Kist ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kist.

Geographie Geographische Lage Kist liegt in der Region Würzburg zwischen dem Irtenberger Wald im Westen und dem Guttenberger Wald im Osten. Der Ort stellt die höchstgelegene Gemeinde im Landkreis Würzburg dar, deren höchster Punkt die Kirchturmspitze der Pfarrkirche St. Bartholomäus ist. Westlich des Ortes Kist beginnt mit dem Naturwald Irtenberger Wald eines der größten Waldschutzgebiete Bayerns.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus zwei Gemeindeteilen: dem Pfarrdorf Kist und der Einöde Irtenberg.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Irtenberger Wald (Gemarkungsteil 1) und Kist. Die Gemarkung Kist hat eine Fläche von 3,668 km². Sie ist in 1668 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2199,03 m² haben.

Nachbargemeinden

Geschichte Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte zu Zeiten Karls des Großen in der ersten Würzburger Markbeschreibung vom 14. Oktober 779 unter dem Namen Chistesbrunno.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 21–23.An jenem 14. Oktober 779 wurde mit einer Reihe von Zeugen ein Grenzgang zur Vermessung der Mark durchgeführt, welche von dem Priester Bernger beurkundet wurde. Hierfür war es notwendig, die passierten Fixpunkte anzugeben. Einer davon war der Chistesbrunnon, von dem sich der Name der Siedlung (Kist) ableitete, die in seiner Nähe lag. Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich in den folgenden Jahrhunderten immer wieder, blieb aber im Wesentlichen gleich: Kistun (ca. 1150),Bei von Reitzenstein heißt es hingegen: "Dem Erstbeleg [v. Reitzenstein bezieht sich hier auf den Beleg Kistun von ca. 1150] liegt wohl eine Pluralform des Personennamens *Kist zugrunde. Der Beiname, der zu althochdeutsch gikist „wohlhabend“ gestellt werden kann, ist Bestimmungswort des im Jahr 779 (Kopie von ca. 1000) belegten Flurnamens Chistesbrunno." Kisten (1260),Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 23. Kitsten (1271), Kist (1324) bzw. ...in villa („in der Ortschaft“) Kisten (1324), villa Kyste (1337), Kyst (1356) bzw. Kist (1356), Kist (1449),Baumeister/Standke: Chronik von Kist. Geschichte eines Dorfes im Wandel 779–2012. 2012, S. 17. Kyste (1483)Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 109., Kist (1594) und KistHistoria et Commentationes Academiae Electoralis Scientiarum et Elegantiorum Litterarum Theodoro-Palatinae, Volumen IV. Historicum, Mannhemii Typis Academicis, MDCCLXXVIII (1778), S. 152 (). bzw. KysteHistoria et Commentationes Academiae Electoralis Scientiarum et Elegantiorum Litterarum Theodoro-Palatinae, Volumen IV. Historicum, Mannhemii Typis Academicis, MDCCLXXVIII (1778), S. 155 (). (beide 1778).

Neuzeit Frühe Neuzeit Im Spätmittelalter bzw. in der Frühen Neuzeit hatte die fränkische Adelsfamilie Zobel von Giebelstadt bis 1502 bzw. 1515 die Dorfherrschaft inne, ehe Kist an das Hochstift Würzburg überging.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 70 und 93. Für dieses war Kist von besonderer Situation, da der Ort geistlich zunächst noch nicht zum Bistum Würzburg, sondern bis 1656 noch zum benachbarten Erzbistum Mainz gehörte (siehe Abschnitt Religion). Zeugnisse der immer wiederkehrenden Grenzstreitigkeiten zwischen dem Hochstift Würzburg und dem Erzstift Mainz sind neben dieser Aufspaltung Kists in weltlicher und kirchlicher Zugehörigkeit, auch einige Bauwerke bzw. Grenzmale: ein Grenzturm mit Schlagbaum,Vgl. https://www.gemeinde-kist.de/index.php?id=46 der im Gemarkungsgebiet Kaltes Loch am Diotweg gestanden haben soll, zwei Hoheitssäulen im Irtenberger Wald (siehe Abschnitt Forsthaus Irtenberg) und nicht zuletzt die drei Kilometer entfernte Ruine der gegen Kurmainz errichteten und im Bauernkrieg 1525 zerstörten Burg Guttenberg im Guttenberger Wald.

