mini|Philipp Rösler (2012) rahmenlos|hochkant|klasse=skin-invert-image

Philipp Rösler (* 24. Februar 1973Dies ist das amtlich festgelegte Datum; das tatsächliche Datum ist unbekannt, siehe Philipp Rösler kennt seinen Geburtstag nicht, neon.de, 10. Mai 2013. in Khánh Hưng, Südvietnam) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (FDP) und derzeitiger Wirtschaftsmanager.

Von 2009 bis 2011 war er Bundesgesundheitsminister und anschließend bis 2013 Bundeswirtschaftsminister, Vizekanzler und FDP-Bundesvorsitzender. In den Jahren 2014 bis 2017 war Rösler Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Stiftung World Economic Forum (WEF) in der Schweiz. Von 2017 bis Anfang 2019 leitete er die Hainan Cihang Charity Foundation in New York, die gemeinnützige Stiftung und größte Einzelaktionärin des überschuldeten chinesischen Mischkonzerns HNA.

Seit 2019 ist Rösler Mandatsträger in mehreren Aufsichtsräten von Unternehmen und Organisationen. Außerdem ist er seit 2021 Honorarkonsul für Vietnam in der Schweiz.

Leben Herkunft, Ausbildung und Beruf Rösler wurde während des Vietnamkrieges um den 24. Februar 1973 – sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt und wurde erst später amtlich festgelegt – in dem vietnamesischen Dorf Khánh Hưng (heute ein Teil von Sóc Trăng) geboren. Nach seiner Geburt wurde er namenlos an ein katholisches Waisenhaus im damaligen Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) abgegeben. Dort adoptierte ihn im Alter von neun Monaten das niedersächsische Ehepaar Rösler. In der Folge wuchs er ab November 1973 in Deutschland auf. Die Familie Rösler mit zwei leiblichen Töchtern nahm ihn als drittes Kind bei sich auf und nannte ihn Philipp. Als Philipp Rösler vier Jahre alt war, trennten sich seine Eltern und er blieb bei seinem Vater Uwe Rösler (1941–2016Todesanzeige in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 17. Februar 2016, S. 15.), einem Berufssoldaten, Hubschrauberpiloten und Fluglehrer der Bundeswehr. Die Mutter, eine Krankenschwester, lebte nach der Scheidung in Chile. Rösler wuchs in Hamburg, Bückeburg und Hannover auf.

Rösler legte 1992 an der Lutherschule Hannover das Abitur ab. 1992 trat er als Soldat auf Zeit (SaZ 16) und Sanitätsoffizier-Anwärter (SanOA) der Marine in die Bundeswehr ein. Nach der Grundausbildung an der Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik und der anschließenden Auslandsausbildungsreise mit dem Segelschulschiff Gorch Fock wurde er für ein ziviles Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) von 1993 bis 1999 vom Dienst freigestellt. Er studierte während seines Medizinstudiums zusätzlich vier Semester Philosophie und Geschichte an der Universität Hannover.Philipp Rösler im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).Martina Fietz: Das „Überraschungspaket“. cicero.de, Heft 12/2009. Nach dem 3. Staatsexamen 1999 war er Arzt im Praktikum und begann eine fünfjährige Facharztausbildung zum Augenarzt am Facharztzentrum der Bundeswehr Hannover, die er am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg fortsetzte. Ab 2001 war der Sanitätsoffizier in der Funktion eines Truppenarztes im Standortsanitätszentrum Hannover tätig. Im Jahr 2002 wurde er in Hamburg mit einer Arbeit über Rhythmusstörungen nach Herz-Operationen und deren medikamentöse Behandlung (Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie) zum Dr. med. promoviert. 2003 verließ er vorzeitig nach elf Jahren Dienstzeit die Bundeswehr und brach seine augenärztliche Facharztausbildung ab, um sich auf seine Arbeit als FDP-Landespolitiker in Niedersachsen zu konzentrieren.Dr. med. Rösler, Politiker und „einfach Arzt“ aerzteblatt.de, 25. Oktober 2009. Er führt seit seiner Entlassung den Dienstgrad eines Stabsarztes der Reserve. Rösler wurde der erste deutsche Bundesminister mit asiatischer Abstammung. Als erster deutscher Bundesminister nahm der Reserveoffizier 2011 an einer Dienstlichen Veranstaltung (DVag) in Bundeswehruniform teil.

