Die Kommunistische Partei Kanadas (, CPC; , PCC) ist eine 1921 entstandene Partei in Kanada. Sie vertritt einen marxistisch-leninistischen Standpunkt und ist nach der Liberalen Partei Kanadas die zweitälteste noch aktive Partei des Landes. Einst in mehreren Parlamenten vertreten, konzentriert sich die CPC inzwischen hauptsächlich auf außerparlamentarische Aktivitäten.
Positionen Die CPC wendet sich gegen die vorherrschende Meinung, dass das mit der kapitalistischen Wirtschaftsweise verbundene Gesellschaftsmodell das Ende der menschlichen Entwicklung sein soll. Sie betont in ihrem Programm, dass eben der Kapitalismus auch eigentlich demokratische Institutionen ihres wahren Charakters beraubt.Kapitel 1 des Programms der Partei "Chapter 1: OUR AIM IS SOCIALISM" (engl.)
Für Kanada speziell schätzt die CPC die Lage derart ein, als dass Kanada sich einerseits ökonomisch und politisch in vollkommener Abhängigkeit der Vereinigten Staaten befinde, da transnationale US-Konzerne bedeutende Teile der kanadischen Wirtschaft kontrollieren – vermeintlich in einem größeren Maße als in jedem anderen derartig entwickelten Land. Daraus resultieren nach Ansicht der CPC Probleme Kanadas in Bezug auf die Verschmutzung der Umwelt, die finanziellen Einschnitte in der Bildung und dem Gesundheitswesen, sowie die schlechte soziale und kulturelle Entwicklung des ländlichen Raums als auch der Landwirtschaft selbst.Kapitel 2 des Programms der Partei "Chapter 2: CAPITALISM IN CANADA" (engl.)
Sie fordert daher unter anderem die Einführung der 32-Stunden-Woche und einen Mindestlohn von 20 Dollar sowie die Verstaatlichung von Banken und Schlüsselindustrien. Zudem setzt sich die CPC stark für die Rechte der First Nations und für Frauenrechte ein. Außenpolitisch wird eine Abwendung von den USA befürwortet und im Nahostkonflikt eine uneingeschränkt pro-palästinensische Haltung eingenommen.
Geschichte Die Kommunistische Partei Kanadas wurde 1921 gegründet. Radikale Aktivisten der Arbeiterbewegung waren die ersten Mitglieder der zunächst illegalen Organisation, die kurz darauf in die Kommunistische Internationale aufgenommen wurde. Die Partei unterstützte die Sowjetunion bedingungslos und setzte anfangs vor allem auf das Mittel des Streiks. Ende der 1920er Jahre kam es zu einem Zerwürfnis zwischen den Stalinisten und den Trotzkisten, woraufhin letztere einschließlich des langjährigen Parteivorsitzenden Maurice Spector die CPC verließen.
Die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre veränderte das politische System Kanadas, neben der Gründung einiger neuer Parteien konnte die Kommunistische Partei Kanadas so an Einfluss und Popularität gewinnen (u. a. durch die Verfünffachung der Stimmen bei den Wahlen 1935 ersichtlich). Gleichzeitig wurden viele kanadische Kommunisten jedoch politisch verfolgt, der Generalsekretär Tim Buck wurde bspw. zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt, und die Partei 1940 schließlich in die Illegalität gedrängt. Obwohl auf diese Weise von Wahlen ausgeschlossen, blieb die CPC durch Streiks politisch aktiv und erfreute sich steigender Beliebtheit in ärmeren Bevölkerungsschichten.
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begehrten die Kommunisten zunächst heftig gegen Kanadas Eintritt in den Krieg auf, wofür viele CPC-Mitglieder interniert wurden, während manche in die USA flohen. Erst durch Hitlers Angriff auf die Sowjetunion änderte sich die Haltung der Kommunisten, die fortan die kanadischen Kriegsanstrengungen als Beitrag zum antifaschistischen Kampf betrachteten.
1943 wurde die Labor-Progressive Party als legale Ersatzorganisation der verbotenen CPC gegründet. Der Gewerkschaftsführer Fred Rose konnte bei der Parlamentswahl 1945 als erster kommunistischer Abgeordneter ins kanadische Unterhaus einziehen. Zu dieser Zeit hielt die Partei zudem 13 weitere Sitze in regionalen Parlamenten. Im Zuge des heraufziehenden Kalten Krieges standen jedoch mehrere kanadische Kommunisten unter Spionageverdacht, was neben Chruschtschows Abrechnung mit Stalin und dem sowjetischen Einmarsch in Ungarn zu einer Krise der Partei führte. 1959 benannte sich die „Labor-Progressive Party“ wieder in „Communist Party of Canada“ um.