Moderne Im Jahr 1803 fiel Kist dann im Rahmen der Säkularisation des Hochstifts Würzburg an das Herzogtum Bayern, das seit der Erlangung der Kurwürde 1623 auch Kurfürstentum Bayern bzw. seit dem Zusammenschluss mit der Kurpfalz 1777 (dann als Doppel-Kurfürstentum) auch Kurpfalz-Bayern genannt wurde. Im Frieden von Pressburg (1805) wurde Kist zwischenzeitlich Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg zugesprochen, mit welchem es dann nach dessen früher Auflösung 1814 wieder an das mittlerweile vom Herzogtum zum Königreich erhobene Bayern zurückfiel. Dort kam Kist bis 1836/1837 einige Bedeutung im Zollwesen zu: Einerseits war Kist Sitz einer von zehn Zoll-Unterinspektionen im damaligen Untermainkreis, hier dem Zoll-Inspektionsbezirk Aschaffenburg mit der dortigen Zoll-Oberinspektion zugeordnet. Andererseits war das damals bereits zu Kist gehörende Irtenberg wiederum Sitz eines gleichnamigen Zollamtes – dem einzigen im Organisationsbereich des Oberzollamtes I. Klasse Würzburg bestehenden. Beide Behörden waren im Forsthaus Irtenberg untergebracht. Seit dem Ende der Monarchie und der damit einhergehenden Auflösung des Königreichs Bayern 1918, gehört Kist zum im selben Jahr ausgerufenen Freistaat Bayern. Da das Königreich Bayern jedoch bereits mit seinem Beitritt zum im Jahr 1867 unter der Bezeichnung Norddeutscher Bund gegründeten Deutschen Reich und Eingliederung in dieses im Jahr 1871 seine volle staatliche Souveränität verloren hatte,→ Bismarcksche Reichsverfassung gehört auch Kist staatsrechtlich seitdem zu dem seit 1949 in der völkerrechtlichen Identität der Bundesrepublik Deutschland bestehenden→ Rechtslage Deutschlands nach 1945 Deutschen Reich.

Einwohnerentwicklung

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 2286 auf 2611 um 325 Einwohner bzw. um 14,2 %. Quelle: BayLfStat

Religion Katholische Kirche Kist ist seit je her überwiegend katholisch geprägt. Ursprünglich gehörte Kist in kirchlicher Hinsicht zur Urpfarrei Tauberbischofsheim,Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 13. ehe Kist zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde. Dies könnte bereits vor 1423 erfolgt sein, da für jenes Jahr die Besetzung mit einem Leutpriester namens Fridericus dokumentiert ist.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 125. In jedem Fall aber bestand diese erste Pfarrei spätestens seit 1487, da in jenem Jahr die Pfarrei Kist als die östlichste im Landkapitel Taubergau des Erzbistums Mainz ausgewiesen war, zu welchem sie bis 1656 gehörte (siehe unten).Ebert: Kurze Geschichte der Pfarrei Kist, in: Ebert: Kirche St. Bartholomäus und Pfarrei Kist. 1982, S. 14. Zu diesem Zeitpunkt unterstanden ihr „Irdenberg, Meysenbach und Rinderfeld minor“. Ob diese erste Kister Pfarrei auch nach dem Dreißigjährigen Krieg fortbestand oder ob sie in dessen Zuge untergegangen war,So Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 0. war jahrhundertelang Gegenstand von Diskussionen. Einerseits wurde Kist oft als „Kaplanei“, „filiali“ oder „Pastorey“ von Kleinrinderfeld bezeichnet,Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 112 f. und es wurden Versuche unternommen, Kist „von Kleinrinderfeld los[zu]reißen und wieder zu einer selbständigen Pfarrei [zu] machen“,Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 117. was für einen vormaligen Untergang spricht. Andererseits aber weigerten sich etwa die Kister Bürger im Jahr 1783, zum Bau eines neuen Pfarrhauses in Kleinrinderfeld beizutragen, mit dem Hinweis, dass sie eigentlich keine Filialisten seien, nachdem ehedessen der Pfarrsitz zu Kist gewesen sei.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 115. Eine eindeutige Aussage zugunsten einer damals tatsächlich noch bestehenden Eigenständigkeit von Kist macht hingegen ein Schreiben der königlichen Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg vom 3. Mai 1870: „Die angebliche Filialeigenschaft der Kirche zu Kist stellt sich als unbegründet dar. Nach der Bestätigung des bisch. Ordinariates vom 15. Juli 1854 war die spätere Vereinigung von Kist mit Kleinrinderfeld eine unio per aequalitatem [= Vereinigung auf Rechtsgleichheit]Übersetzung nach Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 113., durch welche die vorher bestandenen rechtlichen Verhältnisse eine Änderung nicht erlitten, infolge dessen für Kist auch noch immer ein eigenes Pfarrsiegel und eigene Pfarrmatrikel besteht und der Pfarrer von Kleinrinderfeld sich noch bis in die neueste Zeit ‚Pfarrer von Kleinrinderfeld und Kist‘ genannt habe“.Abschrift des Schreibens im Gemeindearchiv Kist B6, in: Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 112 f.; vgl. hierzu auch die Selbstbezeichnung des Bernhard Hausler um 1625 als „Pfarrer Kleinrinderfeld et Kist“, Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 113. Legt man diese Ansicht einer Vereinigung auf Rechtsgleichheit zugrunde, welche im 17. Jahrhundert erfolgt sein soll,Ebert: Kurze Geschichte der Pfarrei Kist, in: Ebert: Kirche St. Bartholomäus und Pfarrei Kist. 1982, S. 15. kann mithin davon gesprochen werden, dass in jener Zeit noch zwei eigenständige Pfarreien bestanden und der Pfarrer von Kleinrinderfeld in Personalunion auch Pfarrer von Kist war,So Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 113. der Pfarrei Kist aber gleichwohl ein Kaplan zugeordnet war.

