równina Dolna Lumienen Łominy Warnikeim Warnikajmy

Pfarrer Bis 1945 amtierten an der Kirche Lamgarben als evangelische Pfarrer: Lucas Gobbel, 1550 NN., bis 1552 Crispin Radewald, bis 1567 N. Holst, 1573 Abraham Röder, bis 1591 Martin Prätorius, 1589–1617 Johann Birth, 1630–1656 Andreas Heunisch, 1657–1671 Matthias Musculus, 1663/1670 Jacob Auschwitz, 1671–1728 Fabian Kaminski, 1672–1679 Christoph Bölcke, 1679–1692 Georg Kelch, 1694–1724 Matthias Leonhard Northoff, 1725–1738 Andreas Czernicki, 1738–1784 Friedrich Wilhelm Mex, 1779–1808 Johann Ephraim Reichel, 1803–1820 Johann Gottlieb Rakowski, 1820–1831 Carl Wilhelm Rhode, 1832–1871Angehöriger des Corps Masovia August Wilhelm Wellmer, 1871–1873 Paul Richard Großjohann, 1873–1907 Bruno Gehlhar, 1908–1915 Ernst Eckermann, 1915–1918 Adolf Guddas, 1919–1924 Ernst Segschneider, 1925–1931 Herbert Braun, 1931–1940 Friedrich Karl Tielker, 1941–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarre Lamgarben haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 75 Taufen: 1738 bis 1944 Trauungen: 1738 bis 1944 Begräbnisse: 1738 bis 1944, teilweise sind auch Namenslisten vorhanden.

Römisch-katholisch Die vor 1945 wenigen römisch-katholischen Einwohner in der Region Lamgarben gehörten zur Pfarrei Heiligelinde () und ab 1905 zur Pfarrgemeinde Rastenburg (polnisch Kętrzyn).Lamgarben bei GenWiki Aufgrund des Zuzugs polnischer Neubürger stieg die Zahl der römisch-katholischen Kirchenglieder stark an. Das bisher evangelische Gotteshaus wurde nun an die römisch-katholische Kirche übereignet. Am 29. Mai 1981 errichtete das Bistum Ermland in Garbno eine eigene Pfarrei.Parafia Garbno im Erzbistum Ermland Sie gehört zum Dekanat Kętrzyn I (Südwestregion) im jetzigen Erzbistum Ermland. Der Pfarrei als Filialkirche zugeordnet ist die Kirche der Mutter Gottes vom Tor der Morgenröte in Tołkiny (Tolksdorf), außerdem die Betreuung des Zakład Karny (Gefängnis) in Dubliny (Dublienen).

Weblinks

Historische Aufnahmen von Kirche und Dorf Lamgarben

Einzelnachweise

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