Als Steigerwaldvorland wird die naturräumliche Über-Haupteinheit 137 innerhalb der Haupteinheitengruppe Mainfränkische Platten (Haupteinheitengruppe 13) bezeichnet. Es handelt sich um eine flache, größtenteils offene Ebene zwischen dem im Westen gelegenen Mittleren Maintal und dem sich im Osten anschließenden Steigerwald.

Geographie Lage und Abgrenzung Die Lage des Naturraums ist nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands folgendermaßen abgegrenzt: Das Steigerwaldvorland zieht sich entlang der Naturräume am Maindreieck, vom Schweinfurter Becken (136) im Norden bis zum Würzburg-Ochsenfurter Maintal (133.04) weiter südlich.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 30. Juni 2021. Im Süden begrenzt der Ifftalbereich (130.01) um Marktbreit den Naturraum, der bereits zum Ochsenfurter und Gollachgau (130.0) gezählt wird. Das Steigerwaldvorland gliedert sich in drei Haupteinheiten, die sich in einem Bogen um den Steigerwald ziehen. Der Südwesten, am nächsten zum Main, wird von den großen Flugsandgebieten um Kitzingen und Volkach beherrscht. Hier überwiegen Obst- und Ackerbau.

Weiter entfernt vom Main wird die Landschaft hügeliger und ist mit ihren Lettenkeuperböden bereits von den Ausläufern des Steigerwalds geprägt. In den Dörfern am Anstieg der Schwanbergstufe (115.00) wird deshalb auch Weinbau in den höhergelegenen Arealen betrieben. Das Maintal selbst bildet schließlich das Steigerwaldvorland bei Haßfurt, wo sich die Haßberge (116), das Südliche Grabfeld (138) bzw. das Hesselbacher Waldland (139) bis nahe an den Fluss ziehen.Horst Mensching, Günter Wagner: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 152 Würzburg (= Geographische Landesaufnahme 1:200.000 Naturräumliche Gliederung Deutschlands). Bad Godesberg 1963. S. 31–36.Heinz Späth: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 141 Coburg (= Geographische Landesaufnahme 1:200.000 Naturräumliche Gliederung Deutschlands). Bonn 1987. 24 f.

Die folgenden Orte bilden nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands von Norden nach Süden die Grenzlinie zwischen dem Steigerwald und seinem Vorland: Knetzgau, Donnersdorf, Gerolzhofen, Wiesentheid, Wiesenbronn, Rödelsee und Seinsheim. Häufig ist jedoch unklar, zu welchem Naturraum die Orte selbst gehören. Der Heimatforscher Peter Schneider, der eine frühe Monographie über das Land „zwischen Main und Steigerwald“ verfasste, grenzt das Gebiet anhand der Städte Haßfurt, Schweinfurt, Marktbreit und Uffenheim ein.Peter Schneider: Zwischen Main und Steigerwald (= Mainfränkische Heimatkunde Bd. 1). Würzburg 1950. S. 15. Der Übergang zum Schweinfurter Becken erfolgt in den Gemarkungen Lindach, Gernach, Unterspiesheim, Grettstadt und Gochsheim.

Das Bundesamt für Naturschutz macht die Reliefenergie als Klammer für den weitgestreckten Naturraum aus. Obwohl die Landschaft des Steigerwaldvorlandes von ca. 180 m NHN im Westen auf über 300 m NHN im Osten ansteigt, ist ihre Reliefenergie gering. Das Bundesamt gibt die Breite des Naturraums zwischen Maintal und Steigerwaldtrauf mit ca. 15 Kilometern an.Bundesamt für Naturschutz: Landschaft Nr. 13700, abgerufen am 30. Juni 2021. Besonders vage erfolgt die Abgrenzung im Süden, wo der Übergang zu den Hochflächen der Gäufläche erfolgt. Der Ifftalbereich mit dem Breitbach bildet den Grenzraum.

Naturräumliche Gliederung Erstmals wurde das Steigerwaldvorland im Jahr 1963 wissenschaftlich kartiert. Das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands unterteilt den Naturraum in drei Haupteinheiten. Die für das Handbuch charakteristische Ordnung führt diese Haupteinheiten von Süden nach Norden bzw. von Westen nach Osten auf. Ganz im Südwesten liegt die Kitzinger Mainebene, die wiederum in drei Naturräume unterteilt werden kann. Hier ist die Landschaft noch vom Main beeinflusst, wobei die Oberläufe der kleineren Bäche kaum noch Klingen ausbilden konnten. Nach Norden hin gewinnen Flugsande an Einfluss auf die Bodenzusammensetzung.

