Jochen Finke (* 3. August 1941 in Glogau, preußische Provinz Niederschlesien) ist ein deutscher Bühnenbildner.
Leben und Wirken Nach dem Abitur in Grimma, einer Landschaftsgärtnerlehre in Dresden, einem Praktikum als Theatermaler in Stralsund und einem abgebrochenen Studium der Gartenarchitektur in Berlin studierte Finke ab 1964 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin bei Heinrich Kilger und erwarb 1969 das Diplom im Fach Bühnenbild. Nach einem anschließenden zweijährigen Meisterschülerstudium an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin bei Karl von Appen, einer ersten Bühnenbildarbeit am Berliner Ensemble und dem darauffolgenden Engagement war er ab 1971 am Deutschen Theater. Von 1980 bis 1992 war er Chefbühnenbildner der Berliner Volksbühne.
Neben seiner Arbeit in Berlin, u. a. mit den Regisseuren Adolf Dresen, Friedo Solter und Siegfried Höchst, waren es Christoph Schroth in Schwerin und Cottbus, Wolfgang Engel in Dresden und Wien, Peter Schweiger in St. Gallen und Joao Lourenco in Lissabon, für deren Inszenierungen Finke, meist in Zusammenarbeit mit Renée Hendrix-Finke (* 1949) als Kostümbildnerin, die Bühnenräume entwarf.
Aus den Erfahrungen mit elementaren Gestaltungsvorgängen war seit 1974 parallel zu seiner Theaterarbeit eine umfangreiche Lehrtätigkeit entstanden.
1986 erhielt Finke den Goethepreis der Stadt Berlin und 1987 den Kritikerpreis der Berliner Zeitung. Er war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.
Finke lebt in Berlin.
Lehrtätigkeit Von 1974 bis 1990 lehrte Finke "Entwurf/Raum" an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin, von 1977 bis 1979 "Gestalterische Grundlagen der Szenografie" an der Kunsthochschule Berlin und von 1983 bis 1989 "Szene und Raum" am Regie-Institut der Hochschule für Schauspielkunst Berlin. Zusammen mit Renée Hendrix leitete er 1985 ein Sommersemester für Szenografie an der Theaterhochschule Helsinki und von 1994 bis 2000 hatte er einen Lehrauftrag für "Bühnenbild" im Fachbereich Architektur der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus inne.
Texte "Der Kaukasische Kreidekreis". Bildende Kunst. September 1971 "Der Spielraum". Theater der Zeit. Oktober 1976 "Verwandlungen". Theater der Zeit. April 1979 "Heinrich Kilger". Sonntag. März 1982 "Bestandsaufnahme". Theater der Zeit. September 1983 "Ins Bild gerückt". Theater der Zeit. Januar 1986 "Mahagonny in Portugal". Podium. Januar 1986 "Stichworte zum Bühnenbild". Theater der Zeit. Februar 1986 "Heinrich Kilger". Sonntag. März 1987 "Die Nibelungen". Bild und Szene. Henschelverlag 1988 "Plädoyer für den Bühnenbildner". Podium. Januar 1989 "Szenografie Volksbühne". OISTAT. Januar 1989 "Raum für Penthesilea". Katalog 27. Theatertreffen. Berliner Festspiele 1990 "Arbeit mit Engel". Regie im Theater. Fischerverlag 1991 "Weh steck ich in dem Kerker noch..." Der Regisseur Christoph Schroth. Theaterdokumentation/Akademie der Künste. Berlin 2003
Werke (Auswahl) 1966: Kabale und Liebe. Schiller. Kleist-Theater Frankfurt/Oder 1968: Der Kaukasische Kreidekreis. Brecht. Theater Zittau 1970: Kikeriki. O’Casey. Berliner Ensemble 1971: Kabale und Liebe. Schiller. DT Kammerspiele 1972: Juno und der Pfau. O’Casey. DT Kammerspiele 1975: Torquato Tasso. Goethe. Deutsches Theater Berlin 1976: Ein Sommernachtstraum. Shakespeare. Hans-Otto-Theater Potsdam 1977: Schwanensee. Tschaikowski. Komische Oper Berlin 1979: Faust. Erster und Zweiter Teil. Goethe. Staatstheater Schwerin 1981: Berlin Alexanderplatz. Döblin. Volksbühne Berlin 1983: Tinka. Braun. Berliner Ensemble 1984: Schluck und Jau. Hauptmann. Volksbühne Berlin 1984: Die Nibelungen. Hebbel. Staatsschauspiel Dresden 1984: Hedda