Nach Ende dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion mehrten sich innerhalb der CPC die Stimmen, die eine Distanz vom Marxismus-Leninismus und eine Hinwendung zu eher sozialdemokratischen Positionen forderten. Der reformerisch gesinnte Parteivorsitzende George Hewison konnte sich gegen den starken marxistisch-leninistischen Flügel jedoch nicht durchsetzen, woraufhin die Reformer die Partei verließen.
Parteiorganisation Generalsekretäre mini|Tim Buck (links), 1942 miniatur|William Kashtan, 1978
NameAmtszeitTom Burpee1921William Moriarty1921–1923Jack MacDonald1923–1929Tim Buck1929–1962Leslie Morris1962–1964William Kashtan1965–1988George Hewison1988–1992Miguel Figueroa1992–2016Elizabeth Rowleyseit 2016
Parteitage Bezeichnung DatumI. Parteitag28. – 29. Januar 1921II. Parteitag22. – 23. Februar 1922III. Parteitag22. – 24. Februar 1923IV. Parteitag18. – 20. April 1924V. Parteitag11. – 13. September 1925VI. Parteitag28. – 31. Januar 1927VII. Parteitag31. Mai – 7. Juni 1929VIII. Parteitag23. – 28. Juli 1934IX. Parteitag8. – 12. Oktober 1937X. Parteitag21. – 22. August 1943XI. Parteitag1. – 5. Juni 1946XII. Parteitag4. – 8. Februar 1949XIII. Parteitag25. – 28. Januar 1951XIV. Parteitag25. – 28. März 1954 Bezeichnung DatumXV. Parteitag19. – 22. April 1957XVI. Parteitag9. – 12. Oktober 1959XVII. Parteitag19. – 21. Januar 1962XVIII. Parteitag27. – 30. März 1964XIX. Parteitag21. – 24. Mai 1966XX. Parteitag4. – 6. April 1969XXI. Parteitag27. – 29. November 1971XXII. Parteitag18. – 20. Mai 1974XXIII. Parteitag9. – 11. Oktober 1976XXIV. Parteitag5. – 7. Januar 1980XXV. Parteitag13. – 15. Februar 1982XXVI. Parteitag5. – 8. April 1985Eintrag in der Bibliothek des BundesarchivsXXVII. Parteitag20. – 24. Mai 1988Eintrag in der Bibliothek des BundesarchivsXXVIII. Parteitag1990Eintrag in der Bibliothek der Universität von Manitoba (engl.) Bezeichnung DatumXXIX. Parteitag...XXX. Parteitag1992Eintrag in der Bibliothek der Universität von Manitoba (engl.)XXXI. Parteitag1995XXXII. Parteitag1998XXXIII. Parteitag2001XXXIV. Parteitag29. Januar – 1. Februar 2004XXXV. Parteitag1. – 4. Februar 2007XXXVI. Parteitag5. – 7. Februar 2010XXXVII. Parteitag5. – 7. April 2013XXXVIII. Parteitag21. – 23. Mai 2016XXXIX. ParteitagMai 2019XXXX. Parteitag1. – 3. Juli 2022Political Resolution of the 40th Central Convention (engl.) communist-party.ca
Wahlergebnisse Wahl Sitzetotal Kandi-daten Gew.Sitze Stimmen Anteil 1930 245 6 0 4.557 0,12 % 1935 245 13 0 27.456 0,46 % 1940 245 9 0 14.005 0,36 % 1945 245 68 1 111.892 2,13 % 1949 262 17 0 32.623 0,56 % 1953 265 100 0 59.622 1,06 % 1957 265 10 0 7.760 0,12 % 1958 265 18 0 9.769 0,13 % 1962 265 12 0 6.360 0,08 % 1963 265 12 0 4.234 0,05 % 1965 265 12 0 4.285 0,06 % 1968 264 14 0 4.465 0,05 % 1974 264 69 0 12.100 0,13 % 1979 264 71 0 9.141 0,08 % 1980 282 52 0 6.022 0,06 % 1984 282 52 0 7.551 0,06 % 1988 295 51 0 7.066 0,05 % 2000 301 52 0 8.779 0,07 % 2004 308 35 0 4.564 0,03 % 2006 308 21 0 3.022 0,02 % 2008 308 24 0 3.639 0,03 % 2011 308 20 0 2.894 0,02 % 2015 338 26 0 4.382 0,02 % 2019 338 30 0 3.905 0,02 % 2021 338 26 0 4.700 0,03 % 2025 343 24 0 4.685 0,02 %
Siehe auch Liste politischer Parteien in Kanada Mackenzie-Papineau-Bataillon Norman Bethune Kommunistische Partei Kanadas (Manitoba) Kommunistische Partei Kanadas (Ontario) Kommunistische Partei Kanadas (Saskatchewan)
Literatur Geschichte der Kommunistischen Partei Kanadas 1921–1976. Dietz, Berlin 1984.
Weblinks Offizielle Website
Einzelnachweise
Kategorie:Partei (Kanada) Kanada Kategorie:Sektion der Kommunistischen Internationale Kategorie:Parteigründung 1921