mini|Wappen der Familie Brienne Isabel de Beaumont – eigentlich Isabel de Brienne de Beaumont – (* um 1320; † nach 24. März 1356Burke’s Guide to the Royal Family; First Edition; Burke’s Peerage Limited, London 1973, Seite 196) war eine englische Adelige aus der ursprünglich aus Frankreich stammenden Adelsfamilie der Grafen von Brienne,Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Band III, 4 (1989), Tafel 681–686 aus der ihr Urgroßvater Johann von Brienne als Kreuzfahrer zum König von Jerusalem und später zum Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches aufstieg, ihr Großvater in Frankreich die Vizegrafschaft Beaumont-au-Maine erheiratete, wodurch Beaumont zum Familiennamen wurde – und ihr Vater, Henry de Beaumont, 1. Baron Beaumont in England als Feldherr und Staatsmann Karriere machte zum Baron Beaumont und durch seine Ehe iure uxoris – zum 4. Earl of Buchan wurde.

Isabel heiratete 1334 in das in England regierenden Haus Plantagenet ein und wurde durch ihre Ehe mit Henry of Grosmont, 1. Duke of Lancaster zur ersten Herzogin von Lancaster und stieg damit zu den ersten Damen am englischen Königshof unter König Eduard III. von England (1327–1377) auf.

Bemerkenswert ist das Netzwerk ihrer Verwandtschaft und ihrer Schwägerschaft, durch das sie über ihre Vorfahren mit Königen von Jerusalem und Kaisern des Lateinischen Kaiserreiches und über ihre Nachkommen mit zahlreichen europäischen Dynastien verbunden ist, wie etwa mit Königen von England, Königen von Portugal, dem Haus Österreich ab Kaiser Maximilian I. († 1519), und den Wittelsbachern, wodurch von ihr bis heute zahlreiche Nachkommen leben.Nachkommen von Jean Baptiste Ollagnier, auf roglo.eu

Herkunft Brienne-le-Château Isabel de Beaumont stammte aus einer der ältesten französischen Adelsfamilien, aus dem Haus der Grafen von Brienne, die bereits im 10. Jahrhundert mit Engelbert I. de Brienne Graf von Brienne († nach 968) urkundlich aufscheint und deren Stammsitz, in Brienne-le-Château im heutigen Département Aube in der westlichen Champagne gelegen war.

Königreich Jerusalem mini|Krönung Johanns von Brienne und Marias von Montferrat zum König und zur Königin von Jerusalem (Miniatur aus dem 13. Jahrhundert) Isabels Familie hatte seit Generationen einen Bezug zum Königreich Jerusalem, denn von ihren direkten Vorfahren nahm Erard I. Graf von Brienne († vor 1125) schon 1097 am Ersten Kreuzzug und 1099 an der Eroberung von Jerusalem teil.Arthur Prévost, les Champenois aux Croisades Dessen Sohn, Gautier II. de Brienne († um 1161), begleitete 1147 König Ludwig VII. von Frankreich im Zweiten Kreuzzug, und dessen Sohn wiederum, Erard II. Graf von Brienne, nahm 1189 am Dritten Kreuzzug teil, wo sein Bruder André de Brienne, Herr von Ramerupt – bei der Belagerung von Akkon am 4. Oktober 1190 fiel, nachdem er in das Zelt von Saladin – seit 1171 Sultan von Ägypten und seit 1174 Sultan von Syrien – aus dem Haus der Ayyubiden, eingedrungen war.Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. DTV, München 1995, ISBN 3-423-04670-8, S. 797. Bald darauf – am 8. Februar 1191 – fiel auch Erard II. von Brienne im Kampf.

Von den Söhnen von Erard II. folgte der älteste, Gautier III. de Brienne († 1205), 1191 auf seinen Vater als Graf von Brienne, heiratete Elvira von Hauteville, Prinzessin von Sizilien, eine Tochter von Tankred von Lecce König von Sizilien (1190–1194) aus dem Haus Hauteville, wurde dadurch Fürst von Tarent und erhob – vergeblich – gegen Kaiser Friedrich II. Anspruch auf das Königreich Sizilien, fiel jedoch im Kampf.

Isabel de Beaumont stammt von Johann von Brienne (* um 1169/74; † 23. März 1237 in Konstantinopel), einem jüngeren Bruder von Erard II. ab. Er war ihr Urgroßvater und wohl ihr bedeutendster Vorfahre. Er nahm 1204 am Vierten Kreuzzug teil und heiratete in erster Ehe Maria von Montferrat (* um 1192; † Frühjahr 1212), Königin von Jerusalem von 1205 bis 1212, eine Tochter des Konrad von Montferrat und der Isabella I. Königin von Jerusalem (1192–1205). Deren Mutter Isabella I. war eine Tochter von König Amalrich I. und Maria Komnena, die eine Großnichte des byzantinischen Kaisers Manuel I. war.

