mini|Die Wohnanlage München-Nord(Stand: vor 2014)
Die Wohnanlage München-Nord ist eine 654 Wohnungen umfassende Siedlung im nördlichen Teilbezirk Am Hart des Münchener Stadtteils Milbertshofen-Am Hart, die Mitte der 1950er Jahre für die Unterbringung von US-Militärangehörigen und deren Familien in direkter Nachbarschaft zur Warner-Kaserne erbaut wurde. Die Wohnsiedlung ging nach Abzug der US-Truppen aus dem Münchner Norden 1968 an die Bundesrepublik Deutschland zurück und wurde 2005 an die neu gegründete Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übertragen. Die Wohnsiedlung soll nachverdichtet werden.
Beschreibung mini|Rockefellerstraße 68–72, typischer Wohnblock mini|Doppelhaus Mortonstraße 10–12 mini|Wohnblocks an der Kleinschmidtstraße (Blick nach Osten, vorn der Block am Goldammerweg) Die Bundesrepublik Deutschland ließ die Siedlung im Auftrag des Amtes für Verteidigungslasten durch das Staatliche Bauamt München ab 1954 bauen. Entlang der NeuherbergstraßeNeuherbergstraße. In: Münchner Stadtadreßbuch 1954, IV. Teil: Straßen, S. 475.Neuherbergstraße. In: Münchner Stadtadreßbuch 1961, IV. Teil: Straßen, S. 567., der Rockefellerstraße und am Morsering wurden dreigeschossige Wohnblöcke mit Dachappartements errichtet.Ehemalige US-amerikanische Siedlung. In: KulturGeschichtsPfad 11: Milbertshofen-Am Hart. Landeshauptstadt München, 2015, S. 40 f. Die Neuherbergstraße wurde im Rahmen der Baumaßnahmen von der Ingolstädter Straße zur Schleißheimer Straße verlängert. Die Rockefellerstraße (benannt nach John D. Rockefeller) und der Morsering (benannt nach Samuel F. B. Morse) wurden neu gebaut.
Das armeeeigene Bauprogramm nach Typenplänen der US-Streitkräfte umfasste zunächst Wohnblocks mit 450 Wohnungen für Bedienstete in der Warner-Kaserne (jetzt Ernst-von-Bergmann-Kaserne), die 1955 bezugsfertig wurden. Die Häuser nördlich der Neuherbergstraße entstanden auf dem sogenannten Übungsplatzgelände Warner Field, das heute als „Panzerwiese“ geläufig ist. Auch diese Baumaßnahme trug dazu bei, noch beschlagnahmte deutsche Objekte ihren Eigentümern zurückzugeben und damit der Wohnungsmarkt wieder zu entlasten.Helmut Fischer: München im 10. Nachkriegsjahr. Skizzen vom Wiederaufbau einer weltbekannten Stadt. Wiederaufbaureferent der Landeshauptstadt, 1954, S. 35.
Die Wohnblocks an der Neuherbergstraße, der Rockefellerstraße und am Morsering mit drei Treppenhäusern verfügen mittig über Dreizimmerwohnungen und an den seitlichen Treppenhäusern jeweils nach innen hin Vier- und zur Außenseite des Blocks Fünfzimmerwohnungen. Die beiden westlich an der Rockefellerstraße (Nr. 48a/48b und 60a/60b) angrenzenden Wohnblöcke mit zwei Treppenhäusern verfügen nach außen hin gerichtet über sogenannte „Sechszimmerwohnungen“, darunter eine kleine Kammer im Eingangsbereich, in der bei den US-Offizieren eine Haushaltshilfe im Haushalt untergebracht war.
Die Mortonstraße (benannt nach William Morton) wurde ebenfalls beim Siedlungsbau neu gebaut. An der Mortonstraße/Neuherbergstraße kamen zweigeschossige Doppelhäuser mit Carports oder Einzelgaragen für höhere Offiziere hinzu. Jede der 30 Doppelhaushälften verfügte im Erdgeschoss über ein großes Wohnzimmer, Küche, Bedienstetenkammer, Toilette und Terrasse und im ersten Stock über ein Elternschlafzimmer mit Bad und eigenem Balkon sowie zwei weitere kleine Schlafzimmer.
