Das Kloster Maria Himmelskron war ein Dominikanerinnenkloster in Hochheim (heute: Worms), das in der Reformation unterging. Dessen Kirche ist heute unter gleicher Bezeichnung die römisch-katholische Kirche dieses Stadtteils.
mini|300px|Stifterpaar und Jesus, mittelalterliche Wandmalerei in der Kirche
Geschichte mini|Die ehemalige Klosterkirche, heute römisch-katholische Ortskirche, ist der letzte baulich erhaltene Rest des Klosters. Der Kirchturm stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts
Gründung Das Kloster wurde 1278 von Ritter DirolfDer „Familienname“ von Dirolf ist nicht überliefert. Alle entsprechenden Angaben, etwa „von Hochheim“ (vgl. Schalk, S. 219 f.), sind nachträgliche Ergänzungen und Vermutungen – Böcher: Anfang und Ende, S. 159 (15). († 10. Juli 1318) und seiner zweiten Ehefrau, Agnes († 27. April 1329), gestiftet.Regest der GründungsurkundeOtto Böcher: Die Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron zu Worms-Hochheim (= Rheinische Kunststätten 207). Neuss 1978, ISBN 3-88094-230-7 Die Gedenktafel an die Stiftung ist erhalten,Otto Böcher: Anfang und Ende des Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron in Hochheim bei Worms. In: Blätter für Pfälzische Kirchengeschichte und Religiöse Volkskunde 45 (1978) = Ebernburg-Hefte 12 (1978), S. 158 (14)–169 (25). die Inschrift auf dem Grabstein der Agnes ist überliefert. Da die einzige Tochter des Stifterpaars in das Kloster eintrat, floss dessen gesamtes Vermögen in das Kloster. Eine Inschrift nennt die Summe von 12.000 Pfund.Otto Böcher: Maria Himmelskron in Worms-Hochheim (= Rheinische Kunststätten, Heft 487). Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2005. ISBN 3-88094-926-3Das entspräche etwa 5600 kg Silber. Daraus wurde auch die Pfründe für einen Priester bereitgestellt, damit regelmäßig Messen gelesen werden konnten.
Die Genehmigung für die Klostergründung durch Bischof Friedrich I. von Worms datiert auf den 25. Januar 1278. Die Stifter stellten dafür das Gelände ihrer Wasserburg in Hochheim zur Verfügung. Adelheid (Aleidis) († 17. April 1319), die Schwester von Dirolf, wurde erste Priorin des Klosters. 1279 begannen die Bauarbeiten, die 1282 abgeschlossen waren, aber noch fehlte die Kirche. Deshalb durfte das Kloster ab 1282 gegen eine jährliche Abgabe von 50 MalternDas entspricht etwa 5,5 Kubikmetern. Korn an das Domstift Worms zunächst die St. Amanduskirche in der Wormser Vorstadt nutzen. Der Bau einer eigenen Kirche begann mit der Grundsteinlegung am 8. Juni 1287. Am 2. April 1293 war das Gebäude zumindest so weit fertig, dass der Hochaltar geweiht werden konnte.Spille, S. 220.
Betrieb Die Dominikanerinnen wurden durch den Bischof von Worms unter die Aufsicht der Dominikaner in Worms gestellt und am 8. Dezember 1287 wurde die Aufnahme des Klosters in den Dominikaner-Orden von dem päpstlichen Legaten Giovanni Boccamazza förmlich vollzogen. Nachfolgerin der ersten Priorin war deren Nichte Agnes, Tochter des Gründerpaares Dirolf und Agnes.
Zeitweise war der Andrang auf das Kloster so groß, dass der Dominikanerprovinzial die Zahl der Nonnen 1307 auf 52 begrenzen musste. Aufgenommen wurden vor allem Damen aus dem Adel und dem städtischen Patriziat.Spille: Denkmaltopographie, S. 222. In den folgenden Jahren erhielt das Kloster weitere Schenkungen, darunter ein Gut in Offstein, das ihm 1332 das Kloster Marienthal im Rheingau überließ.Kloster Maria Himmelskron in Hochheim auf regionalgeschichte.net.
