Sjewjerodonezk ( - seit 2024 offiziell ukrainisch Siwerskodonezk/; ) ist eine Stadt im Westen der Oblast Luhansk in der Ukraine mit etwa 40.000 Einwohnern (Stand 2024). 2020 waren es noch etwa 100.000.
Geschichte
mini|Dreifaltigkeitskirche im Ort Ein chemisches Kombinat (Azot) und eine Arbeitersiedlung Lis-chimstroj (Лисхимстрой) wurden 1934 gegründet. 1950 wurde die Siedlung in Sewerodonezk umbenannt und erhielt 1954 das Stadtrecht.
Am 28. November 2004 trat in der Stadt der „Allukrainische Kongress der Abgeordneten aller Ebenen“ zusammen, an dem hauptsächlich Vertreter der prorussischen Partei der Regionen teilnahmen. Sie drohte mit der Ausrufung einer Autonomie für die acht östlichen und südlichen Regionen der Ukraine sowie die Krim und Sewastopol. Dies war der erste Versuch, die Ukraine zu spalten.
Im Rahmen des Ostukrainekonfliktes seit 2014 siedelte sich die Verwaltung für jene Teile der Oblast Luhansk, die unter ukrainischer Kontrolle verblieben, in der Stadt an.
Infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 ist die Stadt Raketenangriffen ausgesetzt und Kriegsschauplatz. Die Eroberung der Stadt mit dem Chemiewerk wurde im Juni 2022 zum zentralen Ziel russischer Angriffe, um die Oblast Luhansk vollständig zu beherrschen. Am 24. Juni 2022 befahl der Gouverneur der Region Luhansk den Rückzug der ukrainischen Truppen aus Sjewjerodonezk. Er sagte, 90 Prozent der Häuser seien zerstört.Meldung von 7:51 Uhr (FAZ.net vom 24. Juni 2022)siehe auch AFP: Ukrainische Armee soll Sewerodonezk räumen Seit dem 25. Juni 2022 ist die Stadt unter russischer Kontrolle. Nach dem Ende der Kämpfe beklagte das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten die aussichtslose Versorgungslage der verbliebenen Bevölkerung.Wasteland: Ukraine's Shattered City Of Syevyerodonetsk Now Under Russian Occupation, RFE/RL, 1. Juli 2022
Geographie Der Ort befindet sich etwa 70 km nordwestlich von Luhansk und 100 km nordöstlich der in der angrenzenden Oblast Donezk liegenden Stadt Donezk. Die Stadt liegt am Ufer des Siwerskyj Donez, des größten Zuflusses auf der rechten Seite des Dons.
Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Sjewjerodonezk (Сєвєродонецька міська громада/Sjewjerodonezka miska hromada). Zu dieser zählen auch die Siedlungen städtischen Typs Boriwske, Metjolkine, Syrotyne und Woronowe, die 12 in der untenstehenden Tabelle aufgelistetenen Dörfer sowie die Ansiedlungen Lisna Datscha, Pawlohrad und SynezkyjКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 717-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Луганської області", bis dahin bildete sie zusammen mit den gleichen Siedlungen städtischen Typs, den 3 Dörfern Bobrowe, Oskoloniwka und Wojewodiwka sowie den gleichen Ansiedlungen die gleichnamige Stadtratsgemeinde Sjewjerodonezk (Сєвєродонецька міська рада/Sjewjerodonezka miska rada) welche direkt unter Oblastverwaltung stand und im Norden des ihn umschließenden Rajons Popasna lag.
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons SjewjerodonezkВерховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів".
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Sjewjerodonezk Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Bobrowe Боброве Боброво (Bobrowo) Boriwske Борівське Боровское (Borowskoje) Borowenky Боровеньки Боровеньки (Borowenki) Hawryliwka Гаврилівка Гавриловка (Gawrilowka) Jepifaniwka (seit 2024 offiziell ukrainisch JepyfaniwkaВерховна Рада України; Постанова від 19.09.2024 № 3984-IX Про перейменування окремих населених пунктів та районів) Єпіфанівка Епифановка (Jepifanowka) Lisna Datscha Лісна Дача Лесная Дача (Lesnaja Datscha) Metjolkine Метьолкіне Метёлкино (Metjolkino) Nowa Astrachan (seit 2024 offiziell ukrainisch HusijiwkaВерховна Рада України; Постанова від 19.09.2024 № 3984-IX Про перейменування окремих населених пунктів та районів) Нова Астрахань Новая Астрахань (Nowaja Astrachan) Nyschnij Suchodil Нижній Суходіл Нижний Суходол (Nischni Suchodol) Oleksandriwka Олександрівка Александровка (Alexandrowka) Oskoloniwka Осколонівка Осколоновка (Oskolonowka) Pawlohrad Павлоград Павлоград (Pawlograd) Purdiwka Пурдівка Пурдовка (Purdowka) Smoljanynowe Смолянинове Смоляниново (Smoljaninowo) Synezkyj Синецький Синецкий (Sinezki) Syrotyne Сиротине Сиротино (Sirotino) Tschabaniwka Чабанівка Чабановка (Tschabanowka) Woronowe Воронове Вороново (Woronowo) Wojewodiwka Воєводівка Воеводовка (Wojewodowka)
Wirtschaft Die Stadt war bis zur Zerstörung ein bedeutender Standort der Chemieindustrie in der Ukraine. Unter anderem befindet sich dort die Düngemittelfabrik Asot der Group DF. Kriegsbedingt ist ein Großteil der Produktion eingestellt worden.
Verkehr Dem innerstädtischen Verkehr dienten mehrere öffentliche Buslinien und Trolleybuslinien. Vom Bahnhof Lyssytschansk aus, 4 km von Sjewjerodonezk entfernt, fuhren Züge nach Kiew sowie Regionalzüge. In der Stadt befand sich ein Busbahnhof mit nationalen und internationalen Anbindungen. Die wirtschaftliche Nutzung des Flughafens wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion aufgegeben.
Bevölkerungsentwicklung 1939 1959 1970 1979 1989 2001 2010 2020 5.240 33.180 90.036 113.041 131.376 119.940 111.487 102.396
Quelle:
Städtepartnerschaften Die Stadt listet folgende Partnerstädte auf: Stadt Land seitCeadîr-Lunga 15px2010Jelenia Góra 15px2006Riwne 15px2007Serpuchow 15pxSchachty 15px2013
Söhne und Töchter der Stadt
Ihor Berkut (* 1964), ukrainischer Politiker Serhij Hajdaj (* 1975), ukrainischer Politiker Nikolai Dawydenko (* 1981), russischer Tennisspieler Pawlo Hubarjew (* 1983), ukrainischer Politiker; Wortführer der prorussischen Bewegung in der Ostukraine Alexander Komaristy (* 1989), russischer Eishockeyspieler Rudi Molleker (* 2000), deutscher Tennisspieler
Weblinks
Seite über die Stadt (russisch) Informationen zum Ort (ukrainisch)
Siehe auch
Liste beschädigter und zerstörter Kulturstätten in der Ukraine infolge des russischen Angriffskrieges seit 2022
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Luhansk Kategorie:Ort am Siwerskyj Donez
Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1954 Kategorie:Rajon Sjewjerodonezk