Im April 2020 half Rösler bei Aufbau und Koordination einer COVID-19-Behelfsklinik der Medizinischen Hochschule Hannover auf dem Gelände der Hannover-Messe. Über das Engagement Röslers wurde auch in vietnamesischen Medien berichtet. Im selben Jahr gründete er zudem die Beratungsfirma Consessor AG, welche europäische und südostasiatische Firmen berät.

Parteilaufbahn mini|Philipp Rösler mit Nicole Bracht-Bendt und Guido Westerwelle auf der Landesvertreterversammlung der FDP Niedersachsen zur Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl 2009 mini|Auf der Wahlparty der FDP kommentieren Rainer Brüderle und Philipp Rösler am 22. September 2013 das schlechte Abschneiden ihrer Partei Rösler trat 1992 der FDP und den Jungen Liberalen bei. 1994 wurde er zum Kreisvorsitzenden der Jungen Liberalen Hannover-Stadt gewählt. Seit 1996 war er Mitglied des Landesvorstands der FDP Niedersachsen. Im selben Jahr wurde er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Niedersachsen und blieb es bis 1999. Von 2000 bis 2004 war er Generalsekretär der FDP in Niedersachsen.Tabellarischer Lebenslauf bundesregierung.de (Stand 2011) Rösler war von 2001 bis 2006 Abgeordneter in der Regionsversammlung der Region Hannover und dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP.

Am 5. Mai 2005 wurde er auf dem 56. Parteitag der FDP mit 95 Prozent der Stimmen, dem besten Einzelergebnis, zum Beisitzer im Präsidium der Bundespartei gewählt. Auf dem Landesparteitag am 18. März 2006 wurde er mit 96,4 Prozent zum neuen Landesvorsitzenden der niedersächsischen FDP gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Walter Hirche an, der nach zwölf Jahren Amtszeit nicht mehr kandidierte. Auf dem Bundesparteitag der FDP Mitte Juni 2007 wurde er erneut ins Bundespräsidium seiner Partei gewählt. Dabei errang er mit über 88 Prozent der Delegiertenstimmen das zweitbeste Ergebnis.

Die Landesvertreterversammlung der FDP Niedersachsen wählte ihn am 8. Juli 2007 in Braunlage mit 96 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Niedersächsische Landtagswahl am 27. Januar 2008. In seinem Landtagswahlkreis Hannover-Döhren (Wahlkreis 24) erreichte er am 27. Januar 2008 10,9 Prozent der Erststimmen. Am 19. April 2008 wurde er mit 95 Prozent als Landesvorsitzender im Amt bestätigt.

Am 13. Mai 2011 wurde Rösler mit 619 von 651 gültigen Stimmen (95,08 Prozent) bei zehn Enthaltungen und 22 Nein-Stimmen auf dem Bundesparteitag in Rostock zum Bundesparteivorsitzenden gewählt. Am 14. Dezember 2011 trat überraschend FDP-Generalsekretär Christian Lindner zurück. Er sagte, er wolle es dem FDP-Bundesvorsitzenden Rösler ermöglichen, „die wichtige Bundestagswahl 2013 mit einem neuen Generalsekretär vorzubereiten und damit auch mit neuen Impulsen zu einem Erfolg für die FDP zu machen“.Rücktritt Lindner: „Auf Wiedersehen!“ zeit.de, 14. Dezember 2011. Rösler machte Patrick Döring zu Lindners Nachfolger.Ersatz für Lindner: Döring wird Generalsekretär n-tv.de, 14. Dezember 2011.

Nachdem die FDP nach der Bundestagswahl 2013 erstmals nicht mehr im Bundestag vertreten war, gab Rösler am 23. September 2013 seinen Rücktritt als Parteivorsitzender bekannt. Zu seinem Nachfolger wurde am 7. Dezember 2013 Christian Lindner gewählt.

Öffentliche Ämter Von 2003 bis Oktober 2009 war Rösler Mitglied im Niedersächsischen Landtag, bis Februar 2009 zudem Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Am 18. Februar 2009 wurde Rösler als Nachfolger von Walter Hirche niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie Stellvertretender Ministerpräsident des Landes Niedersachsen.

Am 28. Oktober 2009 wurde Rösler, der dem Bundestag nicht angehörte, Bundesgesundheitsminister im Kabinett Merkel II. Bis zum Eintritt von Kristina Schröder ins Kabinett war er dessen jüngstes Mitglied. Nach seiner Wahl zum FDP-Parteivorsitzenden wechselte Rösler am 12. Mai 2011 an die Spitze des Wirtschaftsministeriums und wurde am 16. Mai 2011 als Nachfolger von Guido Westerwelle zum Vizekanzler ernannt.Philipp Rösler neuer Vizekanzler bundesregierung.de, 18. Mai 2011. Daniel Bahr wurde Röslers Nachfolger als Gesundheitsminister.