Im Städtekrieg 1387–1389 wurden Gebäude des Klosters 1388 beschädigt. Der Wiederaufbau erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte. Vielleicht auch deshalb befreite König Ruprecht 1404 das Kloster von Abgaben an Reich und König.
Aus dem Basler Steinenkloster erfolgte 1429/30 auf Druck durch Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz eine Reform des Klosters Maria Himmelskron. Vier Nonnen verließen das Kloster und die bisherige Subpriorin in Steinen, Margarete Zorn, wurde neue Priorin.
1455 integrierte Bischof Reinhard I. von Worms die Bewohnerinnen eines Beginenhauses, das aus der ursprünglichen Stiftung entstanden war und in der Stadt Worms lag in das Kloster. 1493 lebten hier 37 Nonnen, 1518 waren es mindestens 21.
1525 wurde das Kloster während des Bauernkriegs geplündert. In unmittelbarer Nähe fand am 23./24. Juni 1525 die Schlacht bei Pfeddersheim statt.
Priorinnen mini|Grabstein aus der Klosterkirche
Welche Frauen und in welcher Reihenfolge das Amt der Priorin ausübten, ist nicht unumstritten.Nachfolgende Aufstellung legt die ausführliche Analyse von Böcher: Anfang und Ende, S. 161 (17) ff., zugrunde. Genannt werden: Adelheid (1282–17. April 1319), Schwester des Stifters des Klosters, Dirolf. Agnes (1319–1. Dezember 1321), Tochter des Stifterpaares. Agnes war als Nonne in das Kloster eingetreten und wurde nach ihrer Tante dessen zweite Priorin wurde. Jutta (ab 1321 oder 1322). [vielleicht lückenhaft] Margareta (ohne Jahresangabe) [Lücke] Klara (um 1388) Metza de Wynheim (um 1388)Schannat, S. 168. Elisabeth von Boppard (genannt 1391)Schannat, S. 168. Anna von Rodenstein (genannt 1395)Schannat, S. 168. Erlandis I. von Friesenheim (1408–?)Joachim Schalk: Die Grabsteine des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron zu Worms-Hochheim. In: Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte 32 (1980) N.N. ? von Rodenstein († 1414)Schannat, S. 169. Elisabeth von FriesenheimSchannat, S. 169. Agnes von Mainz (genannt 1417)Schannat, S. 169. Erlandis II. von Friesenheim (?–† 1427) Guda, Kämmerin von Worms, dankte abSchannat, S. 169. Katharina von Mainz, 1429Schannat, S. 169. Margarete Zorn (1429/30–?) Katharina von HirschhornSchannat, S. 169. Hildegard von HirschhornSchannat, S. 169. Elisabeth von FlersheimSchannat, S. 169. Margaretha von Gemmingen († 1473)Schannat, S. 169. Anna von Rodenstein († 1476)Schannat, S. 169. Margaretha Linert († 1482)Schannat, S. 169. Johanna von Sickingen († 1493)Schannat, S. 169. Anna Schott (übte das Amt nur wenige Monate aus)Schannat, S. 169. Barbara a Bach († 1497)Schannat, S. 169. Guda von Dalberg 1494Schannat, S. 169, gibt für ihren Amtsantritt das Jahr 1497 an.–1506; ihr Bruder, Johann XX. von Dalberg, war von 1482 bis 1503 Bischof von Worms.Schannat, S. 169. Barbara a Bach (um 1518)Schannat, S. 169. [weitere]
Schaffner Eine Reihe von Schaffnern des Klosters ist namentlich bekannt, allerdings ohne, dass exakte Amtszeiten überliefert sind: „frater“ (also Mönch) Konrad, 1283–1292 Konrad, 1315–1346 Dytzo, 1352 Peter, ca. 1352 – † 1392 Merkelinus, 1371 Dylo, 1385 Hans von Flamborn, 1447 Leonhard Siegel von Freinsheim, 1533 – 1545; unmittelbar auf ihn folgt: Johannes Wolff von Umstadt, † 1548 Philipp Engelmann, 1555 – † 1600; zunächst klösterlicher, später kurpfälzischer Schaffner, später Oberschaffner. Er überführte das Klostervermögen in die kurpfälzische Verwaltung.
