mini|hochkant=.8|Wappen der Stadt Dortmund

Die Geschichte der Stadt Dortmund umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Dortmund von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart und reicht über 1100 Jahre zurück. Die Stadt erlebte zwei Blütezeiten mit europäischer Bedeutung: im 14. Jahrhundert als Vorort der westfälischen Hansestädte in der Hochphase der Städtehanse sowie im 19. und 20. Jahrhundert als Zentrum der Industrialisierung im Ruhrgebiet während der Gründerzeit und danach bis zur Stahlkrise als bedeutender Standort der Montanindustrie. Dortmund ist heute die größte Stadt des Ruhrgebiets und Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Urgeschichte, Frühgeschichte und Altertum mini|hochkant=1.3|Kupferstich der Stadt Dortmund um 1647 von Matthäus Merian

Erste Spuren der Besiedlung auf dem heutigen Dortmunder Stadtgebiet reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Die Ausgrabung eines jungsteinzeitlichen Dorfes zwischen den Stadtteilen Oespel und Marten belegt dies. Vom Gelände der ehemaligen Dortmunder Ritter-Brauerei ist der bedeutende Goldschatz von Dortmund bekannt. Weiterhin wurden frühmittelalterliche Friedhöfe in Wickede und Asseln gefunden.

Mittelalter Frühmittelalter Als im Jahr 772 die Sachsenkriege begannen, rückte das heutige Dortmunder Gebiet langsam in den Fokus der politischen Geschehnisse. Auf seinem zweiten Feldzug gegen die Sachsen 775 zog der fränkische König Karl der Große von Düren kommend auf der Straße, die aus der Kölner Bucht durch das Bergische Land und die Westfälische Bucht in Richtung Norddeutschland und Ostseeraum führte, in das sächsische Gebiet. Die fränkischen Reichsannalen berichten von der Eroberung der Sigiburg (der heutigen Hohensyburg), einer wichtigen Fliehburg der Sachsen über dem Zusammenfluss von Ruhr und Lenne.

Karl der Große zog von der Hohensyburg weiter in Richtung Osten; dazu benutzte er vermutlich den Hellweg. Zum Zentrum der fränkischen Herrschaft auf sächsischem Gebiet wurde unter Karl dem Großen Paderborn. Infolgedessen wurde der Hellweg als strategisch wichtige Straße von den Franken zu einer durch Burgen gesicherten Militärstraße ausgebaut. Außerdem wurden im Abstand von Tagesmärschen Ländereien als Reichsgut konfisziert und auf diesen Gütern Reichshöfe zur Versorgung der Truppen angelegt. Im Dortmunder Raum waren dies Brackel am Hellweg, Westhofen an der Ruhr und Elmenhorst an der Lippe. Aufgrund der Lage an der Kreuzung von Hellweg und Nord-Süd-Straße von Köln nach Norddeutschland war Dortmund der bedeutendste Königshof zwischen Duisburg und Paderborn und wohl auch die Verwaltungszentrale für den umliegenden Reichsbesitz, der sich über die oben genannten Reichsgüter hinaus erstreckte.

Die Dortmunder Tradition führt deshalb seit dem Spätmittelalter die Stadtgründung auf Karl den Großen zurück, auch wenn dies letztendlich nicht urkundlich belegt ist. Spuren einer solchen – aufgrund der typisch quadratischen Anlage als von Karl dem Großen gegründet anzusehenden – Burg lassen sich noch bis heute in der Dortmunder Innenstadt nördlich der Reinoldikirche finden. Auch der Name der heutigen Brückstraße (die gemeinsam mit der Wißstraße den heute im Stadtbild noch zu erkennenden Verlauf der Nord-Süd-Straße darstellt) leitet sich wohl nicht von einer Brücke ab, sondern dies war die Straße, die zur Burg (also zum heutigen Dortmund) führte. Die Stelle dürfte aus strategischer Sicht ideal gewesen sein, da sie nah genug an beiden Straßen lag, um diese zu kontrollieren, aber auch den notwendigen Sicherheitsabstand bot. Von dieser Burganlage ist der etwa 500 Meter entfernt gelegene Wirtschaftshof zu trennen. Die fränkischen Burgen boten im Innern lediglich einfache Hütten und wurden nur im Verteidigungsfall besetzt. Die Lage des Wirtschaftshofs ist unbekannt, im Allgemeinen wird aber davon ausgegangen, dass dieser um die 1662 abgerissene St.-Martins-Kapelle (an der heutigen Martinstraße westlich der ehemaligen Thier-Brauerei) lag und damit mit dem späteren Grafenhof identisch ist. Demnach wäre wohl die St.-Martins-Kapelle auch der älteste Sakralbau der Stadt Dortmund gewesen. Spätmittelalterliche Chronisten verwiesen dann auch auf zwei Dörfer, das „alde“ und das „neue Dorp“, die beide bei der Burg „Munda“ gelegen haben sollen und um die es Kämpfe zwischen Sachsen und Römern (oder auch Franken) gegeben haben soll. Auch wenn diese Berichte eher sagenhaften Charakter haben und in erster Linie der volksetymologischen Erklärung des Ortsnamens dienten, verweisen sie doch auf die Trennung zwischen der Siedlung des Wirtschaftshofs und der in ottonischer Zeit neu entstandenen Siedlung um die eigentliche Burg. Offen ist dabei die Frage, ob die Siedlung um den Wirtschaftshof auf einer älteren, vorfränkischen Siedlung beruht.

