mini|Illustration der Kämpfe zwischen den Truppen der k.k. Monarchie und Rebellen der La Ilustración Española y Americana (25. Dezember 1869) Der Aufstand in der Krivošije (, ) von 1869 war eine erfolgreiche montenegrinische Rebellion gegen das Landwehrgesetz der k.k. Regierung von 1868 das die alten Rechte und Privilegien der Bevölkerung der Bucht von Kotor einschränkte. An dem Aufstand beteiligten sich insbesondere die Bewohner im Hochland der Krivošije, der westlichen stark verkarsteten Partie im Orjen-Gebirge. Rückhalt bekamen die Aufständischen durch die Bocchesen, die Einwohner in der Bucht von Kotor. Der Aufstand wurde durch den Friedensvertrag von Knežlaz am 11. Januar 1870 beendet, ohne dass es durch die im Verlauf der Auseinandersetzung weiter verstärkten militärischen Operationen der k.k. Monarchie gelang, den Aufstand militärisch zu lösen. Als hinderlich erwiesen sich die Zähigkeit der Montenegriner, die Unwägbarkeit des Karst-Geländes sowie der einbrechende Winter, der trotz der unter großen Mühen gelungenen Vordringens der Hauptstreitmacht unter Graf Karl von Auersperg bis zum Fort Dragalj am 20. November eine sofortige Räumung des besetzten Gebietes und der Überlassung an die Krivošijer Aufständischen ein militärischer Misserfolg blieb, der die Regierung zu einer baldigen Beendigung des Feldzuges zwang. An dem Aufstand waren zwischen 1500 und 2000 Bocchesen und Krivošijer beteiligt, der Zentrum Risan und die nördlich davon liegenden Hochländer im Orjen waren.Tomislav GRGUREVIĆ: CRNA GORA I BOKELJSKI USTANAK 1869. GODINE

Kampfgebiet mini|Das Fort von Dragalj stand einstamlas an Stelle der Kirche. Im Hintergrund Jankov vrh und Krivošijska bajgorovica. Die bewaldete Moräne am Ausgang des Hochlandes entstammt der Maximalvereisung im Orjen im Mittleren Pleistozän. Der Hauptteil der Gefechte erfolgte auf den stark verkarsteten Plateau oberhalb Risan bis zum Dragalj polje. Letzteres bildet eine 9 km² messende von steilen Bergen umrahmte abflusslose Ebene. Zwischen dem dort befindlichen Fort Dragalj sowie den dorthin führenden Saumpfaden Richtung Risan entflammten die Kämpfe. Die Aufständischen nutzten dabei die natürliche Topographie der Krivošije. Zwischen den einzelnen zu versorgenden Forts erstreckten sich weite Strecken in übersichtlichen Gelände, wo die k.k. Truppen aufgelauert wurden. Die Aufständischen selbst konnten in den verbuschten Kalkfelsen von den in Kolonnen marschierenden Truppen nicht gestellt werden.

mini|hochkant=2|zentriert|Dragalj polje und der Karst im Kameno more ist Herdenzuchtgebiet. Im Bild Buša Rinder auf der Weide im Dragalj polje

Vorgeschichte und Verlauf mini|Karte der Region, 1862 mini|Bewaffnete Krivošijer, Illustration von 1878 Anlass Der Aufstand entfachte sich im südöstlichen Zipfel der k.k. Monarchie im Königreich Dalmatien in der Bucht von Kotor. Hier begünstigte die nur schmale Landpartie, die die Umgebung der Bucht von Kotor bildete, während Hinterland im Bestand des Osmanischen Reichs oder Fürstentum Montenegro waren, dass die Bewohner aufgrund der regionalen Abgeschiedenheit nur eine geringe Zugehörigkeit zur Monarchie empfanden. So sorgte die Einführung des 1868 verabschiedeten Landwehrgesetz in Dalmatien von den Bocchesen (serbo-kroat. Bokelji), deren männliche Einwohner jetzt zum Landwehrdienst eingezogen werden konnten, zu großer Empörung. Das Landwehrgesetz sollte im Oktober 1869 in ganz Dalmatien eingeführt werden. Es war unmittelbaren Anlass eines bewaffneten Aufstandes der Krivošijer, einem montenegrinischen Clan der verstreut zwischen Bijela gora und Risan im Osten des Orjen siedelte und von Herdentierzucht siedelte.

