mini|alt=Ruth Bamberg mit schulterlangen, grauen Haaren in schwarzem Shirt, die nachdenklich zur Seite schaut. Im Hintergrund ein Foto eines nackten Mannes, der auf Steinen sitzt.|Ruth Bamberg, 2024, mit einem Foto aus Last Generation Ruth Bamberg (* 30. Dezember 1961 in Duisburg) ist eine deutsche Medienkünstlerin. Ihr Werk umfasst Videoinstallationen, Video-Klang-Environments, fotografische Inszenierungen und partizipative Projekte und verbindet medientechnologische mit sozialen, historischen und politischen Fragestellungen. Seit den 2020er Jahren bildet die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wiedererstarken des Rechtsextremismus in Europa einen Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Leben Bamberg studierte Architektur. Bereits während des Studiums sammelte sie Erfahrung in der Filmproduktion, unter anderem bei den Dreharbeiten zu Sönke Wortmanns Drei-D (1988) im Ruhrgebiet. Im Anschluss war sie Produktionsleiterin bei Christoph Schlingensiefs 100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker (1989). Anfang der 1990er Jahre wandte sie sich der Videokunst zu. Sie besuchte Lehrveranstaltungen bei Richard Kriesche (Medientheorie, Telematische Skulptur, Digitale Bildtechnologien) an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main sowie bei Dara Birnbaum an der Hochschule für Bildende Künste Frankfurt am Main (1990–1993). 1994 gründete sie gemeinsam mit Marion Leyh, Urs Peter Schneider und Philippe Micol die Künstlergruppe Androgyn in Bern und Frankfurt am Main. 1997 folgte die Gründung der Videowerkstatt „accidental“ in der Halle 13 in Duisburg.Barbara Lülf:: Ruth Bamberg. In: Christoph Brockhaus (Hrsg.): Seit Lehmbruck: Duisburger Künstlerportraits (= Duisburger Forschungen. Band 54). Mercator-Verlag, Duisburg 2008, ISBN 978-3-87463-407-6.

Bamberg lebt und arbeitet in Duisburg. Sie war mit Philippe Micol verheiratet, mit dem sie auch künstlerisch zusammenarbeitete. Ihr gemeinsamer Sohn Jonathan Bamberg ist Schauspieler.

Wirken Frühe Werke arbeiten mit Kollaborations- und Feedback-Mechanismen. Ab Ende der 1990er Jahre entstanden in Zusammenarbeit mit Philippe Micol Video-Klang-Installationen,Video mit Musik im Einklang, in: Ahlener Zeitung, 9. November 1999. später Video-Klang-Environments, darunter lichtbotschaft vertikaler himmel (2003) im Rheinischen Landesmuseum Bonn.Frank Günther Zehnder u. a.: Lichtbotschaft vertikaler Himmel. Katalog, Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2003. In den 2010er Jahren erweiterte Bamberg ihre Arbeit um partizipative und sozialräumliche Ansätze. Im Rahmen des Themenjahrs „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ entstand Lob-Preis (2020/21), eine Videoarbeit über das Gemeindeleben der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen während der COVID-19-Pandemie.Das religiöse Jahr als Video, Jüdische Allgemeine, abgerufen am 15. März 2025.

Mit dem 2022/23 entwickelten ELIZA Dialog Dome verlagerte Bamberg ihre partizipativen Ansätze in den virtuellen Raum: ELIZA ist eine webbasierte, barrierefreie Plattform für Dialog- und Beteiligungsformate, entwickelt mit dem Entwicklerteam Tuijo.ELIZA, ruthbamberg.de, abgerufen am 27. April 2026.ELIZA Projekt, tuijo.io, abgerufen am 27. April 2026. Daraus entstand 2023 die Performance Let It Happen mit Jonathan Bamberg.Let It Happen, tuijo.io, abgerufen am 27. April 2026.

Mit den Arbeiten Last Generation (2022–2024), Next Generation (2024/25) und der Werkreihe Oradour-sur-Glane, 2025 fotografierte Bamberg an europäischen Erinnerungsorten, darunter Oradour-sur-Glane (Frankreich), Utøya (Norwegen), Auschwitz-Birkenau (Polen) sowie Gedenkorte in Duisburg. Being Foreign (2025) ist eine mediale Rauminstallation zur Reflexion über Künstliche Intelligenz.

In den Jahren 2025/26 leitete Bamberg für Bahtalo e.V. die Medienwerkstatt zum Projekt RESIST! – Deine Story, Deine Stimme!, in dem Jugendliche die Lektüre von Graphic Novels mit eigener digitaler Medienproduktion verbanden. Das Projekt erhielt 2026 den 2. Platz des Deutschen Lesepreises in der Kategorie „Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien“.Preisträger Deutscher Lesepreis 2026, Stiftung Lesen, 6. Februar 2026, abgerufen am 27. Februar 2026.2. Platz für „Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien“ geht nach Duisburg, xtranews.de, 9. Februar 2026, abgerufen am 27. Februar 2026.