In der Folgezeit bekam Kist jedoch im Jahre 1890 den Status einer Expositur der Pfarrei Kleinrinderfeld und behielt diesen bis 1952,Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 125 f. sodass die Filialeigenschaft von Kist zumindest für diesen Zeitraum unbestreitbar ist. Der der Mutterpfarrei Kleinrinderfeld unterstehende Kaplan für Kist führte dementsprechend die Bezeichnung Expositus. Die endgültige Wiedererrichtung der Pfarrei Kist erfolgte dann schließlich auf Betreiben von Expositus Konrad Keller im Jahr 1952.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 125; Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 0.

Ähnlich kompliziert war die Einordnung der Pfarrei Kist in diözesaner Hinsicht: Denn obwohl der Ort weltlich bis 1803 zum Hochstift Würzburg gehörte (siehe Abschnitt Geschichte), war die Pfarrei Kist bis 1656 kirchlich dem Erzbistum Mainz zugeordnet, was der ehedemen Zugehörigkeit zur Urpfarrei Tauberbischofsheim geschuldet war.Vgl. Martin: Kirchenführer Pfarrkirche St. Bartholomäus Kist. 2006, S. 13. Erst ab jenem Zeitpunkt war der weltliche Herrscher (Hochstift Würzburg) in Personalunion auch der geistliche Herr (Bistum Würzburg). Allerdings hatte noch bis zur Säkularisation der Dekan von Bischofsheim das Präsentationsrecht auf Kist.

Heute gehört die Kister Pfarrei St. Bartholomäus mit ihrer Reichenberger Filiale Erscheinung des Herrn zur im Jahr 2010 gegründeten Pfarreiengemeinschaft Kreuz Christi im Dekanat Würzburg links des Mains des Bistums Würzburg. Ihre Kirche ist die Pfarrkirche St. Bartholomäus in Kist.

Die Kister katholischen Ortsgeistlichen in chronologischer Reihenfolge:Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 125 f. bzw. Einzelnachweise.

Seit Januar 2023 leben in der Kister Seniorenresidenz die Missionsdominikanerinnen des zuvor aufgelösten Klosters St. Josef in Neustadt am Main.

Evangelisch-lutherische Kirche Aufgrund der starken katholischen Prägung des Ortes waren Kister Bürger evangelisch-lutherischer Konfession stets eine Minderheit. Erstmals im Jahr 1830 sind zwei Einwohner protestantischer Konfession bezeugt, 1871 waren bereits neun der 736 Einwohner Protestanten, 1905 wohnten in der Gemeinde zehn evangelische Christen (einer in Kist, drei in Guttenberg, sechs in Irtenberg),Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 122. im Jahr 1970 belief sich ihr Anteil dann auf 9,9 % der Bevölkerung.Ebert: Chistesbrunno – Kist. 779–1979. 1979, S. 182.