Monos – Zwischen Himmel und Hölle (Originaltitel: Monos) ist ein Filmdrama von Alejandro Landes, das nach einem Drehbuch von Landes und Alexis Dos Santos entstand. Der Film feierte am 27. Januar 2019 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere. Am 10. Februar 2019 wurde der Film bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Sektion Panorama erstmals in Deutschland gezeigt. Am 15. August 2019 kam er in die kolumbianischen und am 4. Juni 2020 in die deutschen Kinos. Der Film folgt einer Gruppe jugendlicher bewaffneten Rebellen, die eine Geisel bewachen.

Handlung In einer abgelegenen Bergregion bewachen acht jugendliche Kämpfer eine amerikanische Geisel, die von ihnen nur „Doctora“ genannt wird. Der Name ihrer Einheit lautet Monos, und die Kämpfer nennen sich Patagrande, Rambo, Leidi, Sueca, Pitufo, Perro, Bum Bum; ihr Anführer nennt sich Lobo. Ihre Anweisungen erhalten sie von ihrer übergeordneten Organisation per Funk oder durch den Besuch eines Boten. Dabei wird nicht ersichtlich ob die Monos und der Bote einer Guerilla- oder paramilitärischen Einheit angehören.

Bei seinem nächsten Besuch erteilt ihnen der Bote einen wichtigen Auftrag. Sie sollen auf die Milchkuh Shakira aufpassen, welche die Organisation als Leihgabe erhalten hat. Außerdem bittet Lobo um die Erlaubnis, eine Liebesbeziehung mit Leidi einzugehen, was ihm gewährt wird. Nach der darauf folgenden Feier schießt Perro längere Zeit in die Luft und erschießt dabei die Kuh. Lobo empfindet als Anführer versagt zu haben und begeht Suizid. Um Perro zu schützen, behauptet die Gruppe gegenüber der Organisation, Lobo habe Shakira getötet und sich deswegen umgebracht. Zum neuen Anführer wird Patagrande bestimmt.

Eines Tages wird ihr Stützpunkt vom Militär attackiert, worauf sich eine längere siegreiche Schlacht entwickelt. Da ihr bisheriger Standort dadurch bekannt wurde, bekommen sie den Befehl, ihn in den Regenwald zu verlegen. Als Doctora dort von Pitufo beaufsichtigt wird, gelingt ihr die Flucht. Leidi will die Organisation per Funk darüber unterrichten, doch Patagrande verhindert dies, indem er das Gerät zerstört. Darauf proklamiert er, dass Monos fortan unabhängig von der Organisation sei. Die Gruppe kann Doctora wieder einfangen und kettet sie an.

Der Bote sucht den Standort der Gruppe auf und entdeckt, dass Patagrande und Leidi eine Beziehung eingegangen sind, ohne um Erlaubnis zu fragen. Er zwingt die Gruppenmitglieder sich gegenseitig zu denunzieren, worauf Pitufo gesteht, dass Perro die Kuh getötet und Patagrande Monos für unabhängig erklärt hatte. Der Bote nimmt Patagrande mit sich, damit dieser vor dem obersten Kommando Rechenschaft ablegt. Auf dem Weg dahin erschießt Patagrande den Boten und kehrt zurück zu den Monos. Pitufo wird in Fesseln gelegt.

Die Gruppe beginnt in der Region Überfälle auszuüben. Rambo kommt mit der Situation nicht zurecht und versucht Pitufo zu befreien, um mit ihm wegzugehen, doch wird dabei entdeckt und muss fliehen. Während die Gruppe sich auf die Suche nach Rambo begibt, bleibt Sueca mit Doctora zurück. Die Geisel kann ihre Bewacherin überrumpeln und töten. Pitufo bittet sie, ihn zu befreien und mitzunehmen, doch sie macht sich alleine davon.

Rambo hat Unterschlupf bei einer Familie gefunden, wird aber von den Monos aufgestöbert, welche die Eltern umbringen und das Haus stürmen. Dabei wird übers Fernsehen bekanntgegeben, dass die amerikanische Ingenieurin Sara Watson ihren Entführern entkommen konnte. Rambo springt in den Fluss, wird davongetragen und am Ende von einem Militärhelikopter aufgegriffen.

Der bewaffnete Konflikt und die öffentliche Meinung Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien ist eine sehr komplexe Akkumulation von Interessen, wobei als die Hauptakteure der Staat, die unterschiedlichen Guerillagruppen und das Paramilitär wahrgenommen werden. Der Beginn wird dabei im Jahr 1964 verortet, wobei andere Geschehnisse ebenso als Teil dieser wahrgenommen werden könnten; beispielsweise die Epoche des La Violencia (1948–1958) die mit der Ermordung des liberalen Präsidentschaftskandidaten Gaitán begonnen hat. Der Beginn wurde jedoch gewählt, da 1964 die erste Guerillaeinheit gegründet wurde, nämlich die FARC-EP. Die Gründung war eine Reaktion auf die vom Staat organisierte Bombardierung des Dorfes Marquetalia.