Gabler. Ibsen. Volksbühne Berlin 1985: Mahagonny. Brecht/Weill. Teatro Nacional de Sao Carlos Lissabon 1985: Optimistische Tragödie. Wischnewski. Volksbühne Berlin 1986: Penthesilea. Kleist. Staatsschauspiel Dresden 1987: Der Meister und Margarita. Bulgakow. Volksbühne Berlin 1988: Warten auf Godot. Beckett. Volksbühne Berlin 1988: Romeo und Julia. Shakespeare. Teatro Aberto Lissabon 1989: Hamlet. Shakespeare. Volksbühne Berlin 1991: König Ottokars Glück und Ende. Grillparzer. Burgtheater Wien 1992: Der Kaufmann von Venedig. Shakespeare. Schauspiel Frankfurt/Main 1992: Quai West. Koltes. Volksbühne Berlin 1992: Die Dreigroschenoper. Brecht/Weill. Teatro Aberto Lissabon 1993: Othello. Shakespeare. Staatstheater Cottbus 1993 1993: Die Räuber. Schiller. Staatstheater Cottbus 1995: Der Weg nach Mekka. Fugard. Teatro Nacional D.Maria II Lissabon 1996: Amphitryon. Moliere. Staatstheater Cottbus 1996: Cosi fan tutte. Mozart. Theater St. Gallen 1996: Romeo und Julia. Prokofjew. Staatstheater Cottbus 1997: Warten auf Godot. Beckett. Staatstheater Cottbus 1997: Sweeney Todd. Sondheim. Teatro Nacional D.Maria II Lissabon 1998: Der Kaukasische Kreidekreis. Brecht. Staatstheater Cottbus 1998: La Clemenza di Tito. Mozart. Theater St. Gallen 1999: Clavigo. Goethe. Staatstheater Cottbus 2000: Madame Butterfly. Puccini. Staatstheater Cottbus 2000: Teofane. Lotti. Theater St. Gallen 2000: Effi Briest. Fontane. Staatstheater Cottbus 2001: Der zerbrochne Krug. Kleist. Theater St. Gallen 2001: Prinz Friedrich von Homburg. Kleist. Staatstheater Cottbus 2001: Nathan der Weise. Lessing. Staatstheater Cottbus 2002: Peer Gynt. Ibsen. Teatro Aberto Lissabon 2002: Tosca. Puccini. Staatstheater Cottbus 2002: Dantons Tod. Büchner. Theater St. Gallen 2003: Penthesilea. Schoeck. Kleist-Forum Frankfurt/Oder 2004: Das Käthchen von Heilbronn. Kleist. Staatstheater Cottbus 2004: Die Nibelungen. Hebbel. Theater St. Gallen 2006: Die Nase. Schostakowitsch. Teatro Nacional de Sao Carlos Lissabon 2006: Das Käthchen von Heilbronn. Kleist. Landestheater Neustrelitz 2007: Sweeney Todd. Sondheim. Teatro Aberto Lissabon 2008: Faust. Goethe. Staatstheater Cottbus 2009: Amphitryon. Kleist. Schauspielhaus Neubrandenburg 2010: Kabale und Liebe. Schiller. Schauspielhaus Neubrandenburg
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Finkes (unvollständig) Berlin: Stadtmuseum Berlin Berlin: Akademie der Künste Erkner: Gerhart-Hauptmann-Museum Frankfurt/Oder: Kleist-Museum Weimar: Schillerhaus
Bilder
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen
1979 und 1986: Berlin
Teilnahme an Gruppenausstellungen
1977/1978 und 1987/1988: Dresden, VIII. und X. Kunstausstellung der DDR 1987: Potsdam („Heinrich Kilger und seine Schüler“) 1990: Berlin, Kunstforum der Grundkredit-Bank („Bühnenbildner aus der DDR“)
Literatur Christoph Funke: Tasso 75. Henschelverlag Berlin 1978. Arnold Aronson: Some Recent Soviet and East German Designs. Theatre Design & Technology. Spring 1983. Dieter Kranz: Ehrlichkeit. Realismus. Poesie. Sonntag, 51. Berlin 1986. Michael Funke/Dieter Görne: Wolfgang Engel inszeniert Penthesilea. Theaterarbeit in der DDR Nr. 18. Berlin 1989. Friedrich Dieckmann: Hilfsmittel wider die alternde Zeit. Kiepenheuer 1990. Dieter Kranz: Erzählende Spielräume. Die Deutsche Bühne. September 2001. Hans Heinz Holz: Zeiten-Wende. Hebbels Nibelungen. Das Bühnenbild. Aisthesis Verlag Bielefeld 2004. Finke, Jochen. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 201/202
Weblinks
https://www.deutschefotothek.de/gallery/encoded/eJzjYBKS4-JIK0rNLEmtKBFic8vMy07VkWJ29HNRYi7JydZiQJX3yk_OSM1DlgcALdkRGQ
Einzelnachweise
Kategorie:Bühnenbildner (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann