Manfred Kochen (* 4. Juli 1928 in Wien; † 7. Januar 1989) war ein US-amerikanischer Mathematiker, Informationswissenschaftler und Informatiker österreichischer Herkunft.
Leben Kochen wuchs in einer jüdischen Familie auf, die Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen musste und über Lissabon in die Vereinigten Staaten floh. Er studierte am Massachusetts Institute of Technology und an der Columbia University, wo er 1955 mit einer Arbeit auf dem Gebiet der angewandten Mathematik Organized Systems with Discrete Information Transfer promoviert wurde (Ph.D.). Ab 1953 arbeitete er im Rahmen des von John von Neumann am Institute for Advanced Study in Princeton geleiteten Electronic Computer Project mit. Von 1955 bis 1956 war er Postdoc an der Harvard University. Dort arbeitete er zu mathematischen Modellen in den Verhaltenswissenschaften. 1956 wechselte er als Forscher (research scientist) an das Thomas J. Watson Research Center von IBM in Yorktown Heights, New York. Dort wurde er 1960 Verantwortlicher für ein Projekt in der Informationswissenschaft. 1965 ging er an die University of Michigan in Ann Arbor, wo er 1972 Full Professor für Informationswissenschaft wurde. Daneben war er an der Graduate School of Business und am Mental Health Research Institute dieser Universität tätig. Er war Berater verschiedener nationaler und internationaler Forschungsinstitutionen.
Sein wissenschaftliches Interesse galt der Untersuchung von Lernprozessen von Individuen und Gemeinschaften und speziell der mathematischen Modellierung dieser Prozesse. Kochen publizierte auf einem breiten Forschungsspektrum, darunter zum Information Retrieval, zur Netzwerktheorie, zur Zukunft der Informationstechnologie, zur Theorie der Dezentralisierung in Politik und Verwaltung (mit Karl W. Deutsch) sowie von Entscheidungsprozessen, zur Modellierung des Wissenschaftswachstums und zur Bibliometrie und Szientometrie. Bereits in den 1950er Jahren beschäftigte er sich mit dem Kleine-Welt-Phänomen, die Ergebnisse fasste er in einem unveröffentlichten Manuskript zusammen. Erst zwei Jahrzehnte später wurden diese Resultate dann einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekannt gemacht.
1980 wurde Kochen Fellow der American Association for the Advancement of Science.
Schriften (Auswahl)
Literatur
Kochen, Manfred, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 636f.
Weblinks
Manfred Kochen. Eintrag bei der Association for Information Science and Technology Manfred Kochen in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise
Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Informationswissenschaftler Kategorie:Informatiker Kategorie:Hochschullehrer (University of Michigan) Kategorie:Fellow der American Association for the Advancement of Science Kategorie:Absolvent der Columbia University Kategorie:Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Österreichischer Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Österreicher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1928 Kategorie:Gestorben 1989 Kategorie:Mann