Die Bahnstrecke Berlin Warschauer Straße–Königs Wusterhausen ist eine elektrifizierte, überwiegend zweigleisige Hauptbahn in Berlin und dem brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. Sie ist Teil des Berliner S-Bahn-Netzes und verläuft in weiten Teilen parallel zur Fernbahnstrecke Berlin–Görlitz (Görlitzer Bahn). Das Kernstück der Strecke ging 1906–1909 zwischen Berlin Treptower Parkbis 1937: Treptow und Berlin-Grünaubis 1929: Grünau (Mark) zur Entlastung der Görlitzer Bahn vom Vorortverkehr in Betrieb. Unter Einbeziehung der 1871 in Betrieb genommenen Südringkurve am Bahnhof Berlin Ostkreuzbis 1933: Stralau-Rummelsburg und der 1914–1921 realisierten Erweiterung im Kreuzungsbereich mit der Berliner Ringbahn zwischen Ostkreuz und Treptower Park entstand so ein durchgehender Schienenstrang von der Berliner Stadtbahn in den wald- und seenreichen Südosten Berlins. Die stadtseitige Verlängerung der Vorortgleise von der Ringbahn zum Görlitzer Bahnhof war wiederholt angedacht, wurde aber nie realisiert. In den Jahren 1928/1929 erfolgte die Elektrifizierung (750 V Gleichspannung mit Stromschiene) der Strecke im Rahmen der „Großen Elektrisierung“ der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen, aus denen 1930 die Berliner S-Bahn hervorging. Anfang der 1940er Jahre fanden Arbeiten zur Verlängerung der Strecke von Grünau nach Königs Wusterhausen statt, die aufgrund des Zweiten Weltkriegs eingestellt werden mussten. Die Deutsche Reichsbahn weitete 1951 den elektrischen Betrieb bis Königs Wusterhausen aus.
Die Strecke ist sowohl mit der Stadtbahn als auch mit der nördlichen und südlichen Ringbahn verknüpft. Zweigstrecken führen nach Spindlersfeld und zum Flughafen Schönefeld. Der Mittelabschnitt zwischen Baumschulenweg und Schöneweide wird von planmäßig sechs Zuggruppen im 20-Minuten-Takt befahren, was einer durchschnittlichen Zugfolge von rund dreieinhalb Minuten entspricht.
Verlauf mini|links|Streckenanfang in Höhe der ehemaligen Abzweigstelle Vsr, 2005. Der S-Bahn-Zug der Linie S7 fährt von Warschauer Straße kommend auf den Verlängerten Stadtgleisen über Ostkreuz (Bahnsteig D) und Lichtenberg nach Ahrensfelde, links davon liegen die Gleise nach und von Treptower Park sowie das Gegengleis von Lichtenberg.
Die Strecke ist unter der Nummer 6007 im Verzeichnis der örtlich zulässigen Geschwindigkeiten (VzG) registriert. Der Anfangspunkt liegt in Höhe der Trennung der Nord- und Südringkurve westlich des abgetragenen Bahnsteigs A des Bahnhofs Ostkreuz. Die Zuführung beider Ringkurven zweigte auf Höhe der Modersohnbrücke an der ehemaligen Abzweigstelle Vsr von den Vorortgleisen der Ostbahn ab, seit der Wiederinbetriebnahme der Südringkurve ist diese auch an die Vorortgleise der Schlesischen Bahn angeschlossen. Die Strecke steigt ab Vsr auf einem Damm auf das Niveau der Ringbahn an und überquert die Gleise der Schlesischen Bahn. Der Nullkilometer ist am Bahnhof Ostkreuz in Höhe der ehemaligen Bahnsteige A und C. Die Gleise tangieren anschließend den Bahnhof Ostkreuz südwestlich und verlaufen nach Überquerung des S-Bahn-Ringgleises Ostkreuz–Treptower Park mittig zwischen beiden S-Bahn-Ringgleisen.
Nach der Ringbahnbrücke über die Spree erreicht die Strecke den Bahnhof Treptower Park, wo ein Wechsel zwischen Ring- und Vorortgleisen möglich ist. Südlich des Bahnhofs verlässt die Strecke die Ringbahn und wendet sich den Ferngleisen der Görlitzer Bahn zu, die südlich beziehungsweise östlich zu den Vorortgleisen verlaufen. Beide Strecken verlaufen im Abstand von nur wenigen hundert Metern parallel zum Straßenzug Am Treptower Park – Köpenicker Landstraße – Schnellerstraße – Michael-Brückner-Straße – Adlergestell. Nach dem Haltepunkt Plänterwald fädelt im Bahnhof Baumschulenweg die Verbindungsbahn von Neukölln in die Strecke ein. Südlich des Bahnhofs quert die Strecke den Britzer Verbindungskanal. Am Kreuzungspunkt mit dem Sterndamm befindet sich mit dem Bahnhof Schöneweide der betriebliche Mittelpunkt der Strecke. In Schöneweide gehen die Zweigbahn nach Spindlersfeld und die Verbindung zur S-Bahn-Hauptwerkstatt Schöneweide ab und es besteht Übergang zum Regionalverkehr. Südlich des Personenbahnhofs ist eine zehngleisige Abstellanlage.