Weltwirtschaftsforum mini|Philipp Rösler gemeinsam mit Ahmet Davutoğlu beim Weltwirtschaftsforum in Davos (2016) Im Dezember 2013 wurde bekannt, dass Rösler ab dem 20. Februar 2014 zum Vorstand des Weltwirtschaftsforums gehören werde.Ex-FDP-Chef verlässt Deutschland: Rösler bekommt neuen Job in der Schweiz focus.de, 22. Dezember 2013.Rösler geht zum Weltwirtschaftsforum zeit.de, 22. Dezember 2013. Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, hatte Rösler nur drei Tage nach der Bundestagswahl angerufen.Philipp Rösler im Porträt brandeins.de, November 2014. Rösler war verantwortlich für die internationalen Regierungskontakte des Weltwirtschaftsforums.Das neue Karriere-Glück des Philipp Rösler welt.de, 23. Januar 2014. Im Juni 2014 besuchte er mit einer Wirtschaftsdelegation auf Einladung von Bundeskanzlerin Merkel Berlin und stellte dabei auch eine neue UntersuchungThe Europe 2020 Competitiveness Report weforum.org, 5. Juni 2012. des Weltwirtschaftsforums zur Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union vor.Philipp Rösler in neuer Mission: „Ich freue mich, die Kanzlerin zu sehen“ spiegel.de 18. Juni 2014. Am 8. November 2017 wurde bekannt, dass Rösler das Weltwirtschaftsforum zum Ende des Monats verlassen würde, um sich neuen beruflichen Aufgaben zu widmen.

Hainan Cihang Charity Foundation Im Dezember 2017 nahm Rösler seine Tätigkeit als Leiter der Hainan Cihang Charity Foundation mit Sitz in New York auf, der im Juli 2017 gegründeten gemeinnützigen Stiftung des chinesischen Mischkonzerns HNA. Diese Stiftung hält 29,5 % der Anteile an der HNA Group.Der rätselhafte Job des Herrn Rösler sueddeutsche.de, 8. November 2017. In den vergangenen beiden Jahren hatte der Konzern weltweit 50 Milliarden Dollar für Übernahmen ausgegeben und Anteile an Logistikunternehmen, Hotels, Banken und Fluggesellschaften erworben. Wegen der umfangreichen Übernahmen und Investitionen, hoher Verschuldung und einer undurchsichtigen Konzernstruktur steht HNA bei Aufsehern und Banken unter besonderer Beobachtung. Rösler sollte nun offenbar um Vertrauen auf dem europäischen Markt werben.Philipp Rösler wechselt zu Chinas HNA-Konzern spiegel.de, 8. November 2017. Rösler strebte im November 2017 einen Umzug mit seiner Familie nach Zürich an. Er hatte ausgehandelt, dass er seine Arbeit für HNA zum Teil von Zürich aus erledigen dürfe.Früherer Vizekanzler: Philipp Rösler auf chinesischer Mission, faz.de, 8. November 2017. Am 14. Dezember 2017 wurde Röslers Ernennung zum ersten Vorsitzenden der Hainan Cihang Charity Foundation bekannt gegeben.Philipp Rösler zum Vorsitzenden der Hainan Cihang Charity Foundation ernannt prnewswire.com, 14. Dezember 2017. Anfang 2019 stieg er bei der Foundation aus, wofür er familiäre Gründe angab, unter anderem das ständige Hin und Her zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz.

Mandatsträger in öffentlichen und wirtschaftlichen Gremien Rösler war ab 2008 Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.FDP: Wird ein gläubiger Christ Parteichef? kath.net, 6. April 2011. Im November 2010 wurde Rösler Vorsitzender des Kuratoriums der Robert-Enke-Stiftung.Erste Kuratoriumssitzung in Barsinghausen robert-enke-stiftung.de, 15. November 2010. Im April 2014 wurde er in dieser Funktion von Stephan Weil abgelöst.Stephan Weil neuer Vorsitzender des Kuratoriums robert-enke-stiftung.de, 15. April 2014.

In seiner Funktion als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie war er ab 2012 Vorsitzender des Verwaltungsrats der KfW Bankengruppe.