Die weitere Entwicklung des Königshofes in karolingischer Zeit liegt aus Mangel an schriftlichen Quellen im Dunkeln. Die bisher älteste Erwähnung Dortmunds findet sich im Werdener Urbar. In diesem Einkünfteverzeichnis des Klosters Werden aus den Jahren 880 bis 884 findet sich der knappe lateinische Eintrag: In throtmanni liber homo arnold[us] viii den[arios] nob[is] soluit [solvit]. (Deutsch: „In Throtmanni zahlt uns der freie Mann Arnold 8 Pfennige.“) Die nächste urkundliche Erwähnung erfolgte dann im Jahr 899, als eine vornehme Frau namens Wichburg und ihre vier Söhne wohl bedeutende Besitzungen in Methler und Aplerbeck dem Stift St. Gereon in Köln schenkte. Die Übergabe fand am 14. Mai desselben Jahres in Trutmania statt, was als Indiz für die zentralörtliche Funktion des Dortmunder Königshofes für eine größere Region zu dieser Zeit gewertet wird. Diese beruhte wahrscheinlich nicht nur auf der gehobenen Rechtsposition als Königshof, sondern auch auf Dortmunds Rolle als wichtiger Handelspunkt zwischen dem fränkischen und dem sächsischen Reichsteil. mini|hochkant|Heinrich I. wird die Krone dargebracht, nach einem Gemälde von Hugo Vogel, 19. Jh. Als Herrscher erneuerte Heinrich die Dortmunder Königspfalz. Als in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts das Karolingerreich allmählich niederging, verfiel auch langsam das von Karl dem Großen aufgebaute Befestigungssystem. Mit König Ludwig dem Kind starb der letzte ostfränkische Herrscher aus dem Geschlecht der Karolinger, und mit der Wahl Heinrichs I. zum König wechselte 919 die Königswürde von den Franken zu den Sachsen. Die daraus resultierende Verlagerung des Reichszentrums sollte für Dortmund und die gesamte Hellwegregion von großer Bedeutung sein. Heinrich I. erneuerte auch das Burgensystem. Die Trennung von Burg und Wirtschaftshof zeigte sich den Einfällen der Magyaren und denen der Normannen nicht gewachsen. Daher wurden innerhalb der Burganlagen feste Wohnhäuser erbaut. Versammlungen und Zusammenkünfte fanden ab dieser Zeit ebenfalls dort und nicht mehr auf dem Wirtschaftshof statt. Außerdem mussten die Burgmannen ihren Wohnsitz in die Burg verlegen. Dies geschah auch in Dortmund. Ungeklärt ist dabei die Frage, ob der Wirtschaftshof ganz aufgegeben wurde oder ob ein Teil der Bevölkerung zurückblieb. Auf jeden Fall folgte wohl ein Großteil der Händler und Handwerker den Burgmannen.

Da der Hellweg zur bevorzugten Reiseroute der Könige zwischen dem westfränkischen Reichsteil und dem sächsischen Stammland wurde, bestand auch die Notwendigkeit, entlang der Strecke Pfalzen anzulegen. Auch wenn die Bezeichnung Pfalz („palatium“) für Dortmund nicht direkt überliefert ist (lediglich die später synonym gebrauchte Bezeichnung curtis regia), so kann man doch davon ausgehen, dass die Stadt im 10. Jahrhundert zur wichtigsten Pfalz Westfalens und der Hellwegregion aufstieg. Ein wichtiges Indiz dafür sind die zahlreichen Aufenthalte der Könige und Kaiser in Dortmund. Beim ersten urkundlich belegten Aufenthalt von Heinrich I. am 13. April 928,Urkunde Nr. 18 in: . also zu Ostern, diente Dortmund gleich als Festtagspfalz. Dieses höchste Fest des Kirchenjahres pflegten die Könige nur an besonderen Orten mit entsprechenden Pfalzgebäuden und vor allem einer den Ansprüchen des Hochfestes angemessen Kirche zu feiern. Allerdings geht aus den Quellen auch hervor, dass Dortmund zu diesem Zeitpunkt eher noch eine aufstrebende Pfalz und noch nicht allgemein bekannt war.