Der Südosten, das Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland, ist kleinteiliger und weist bereits sechs bzw. sieben unterschiedliche Naturräume auf. Der Einfluss des Steigerwalds auf die Landschaft nimmt zu. Das Areal präsentiert sich wesentlich hügeliger. Nach Norden hin nimmt auch hier der Sandanteil der Böden zu. Dabei ist insbesondere der Löß- bzw. Lößlehmanteil ganz unterschiedlich, sodass die Bäche im jeweiligen Gebiet verschiedenen Einfluss auf die Landschaft ausüben konnten. Die letzte, nördliche Haupteinheit des Steigerwaldvorlandes, das Haßfurter Maintal besteht nur aus zwei Naturräumen, die beide vom Main und dem schnellen Anstieg zum Steigerwald geprägt sind.

Da das Steigerwaldvorland auf dem Kartenwerk des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands auf drei verschiedenen Blättern (141 Coburg, 151 Schweinfurt, 152 Würzburg) verzeichnet wurde, sind Ungenauigkeiten bei der Kartierung entstanden. Hinzu kommt der bis heute fehlende Kartenteil zu den Naturräumen im Raum Bamberg (Blatt 153). Der Erlanger Geograph Karl-Albert Habbe arbeitete im Jahr 2003 die methodischen Probleme der Kartierung auf und unterbreitete einen Gliederungsvorschlag für die Naturräume auf Blatt 153 Bamberg. Ihm ist die Unterteilung der Gaibacher Lößhochfläche ebenso zu verdanken, wie die Umbenennung des Oberthereser Maintals.Karl-Albert Habbe: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 153 Bamberg 1:200.000 – Ein Problembündel und ein Gliederungsvorschlag. In: Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft Bd. 50/51 für 2003/2004. Erlangen 2004. S. 96.

Das Steigerwaldvorland gliedert sich naturräumlich wie folgt:

(zu 13 Mainfränkische Platten) 137 Steigerwaldvorland 137.0 Kitzinger Mainebene 137.00 Mainbernheimer Ebene, überwiegend flachwellige Ebene mit geringer Dünenbildung 137.01 Albertshofener Flugsandgebiet, mit Eichenmischwäldern bestandene Sandebene 137.02 Dimbacher Flugsandgebiet, wellig bewegte Sand- und Lettenkeuperebene 137.1 Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland 137.10 Hellmitzheimer Bucht, offene Ebene, zwischen den aufragenden Bergspornen des Steigerwaldes 137.11 Schwanbergvorland, hügelige Fußregion, die sanft bis mäßig geböscht bis zum Schwanberg ansteigt 137.12 Steigerwaldvorland von Neuses, übersandetes, hügeliges Vorland des Steigerwaldes 137.13 Gaibacher Lößhochfläche, offene Hochfläche am östlichen Mainufer 137.130 Lindacher Flugsandgebiet und Main-Randhöhen 137.14 Herlheimer Mulde, weite, waldarme Lettenkeupermulde 137.15 Donnersdorfer Steigerwaldvorland 137.2 Haßfurter Maintal 137.20 Augsfelder Maintal 137.21 Oberthereser Maintal (Obertheres-Schonunger Maintal)Horst Mensching, Günter Wagner: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 152 Würzburg (= Geographische Landesaufnahme 1:200.000 Naturräumliche Gliederung Deutschlands). Bad Godesberg 1963. S. 31–35.

Geologie Erdgeschichte mini|Abbildung eines fossilen Schachtelhalms (Equisetites conicus) aus den Steinbrüchen bei Abtswind, Kaspar Maria von Sternberg 1825 In der Zeit der Trias war das heutige Steigerwaldvorland noch weitgehend von einem Flachmeer bedeckt, das den Ozean Tethys speiste. Das Absenken des Wassers zur Zeit des Keupers führte zur Bildung von Inseln und Landrücken, wobei die tieferliegenden Teile während episodischer Regenperioden sich wieder füllen konnten. Damit präsentierte sich die Keuperlandschaft des heutigen Vorlandes als amphibische Zone. Absenkung und Sedimentation halten sich in dieser Zeit die Waage, sodass von einer ausgeglichenen Subsidenz gesprochen werden kann.

Die temporären Überflutungen führten dazu, dass sich große Mengen Sedimentmaterial an den Übergängen zu den Hochflächen ablagerten. Die Austrocknungsphasen förderten durch chemische Prozesse die Bildung von Gips. In den Phasen der Austrocknung bildeten ausgedehnte Flusssysteme die Landschaft. Diese Flüsse brachten weitere Sedimente aus dem Nordkontinent Fennoskandia in die Region. So ist die Eintragung des Werksandsteins im Unteren und des Schilfsandsteins im Mittleren Keuper zu erklären, die sogenannte Rinnenfazies bilden.Matthias Reimann, Hermann Schmidt-Kaler: Wanderungen in die Erdgeschichte 13. Der Steigerwald und sein Vorland. München 2002. S. 10–14.