Durch diese Ehe wurde Johann von Brienne – iure uxoris – von 1210 bis 1212 König von Jerusalem. Anschließend regierte er das Königreich von 1212 bis 1225 im Namen seiner minderjährigen Tochter aus dieser Ehe, Isabella II. von Brienne Königin von Jerusalem (1212–1228). Aus dieser Funktion verdrängte ihn jedoch sein Schwiegersohn, Kaiser Friedrich II. aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, der den Titel König von Jerusalem übernahm.

Durch seine Tochter Isabella wurde Johann von Brienne 1225 zum Großvater von Konrad IV., der ab 1237 König des Heiligen Römischen Reiches, ab 1250 König von Sizilien und von 1228 bis 1254 König von Jerusalem war, auf den dessen Sohn Konradin (* 1252; † 1268) – ein Cousin der Isabel de Beaumont – von 1254 bis 1268 als König von Jerusalem folgte.Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. DTV, 1997, S. 1059

Kaiserreich Konstantinopel Noch eine Stufe höher stieg Johann von Brienne, da er als Regent für den minderjährigen Balduin II. aus dem Haus Frankreich-Courtenay, der von 1228 bis 1261 Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel war, zum Kaiser gewählt wurde und als solcher neben diesem von 1229 bis 1237 regierte.Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. S. 954, S. 1038 Johanns Tochter Maria von Brienne (* 1225; † 1275) – eine Großtante der Isabel de Beaumont – heiratete 1234 Kaiser Balduin II. und war von 1234 bis 1261 die letzte lateinische Kaiserin von Konstantinopel. Sie starb im Exil in Frankreich. mini|Kaiser Balduin II. verabschiedet die Brüder Polo zu ihrer Reise nach China zu Kubilai Khan Der Sohn der Maria von Brienne – Isabels Cousin – Philipp von Courtenay (* 1240/41; † 1283); Kronprinz des lateinischen Kaiserreiches – lebte nach der Einnahme von Konstantinopel durch die Truppen von Michael VIII. Palaiologos Kaiser von Byzanz in Nizäa im Jahre 1261 im Exil in Neapel, nahm jedoch nach dem Tod seines Vaters 1274 den Kaisertitel an, herrschte über die lateinisch gebliebenen Kreuzfahrerstaaten in Griechenland und begründete die Linie der „Titularkaiser“ von Konstantinopel, wobei der Titel 1301 durch die Ehe seiner Tochter Catherine de Courtenay (* um 1275–1307/1308) auf Karl I. Graf von Valois († 1325) überging.

Johann von Brienne heiratete in dritter Ehe Berengaria von León († 12. April 1237), einer Tochter von Alfons IX. König von Leon und Galicien (1180–1230) und der Berenguela von Kastilien,Charles Cawley, FMG, Medieval Lands, LOUIS de Brienne die 1231 in der Hagia Sophia zur Kaiserin des Lateinischen Kaiserreiches gekrönt wurde.

Frankreich mini|Louis de Brienne, Isabels Großvater Isabels Großvater Ludwig von Brienne, genannt „von Akkon“ (* um 1230, † 1297), stammte aus der dritten Ehe des Johann von Brienne und wurde somit als kaiserlicher Prinz von Konstantinopel geboren. Er wuchs jedoch nach dem Tod seines Vaters mit seinen Brüdern in Frankreich, am Hof von Ludwig IX. dem Heiligen König von Frankreich (1226–1270) auf, da die Mutter des Königs, Blanka von Kastilien († 1252), eine Schwester seiner Großmutter Berengaria von León und damit seine Großtante war.Guillaume de Nangis, Chronique de Guillaume de Nangis (lire en ligne [archive]), S. 152–153 mini|Ludwig von Brienne und seine Gemahlin Agnes de Beaumont, Großeltern von Isabel de Beaumont Ludwig von Brienne heiratete am 12. Februar 1253 Agnes de Beaumont (* um 1225; † 9. Mai 1301), die als Erbin ihres Bruders Richard II. de Beaumont († 1242) und Tochter von Raoul VIII. de Beaumont († 1238/39) Vizegräfin von Beaumont-au-Maine (heute Beaumont-sur-Sarthe im Département Sarthe in der Region Pays de la Loire) und Herrin von La Flèche, Fresnay-sur-Sarthe, Sainte Suzanne, von Le Lude und von Château-Gontier war, wodurch Ludwig von Brienne 1253 zum Vizegrafen von Beaumont und Herrn der dazugehörigen Besitzungen wurde. Zugleich wurde er dadurch zum Lehensmann von Karl I. von Anjou König von Sizilien (1266–1285), einem jüngeren Bruder von König Ludwig IX. dem Heiligen von Frankreich.

