mini|Einsatz eines Pioniergeräts mini|Befahren eines verfüllten Grabens Pioniere sind eine Truppengattung des Heeres.
Auftrag der Pioniertruppe ist die Förderung der Bewegung der eigenen Truppe, Hemmung der Bewegungen des Gegners und Erhöhung der Überlebensfähigkeit der eigenen Truppe. Die Pioniertruppe ist dazu mit bautechnischen und infrastrukturellen Hilfsmitteln ausgerüstet, und für deren Bedienung und Einsatz entsprechend ausgebildet.
In manchen Heeren (wie in der Schweizer Armee) wird die Pioniertruppe nach dem dafür früher verwandten Wort als Genietruppen (vom lateinischen Genius) oder auch als Ingenieurkorps bezeichnet. Im deutschen Heer bildet die Pioniertruppe eine eigene Truppengattung.
Ursprung und Entstehung der Pioniere / Wortherkunft Der Begriff „Pionier“ fasst drei kriegsgeschichtliche Truppengattungen zusammen – „Sappeure“ (Schützengräben als Deckung bauende Soldaten), „Mineure“ (mit Sprengstoffen und Minen hantierende Soldaten) und „Pontoniere“ (als Brücken bauende Soldaten).
Bereits im römischen Heer fand eine Spezialisierung von handwerklichen Soldaten statt. Die ersten Pioniere nach heutigem Verständnis wurden um 1500 in Frankreich als Schanzbauer ausgebildet und eingesetzt. Im preußischen Heer taucht die Bezeichnung zum ersten Mal im „Regiment Pionniers“ auf. Das Regiment wurde auf königlichen Befehl am 8. Januar 1742 von General von Walrawe, dem Festungsbaumeister König Friedrichs des Großen, aufgestellt.
Die heutige Bezeichnung „Pionier“ wurde erstmals 1810 gebraucht. Auf Vorschlag von General Scharnhorst wurden die bestehenden Mineur- und Pontonier-Kompanien zum Pionierkorps vereint. Im Rahmen des rasanten technischen Fortschritts erfolgte von nun an eine stetige Modernisierung des Pioniergerätes. Gleichzeitig kam es zu einer kontinuierlichen Vergrößerung des Personalumfangs der Pioniertruppe.
Gliederung mini|Schnellbrücke von Pionieren des österreichischen Bundesheeres
Gemäß der unterschiedlichen Fähigkeiten der Pioniertruppe werden die Pionierkräfte weiter unterteilt in (Brücken-)pioniere, amphibische (Landeübersetz-nur NVA-Bezeichnung)pioniere, Sperrpioniere und Panzerpioniere sowie Infanterie-, Fallschirm- und Gebirgspioniere. Ferner gab es bis zur Zeit des Kalten Krieges Spezialverbände wie die Eisenbahnpioniere für die Wiederherstellung und Inbetriebnahme von Eisenbahnanlagen sowie im Territorialheer in Deutschland die Wallmeister zur Einrichtung und Auslösung vorbereiteter Brückensprengungen und dauerhafter Straßensperren in Westdeutschland. Diese existieren, teils unter neuer Zuordnung und Aufgabe der Selbstständigkeit, auch nach dem Ende des Kalten Krieges weiter.
Aufgaben Die Kampfunterstützungstruppe der Pioniere hemmt und lenkt Feindkräfte durch das Legen eigener und Räumen feindlicher Minensperren, um Bewegungen der eigenen Truppe zu fördern und die des Gegners zu behindern.
Panzerpioniere (combat engineer) unterstützen mit speziellen Panzerfahrzeugen wie Brückenlegepanzern, Pionierpanzern, Minenwurfsystemen und Minenräumpanzern die Panzertruppen besonders im Angriff, aber auch in der Verzögerung und Verteidigung, auch durch Sprengungen von Verkehrsinfrastrukturen wie Brücken und Engen durch, um den feindlichen Vormarsch zu lenken, zu kanalisieren, durch Minenkampf abzunutzen sowie den Nachschub zu behindern und Straßen als Marschwege unbrauchbar zu machen. Sie unterstützen den Ausbau von Stellungen und die Verteidigung durch das Anlegen von Drahtsperren, Richtminensperren, Wurf- und Verlegminensperren, um Räume insbesondere in Flanken zu sperren. Panzerpioniere sind voll mechanisiert und gepanzert, und daher befähigt, die Kampftruppen der Brigaden im direkten Feuerkampf pioniertechnisch zu unterstützen. Neben dem Hemmen von Feindbewegung ist der zweite Schwerpunkt der Panzerpioniere das Erhöhen der Bewegungsfreiheit der eigenen Truppe, beispielsweise mit Panzerschnellbrückengerät oder Minenräumpanzern.
