Die Stadt Bayreuth in Oberfranken, in der Zeit des Nationalsozialismus Hauptstadt des Gaus Bayreuth, erlebte im Zweiten Weltkrieg, kurz vor Kriegsende, vier alliierte Luftangriffe. Zwei schwere Angriffe wurden durch die 8. US-Luftflotte am 5. und 8. April 1945, ein leichter Angriff am 10. April (nachts) und ein sehr schwerer am 11. April durch die britische Royal Air Force durchgeführt. Insgesamt 205 Bombenflugzeuge, davon 196 schwere viermotorige Langstreckenbomber, waren bei den Angriffen im Einsatz. Sie warfen 577 Tonnen Bomben (472 t Spreng- und 105 t Brandbomben) auf die Stadt, die über keine effiziente Flugabwehr mehr verfügte. 36,8 % des Wohnraums, zahlreiche öffentliche Gebäude und 32 % der Industrie- und Gewerbeanlagen wurden zerstört, dazu wertvolle Kulturbauten der früheren markgräflichen Residenz. Die Zahl der Todesopfer wurde zunächst mit 741 (darunter 82 Kinder unter 15 Jahren und 76 Ausländer), später mit 875Erinnerungstafel von 1972 im Rathaus Bayreuth bis über 1000 angegeben.Dieter Mronz: Die Stadtentwicklung Bayreuths seit 1945. In: Bayreuth. Aus einer 800jährigen Geschichte. Hrsg. Rudolf Endres. 1995 Am 14. April wurde Bayreuth nach Artilleriebeschuss und Jagdbomberangriffen (mit Teilzerstörung der Eremitage aufgrund der Ablehnung einer kampflosen Übergabe durch den Kampfkommandanten General August Hagl) ohne deutsche Gegenwehr durch US-Truppen besetzt.

mini|Grabdenkmal von 1947 für Bombenopfer auf dem Stadtfriedhof Bayreuth

Luftabwehr, Luftschutz Bayreuth im „Luftgau XIII“ war ursprünglich ein „Luftschutzort III. Ordnung“, wurde jedoch 1941 wegen der Verschärfung des Luftkriegs und der Nähe zu Nürnberg-Fürth zum Luftschutzort II. Ordnung hochgestuft. Im Sommer 1942 erhielt Bayreuth eine leichte „Heimat-Flak“-Batterie mit sechs Geschützen vom Kaliber 2 cm. Sie wurden über das Stadtgebiet verteilt und befanden sich zum Beispiel auf den Dächern des Alten Schlosses und der Neuen Baumwoll-Spinnerei. Im Januar 1944 wurden vier schwere Flakbatterien in und um Bayreuth stationiert, die aus je sechs 8,8-cm-Flakgeschützen bestanden: in den Stadtteilen Meyernberg und Altstadt sowie im Vorort Laineck. Diese Batterien wurden jedoch nach Beginn der alliierten „Öloffensive“ im Sommer 1944 zum Schutz der dortigen Hydrierwerke nach Brüx im Sudetenland verlegt.Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich. 2011 So wurde zur Verteidigung während der schweren Luftangriffe im April 1945 auf Bayreuth „kein einziger (Flak-)Schuss“ abgegeben.Werner Meyer: Götterdämmerung. 1975. S. 194. Auf den Dächern des Alten Schlosses, der Neuen Spinnerei und im Kasernenviertel befanden sich nur noch die vier 2-cm-Geschütze, die wegen Aussichtslosigkeit angesichts der Gewalt der Angriffe nicht in Funktion traten. Jagdflugzeuge waren auf dem Fliegerhorst nicht stationiert.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt wurde 1942 zur Luftschutzpolizei, die personell zunehmend unterbesetzt war. Sie war voll motorisiert und insgesamt mit Fahrzeugen und Gerät gut ausgestattet,Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich. 2011 aber geschwächt durch Abgabe von Männern an die Wehrmacht und den Volkssturm. Diese wurden teilweise durch HJ-Feuerwehr und kriegsgefangene Hilfswillige ersetzt. Außerdem gab es die Werkfeuerwehren (ab 1943 unter Einbeziehung von Zwangsarbeitern), besonders der großen Spinnereien, Feuerlöschtrupps in den Kasernen und die (weibliche) Fliegerhorst-Feuerwehr auf dem Bindlacher Berg. Die Wehrmacht stellte nach den Luftangriffen am 5. und 8. April 1945 Hilfskommandos zum Bergen und Löschen in der Stadt. In der Garnison Bayreuth war gegen Kriegsende nur noch das Grenadier-Ersatzbataillon 42 stationiert.