Im weiteren Verlauf folgen der Haltepunkt Johannisthal und der Haltepunkt Adlershof. Nach Überquerung des Teltowkanals fädelt zunächst im Grünauer Kreuz die Flughafen-S-Bahn Richtung Schönefeld aus, bevor die Vorortstrecke den Bahnhof Grünau erreicht. An den Bahnhof ist die Betriebswerkstatt Grünau angeschlossen. Hinter Grünau wendet sich die Strecke mehr gen Süden zu und passiert unmittelbar nördlich des Haltepunkts Eichwalde die Berliner Stadtgrenze. Hinter dem folgenden Bahnhof Zeuthen verläuft die Strecke nur noch eingleisig mit Wildau als einzigem Zwischenbahnhof. Im Nordkopf des Endbahnhofs Königs Wusterhausen kreuzt die Görlitzer Bahn zunächst den Nottekanal. Von Osten kommt die Nebenbahn Grunow–Königs Wusterhausen. Das Ferngleis der Görlitzer BahnDie Fernbahn wird im Bahnhof Königs Wusterhausen eingleisig geführt. ist mit dieser über eine das S-Bahn-Gleis kreuzende Weichenstraße verbunden. Die Vorortstrecke endet dahinter stumpf am Gleis 2 des Mittelbahnsteigs B. Nördlich der Kanalbrücke ist eine nur noch von Süden zugängliche zweigleisige Abstellanlage.
Geschichte Die Strecke kann grob in vier Bauabschnitte unterteilt werden. Der nördlichste Abschnitt ist die 1871 eröffnete und 1882 in ihre heutigen Lage verschobene Südringkurve von Warschauer Straße nach Treptower Park. Daran anschließend folgt die 1896 aufgebaute Verbindungskurve von Treptower Park zum ehemaligen Bahnhof Ausstellung an der Görlitzer Bahn in Höhe der Bulgarischen Straße. Der zentrale Abschnitt, die parallel zur 1866 eröffneten Görlitzer Bahn verlaufende Vorortstrecke bis Grünau, ging 1906 bis 1909 in Betrieb. Das jüngste Teilstück von Grünau bis Königs Wusterhausen wurde 1951 eröffnet.
Anfänge (1866–1900) Die Strecke Berlin Görlitzer Bf–Görlitz der Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft ging am 31. Dezember 1866 für den Regelverkehr zwischen Berlin und Cottbus in Betrieb. Die ersten Unterwegshalte befanden sich in Grünau und Königs Wusterhausen. Im Juni 1868 kamen der Haltepunkt Neuer Krug1876–1895: wechselnde Namen1895–1929: Niederschöneweide-Johannisthal (in wechselnden Schreibweisen)seit 1929: Berlin-Schöneweide, aus dem sich der spätere Bahnhof Berlin-Schöneweide entwickelte, im Juni 1874 der Haltepunkt Adlershof1894–1901: Adlershof-Glienicke1901–1935: Adlershof-Alt=Glienicke1911–1935: Adlershof-Alt Glienickeseit 1935: Berlin-Adlershof und 1889 die Haltestelle Baumschulenweg hinzu.
Die östliche Ringbahn zwischen Moabit und Schöneberg ging am 17. Juli 1871 für den Güterverkehr in Betrieb. Südlich von Treptow kreuzte die Ringbahn die Görlitzer Bahn. Zwischen beiden Strecken ging gleichzeitig der sogenannte Innere Ringbahnanschluss Görlitzer Bahnhof–Rixdorfseit 1912: Neukölln in Betrieb. Am Kreuzungspunkt der Ringbahn mit der Schlesischen Bahn und Ostbahn bestanden ebenfalls innere Verbindungskurven zum Frankfurter Bahnhof (Südkurve) und Ostbahnhof (Nordkurve). Ab dem 1. Januar 1872 fuhren Personenzüge auf der Ringbahn. Südlich der Abzweigstelle Vn, an der die Verbindungskurve zur Niederschlesisch-Märkischen Bahn von der Ringbahn abging, befand sich der Bahnhof Stralau, bis April 1872 als Niederschlesisch-Märkischer Anschluß bezeichnet, von wo aus Anschlusszüge von der Ringbahn nach dem Frankfurter Bahnhof1881–1950: Berlin Schlesischer Bahnhof1950–1987: Berlin Ostbahnhof1987–1998: Berlin Hauptbahnhofseit 1998: Berlin Ostbahnhof verkehrten. Am 1. Februar 1875 ging die zwischen Görlitzer Bahn und Oberspree gelegene Ringbahnhaltestelle Treptow in Betrieb.