Ausstellungen und Festivalbeteiligungen (Auswahl) 1993: 1. Internationales Videofestival Ostranenie, Bauhaus DessauOstranenie Festival, monoskop.org, abgerufen am 27. Februar 2026. 1993: Kunstanwender: Kunstsponsoring und Künstlerförderung (mit Katalog), HfG Offenbach am Main 2002: Musik ist in 2, Einzelausstellung, kornhausforum, BernWIM Bern: Projekte, wimbern.ch, archiviert am 8. Februar 2007, abgerufen am 27. Februar 2026. 2003: Lichtbotschaft vertikaler Himmel Einzelausstellung, mit Katalog, Rheinisches Landesmuseum BonnThomas Janzen: Konferenz der Medien. In: Frank Günther Zehnder u. a.: Lichtbotschaft vertikaler Himmel. Katalog, Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2003. 2008: Ruhrort-Research, soziale SkulpturRuhrort-Research: Die Künstlerinnen, ruhrortresearch.wordpress.com, abgerufen am 27. Februar 2026. 2010: Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart, Kunstmuseum WolfsburgRudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart, Kunstmuseum Wolfsburg, abgerufen am 27. Februar 2026. 2011: Ich bin das Bild der Welt, Rudolf-Steiner-Jubiläumsausstellung, Kunstmuseum AppenzellKunstmuseum Appenzell: Ausstellungsarchiv, kunstmuseum-kunsthalle.ch, abgerufen am 27. Februar 2026. 2015: HEIMAT:HERZSTÜCK, Videoinstallation, Duisburger Akzente 2019: LuckyGretchen, Duisburger Akzente, cubus kunsthalle, DuisburgLuckyGretchen, duisburglive.de, abgerufen am 27. Februar 2026. 2021: Lob-Preis, im Rahmen von 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland, Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen 2024: Last Generation, Brotfabrik Overbeck, Duisburg – Jörg Hüttermann: Intervenio ergo sum. Vortrag zur Einführung in Ruth Bambergs Kunst-Ausstellung „Last Generation", LoKoNet, 29. Oktober 2024, abgerufen am 27. April 2026. 2026: Oradour-sur-Glane, 2025, Brotfabrik Overbeck, Duisburg; Duisburger Akzente, in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg47. Duisburger Akzente 2026 – Programm, abgerufen am 27. Februar 2026.

Werke (Auswahl)

1999: Musik ist in, Klang-Video-Installation, 6 Monitore, mit Philippe MicolMusik ist in 1 + 2 (Dokumentation 1999–2002), Vimeo, abgerufen am 27. April 2026. 1999: Here We Are, Klang-Video-Rauminstallation, 56 Kurzportraits von Jugendlichen, 20 Monitore, mit Philippe MicolVideographie (Auswahl), ruthbamberg.wordpress.com, abgerufen am 27. Februar 2026.Here We Are (Dokumentationen): Teil 1 und Teil 2, Vimeo, abgerufen am 27. April 2026. 2002: Musik ist in 2, Klang-Video-Installation, 27 Videoclips, 20 Monitore, mit Philippe MicolBamberg & Micol: Zwanzigmal.1 – SoloSchichten, discogs.com, abgerufen am 27. Februar 2026. 2003: Lichtbotschaft vertikaler Himmel, Video-Klang-Environment 2015: HEIMAT:HERZSTÜCK, Videoinstallation, 64 Videoclips, 6 MonitoreMedienkunst, ruthbamberg.de, abgerufen am 27. April 2026. 2018: Klimtprojekt – Leben und Tod, VideoinstallationKlimtprojekt – Leben und Tod, abgerufen am 27. April 2026. 2019: LuckyGretchen, Videoinstallation und Performance 2020/21: Lob-Preis, Videoinstallation 2022–2023: ELIZA Dialog Dome, virtueller Dialograum, in Zusammenarbeit mit Tuijo 2023: Let It Happen, Performance im Rahmen des ELIZA-Projekts, mit Jonathan Bamberg, Uraufführung März 2023

Publikationen (Auswahl) mit Philippe Micol: Vom Umgang mit dem Zufall. Autoren-Verlag Matern, 1999, ISBN 3-929899-79-5 Last Generation. Mit Beiträgen von Jörg Hüttermann und Cyrus Overbeck. FIU Verlag, Wangen 2024, ISBN 978-3-928780-77-3. mit Cyrus Overbeck: Being Foreign. FIU Verlag, Wangen 2024, ISBN 978-3-928780-78-0.

Literatur Frank Günther Zehnder (Hrsg.): Lichtbotschaft vertikaler Himmel. Mit Beiträgen von Thomas Janzen und Philippe Micol. Katalog zur Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Bonn 2003, ISBN 3-7927-1876-6. Barbara Lülf: Ruth Bamberg. In: Christoph Brockhaus (Hrsg.): Seit Lehmbruck: Duisburger Künstlerportraits (= Duisburger Forschungen. Band 54). Mercator-Verlag, Duisburg 2008, ISBN 978-3-87463-407-6.

Weblinks

Offizielle Website von Ruth Bamberg

Jörg Hüttermann: Intervenio ergo sum. Vortrag zur Einführung in Ruth Bambergs Kunst-Ausstellung „Last Generation". LoKoNet, 29. Oktober 2024.

Einzelnachweise

Kategorie:Videokünstler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Frau