Ebenso zum Gesamtkomplex gehören die nördlich der Kleinschmidtstraße gelegenen und südlich an die Ernst-von-Bergmann-Kaserne angrenzenden, baulich etwas anders ausgeführten Wohnblocks am Goldammerweg, Regenpfeiferweg, Kreuzschnabelweg, Haubenlerchenweg und Buchfinkenweg. Diese Bestandshäuserblocks befanden sich bereits vor dem Siedlungsbau im Bundeseigentum und wurden saniert.Abbildung 3: Wohnanlage München Nord. In: Erlass von Erhaltungssatzungen nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB im Stadtbezirk 17 (Obergiesing). Referat für Stadtplanung und Bauordnung – PLAN HA II/11, HA I/22, Landeshauptstadt München, 13. Oktober 2010, S. 20.
Zum Siedlungskomplex gehörten ein PX Store in der Neuherbergstraße, mehrere Sporteinrichtungen, ein Kino (Warner Kaserne Theater) und Clubs.Rockefellerstraße. In: Benedikt Weyerer: München 1950–1975. Stadtrundgänge zur politischen Geschichte. Geschichtswerkstatt Neuhausen, 2003, ISBN 978-3-931-23113-2, S. 74.
Deutsche Nachnutzung Das Gelände, auf dem sich die Baseballplätze westlich der Kaserne und südlich der Neuherbergstraße befanden, wurde später dem Technischen Bereich der Ernst-von-Bergmann-Kaserne zugeschlagen.
Wohnsiedlung Nach der Räumung der Warner-Kaserne durch die US-Streitkräfte 1968 wurde die Wohnsiedlung an die Bundesvermögensverwaltung (heute Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – BImA) zurückgegeben. Nach Renovierungs- und Umbaumaßnahmen konnten die ersten Wohnungen im Juni 1969 zur Vermietung an Bundesbedienstete freigegeben werden.Schriftliche Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Reischl vom 11. Dezember 1969 auf die Schriftlichen Fragen des Abgeordneten Bredl (Drucksache VI/146 Fragen B 3 und 4). In: Deutscher Bundestag. 21. Sitzung. Bonn, Freitag, den 12. Dezember 1969. Anlage 38, 818 C. (PDF) Die Wohnanlage war bis zur Übertragung an die BImA eine der drei größeren zusammenhängenden bundeseigenen Siedlungen im Raum München, neben den räumlich nahe beieinander liegenden Wohnanlagen „Perlacher Forst“ (rund 1.400 Wohnungen) und „Tegernseer Landstraße“ (rund 200 Wohnungen) im 17. Stadtbezirk und der Wohnsiedlung „Ludwigsfeld“ im 24. Stadtbezirk.Erlass von Erhaltungssatzungen nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB im Stadtbezirk 17 (Obergiesing). Referat für Stadtplanung und Bauordnung – PLAN HA II/11, HA I/22, Landeshauptstadt München, 13. Oktober 2010, S. 13.
Seit den 1990er Jahren werden in der Wohnsiedlung umfassendere Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Beheizung wurde Anfang der 1990er Jahre von der Heizanlage der Kaserne abgekoppelt – die Versorgungsleitung lag zuvor oberirdisch auf der Panzerwiese – und an das Fernwärmenetz der Stadtwerke München angeschlossen. Von 1998 bis 2002 erfolgte die Kanalsanierung und die Errichtung von Versickerungsanlagen.Kanalsanierung Wohnanlage München. Bauvorhaben: Bundeseigene Wohnanlage München Nord. SiwaPlan Ingenieursgesellschaft mbH. Nacheinander werden die Wohnblocks wärmegedämmt, zum Teil im Rahmen einer Komplettsanierung.
Bereits am 9. September 1992 wurde für die bundeseigene Siedlung an der Neuherbergstr./Rockefellerstr. der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 1746 zur Ermöglichung einer Nachverdichtung gefasst.Nachverdichtung auch im Nachbarbezirk. Lokalanzeiger für den 24. Stadtbezirk (la24muc.de), 30. Dezember 2018. 2011 beschloss die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben den Abriss der 30 Doppelhaushälften an der Mortonstraße für eine sukzessive Nachverdichtung durch Errichtung größerer Häuser im Geschosswohnungsbau. Der Abriss ist aufgrund bestehender Mietverträge bis heute nicht vollständig abgeschlossen.Mieter in der Mortonstraße fürchten um ihre Wohnungen und Verträge Harthof. Abriss im Harthof geplant. Münchener Nord-Rundschau, 4. Oktober 2011. Seit 2011 blieben die Doppelhaushälften nach und nach unvermietet.Julia Lenders: Wohnwahnsinn! Im Münchner Norden stehen Häuser leer. Abendzeitung, 14. November 2012.