Während des Baus der Berliner Stadtbahn erfuhren die Niederschlesisch-Märkische Bahn, Ostbahn und die Ringbahnanschlüsse einen größeren Umbau. Während das nördliche Gleispaar („Stadtgleise“) dem Lokalverkehr vorbehalten war, diente das südliche Gleispaar („Ferngleise“) dem Vorort- und Fernverkehr. Im Schlesischen Bahnhof mündeten die Ferngleise in die Niederschlesisch-Märkische Bahn, die östlich der Ringbahnkreuzung eine Gleisverbindung zur Ostbahn aufwies. Auf der Ostbahn fand westlich dieser Verbindung nur noch Güterverkehr statt. Zwischen Ostbahn und Niederschlesisch-Märkischer Bahn wurden die Stadtgleise gelegt und diese über zwei zweigleisige Verbindungskurven an die Ringbahn angeschlossen. Die neuen Ringbahnanschlüsse befanden sich in Dammlage und ersetzten die Anschlusskurven von 1871. Sie wurden vermutlich ab Mitte 1880 zunächst eingleisig befahren, gleichzeitig gingen die alten Kurven außer Betrieb. Mit der Eröffnung der Stadtbahn für den Lokalverkehr am 7. Februar 1882 ging an der Verzweigung der Nord- und Südringkurve der Bahnhof Stralau-Rummelsburg in Betrieb. Der Bahnhof Stralau wurde gleichzeitig geschlossen.
mini|Der Bahnhof Zeuthen ging 1897 in Betrieb, 2018
Am 1. Oktober 1885 ging bei Treptow der äußere Görlitzer Anschluss für den Güterverkehr in Betrieb. Die eingleisige Verbindungskurve verließ an der Abzweigstelle Vtw die Görlitzer Bahn und mündete südlich von Treptow in der Abzweigstelle Vga in die Ringbahn. Ab dem 6. November 1885 befuhren auch Personenzüge zwischen Görlitzer Bahn und Stadtbahn die Kurve. 1888 erhielt Treptow ein neues Empfangsgebäude und einen Mittelbahnsteig anstelle der bisherigen beiden Seitenbahnsteige. Mit Gesetz vom 10. Mai 1890 bewilligte der preußische Staat 6,1 Millionen Markkaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Millionen Euro für den weiteren Ausbau der Bahnanlagen im Bereich von Treptow. Vorgesehen waren der viergleisige Ausbau der Ringbahn für die getrennte Abwicklung des Personen- und Güterverkehrs zwischen Stralau-Rummelsburg und Treptow und der Bau eines zweiten äußeren Ringbahnanschlusses für die Personenzüge zwischen Vga und Vtw. Im Vorfeld der für 1896 anvisierten Gewerbeausstellung im Treptower Park ergänzte die Königliche Eisenbahndirektion Berlin (KED Berlin) die Pläne um den Bau eines zweiten Bahnsteigs in Treptow und eines Ausstellungsbahnhofs an der Görlitzer Bahn mit acht Bahnsteiggleisen. Die inneren Gleise sollten dem Durchgangsverkehr auf der Görlitzer Bahn dienen, die äußeren waren als Kopfgleise für die Sonderzüge vom Görlitzer Bahnhof und der Stadtbahn vorgesehen. Gleichzeitig wurden die an den beiden Ringkurven gelegenen Bahnsteige im Bahnhof Stralau-Rummelsburg gelegenen Bahnsteige erneuert und mit einem schienenfreien Zugang versehen.
Die Anlagen konnten rechtzeitig zur Gewerbeausstellung in Betrieb gehen. Der neue Bahnsteig B in Treptow befand sich an den Gütergleisen der Ringbahn und wurde während der Dauer der Ausstellung ausschließlich von den Ringbahnzügen angefahren. Bahnsteig A war den Zügen zwischen Stadtbahn und Görlitzer Bahn vorbehalten. Über niveaugleiche Gleiswechsel an den Abzweigstellen Vga und Slb (Trennung Ringbahn/Südringkurve) konnten die Ringpersonenzüge zwischen den Personen- und Gütergleisen der Ringbahn wechseln. Nach dem Ende der Ausstellung wurde der Verkehr vorwiegend über Bahnsteig A abgewickelt, während Bahnsteig B nur sonntags während des Sommerfahrplans angefahren wurde. Südlich von Grünau gingen vor der Jahrhundertwende die Bahnhöfe Bahnhof Eichwalde-Schmöckwitz1935: Eichwalde (Kr Teltow)seit 1953: Eichwalde (1898), Zeuthen (1897) und Wildau (1899) in Betrieb. Die Bahnhöfe ersetzten teilweise ältere Haltestellen an gleicher Stelle.
Bau des Vorortgleispaars Treptow – Grünau (1900–1910)