Als Schutzräume spielten die zahlreichen Felsenkeller der Stadt eine große Rolle. Diese Tiefenkeller wurden ab 1939 als Luftschutzräume ausgerüstet, zum Teil untereinander verbunden und mit vielen Zu- und Ausgängen versehen. Der Stadthistoriker Bernd Mayer schrieb: „Es gewährten die Bierkeller der Vorfahren den wirkungsvollsten Schutz: Tausende von Bayreuthern überlebten in diesem unterirdischen Felsenlabyrinth die schlimmsten Stunden der Stadtgeschichte“.Bernd Mayer: Bayreuth. Die letzten 50 Jahre. 1988. S. 67. Diese „Katakomben“ hielten, mit einer Ausnahme (beim Kaufhaus Loher in Marktnähe), tatsächlich dem Bombenhagel stand. An mehreren Stellen im Stadtgebiet, so auf dem Marktplatz, wurden große Feuerlöschteiche angelegt.

Ein Flugwachkommando (Fluko) und ein Flugwarnkommando (Wako) (Luftschutz-Warnzentrale) lagen in der Alexanderstraße 2. Auf einem Turm der Stadtkirche war ein Beobachtungsposten mit Telefon stationiert. Die dem Oberbürgermeister Friedrich Kempfler unterstellte Luftschutzleitung befand sich im Alten Schloss. Von dort erfolgten die Befehle an die Feuerwehr, die Luftschutzpolizei, die Polizei, den Rettungsdienst und die Melder. Ab 1941 verfügte Bayreuth über elektrische Pressluftsirenen, ab 1942 auf dem Dach des Hauses Alexanderstraße 2 auch über eine leistungsfähige Großsirene.

Insgesamt 256 Fliegeralarme (meist wegen Flugzeug-Überflügen) wurden in Bayreuth von 1940 (erstmals am 6. Juli) bis 1945 (letztmals am 14. April) ausgelöst: 1940: 15, 1941: 15, 1942: 12, 1943: 31, 1944: 98, 1945: 85.Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich. 2011. S. 436.

Die Bayreuther Feuerwehr wurde zwischen 1942 (erstmals am 29. August 1942) und 1945 zwölfmal zu Löscheinsätzen nach alliierten Luftangriffen auf Nürnberg gerufen.

Zum Einsatz während der massiven Luftangriffe auf Bayreuth gelangten viele Landfeuerwehren aus dem Kreis Bayreuth, aber auch die Feuerwehr Kronach, die Fliegerhorst-Feuerwehr und drei motorisierte Luftschutzabteilungen der Luftwaffe, die in Goldkronach, Feilitzsch bei Hof und Gnadenberg bei Altdorf ihre Standorte hatten. Am 5. April 1945 verloren sieben Feuerwehrmänner im Löscheinsatz ihr Leben, weitere sieben wurden schwer verwundet.

Bayreuth war im Zweiten Weltkrieg eine bedeutende Lazarettstadt. Dafür wurde auch das 1942 in Funktion gegangene große Winifred-Wagner-Krankenhaus genutzt, und neben den anderen Krankenhäusern zunehmend Hilfslazarette in Schulen und Hotels – gekennzeichnet mit großen Roten Kreuzen auf den Dächern.

Die einzelnen Angriffe mini|Schwerer US-Bomber B-24 „Liberator“ mini|Schwerer britischer Bomber Halifax Mark 3 mini|US-Jagdbomber „Thunderbolt“ mini|Zerstörungen in Bayreuth im April 1945Bernd Mayer: Bayreuth. Die letzten 50 Jahre. 1988. S. 79

In der Liste der RAF mit Angriffszielen auf deutsche Städte vom 22. September 1941 war Bayreuth noch nicht enthalten. Später wurde es aufgenommen und erhielt den Fisch-Decknamen „Devilfish“ (Seeteufel).

13. Januar 1941: Ein oder zwei britische Flugzeuge überflogen zwischen 3.17 Uhr und 4.56 Uhr im Tiefflug die Stadt. Aus 200–300 m Höhe warfen sie 2 Leuchtbomben, 3 Sprengbomben (Kaliber vermutlich 100 kg) und ca. 33 Brandbomben ab. Personen kamen nicht zu Schaden, obwohl die Löschtrupps infolge fehlender Flakeinheiten wiederholt mit Maschinengewehrfeuer belegt wurden. Am schwersten wurde die Mechanische Baumwoll-Spinnerei getroffen, deren Baumwollvorräte vollständig vernichtet wurden. In der Neuen Baumwollen-Spinnerei wurden die Staubfilteranlage und eine Batterielichtanlage zerstört, in der Spinnerei Bayerlein eine Lagerhalle mit Abfallbaumwolle.

