mini|St. Josef mini|Ehemaliges Kurhaus Gifting ist ein Gemeindeteil der oberfränkischen Gemeinde Wilhelmsthal im Landkreis Kronach in Bayern.

Geographie Das Kirchdorf befindet sich im Frankenwald im schmalen Tal der Teuschnitz, einem Wildbach. Die stark lineare Struktur besteht aus einer Straße und einem Bach. Am südlichen Ortsrand von Gifting mündet die Teuschnitz in die Kremnitz. Als Besonderheit und ortstypisches, historisches Erschließungselement hat Gifting noch eine Furt. Diese ist unmittelbar nach der Ortseinfahrt von Steinberg/Wilhelmsthal neben einem Fußgängersteg vorhanden und noch benutzbar. Früher war die Talzone mit größeren Wiesenflächen und Überschwemmungsbereichen zwischen der Ortsstraße und der Teuschnitz noch nicht bebaut.

Die Kreisstraße KC 3 führt nach Posseck, das 1,2 km nordwestlich liegt, bzw. an der Felsmühle vorbei zur Staatsstraße 2200 bei Fehnenschneidmühle, 3 km südlich. Die Ortsdurchfahrt wird von einer fast noch durchgängig bestehenden Lindenallee begleitet. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt entlang der Kremnitz nach Geschwend, das 1,5 km nordöstlich liegt.

Geschichte Gifting wurde wohl im 12. Jahrhundert während der Erschließung des Nortwalds durch das Kloster Langheim als Straßen- und Bachdorf angelegt. Bis 1388 war der Ort im Besitz der Abtei. Danach wurde er Eigentum des Hochstifts Bamberg.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Gifting mit Fels-, Kugel- und Sattelmühle eine Realgemeinde bestehend aus 19 Anwesen (1 Ganzhof, 10 Güter, 4 Sölden, 1 Mahlmühle, 3 Schneidmühlen). Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Kronach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Vogteiamt Kronach inne, die Grundherrschaft über alle Anwesen das Kastenamt Kronach. Neben den Anwesen gab es noch ein Gemeindehirtenhaus.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 473. Hier werden unter Einberechnung des Gemeindehirtenhauses 20 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.

Infolge der Säkularisation kam der Ort 1803 zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde Gifting dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Posseck zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Gifting gebildet, zu der Felsmühle, Kugelmühle und Sattelmühle gehörten. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Teuschnitz und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Rothenkirchen. 1837 wurde Gifting dem Landgericht Kronach und dem Rentamt Kronach (1919 in Finanzamt Kronach umbenannt) zugeordnet. Ab 1862 gehörte Gifting zum Bezirksamt Kronach (ab 1939 Landkreis Kronach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kronach (1879 in das Amtsgericht Kronach umgewandelt).H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 582. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 4,617 km², die sich auf 3,915 km² verringerte.

Gifting war nicht landwirtschaftlich, sondern eher forstwirtschaftlich und durch das Mühlenwesen geprägt. Anfang des 20. Jahrhunderts war es ein Luftkurort. Am Ortsrand entstand ein Kurhaus mit Wohnungen für die Kurgäste. Das Gebäude wird heute als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Einen weit über den Ortsteil selbst hinausgreifenden Einzugsbereich hat der 1957 gegründete Sportverein Gifting, der eine große Sportanlage besitzt.

Am 1. Januar 1977 wurde die Gemeinde Gifting im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Steinberg eingemeindet, die ihrerseits am 1. Mai 1978 nach Wilhelmsthal eingegliedert wurde. Die Gemeinde Wilhelmsthal unterhält den Friedhof.

Im Jahr 2020 wurde ein rund drei Kilometer langer Geh- und Radweg für rund 1,74 Millionen Euro zwischen Gifting und der Staatsstraße zwischen Wilhelmsthal und Steinberg entlang der Kremnitz errichtet.landkreis-kronach.de: Hohe Förderung für Radweg bei Gifting, Meldung vom 10. November 2020

Baudenkmäler Am Mittelberg 1: Wohnstallhaus Lindenstraße 1: Kreuzigungsgruppe fünf Bildstöcke

Das folgende Haus mit seiner früheren Hausnummer stand in den 1960er Jahren unter Denkmalschutz. Es wird in der Denkmalschutzliste nicht mehr geführt, da es entweder abgerissen oder stark verändert wurde. Haus Nr. 40: Zweigeschossiger Walmdachbau des zweiten Viertels des 19. Jahrhunderts, Erdgeschoss aus Sandsteinquadern mit genuteten Ecklisenen, Obergeschoss verschiefert mit dekorativer Bemalung.T. Breuer: Landkreis Kronach, S. 48. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Gifting Jahr Einwohner Häuser Quelle 1840 154 1852 173 1855 175 1861 155 1867 165 1871 167 24 1875 152 1880 153 1885 154 26 1890 137 28 1895 134 1900 152 28 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1905 165 1910 176 1919 165 1925 173 31 1933 168 1939 210 1946 261 1950 259 34 1952 250 1961 260 42 1970 262

Kirchdorf Gifting Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2015Einwohner 123 141 156 137 141 158 248 239 255 244 207Häuser 16 23 25 28 31 39 64 Quelle

Zwischen 2005 und 2015 hatte das Dorf einen Bevölkerungsverlust von 21 Personen. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 9,2 %.

Religion Der Ort war bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rein katholisch und nach St. Johannes der Evangelist im Nachbarort Posseck gepfarrt. Ab Herbst 1963 wurde die zur Pfarrei Posseck gehörende Filialkirche St. Josef errichtet. Die Weihe folgte am 30. Mai 1965 durch den Bamberger Domkapitular Martin Wiesend. Eine Außenrenovierung ließ die Gemeinde 2006 und eine Innenrenovierung 2014 durchführen. Die Innenausstattung mit dem Kreuzweg aus dem Jahr 1977, dem großen Altarbild aus dem Jahr 1979 und dem Altarraumfenster aus dem Jahr 1982 wurde von Horst Böhm gestaltet.

Literatur

Weblinks

Ortsblatt 1853

Einzelnachweise Haus der Bayerischen Geschichte: Gemeinde Wilhelmsthal Amtliche Wappenbeschreibung Gemeindeentwicklungskonzept Wilhelmsthal, 19. Oktober 2017, S. 84–94. Heike Schülein: Gifting feiert den Ort Gottes. 31. Mai 2015

Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.

Kategorie:Geographie (Wilhelmsthal) Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kronach) Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1976 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)