Gottlob Amand Leopold Augustin Benedikt Freiherr von Dalberg (* 15. Oktober 1739; † 20. Dezember 1794 in Amorbach Godsey: Reichsritter, S. 258, Anm. 35. Godsey widerlegt aufgrund von Quellenstudien explizit die in der herkömmlichen Literatur verbreitete Angabe „1800“. ) fiel mit seinem unangepassten, selbstbezogenen Lebensstil, mehreren Mesalliancen und kriminellem Verhalten aus dem Kontext seiner Familie, der Freiherren Dalberg, heraus, ein Verhalten, das Zeitgenossen als üble Conduite bewerteten.
Herkunft Gottlob Amand war der Sohn von Hugo Philipp Eckenbert von Dalberg-Wallhausen (* 31. März 1702 Bollinger, S. 68: * 21. März 1702. ; † 29. Februar 1754), würzburgischer und fuldischer Geheimer Rat, Oberamtmann von Hammelburg, und dessen Frau Maria Anna Josepha Sophia Zobel von Giebelstadt (* 20. August 1713; † 8. Juni 1774 Nach Schweikart: Essingen, S. 269: † 7. Mai 1774. In zweiter Ehe verheiratet mit Franz von Münster.). Sie hatten am 4. Oktober 1729 geheiratet. Bollinger, S. 73, Schwennicke, Taf. 58.
Familie Die Familie derer von Dalberg heiratete seit Jahrhunderten nur innerhalb des rheinischen und fränkischen Stiftsadels. Murk, S. 191. Das war auch so im Familienvertrag von 1723 festgelegt, den jedes männliche Familienmitglied bei Erreichen der Volljährigkeit beschwören musste. Gottlob Amand gelang es mehrfach, aus ständischer Sicht jeweils völlig unangemessen, unter seinem Stand Verbindungen einzugehen. Damit galt er als meineidig. Godsey: Reichsritter, S. 261.
Die verschiedenen Darstellungen zu seinen „Mesalliancen“ weichen in Einzelheiten voneinander ab. Die hiesige Darstellung folgt hinsichtlich der Reihenfolge der Ehen den jüngsten Veröffentlichung bei Murk, S. 191 und Schweikart: Essingen. Bollinger, S. 73, gibt dagegen als Reihenfolge an: Reuß, genannt Hallerkorn / Wagner / Zumstein / unbekannt. Aus den nachfolgend genannten Verbindungen sind Kinder hervorgegangen, Murk, S. 191, anders: Bollinger, S. 73, der hier noch mehr fehlerhafte Informationen gibt. die aber, als nicht standesgemäß, aufgrund des überkommenen, adeligen Familienerbrechts der Dalberger nicht erbberechtigt waren. Murk, S. 191. Über diese nachfolgend genannten Beziehungen hinaus ist Gottlob Amand aber auch noch andere eingegangen: So klagte z. B. eine Theresia Engst gegen ihn wegen nicht eingehaltenen Eheversprechens Godsey: Reichsritter, S. 260, Anm. 42. , eine von „zahlreichen kleineren Affären“. Godsey: Reichsritter, S. 260. Bis zu seinem Lebensende galt er als Frauenheld. Godsey: Reichsritter, S. 260, Anm. 42.
Erste Verbindung Die erste Verbindung, aus der auch Nachkommenschaft erwuchs, ging er mit Eleonore Johanna (* ? Schweikart: Essingen, S. 269, gibt an, sie sei 2½ Jahre alt gewesen, als ihr Vater starb, ohne allerdings ihr Geburtsjahr zu nennen. , † vor dem 23. April 1775 Schweikart: Essingen, S. 279. ), einer Tochter des verstorbenen Regierungsrats Wagner aus Meiningen und der Anna Cordula Wermuth ein. In Arnstadt wurden sie römisch-katholisch getraut. Angeblich hat er die Ehe geschlossen, indem er einen Bedienten als Priester agieren ließ und die Frau so täuschte (Godsey: Reichsritter, S. 260). Die Quelle für diese Information ist aber die Aussage eines Familienmitglieds der Dalberger, der aus dynastischen Gründen großes Interesse daran hatte, dass eine Ehe nicht vorliege. Dies soll am 12. April 1763 Bollinger, S. 73. geschehen sein. Aus dieser Verbindung gingen hervor: Friedrich Amand (* 14. April 1764 in Chavannes-près-Renens; † Juli 1764 in Assans) Franz Amand (* 16. März 1765 in Ligerz, getauft in Le Landeron Schweikart: Essingen, S. 270. ) Heribert Ludwig (* 10. Februar 1766 in La Neuveville, getauft in Le Landeron Schweikart: Essingen, S. 270. ) Franz Karl (* 1767, nach dem 8. Januar Schweikart: Essingen, S. 270. Bollinger, S. 73: „nach 1767“. in Bern Bollinger, S. 73. ; belegt 1774–1783 Bollinger, S. 73: † 1774 oder 1783. , † nach 1783 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. IX. )
Im Sommer 1766 musste Gottlieb Amand von Dalberg nach Deutschland zurückkehren, da seine Familie aufgrund der Gerüchte über seine unstandesgemäße Ehe drohte, ihn von seinen Einkünften aus den Familiengütern abzuschneiden. Schweikart: Essingen, S. 270. Er überwies seiner Frau aus Mainz knapp 5.600 Gulden von einem Kredit über 6.000 Gulden, den er aufgenommen hatte, in die Schweiz. Schweikart: Essingen, S. 272. In dieser Zeit hielt er sich wohl in Wallhausen auf. Jedenfalls warf er dort ein Auge auf Susanna Becker, Tochter des dortigen Amtskellers. Schweikart: Essingen, S. 273.