23. Februar 1945: 33 (37) Boeing B-17 „Flying Fortress“ hatten zur Mittagszeit im Rahmen der alliierten Operation Clarion als Ziel die Bahnhofsanlagen in Bayreuth, drehten aber wegen zu starker Bewölkung ab und flogen stattdessen einen Angriff auf den Bahnhof Würzburg und auf Lichtenfels.Bernd Mayer: Bayreuth. April 1945, S. 17. So entging Bayreuth einem Luftangriff mit weiteren 150 Tonnen Bombenlast.

5. April 1945: 112 viermotorige B-17 „Flying Fortress“ und B-24 „Liberator“ der 8th Air Force starteten morgens von ihren Basen in England mit Primärziel Bayreuth. Wohl durch Navigationsfehler erreichten nur 39 von ihnen Bayreuth, die anderen warfen ihre Bombenlast über Plauen im Vogtland ab. Die Navigation erfolgte – bei „gutem Wetter“ – visuell und mit H2X-Radar. Die Bomber flogen mit vollem Begleitschutz durch Langstrecken-Jagdflugzeuge der Typen P-51 „Mustang“ und P-47 „Thunderbolt“. Von 10.47 bis 12.19 UhrWerner Meyer: Götterdämmerung, S. 192. wurden bei hellem Sonnenschein in mehreren Wellen 55,5 Tonnen Spreng- und 30 Tonnen Brandbomben auf das „Primärziel“ Bayreuth abgeworfen. Gegen 11.30 Uhr überraschte die zweite Angriffswelle – auf die gleichen Stadtbezirke – die Bevölkerung, die Bergungsmannschaften und die Feuerwehr. Von der Freiwilligen Feuerwehr wurden sechs Mann, dazu ein 15-jähriger Angehöriger der HJ-Feuerwehr, auf dem Wilhelmsplatz bei Löscharbeiten getötet und sieben schwer verletzt (darunter vier ukrainische Hilfswillige). Auch vier große Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr wurden durch Sprengbomben zerstört. Getroffen wurden der Hauptbahnhof (75 % der Gleise nicht mehr nutzbar), das Bahnhofsviertel, das Viertel um den Wilhelmsplatz (besonders schwer), auch die Stadtteile Altstadt und Kreuz / Herzoghöhe, die Lisztstraße, die Jean-Paul-Straße, das Gaswerk, der Hofgarten, das Haus Wahnfried und das Kasernenviertel, die Region westlich des Röhrensees und die äußere Bismarckstraße. In der Spinnerei Bayerlein wurde das Fremdarbeiterlager zerstört. In der Rosestraße erhielt ein Luftschutzdeckungsgraben der Mechanischen Baumwollspinnerei einen Volltreffer: 100 Personen, überwiegend Fremdarbeiter, wurden verschüttet und 65 getötet. Nach dem Angriff wurden 88 Tote und 67 Verwundete registriert, nach anderer Quelle bis 150 Tote.Apokalypse statt Endsieg in: Nordbayerischer Kurier vom 4. April 2015, S. 4. Die Bayreuther Feuerwehr gibt 269 getötete Einwohner an (darunter die sieben Feuerwehrmänner), davon 62 Ausländer.Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich, S. 511. Die Hospitäler und Lazarette waren überfüllt, an zehn Operationstischen wurde gleichzeitig gearbeitet. 121 Häuser waren zerstört, 118 schwer beschädigt, 1678 Menschen waren obdachlos geworden. Die NS-Kreisleitung sprach von „sehr gefasstem Verhalten der Bevölkerung“. Für den 8. April setzte die NSDAP zwei Totenfeiern an: eine auf dem Stadtfriedhof mit dem Kreisleiter Hans Stricker. Dieser formulierte dabei: „Was haben wir den Amerikanern getan, dass sie unsere Frauen und Kinder hinmorden?“Bernd Mayer: Bayreuth. April 1945, S. 32. Die zweite Trauerfeier auf dem Soldatenfriedhof Sankt Georgen fand mit dem Oberbürgermeister Friedrich Kempfler statt. Diese wurde durch Tiefflieger unterbrochen und dann durch den bereits beginnenden zweiten Bombenangriff der US-Luftwaffe beendet.