Die Liste von Zwischenfällen mit der Boeing 707 enthält eine Übersicht über Zwischenfälle mit Todesfolge oder Totalschaden von Flugzeugen der Typen Boeing 707 und Boeing 720.

Vom Erstflug 1957 bis zum 31. Januar 2022 kam es mit Boeing 707 zu 173 Totalschäden von Flugzeugen. Das entspricht rund einem Fünftel (20,21 Prozent) aller 856 produzierten Flugzeuge dieses Typs. Bei 81 der Unfälle kamen 3032 Menschen ums Leben. In der Zahl der Totalschäden sind 19 Verluste von geparkten Maschinen inbegriffen.Unfallstatistik Boeing 707, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 31. Januar 2022.

Insgesamt ergeben sich für die Boeing 707 8,60 Verluste pro einer Million Flüge, was – wie beim Konkurrenzmuster Douglas DC-8 mit 8,84 – über dem Durchschnittswert der 1960er und 1970er Jahre von etwa 5 liegt. Heutige Flugzeuge können im Vergleich mit Werten meist unter 0,5 sehr viel sicherer betrieben werden.Statistical Summary of Commercial Jet Airplanes Accidents (pdf; 153 kB) (englisch), abgerufen am 16. Januar 2019. Dreizehn Totalverluste mit insgesamt 280 Toten hatten eine kriegerische oder kriminelle Ursache, elf weitere gingen auf sonstige Ereignisse zurück und forderten keine Menschenleben.

Die Liste bekannter Zwischenfälle ist für die Boeing 720 vollständig. Beispiele für die Boeing 707:

Boeing 707 1950er-Jahre mini|Trümmer der 1959 verunglückten Maschine der American Airlines

Am 15. August 1959 führte die Besatzung einer Boeing 707-123 der American Airlines (Luftfahrzeugkennzeichen N7514A) einen Testflug vom Calverton-Peconic Airpark auf Long Island durch. Während des Fluges begann die Maschine außerordentlich zu gieren. Die Besatzung korrigierte das abnorme Flugverhalten nicht, woraufhin die Maschine seitlich abrollte und infolge eines Kontrollverlustes abstürzte. Die fünfköpfige Besatzung kam ums Leben (siehe auch American-Airlines-Flug 514).Unfallbericht B-707 N7514A, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 29. August 2020.

Am 19. Oktober 1959 führte Boeing den Übergabeflug einer Boeing 707-227 durch, die an Braniff International Airways ausgeliefert werden sollte. An Bord befanden sich Piloten und Techniker von Braniff und Boeing. Während des Fluges flog die Besatzung mehrere Dutch Rolls. Bei einer davon überschritt sie den technisch zulässigen Neigwinkel der Maschine. Beim Gegensteuern wurden die Belastungsgrenzen des Flugzeugs überschritten, wobei drei der vier Triebwerke abbrachen und durch ein anschließendes Feuer einige an der Tragfläche befindliche Steuerungssysteme verschmorten. Beim Versuch, die Maschine notzulanden, kam es zu einer Bruchlandung am Ufer des Stillaguamish River in der Nähe von Arlington im Bundesstaat Washington. Vier der acht Personen an Bord kamen ums Leben.

1960er-Jahre Am 28. Januar 1961 verlor die Besatzung einer Boeing 707-123 der American Airlines (Luftfahrzeugkennzeichen N7502A) auf einem Trainingsflug aus ungeklärter Ursache die Kontrolle über die Maschine. Die vom Flughafen New York-Idlewild gestartete Maschine stürzte bei Montauk ins Meer, alle sechs Insassen starben (siehe auch American-Airlines-Flug 1502).Unfallbericht B-707 N7502A, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 29. August 2020.

Am 15. Februar 1961 stürzte eine Boeing 707 der Sabena (OO-SJB) auf der Strecke New York–Brüssel beim Landeanflug ab. Alle 72 Insassen und eine Person am Boden kamen ums Leben. Unter den Passagieren war das gesamte US-amerikanische Eiskunstlaufnationalteam, das sich auf der Reise zur Weltmeisterschaft nach Prag befand (siehe auch Sabena-Flug 548).

Am 27. Juli 1961 landete eine Boeing 707-328 der Air France (F-BHSA) auf dem Flug von Paris-Orly über Hamburg nach Anchorage und Tokio zunächst auf dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel zwischen. Beim späteren Start bemerkte der Kapitän, dass das Flugzeug zur Seite zog, sodass er Schwierigkeiten hatte, es gerade auf der Startbahn zu halten. Er brach den Start daraufhin ab, die Maschine kam beim Ausrollen von der Startbahn ab und rollte in eine daneben liegende Senke. Dabei rissen das Fahrwerk und mehrere Triebwerke ab und der Flugzeugrumpf zerbrach in drei Teile. Die erst zwei Jahre alte Maschine musste abgeschrieben werden. Alle 41 Personen an Bord überlebten den Unfall; elf Personen wurden ernsthaft verletzt.