Zweite Verbindung Er überredete Susanna Becker, gegen den Willen ihrer Eltern mit ihm nach Frankreich zu fahren. Auf getrennten Wegen verließen sie Mitte Januar 1767 Wallhausen, trafen sich in Saarbrücken und reisten weiter nach Metz. Die Beziehung hielt bis mindestens 1772. Schweikart: Essingen, S. 273.
Dritte Verbindung Als dritte Verbindung ist das Verhältnis von Gottlob Amand mit Erphina Juliana Zumstein aus Essingen verzeichnet. Sie war Magd des Amtskellers in Essingen. Nach ihrer Darstellung ist er mit einem Zweitschlüssel nachts in ihre Kammer eingedrungen und hat sie vergewaltigt. Schweikart: Essingen, S. 274. Daraus ging ein Kind hervor, das im Juli 1771 geboren wurde. Schweikart: Essingen, S. 274; Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. IX: * ca. 20. September 1771. Die Tat wurde also Ende 1770 begangen. Als sie ihn mit ihrer Schwangerschaft konfrontierte, habe er sie hinausgeworfen. Schweikart: Essingen, S. 274.
Vierte Verbindung Die vierte Verbindung Die Angaben bei Bollinger, S. 72, der behauptet, dass die Ehe mit Sophie Freifrau von Reuß genannt Haberkorn die erste gewesen und kinderlos geblieben sei, sowie von 1661–1662 [!] gedauert habe, widerspricht allen übrigen Angaben in der Literatur. schloss er mit Sophie Freifrau von Reuß, genannt Haberkorn (* 1755; † 17. August 1795 in HanauGodsey: Reichsritter, S. 260, auch Anm. 44. ). Die Braut war nicht stiftsfähig. Schwennicke, Tafel 58; Murk, S. 191. Sie war die Tochter eines neuadligen, wegen eines Bestechungsskandals entlassenen Assessors (Richters) am Reichskammergericht. Godsey: Reichsritter, S. 260, Anm. 44.
Nach einer Quelle fand die Hochzeit am 17. Juli 1774 in der Pfarrkirche von Essingen statt, wurde aber vom bischöflichen Vikariat in Speyer nicht anerkannt und vor einem kirchlichen Gericht angefochten. Als Eleonore von Dalberg, geborene Wagner, 1775 gestorben war, wurde die Ehe zwischen Gottlieb Amand von Dalberg und Sophie von Reuß am 23. April 1775 erneut geschlossen, was in der gleichen Kirche geschah. Godsey: Reichsritter, S. 260, Anm. 44. Nach anderer Darstellung kam es am 17. Juli 1774 aber gar nicht zum Eheschluss, weil die Ehe von Gottlieb Amand von Dalberg und Eleonore, geborene Wagner, allgemein bekannt war und der Bischof von Speyer wegen Bigamie gegen die erneute Trauung einschritt. Schweikart: Essingen, S. 279. Erst als Eleonore 1775 verstorben war, fand eine Trauung von Gottlob Amand von Dalberg und Sophie von Reuß am 23. April 1775 in der Pfarrkirche von Essingen statt. Schweikart: Essingen, S. 278f.