England mini|Wappen von Henry de Brienne -Beaumont, Vater von Isabel de Beaumont Isabels Vater, Henry de Beaumont, 1. Baron Beaumont (* vor 1280, † 1340),Charles Cawley, FMG, Medieval Lands, English Nobility HENRY de Beaumont – der jüngste Sohn des Ludwig von Brienne – war als jüngerer Sohn ohne Herrschaft und Titel, versuchte daher sein Glück in England, wo er als Offizier und Diplomat unter König Eduard I. und insbesondere unter Eduard II., König von England (1307–1327) Karriere machte. Er spielte eine wichtige Rolle im Zuge der Schottischen Unabhängigkeitskriege, wurde daher 1309 zum englischen Baron Beaumont und 1322 zum „Constable of England“ d. h. zum Connetabtle oder Oberkommandierenden ernannt und heiratete kurz vor dem 14. Juli 1310 Isabels Mutter, Alice Comyn, Countess of Buchan († 1349), eine Tochter des schottischen Adeligen Alexander Comyn, Sheriff von Aberdeen, sowie Nichte und Erbin von John Comyn, 7. Earl of Buchan († 1308) war. Dadurch wurde Isabels Vater – iure uxoris – zum 4. Earl of Buchan. Isabels Onkel, Alfons von Brienne († 1270), wurde durch seine Ehe mit Marie von Lusignan-Issoudun, Gräfin von Eu, einer Tochter des Grafen Rudolf II. von Eu zum Stammvater der Grafen von Euaus dem Haus Brienne in Frankreich.

Leben Jugend Isabel wuchs mit ihren Geschwistern, John, Elizabeth, Catherine, Agnes und Joan Beaumont auf. John Beaumont († Mai 1342), Isabels einziger Bruder folgte 1340 auf seinen Vater als 2. Baron Beaumont und wurde durch seine Ehe (vor Juni 1337) mit Eleanor of Lancaster, † 1372, (Tochter von Henry of Lancaster, 3. Earl of Lancaster und der Maud de Chaworth) zu Isabels Schwager, da seine Ehefrau eine Schwester von Isabels Ehemann war. Sein Sohn Henry de Beaumont setzte als 3. Lord Beaumont die Familie durch seine Ehe mit Margaret de Vere († 1398), einer Tochter von John de Vere, 7. Earl of Oxford († 1360) fort. Die Linie erlosch mit William 7. Lord Beaumont im Jahre 1507. Elizabeth de Beaumont († 27. Oktober 1400, begraben in Hulton Abbey), ⚭ 1330/31 Nicholas Audley, 4. Baron Audley of Heleigh († 1391). Er folgte auf seinen Vater 1386 als Lord Audley (keine Kinder)Charles Cawley, FMG, Medieval Lands, English Nobility NICHOLAS Audley Catherine de Beaumont († 11. November 1368) ⚭ David III. Strathbogie 1330 (Titular-)Earl of Atholl, der im Zweiten Schottischen Unabhängigkeitskrieg am 30. November 1335 in der Schlacht von Culblean fiel. Sein Sohn David IV of Strathbogie (* 1332; † 1369) folgte 1335 als (Titular-)Earl of Atholl und hinterließ aus seiner Ehe mit Elizabeth Ferrers, einer Tochter von Henry Ferrers Lord Ferrers of Groby, zwei Töchter, Elizabeth und Philippa, die mit zwei Brüdern, Thomas und Ralph Percy verheiratet waren, jedoch keine dauerhafte Nachkommenschaft hinterließen.Charles Cawley, FMG, Medieval Lands, Scottish nobility, DAVID of Strathbogie Agnes de Beaumont († nach 1359) ⚭ als dessen zweite Ehefrau 1343 Thomas Lucy, Lord Lucy († London 5. Dezember 1365) (keine Kinder aus dieser Ehe)Charles Cawley, FMG, Medieval Lands, English Nobility, THOMAS de Lucy Joan de Beaumont ⚭ Sir Fulk FitzWarin, 3rd Lord FitzWarinThe complete Peerage Joan BeaumontMosley, Charles, editor. Burke's Peerage and Baronetage, 106th edition, 2 volumes. Crans, Switzerland: Burke's Peerage (Genealogical Books) Ltd, 1999.

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