Pioniere unterstützen die Kampftruppen und sind meist mit nicht gepanzerten Gruppenfahrzeugen wie z. B. LKW MAN gl, Tatra 815 8x8 sowie ungepanzerten Erdbaufahrzeugen und Baumaschinen ausgerüstet. Außerdem sind Pioniere befähigt, allgemeine Baumaßnahmen durchzuführen sowie Wasserversorgung, Betankungseinrichtungen und Infrastruktur zu errichten und zu betreiben. Die Wasseraufbereitung wird in vielen Armeen der Welt häufig auch von Pioniertruppen übernommen, meist in Zusammenarbeit mit ABC-Abwehrtruppen.
Landeübersetzpioniere der NVA mini|NVA-Dienstlaufbahnzeichen, LüK-Pionier, Steuermann Die Bezeichnung in der Nationalen Volksarmee (NVA) bis 1985 war Landeübersetzpioniere, sie waren einem Pionierbataillion unterstellt. Die hauptsächliche Aufgabe war das Übersetzen von Panzerspitzen und die Schaffung von Brückenköpfen auf dem gegnerischen Ufer. Dies sollte durch das Übersetzen an Flüssen und Wasserhindernissen mit Übersetztechnik (Amphibienfahrzeuge) erreicht werden. Motorisierte schwimmfähige Kettenfahrzeuge (PTS, PTS-M, GSP u. K61) setzen Infanterie mit Technik und Panzern über, unterstützt durch Raketen, Artillerie- und Flakfeuer. Die Infanterie schafft dann am gegnerischen Ufer die Bedingungen für den Einsatz und Bau von Pontonbrücken über das Wasserhindernis für den dann folgenden Truppenübergang.
Landeübersetzkompanien (LüK), Aufgrund der speziellen Aufgaben war die LüK überwiegend mit Unteroffizieren aufgestellt, sie hatten eine Fahrer- und Steuermann-Ausbildung für schwimmfähige Kettenfahrzeuge. Sprengdienst, Minenverlege- und Räumkenntnisse sowie Panzernahbekämpfungen wurden ausgebildet. Die LüK war eine Spezialtruppe der NVA (Pioniertruppe), sie sollte im Einsatzfall dem Oberbefehlshaber der Armee/Front oder dem Oberkommando unterstellt werden. Innerhalb von sieben Tagen sollte die 5. Armee in der Vorwärtsverteidigung die Deutsch-Niederländische Grenze erreicht haben; hierbei wären diverse Wasserhindernisse forciert worden. LüK setzten auch Nachhuten über, wenn die mobilen Brücken abgebaut waren. Ab November 1973 schuf man in Havelberg an der Mündung der Havel in die Elbe das Lande- und Übersetzbataillon (LÜB-5). Ein Pionierbataillion der NVA war einer Panzerdivision bzw. einem -regiment zugeordnet. Im nördlichen Militärbezirk V 1981 ging das Bataillon in das am selben Standort stationierte Ponton-Regiment 5 ein. Nach 1985 erfolgte eine Defensivstrategie.Zur Planung realer Angriffs und Verteidigungsoperationen im Warschauer Pakt. (PDF; 2,3 MB), auf www.vorharz.net, abgerufen am 31. Oktober 2018
Brücken(bau-)pioniere bauen für die eigene Truppen Verkehrsstrukturen über Gewässer. Die „Pontonkompanien“ bauten mobile Schwimmbrücken über Flüsse. Auf Lastkraftwagen waren klappbare Schwimmpontons geladen, diese wurde im Flachwasserbereich abgekippt. Dann mittels motorisierter Bugsierboote in der Strömung gehalten und händisch durch Pontonpioniere mit anderen eingeschwommenen Pontons fest miteinander verbunden. War ein Fluss „überbrückt“ konnten Panzer und Kfz-Technik bis zu einem Gewicht von ca. 50 Tonnen die Pontonbrücke passieren.
Eisenbahnbaupioniere werden für die Aufrechterhaltung von Eisenbahnstrecken und deren Infrastruktur gebraucht. Bei der NVA wurden sie in Doberlug-Kirchhain ausgebildet und stationiert. Viele Gleisbauer und Lokführer leisteten dort ihren Reservistendienst.
Luftwaffenpioniere sind Luftwaffenkräfte für die Startbahninstandsetzung. Flugbetriebsflächen werden nach einem Angriff instand gesetzt sowie Bauinstandsetzungsmaßnahmen durchgeführt.