Ende Hochheim gehörte im 16. Jahrhundert zur Kurpfalz. Mit Kurfürst Friedrich III. (1515–1576) gelangte hier 1559 ein entschiedener Vertreter der Reformation an die Regierung. Im Dezember 1561 und im Mai 1562 versuchte er – zunächst vergeblich – das Kloster aufzuheben. Das gelang erst, als der Burggraf von Alzey, Graf Valentin von Erbach, am 11. März 1563 nach Hochheim kam. Als den kurfürstlichen Räten der Eintritt in das Kloster verwehrt wurde, verpflichteten sie zuerst den Verwalter der Klostergüter, Philipp Engelmann, und dann die übrigen Bediensteten auf den Kurfürsten und ließen sich die Schlüssel aushändigen. Am 16. März 1563 ließen sie die Klosterpforten gewaltsam aufbrechen und besetzten das Kloster. Die Angaben dazu, wie viele Frauen damals im Kloster lebten, sind unterschiedlich. Nach einer Angabe waren es 22 Nonnen, 14 Laienschwestern und 7 Novizinnen nach anderer Angabe 37 Nonnen und 17 Novizinnen. Sie durften zunächst dort wohnen bleiben, aber keine neuen Schwestern aufnehmen. Erst 1570 wurde das Kloster durch Friedrich III. formal aufgehoben und die Einkünfte aus den Klostergütern 1580 der Geistlichen Güteradministration der Kurpfalz in Heidelberg unterstellt.
Nachnutzung Die Klostergebäude dienten in der Folgezeit als Wohnung des Amtsschaffners und dem Wirtschaftsbetrieb der Geistlichen Güteradministration. Später wurden auch sie verkauft und befanden sich Anfang des 19. Jahrhunderts in Privateigentum. Im ehemaligen Klostergarten wurde Wein angebaut, auch befand sich dort ein Ausschank. Die Klosterkirche nutzte bis 1609 die reformierte Gemeinde als Winterkirche.
Wissenswert Nach Auflösung des Klosters gelangten dessen Archivalien nach Heidelberg, wo sie im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs zerstört wurden.
Nach der Priorin Jutta ist die Juttastraße in Worms benannt.Jörg Koch: 111 Wormser Straßen von A bis Z. Worms Verlag, Worms, 2020. ISBN 978-3-947884-24-7, S. 74.
Wohl in den 1970er Jahren wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche das Fragment einer reitenden Jupiterskulptur von einer Jupitergigantensäule gefunden und in einen Nebenraum der Kirche gestellt.
Literatur Otto Böcher: Anfang und Ende des Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron in Hochheim bei Worms. In: Blätter für Pfälzische Kirchengeschichte und Religiöse Volkskunde 45 (1978) = Ebernburg-Hefte 12 (1978), S. 158 (14)–169 (25). Otto Böcher: Die Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron zu Worms-Hochheim (= Rheinische Kunststätten 207). Neuss 1978, ISBN 3-88094-230-7 Otto Böcher: Maria Himmelskron in Worms-Hochheim (= Rheinische Kunststätten, Heft 487). Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2005. ISBN 3-88094-926-3 Ursula Haas und Rainer Jung: 700 Jahre Klosterkirche Maria Himmelskron Hochheim. Worms . Ohne ISBN Joachim Schalk: Die Grabsteine des ehemaligen Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron zu Worms-Hochheim. In: Archiv für Mittelrheinische Kirchengeschichte 32 (1980), S. 203–240. Johann Friedrich Schannat: Historia episcopatus Wormatiensis […]. Band 1. Franz Varrentrapp, Frankfurt am Main 1734. Irene Spille: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 10 = Stadt Worms. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1992. ISBN 978-3-88462-084-7
Weblinks
Kloster Maria Himmelskron in Hochheim auf regionalgeschichte.net.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Maria Himmelskron (Kloster) Kategorie:Ehemaliges Dominikanerinnenkloster in Rheinland-Pfalz Kategorie:Marienkloster Kategorie:Klostergründung 1278 Kategorie:Aufgelöst 1570 Kategorie:Worms-Hochheim