Aus der Ehe gingen hervor: Franziska (* 25. November 1776) Karoline (* 20. Januar 1779) Emmerich Karl (* 10. März 1781; † 1. September 1842 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. IX: † 1843. in Darmstadt), wurde badischer Kammerherr. Godsey: Reichsritter, S. 273, und dort auch Anm. 117. Er war zeitweise an der Universität Heidelberg immatrikuliert und absolvierte schließlich eine Forstausbildung. In der Endphase der napoleonischen Herrschaft trat er 1814 der badischen Landwehr bei. Godsey: Reichsritter, S. 285. Der herkömmlichen ständischen Versorgung in der Folgezeit beraubt und von der Familie abgelehnt radikalisierte er sich politisch, bezeichnete sich selbst als „Freisinnigen“, plante ein Freikorps, um den Kampf der Griechen für Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich zu unterstützen, und gab eine Zeitung in Würzburg heraus, Der Scharfschütze. In der Julirevolution von 1830 proklamierte er sich dort als „Volksminister“, was König Ludwig I. als „Dreistigkeit“ empfand. Godsey: Reichsritter, S. 286. 1834 beruhigte sich die Lage, als die Familie ihm gegen einen Erbverzicht Battenberg: Repertorien 14/2, Nr. 3266. eine lebenslange Rente gewährte. Godsey: Reichsritter, S. 287. Philipp Karl (* 10. Mai 1782, † 2. September 1848) wurde Oberst in preußischen, badischen und französischen Diensten, war Mitglied der Ehrenlegion Godsey: Reichsritter, S. 273. und badischer Kammerherr. Am 18. Februar 1806 heiratete er in Amberg die evangelische Johanna Margaretha Seffert. Nur bei: Godsey: Reichsritter, S. 263. Gegen Ende seines Lebens behauptete Philipp Karl die Ungültigkeit seiner in einer lutherischen Kirche geschlossenen Ehe, was aber auch aus dem Zerwürfnis mit seiner Tochter aus dieser Verbindung motiviert gewesen sein kann (Godsey: Reichsritter, S. 282). Aus dieser Ehe ging Christine Auguste Adelheide (* 7. Januar 1807, evangelisch getauft) hervor. Diese Tochter heiratete gegen den Willen ihres Vaters Karl von Berg, großherzoglich badischer Gerichtsadvokat. Godsey: Reichsritter, S. 263, und dort auch Anm. 63. Eine zweite Ehe schloss Philipp Karl am 16. März 1835 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. IX. mit Maria Feodora (* 1. November 1815; † 28. Januar 1890), Tochter von Karl von Mülmann und Anna Sophie von Bismarck. Schwennicke, Tafel 58 und Bollinger, S. 73. Die Ehe scheiterte nach wenigen Jahren. Godsey: Reichsritter, S. 283. Aus dieser ging Auguste Frederike (* 15. Februar 1836, † 5. Mai 1905 in München) hervor, die wiederum zwei Mal verheiratet war. Zunächst seit dem 27. Juni 1855 mit Wilhelm von Breidbach-Bürresheim, genannt von Riedt (* 13. Februar 1818 in Biebrich Bollinger, S. 80. ; † 8. April 1866 in Karlsruhe), herzoglich-nassauischer Kammerherr, Geheimrat und Gesandter am badischen Hof. An anderer Stelle findet sich der Hinweis, er sei Nassauischer Gesandter am Bundestag gewesen. Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. IX. Die zweite Ehe schloss sie am 28. November 1874 in München mit Franz von Gmainer († 20. April 1895 Battenberg: Repertorien 14/3, Taf. IX: † 4. Oktober 1895. in München), bayerischer Kammerherr und Oberst. Bollinger, S. 80.
Für Emmerich Karl und Philipp Karl erließ Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg 1807 eine „Ordnung“, nach der die beiden als eigene Linie des Hauses Dalberg anerkannt wurden. Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste 21 (Caberea–Cryptostoma). Johann Friedrich Gieditsch, Leipzig 1830, S. 72. (Digitalisat). Das blieb aber ohne praktische Konsequenzen, da Emmerich Karl unverheiratet blieb und aus den Ehen von Philipp Karl ausschließlich Töchter hervorgingen, dieser Familienzweig also wieder endete. Schwennicke, Tafel 58.
Fünfte Verbindung Gottlob Amand ging neben seiner Ehe mit Sophie eine weitere Verbindung, diesmal mit seiner Haushälterin Philippina Caemmerer, ein, eine Verbindung, aus der auch zwei Kinder hervorgingen. Godsey: Reichsritter, S. 260, und dort auch Anm. 45. Ob diese Verbindung identisch ist mit einer, die mit seiner Beschließerin bezeugt ist, lässt sich aus den Quellen nicht belegen. Deren Name könnte „Ehrenberg“ gelautet haben, so jedenfalls hieß ein gemeinsamer Sohn mit Nachnamen. In der Beziehung wurden mindestens zwei Kinder gezeugt: Ernestine wurde, obwohl die Eltern römisch-katholisch waren, aus ungeklärten Gründen lutherisch getauft und von Lutheranern erzogen. Godsey: Reichsritter, S. 262, und dort auch Anm. 53. Adolph Ehrenberg, der später in französischen Militärdiensten stand. Godsey: Reichsritter, S. 262, und dort auch Anm. 53.
Leben