Am 1. März 1962 stürzte eine Boeing 707-123B der American Airlines (N7506A) etwa eine Minute nach dem Abheben vom Flughafen New York-Idlewild nahezu senkrecht in flaches Wasser der Jamaica Bay. Der Grund war eine Fehlfunktion der Seitenrudersteuerung, durch die ein nicht mehr zu behebender Kontrollverlust erzeugt wurde. Alle 95 Insassen, 8 Besatzungsmitglieder und 87 Passagiere, kamen ums Leben (siehe auch American-Airlines-Flug 1).

Am 22. Mai 1962 sprengte ein Passagier über Iowa (USA) eine Boeing 707-124 der Continental Airlines (N70775) auf dem Weg von Chicago zum Flughafen Kansas City-Charles B. Wheeler Downtown in die Luft. Alle 45 Menschen an Bord starben. Das FBI fand heraus, dass es sich bei dem Selbstmordattentäter um einen Versicherungsbetrüger handelte (siehe auch Continental-Airlines-Flug 11).

Am 3. Juni 1962 wurde eine Boeing 707-328B der Air France (F-BHSM) bei einem missglückten Startabbruch auf dem Flughafen Paris-Orly vollständig zerstört, die sich auf dem Flug nach New York-Idlewild befand. Beim Erreichen der Abhebegeschwindigkeit gelang es den Piloten nicht, das Höhenruder weit genug für ein Abheben zu ziehen, weshalb der Kapitän den Start bei 179 Knoten abbrechen musste. Das Flugzeug überrollte mit hoher Geschwindigkeit das Startbahnende, zerbrach und fing Feuer. Von den 130 Insassen überlebten nur 2. Unfallursachen waren eine beträchtlich vertrimmte Stellung der Höhenflosse und der Ausfall des Trimmsystems (siehe auch Air-France-Flug 007).

Am 22. Juni 1962 kam eine Boeing 707-328 der Air France (F-BHST) von ihrer vorgesehenen Flugroute ab und flog im Anflug auf den Flughafen Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe in 1400 Metern Höhe gegen einen bewaldeten Berg. Alle 113 Personen an Bord kamen ums Leben. Infolge eines Gewitters war es zu falschen Anzeigen des Radiokompasses gekommen (siehe auch Air-France-Flug 117).

Am 27. November 1962 verunglückte eine Boeing 707-441 der VARIG (PP-VJB) im Landeanflug auf den Flughafen Lima, als sie in die Seite des Berges La Cruz geflogen wurde. Alle 80 Passagiere und die 17 Besatzungsmitglieder wurden getötet. Es konnte nicht ermittelt werden, warum die Maschine von ihrem Kurs abgekommen war.

Am 8. Dezember 1963 schlug bei Elkton (Maryland) ein Blitz in die linke Tragfläche einer Boeing 707-121 der Pan American World Airways (N709PA). Durch den Einschlag explodierte das Kerosin-Luft-Gemisch in einem Tank und zerriss die Tragfläche. Die 81 Insassen starben beim Absturz (siehe auch Pan-Am-Flug 214).

Am 7. April 1964 überrollte eine Boeing 707-139 der Pan American World Airways (N779PA) nach einer Landung auf dem Flughafen New York-John F. Kennedy das Bahnende und stürzte in die Jamaica Bay. Alle 145 Personen an Bord überlebten den Unfall.ICAO Aircraft Accident Digest 16 Volume I, Circular 82-AN/69 (englisch), S. 143–149.

Am 23. November 1964 verunglückte eine Boeing 707-331 der Trans World Airlines (TWA) (N769TW) nach einem Triebwerksausfall beim Start auf dem Flughafen Rom-Fiumicino, wobei 50 der 73 Menschen an Bord ums Leben kamen (siehe auch Trans-World-Airlines-Flug 800 (1964)).

Am 17. September 1965 wurde eine Boeing 707-121B der Pan American World Airways (N708PA) im Anflug auf den Flughafen VC Bird International (Antigua) in den Chances Peak auf der Karibik-Insel Montserrat geflogen (CFIT, Controlled flight into terrain). Alle 30 Personen an Bord kamen ums Leben.