Auch für die restliche Wohnsiedlung ist eine Nachverdichtung geplant.Zwischennutzung für leer stehende Bundeswohnungen im Harthof. Antrag Nr. 08-14 / A 03795 der Stadtratsfraktion DIE GRÜNEN/RL vom 14.11.2012. Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Landeshauptstadt München, 24. Juni 2013. Im Zuge der geplanten Neugestaltung der sogenannten „Wohnanlage Nord“ beschloss die BImA in den 2010er Jahren, den Teil der Siedlung mit den Doppelhäusern (ca. 23.881 m²) in sieben Baufeldern nach Abriss der Bestandsgebäude zur Errichtung von Eigentums- oder Mietwohnungsbau an Investoren im Bieterverfahren zu veräußern.Baufelder im Norden von München. München – Stadtteil Milbertshofen-Am Hart. In: Konversion und mehr. Chancen für Investitionen. Wohn- und Gewerbeimmobilien im schönen Bayern. 2015/2016. Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, S. 6 f. Nachdem die ersten drei Teilgrundstücke bereits von der BImA veräußert wurden, entschied sich diese nach dem Berliner Wohnungsgipfel 2018 zum Behalt ihres Münchner Wohnungsbestands und zum Neubau von Wohnblocks in Eigenregie.Thomas Kronewiter: Der Bund besinnt sich. Süddeutsche Zeitung, 11. Dezember 2018. Ein Verkauf der gesamten Wohnanlage war von der BImA zu keinem Zeitpunkt geplant.Johannes Singhammer (MdB, CSU): Bundesanstalt für Immobilien bestätigt:Verkauf Wohnsiedlung München-Nordnicht geplant. Pressemitteilung an die Vertreter der Münchner Medien, 11. Juli 2013.
Die Grünanlage der ursprünglich in die Wiese gebauten Wohnsiedlung verfügt mittlerweile über einen üppigen Baumbestand.Ami-Siedlung südwestlich der Warner-Barracks. In: Kleinsiedlungen an der Heide. Immobilienreport München, 1. Oktober 2014.
Ehemaliger PX Store mini|Asylbewerberunterkunft an der Neuherbergstraße Das frühere PX-Gebäude in der Neuherbergstraße wurde von der Bundeswehr bis in die 1990er Jahre als Außenstelle München des Wehrbereichsverpflegungslagers VI genutzt.Wehrbereichsverpflegungsamt VI – Neu-Ulm. In: Ab den späten 1990er Jahren diente die Halle dann als kleines Einkaufszentrum, im Wesentlichen bestehend aus einer Tengelmann-Filiale.
Nach dem Abriss der Halle Anfang im Jahr 2014 wurde das Areal ab Mitte 2016 als Asyl-Unterkunft mit Leichtbauhallen genutzt.Jugendliche verüben Anschlag auf geplante Asyl-Unterkunft . tz, 6. März 2016. Nach dem Abriss der alten Sporthalle der Grundschule an der Bernaysstraße im Sommer 2018 wurde das Areal der Containerunterkünfte in der Neuherbergstraße 24 zur Errichtung einer Ersatzsporthalle angedacht.Nicole Graner: Drunter und drüber. Süddeutsche Zeitung, 17. Juli 2018. Laut Beschluss der Bezirksausschuss-Geschäftsstelle Nord vom 8. August 2018 sollte das Gelände aber bis Mitte 2019 weiterhin als potentieller Standort für Flüchtlingsunterkünfte vorgehalten werden.BA 11 – Vollgremium (2018-08-08 18:00:00). muenchen-transparent.de.
Sonstiges Die Siedlung ist heute ein Ort des Münchener Kulturgeschichtspfads Nr. 11 Milbertshofen-Am Hart. Die Teilsiedlung an Mortonstraße, insbesondere die Doppelhaushälfte mit der Hausnummer 26, diente als Drehort für den Film Weniger ist mehr (2013).
Literatur Die Wohnanlagen der US-Streitkräfte und des US-Generalkonsulats. In: Leo Krause: Münchner Geschoßsiedlungen der 50er Jahre. Ein Forschungsbeitrag zum Wohnungsbau in der Bundesrepublik Deutschland (= Band 112 von Miscellanea Bavarica Monacensia, Neue Schriftenreihe des Stadtarchivs München). Utz Verlag, München 1982, ISBN 978-3-831-66112-1, S. 293 ff.
Weblinks
Foto aus der Bauzeit Luftaufnahme aus dem Jahr 1963
Einzelnachweise
Kategorie:Am Hart Kategorie:Siedlung (Städtebau) in München Kategorie:Ehemalige militärische Einrichtung der Vereinigten Staaten in Deutschland Kategorie:Erbaut in den 1950er Jahren Kategorie:Neuherbergstraße