Der Artikel III des neuen Wehrgesetzes hatte zwar die ehemaligen Kreise Ragusa (Dubrovnik) und Cattaro (Kotor) begünstigt: „Die früher vom Militärdienst gänzlich befreit gebliebenen Wehrpflichtigen des ehemaligen Kreises Cattaro und des Festlandes des ehemaligen Kreises Ragusa im Königreich Dalmatien haben der Wehrpflicht nur in der Landwehr zu genügen“,Der Aufstand in Süddalmatien". Kriegschronik Osterreich-Ungams, Mitteilungen des k. u. k. Kriegsarchivs. Wien 1892 sie hatten damit keinen Heeresdiensts abzuleisten, jedoch hatte die Veröffentlichung des Gesetzes aus verschieden starken Gründen den Unwillen der Bewohner in Kotor herbeigerufen. Insbesondere wurde die Absicht, dass Ragusaner und Bocchesen einen gemeinsamen Landwehr-Bataillon bilden sollten, für Bocchesen eine unzumutbare Note. Die Partikularität zwischen Ragusa und Cattaro hatte sich in Jahrhunderten in einen starken Gegensatz der beiden Seerepubliken ausgedrückt. Und schließlich sollten die Bocchesen selbst ihre Waffen abgeben, was ihrer Tradition zuwiderlief, da diese selbst gegenüber dem Osmanischen Reich ihre Selbständigkeit behauptet hatten. Das Osmanische Reich konnte selbst in seinem Zenit nur die Küstenstädte Castelnuovo (Herceg Novi) und Risano (Risan) halten, zog sich jedoch nach 1654 mit Ausnahme eines unbesiedelten Landstreifens bei Sutorina territorial zurück.

Kristallisationspunkt des Aufstandes bildete das schwache k.k. Fort in Dragalj an der Grenze zu Montenegro. Das Fort im Polje von Dragalj (Dvrsno) stand östlich der Krivošije dem Herd der Aufständischen. Es wurde durch eine Straße von Risan über Knezlaz-Crkvic-Han versorgt. Darüber führte die Straße ins montenegrinische Grahovo.

Das Gesetz wurde am 22 September veröffentlicht und sollte zum 6. Oktober wirksam werden.Mitteilungen des k.u.k. Kriegsarchivs. Supplement (1892). Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien Die Gemeinden Dobrota, Perast und Prčanj erklärten als erstes, dass sie die jungen Männer nicht in die Listen der Landwehr eintragen würden. Die Festungskommandantur von Cattaro drohte daraufhin Standrecht einzuführen, darauf folgten alle anderen Gemeinden dem Beispiel der drei genannten Gemeinden. Die Bewegung wurde überwiegend von den serbisch-orthodoxen Bewohnern unterstützt und fand in den Priestern und Gemeinde-Vorstehern Unterstützung, die Taufregister und andere Register verbrannten und Mitglieder der Kommissionen zur Durchführung der Bestimmungen tätlich angriffen oder vertrieben. Zugleich flüchteten die Stellungspflichtigen jungen Männer in die Berge oder ins nahe Montenegro. Mit der Bildung von Četen von je 60 Mann wurden die strategisch wichtigen Positionen besetzt.

Beginn des Aufstandes Um die gefährdetste Position im Fort Dragalj mit einer Besatzung von 32 Mann, hatte der Festungskommandant in Cattaro Verpflegung und Verstärkung beordert. Aus dem Stationskommando Risan sollten 2 Offiziere und 42 Soldaten des Infanterie-Regiments 44. am 7. Oktober in Richtung Dragalj abkommandiert werden. Über den kürzeren Weg Knežlaz, Ledenica sollten sie das Polje von Dragalj (Dvrsno) erreichten, mussten auf dem Weg jedoch durch die verkarsteten Partien im Kameno more (dt. Steinerne Meer) marschieren.

In Ledenice wurde die Abteilung durch 200 Aufständische gestellt, die eine Rückkehr des Regiments mit Ausnahme von 5 Mann nach Risan verlangten. Der Feuerbefehl den der Regiments-Kommandant daraufhin befahl führt zu einem Zwischenfall an dem ein unbeteiligter der zufällig gerade dort seine Tragetiere geführt hatte, verwundet wurde und einen allgemeinen Angriff der Aufständischen auslöste. Der Angriff konnte das Regiment nicht Standhalten, es verlor ein Drittel seines Bestandes. Das Gefechten vom 7. Oktober in Ledenice bildete damit den Beginn des bewaffneten Konflikts. Auf die Nachricht das in der Krivošije der bewaffnete Aufstand begonnen hatte, griff dieser nun auch auf die Župa und Pastrovići über. Dadurch verlor die Festungskommandantur von Cattaro die Kontakte zu den einzelnen Forts.