Am 24. Januar 1966 war eine Boeing 707-437 der Air India (VT-DMN) auf dem Weg von Bombay nach New York. Im Sinkflug zur geplanten Zwischenlandung in Genf wurde sie in den Mont Blanc, Frankreich, geflogen und zerschellte ca. 60 Meter unterhalb des Gipfels an einem Felsgrat. Alle 117 Personen an Bord (106 Passagiere und 11 Besatzungsmitglieder) wurden dabei getötet (siehe auch Air-India-Flug 101). Die Maschine flog fast an derselben Stelle in den Berg wie eine Lockheed L-749 Constellation der Air India am 3. November 1950 (hierfür siehe auch Air-India-Flug 245).

Am 5. März 1966 verunglückte eine Boeing 707-436 der BOAC (G-APFE) siebzehn Minuten nach dem Start vom Flughafen Tokio-Haneda, als sie infolge einer schweren Clear Air Turbulence in der Luft auseinanderbrach. Alle 124 Menschen an Bord, die sich auf einer Weltumrundung befanden, kamen dabei ums Leben (siehe auch BOAC-Flug 911).

Am 6. November 1967 startete eine Boeing 707-131 der Trans World Airlines vom Flughafen Cincinnati in Richtung Los Angeles. Als die Maschine eine neben der Rollbahn stehende Douglas DC-9 der Delta Air Lines passierte, verursachte der Triebwerksschub der DC-9 einen Flammabriss an Triebwerk Nr. 4 der Boeing. Die Besatzung der Boeing leitete einen Startabbruch ein, die Maschine kam jedoch nicht rechtzeitig zum Stehen, rollte über einen Hügel und hob für einen Augenblick ab. Beim Wiederaufsetzen riss das Triebwerk ab und die Maschine schlitterte 100 Meter über die Landebahn hinaus. Der Rumpf brach auseinander und die rechte Tragfläche riss ab. Die siebenköpfige Besatzung überlebte den Unfall, von den 29 Passagieren kam eine Person ums Leben (siehe auch Trans-World-Airlines-Flug 159).

Am 7. Februar 1968 verunglückte eine aus Honolulu kommende Boeing 707-138B der Canadian Pacific Air Lines (N791SA) bei der Landung auf dem Flughafen Vancouver. Die Maschine landete bei dichtem Nebel, überrollte dabei das Landebahnende und kollidierte mit geparkten Flugzeugen, Fahrzeugen und zwei Gebäuden. Von den 61 Personen an Bord überlebten alle 52 Passagiere den Unfall, ein Besatzungsmitglied und eine Person am Boden kamen ums Leben (siehe auch Canadian-Pacific-Airlines-Flug 322).

Am 5. März 1968 flog eine Boeing 707-328C der Air France (F-BLCJ) im Anflug auf den Flughafen Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe in 1200 Metern Höhe gegen einen Vulkan. Alle 63 Personen an Bord kamen ums Leben. Der Flugschreiber konnte nie geborgen und die Unfallursache nicht ermittelt werden (siehe auch Air-France-Flug 212 (1968)).

Am 8. April 1968 musste eine Boeing 707-465 der British Overseas Airways Corporation (BOAC) (G-ARWE) aufgrund eines Triebwerkbrandes nach dem Start zum Flughafen London-Heathrow zurückkehren. Noch während der Landung riss das Triebwerk ab, der Brand loderte jedoch weiter. Nach der geglückten Notlandung verließen Piloten und Flugingenieur das Cockpit, ohne die Punkte auf den entsprechenden Checklisten abzuarbeiten. Daher wurde unter anderem immer mehr Treibstoff in das Feuer unter der Maschine gepumpt. Dann wurde die gesamte Maschine evakuiert. Von den 127 Personen an Bord kamen 5 ums Leben (siehe auch BOAC-Flug 712).ICAO Aircraft Accident Digest 18-IIUnfallbericht B-707 G-ARWE, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 1. Dezember 2017.

Am 20. April 1968 stürzte eine Boeing 707-344C der South African Airways (ZS-EUW) kurz nach dem Start vom Flughafen Windhoek-J. G. Strijdom nach Luanda ab. Von den 128 an Bord befindlichen Personen starben 123. Die Maschine war nicht mit den eigentlich zu dieser Zeit zwingend vorgeschriebenen Flugschreibern und Stimmrekordern ausgerüstet, sodass sich die Flugunfalluntersuchung schwierig gestaltete. Die Absturzursache wurde letztlich auf Pilotenfehler zurückgeführt (siehe auch South-African-Airways-Flug 228).Unfallbericht B-707 ZS-EUW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 30. Januar 2019.

Am 12. Juni 1968 wurde eine Boeing 707-321C der Pan American World Airways (N798PA) auf dem Flughafen Kalkutta bei schlechter Sicht etwa einen Kilometer vor der Landebahnschwelle in den Boden geflogen (CFIT, Controlled flight into terrain). Bei dem Unfall wurden 6 der 63 Insassen getötet.Unfallbericht B-707 N798PA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. Januar 2019.