Ausrüstung Der Auftrag der Pioniere ist es, eigene Bewegungen zu fördern (z. B. Überwinden von Hindernissen wie u. a. Gewässer, Beseitigung von Sperren), gegnerische Bewegungen zu hemmen (z. B. durch Anlegen von Sperren), Gelände zu verstärken (z. B. durch Ausbau von Stellungen) sowie die Truppe durch Wahrnehmung bautechnischer Aufgaben zu unterstützen.Bundeswehr.de, Pioniertruppe des Heeres, abgerufen am 6. Juli 2023
Daher ist die Pioniertruppe mit unterschiedlichstem Gerät und Material ausgestattet, das es auch gestattet, wenn erforderlich, den Auftrag unter Panzerschutz wahrzunehmen. Für den Bau von Stellungen sowie das Anlegen von Sperren (z. B. Baumsperren oder Barrikaden) sowie allgemeine Bauarbeiten ist zunächst das klassische Bauhandwerkzeug wie Spaten, Spitzhacke, Schaufel, Äxte, Beile und Sägen auch unter dem Sammelbegriff Schanzzeug bekannt. Das Schanzzeug wird nicht nur durch Pioniere, sondern gerade im Pionierdienst aller Truppen eingesetzt.
Weiterhin gehören Werkzeugausstattungen und Fahrzeugrüstssätze mit Stromerzeugern, Drucklufterzeugern, Vorbauseilwinden, Bohrhämmer, Handkreissägen, Kettenmotorsägen, Schweiß- und Schneidgerät mit Autogen-Schweißausrüstungen, Kreiselpumpen zum Pumpen von Flüssigkeiten sowie Beleuchtungssätze zur Grundausstattung für verschiedene Arbeiten der Pioniere. Diese Werkzeugsätze werden im Regelfall auf Radfahrzeugen verlastet und sind teilweise auch bei Nichtpionieren vorhanden.Wehrtechnische Studiensammlung, Exponatbeschreicbung Rüstsatz Pioniergruppe auf LKW 1,5t gl, Inv.Nr.9395, stand: Juli 2023
Insbesondere für das Anlegen von Sperren wird dazu nötiges Sperrmaterial, wie S-Draht, S-Rollenzäune und Panzerabwehrminen als Verbrauchsmaterial mitgeführt. Auch dieses Material wird im Pionierdienst aller Truppen verwendet.
Vor allem für die bautechnische Unterstützung der Truppe werden durch die Pioniere militarisierte Baumaschinen wie z. B. Fahrzeugkräne, Planierraupen, Bagger, Radlader oder Dreiseitenkipper eingesetzt.
Zum Fördern eigener Bewegungen werden z. B. gegnerische Minensperren von Minenräumpanzer durch das Schlagen von Gassen in die Sperre, ggf. auch unter Feindfeuer, beseitigt. Übergänge über Gräben und Bachläufe werden, ggf. auch hier unter Feindfeuer, durch Brückenlegepanzer ermöglicht. Größere Flussläufe werden durch die Unterstützung mit Pontonbrücken, Faltschwimmbrücken oder amphibischem Brückengerät überwunden.
Für das schnelle Sperren von Geländeabschnitten werden Minenverlegeanhänger oder Minenverlegefahrzeugen wie der Minenwurfsystem Skorpion eingesetzt. Für den Einsatz zu Arbeiten in der Kampfzone ggf. unter feindlichem Feuer finden Pionierpanzer Verwendung.Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): HDv 285/1 Sperren, 1960Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): HDv 285/4 Pionierkampfmittel und dazugehöriges Gerät, April 1965
Geschichte mini|Amphibien-Pionierbrückenfahrzeug, EWK Eisenwerke Kaiserslautern
Pioniere im frühneuzeitlichen Heer In den Heeren des 18. Jahrhunderts dienten Mineure zum Anlegen von Minen unter Befestigungsmauern und die Sappeure dem Bau von Feldstellungen. Pontoniere dienten dem Brückenbau für die Überquerung von Gewässern. In einigen Armeen insbesondere in der Schweiz wurden diese Waffengattungen in Ingenieur- oder Genietruppen zusammengefasst, die aus Handwerkern und Schanzarbeitern ('Schanzbauern') bestanden. Das Ingenieurkorps war die Zusammenfassung der studierten Ingenieure einer Armee.
Als Infanterie- bzw. Kavalleriepioniere bezeichnete man Ende des 19. Jahrhunderts Mannschaften der Infanterie bzw. Kavallerie, die für einfache Pioniertätigkeiten bei ihrer Truppe ausgebildet und ausgestattet waren. Sie gehörten jedoch nicht zur technischen Truppe.
Einsatz im Ersten Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg stieg die Bedeutung der Pioniertruppe durch den Stellungskrieg besonders an der Westfront aber auch im Gebirgskrieg stark an. Der dadurch notwendig gewordene Bau von Unterständen, Gräben, Bunkern, Sappen und befestigten und geschützten Stellungen durch ursprünglich Sappeure sowie Stollen durch Mineure erforderte spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten, um die Infanterie oder Artillerie zu unterstützen.