Dies änderte sich aber schon bald unter dem Sohn und Nachfolger von Heinrich I., Otto I. Er kam zunächst 939 nach Dortmund, um den Aufstand seines Bruders Heinrich und seines 938 ermordeten Halbbruders Thankmar niederzuschlagen. Die Dortmunder Burgmannen unter ihrem Anführer Agina hatten sich zunächst Heinrich angeschlossen (oder waren von ihm eingesetzt worden), öffneten aber dem anrückenden König und seinem Heer sofort die Tore, und Otto I. begnadigte Agina daraufhin. Von Interesse für die Stadtgeschichte ist dieses Ereignis, weil in der Sachsengeschichte Widukinds von Corvey in diesem Zusammenhang erstmals von einer urbs Trotmanni die Rede ist. Der lateinische Begriff „urbs“ bezeichnet eine befestigte stadtähnliche Siedlung. Welchen Aufschwung Dortmund in den folgenden Jahren machte, zeigt sich noch einmal deutlich am dritten Aufenthalt Ottos I. in Dortmund am 3. April 953. Wiederum befand er sich im Kampf, diesmal mit seinem Sohn Liudolf und seinem Schwiegersohn Konrad. Ursprünglich hatte Otto I. geplant, die Osterfeiertage in Ingelheim am Rhein zu verbringen, aber da das umliegende Gebiet von seinen Feinden besetzt war, zog Otto I. nach Mainz. Doch auch der Mainzer Erzbischof Friedrich schloss sich den Aufständischen an. So fuhr Otto I. per Schiff über Köln in Richtung Aachen, erfuhr in Köln jedoch, dass die Stadt nicht für eine königliche Osterpfalz gerüstet war. Daraufhin beschloss Otto I., das Osterfest in der nächstgelegenen Pfalz auf sächsischem Gebiet zu feiern und zog nach Dortmund. Eventuell bewog ihn auch die unsichere Lage von Aachen innerhalb Lothringens zu diesem Schritt.

Dass Dortmund mit solch bedeutenden Kaiserpfalzen wie Aachen mithalten konnte, verdeutlicht den vorangeschrittenen Ausbaustand der Pfalzstadt zu dieser Zeit. Von Ottos I. fünftem und letztem Dortmunder Aufenthalt am 13. Juni 960 ist die oben angesprochene Bezeichnung als curtis regia überliefert. Auf die Zeit zwischen 950 und 1000 wird dann auch der Bau des ältesten Teiles der Reinoldikirche als Pfalzkirche datiert. Die Kirche war nicht von Anfang an dem Heiligen Reinoldus geweiht; vermutlich war sie vorher eine Marienkirche. Das Datum der Reliquientranslation des späteren Stadtpatrons ist unbekannt; Vermutungen zielen auf die Amtszeit Annos II. (1056–1075) oder die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Etwa zur gleichen Zeit wie die Reinoldikirche dürfte auch das 1906 abgerissene Richthaus als Pfalzbau entstanden sein. Dieses Gebäude stand an der Nordseite des Ostenhellwegs und bildete den westlichen Abschluss der so genannten Reinoldiinsel. In diesem Gebäude übte der Graf (oder ein von ihm ernannter Richter) in Verbindung mit einem Schöffen­kollegium das Hochgericht aus.

Die kaiserliche Pfalz dürfte zahlreiche Händler und Handwerker, die zum einen für den Unterhalt der Pfalz notwendig waren und zum anderen von der günstigen Lage und vom erhöhten Verkehrsaufkommen des königlichen Verwaltungsmittelpunktes profitierten, angezogen haben, was wiederum zur allmählichen Stadtwerdung Dortmunds beitrug. Das Gebiet dehnte sich wohl schon seit Ende des 9. Jahrhunderts auch auf den Bereich südlich des Hellwegs aus. Hier entstand auch ein neuer Marktplatz, der vermutlich im Gegensatz zum weiterhin bestehenden alten Markt auf der nördlichen Hellwegseite dem Fernhandel diente. mini|hochkant|Gregormeister: Kaiser Otto II., Einzelblatt aus einem Registrum Gregorii, Trier nach 983, Chantilly, Musée Condé, Ms. 14 bis