Erst in der Jura-Zeit drang das Wasser wieder von Nordwesten her dauerhaft in das Germanische Becken vor. Es kam zur Ablagerung bis zu 500 m mächtiger Sedimentschichten oberhalb des Grundgesteins. Im Oberen Jura nahm der Landeinfluss auf das heutige Steigerwaldvorland zu. Eingeschwemmte Landpflanzen und -tiere zeugen von der Nähe zur Rheinischen Schwelle und der Böhmischen Insel. Das Areal, das heute vom Steigerwaldvorland eingenommen wird, ist zu diesem Zeitpunkt bereits Teil eines salinaren Küstenwatts. Vor 150 Millionen Jahren tauchten erste Teile der Region aus den Fluten auf.

Die Kreide-Zeit führte zu einem weiteren Rückgang der Wassermassen. Über 90 Millionen Jahre hinweg lag die Region außerhalb des Wassers, sodass die Abtragung von Gestein einsetzte. Die Schrägstellung der Schichtenfolge und die Verkarstung des Jura-Kalks sind eine Folge dieser Hebung. Während des Tertiärs spitzten sich die Entwicklungen weiter zu. Vor 20 bis 30 Millionen Jahren drangen Basaltergüsse in die sich auftürmenden Hochflächen ein. Auf dieser Grundlage bildete sich ein Flusssystem auf der Hochfläche.

Zunächst entwässerten diese Gewässer nach Süden in das voralpine Molassebecken, bis vor 15 Millionen Jahren ein Meteoriteneinschlag im Nördlinger Ries erfolgte. Der nach Süden ausgerichtete Ur-Main wurde durch das Ereignis plombiert, sodass ein großer Stausee entstand. In der Folgezeit tiefte sich der neue Flussverlauf ein. Im Verlauf der Eiszeit vor 2 Millionen Jahren nahm die Erosion weiter zu. Der Durchbruch des Ur-Mains zwischen Steigerwald und den Haßbergen war die Folge, wobei nun Steine des Frankenwaldes aus Richtung Osten in die Region kamen und sich das heutige Flusssystem mit Entwässerung im Rhein ausbildete.

Franken lag während der Eiszeit im periglazialen Bereich zwischen zwei größeren Gletscherzonen. Die Kältesteppe wurde von Westwinden bearbeitet, wobei insbesondere die Flussablagerungen als Flugsand abgelagert wurden. Diese Dünen prägen die westlichen Bereiche des Steigerwaldvorlandes. Im Holozän vor etwa 10.000 Jahren kam es zu einer flächendeckenden Bewaldung der Region. Im Vorland entwickelten sich Eichen-Hainbuchen-Wälder, der Steigerwaldtrauf wurde von Buchenwäldern bewachsen.Matthias Reimann, Hermann Schmidt-Kaler: Wanderungen in die Erdgeschichte 13. Der Steigerwald und sein Vorland. München 2002. S. 34–37.

Böden Die geologische Grundlage für die westlichen Bereiche des Steigerwaldvorlandes bildet der Untere Keuper. Mehrere Kernbohrungen in den 1950er und 1960er erschlossen die 30–40 m mächtigen Ablagerungen. Der Keuper besteht überwiegend aus feinsandigen, grauen Mergeltonen, die in Franken als „Letten“ bezeichnet werden. Hieraus leitet sich der Name Lettenkeuper ab, der früher, aufgrund der schwarzen Verunreinigungen auch „Lettenkohlenkeuper“ genannt wurde. Oberhalb dieser Gesteinsschicht lagerten sich im Verlauf von Jahrmillionen weitere Terrassen- und Flugsandschichten ab. mini|Schichtenfolge in den sogenannten Frankfurter Brüchen bei Rödelsee Während in den mainnäheren Flächen des Vorlandes im Westen Schiefertone und Mergelkalke den Untergrund bilden, schiebt sich weiter östlich eine Werksandsteinschicht dazwischen. Darüber steht der Obere Tonstein oder Gelbkalk an. Der Übergang zu den Hochflächen wird vom sogenannten Grenzdolomit übernommen, dem die tonigen Myophorien- und Estherienschichten aufgesetzt sind. Den Abschluss bildet der Schilfsandstein, auf dem die meisten Weinlagen aufliegen.Matthias Reimann, Hermann Schmidt-Kaler: Wanderungen in die Erdgeschichte 13. Der Steigerwald und sein Vorland. München 2002. S. 22 f.