Ein weiterer Versuch zur Aufstockung des Forts Dragalj endete mit der Erschießung der beiden abgesandten Boten der Aufständischen, was den Zorn der Krivošijer endgültig angefacht hatte, das Reichs-Kriegsministerium musste von da an den Ausnahmezustand über das Gebiet verhängen. Als Verstärkung wurde unter sofortiger Wirkung das Infanterie-Regiment 22. aus Ragusa nach Cattaro verlegt.

Zusätzlich wurden die in Triest stationierten Infanterie-Regimenter 7, 48 und 52 sowie die Jäger Bataillone 8. und 9. nach Dalmatien beordert. Die Marine verlegt die Fregatte „Habsburg“, mehrere kleine Kriegsschiffe, sowie die Kanonenboote „Kerka“ und „Reka“ sowie die Dampfer „Taurus“ und „Lucia“ in die Bucht. Am 13. Oktober wurden 1,5 Bataillone nach Ledenice beordert. Mit der Verstärkung sollten die Verbindung zu den Forts Crkvice und Dragalj über Risan wiederhergestellt werden, sowie die dazwischen liegende Krivošije gesäubert werden.

Der Einsatz erfolgte zum 19. Oktober 1869, die Kolonne rückte aufgrund der Terrainbeschaffenheit nur langsam vor. Zum 20. Oktober hatte eine Kolonne erst Ledenice erreicht, wo sie nach einem Nachtgefecht gezwungen wurden nach Risan zurückzukehren. Ein Wetterumschwung vom 19./20. Oktober mit einsetzender Bora und stürmischen Regen hatte die zweite Kolonne bei Knežlaz überrascht, sie konnte durch die widrigen Witterungs- und Geländeverhältnisse zum 20. Oktober nur den Weg bis zum Wachhaus Crkvice bewerkstelligen. Damit war erst ein Drittel der Wegstrecke nach Dragalj zurückgelegt, der verbleibende Rest war jedoch noch tückischer. Die Hauptkolonne kehrte dadurch unverrichteter Dinge schon am Nachmittag des 20. Oktober wieder nach Risan um.

In der Župa gelang den Aufständischen am 21. Oktober das Fort Stanjević einzunehmen und seine Verteidiger zu einem Abzug zu zwingen. In der zunehmenden Intensität der Kämpfe wurde ein Entsatz des Forts Dragalj unmöglich. Die k.k. Regimenter hatten an zwei Aufstandsherden Sicherungsmaßnahmen durchzuführen, da sich auch die Lage um Kotor sich verschlechtert hatte. Die südlichen Forts von Cattaro, Goražda und Trinità brauchten Verstärkung, die Aufständischen hielten sie zudem unter Beschuss. Nachdem Gefechten um Trinità hatten die Bocchesen hohe Verluste erlitten, was hier den Widerstand brach. Die weiteren Gefechte konzentrierten sich von nun an im Aufstand in der Krivošije.

Das 7. Infanterie-Regiment hatte jetzt aus Triest kommend die Bocche erreicht. Damit sollte ein neuer Versuch Dragalj zu erreichen ausgeführt werden. Am 25. Oktober brach das Regiment aus Risan auf. Nachdem die früheren Versuche über zwei Wege nach Dragalj durchzudringen gescheitert waren, wurde nur noch eine Kolonne gebildet. Durch ständige Gefechte mit den Krivošijern aufgehalten, erreichte das Regiment unter Verlusten erst am Nachmittag Crkvice. Am darauffolgenden Morgen am 26. Oktober sollte das Regiment über Han nach Dragalj vorrücken. Erste morgendliche Gefechte hielten dieses jedoch schon in Poljana vor der Ebene im Dragalj-Polje auf. Bei den Gefechten wurde der Kommandant verletzt sein Kommando musste er dadurch abgeben. Doch hatte Verpflegung und Entsatz des Forts Dragalj unter hohen Verlusten durchgeführt werden können.

Kulmination mini|hochkant|Anlässlich des Eintreffens Kronprinz Rudolf auf dem Zubački kabao wurde 1888 an der Orjenska lokva ein Obelisk mit dem Österreichischen Doppeladler aufgestellt