In den Augen der Öffentlichkeit haben sowohl Guerillagruppierungen als auch die Paramilitärs eine starke Konnotation mit bestimmten Begriffen oder Meinungen. Der Film Monos versucht dabei diese Kategorisierungen aufzubrechen in dem zu keinem Zeitpunkt erwähnt wird zu welcher dieser zwei rebellischen Gruppen die Monos gehören. Dabei wird das Leben und die Einbindung vieler Jugendlichen und Kindern aufgezeigt, die von beiden Seiten zunächst als Opfer wiederum später als Täter in den bewaffneten Konflikt reingezogen wurden. Dieser offene Ansatz, der im späteren auch öfters kritisiert wurde, sollte die Absurdität und Ambivalenz (Unklarheit) des bewaffneten Konfliktes darstellen.

Produktion Stab und Finanzierung Regie führte Alejandro Landes, der gemeinsam mit Alexis Dos Santos auch das Drehbuch schrieb. Der kolumbianische Spielfilm ist eine lose Adaption von William Goldings Herr der Fliegen, verwendet aber auch Motive aus Aguirre, the Wrath of God. Monos findet in den dichten Dschungeln und nebligen Bergspitzen Nordkolumbiens statt. Durch die Beseitigung des soziopolitischen Kontextes bietet Monos einen Einblick in das Machtpotential an den Rändern der Gesellschaft und zeigt die Ambivalenz des bewaffneten Konfliktes. Wobei ein Augenmerk dabei auf die Parallelen der militärischen Anordnung beider Gruppen (Paramilitärs / Guerilla) welche häufig durch eine anarchische Komponente charakterisiert wird.Eric Kohn: Sundance 2019: The 13 Best Movies of This Year’s Festival. In: indiewire.com, 3. Februar 2019. Der Film ist eine Mischung aus Kriegsfilm und Überlebensthriller und weist auch queere Bezüge auf.Alle queeren Filme der Berlinale 2019. In: Siegessäule, 2. Februar 2019. Peter Bradshaw vom Guardian bemerkt zu dem Filmtitel Monos, was die Bezeichnung der Gruppe ist, diese sei anscheinend nach dem Mono Grande benannt, dem mythischen Riesenaffen, der seit Jahrhunderten angeblich irgendwo in Südamerika existiert.Peter Bradshaw: Monos review – Apocalypse Now on shrooms. In: The Guardian, 13. Februar 2019. Monos kann auch einfach mit „Affen“ übersetzt werden.Will Gottsegen: Left Field: Mica Levi on Making Music Sound Like a Mushroom Trip in Her ‘Monos’ Score. In: spin.com, 9. Oktober 2019.

Landes wurde in Brasilien geboren, wuchs jedoch in Ecuador und Kolumbien auf und lebt in New York. Seine Eltern hatten Medellín in den 1980er Jahren verlassen, um der Gewalt zu entkommen. Der Regisseur erklärt: „Kolumbien ist seit so vielen Jahrzehnten von Kriegen heimgesucht worden. Ich habe gesehen, dass Gewalt von links kommt, und ich habe gesehen, dass Gewalt von rechts kommt. Der Lieblingsort meines Großvaters auf der Welt, seine Farm, für die er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, wurde zum Hauptquartier der grausamsten rechtsparamilitärischen Gruppe, der AUC.“ Landes recherchierte für den Film und besuchte kolumbianische Wiedereingliederungslager, um erwachsene Rebellen zu treffen, die ihre Waffen niedergelegt hatten und in die Zivilgesellschaft eintreten wollten.Alex Godfrey: ‘People were dropping like flies’: why Monos was the decade’s most brutal film shoot. In: The Guardian, 10. Oktober 2019. So liefert der Film eine Momentaufnahme des bewaffneten Konfliktes, der seit Jahrzehnten in entlegenen Teilen des Landes tobt. „Heutzutage wendet sich die Welt Schattenkriegen zu, mit Kriegen, die im Hintergrund geführt werden“, sagte Landes. „Ob Kolumbien oder Syrien und Afghanistan, dies sind Kriege ohne klaren Anfang oder Ende, die im Verborgenen ausgetragen werden, alles im Schatten.“Eric Kohn: Colombia’s Oscar Submission ‘Monos’ Is a Hit in Its Home Country — and a Controversy. In: indiewire.com, 21. September 2019.

Es handelt sich bei dem Film um eine deutsche Koproduktion. In: Focus Online, 3. Februar 2019. Von der Film- und Medienstiftung NRW wurde eine Förderung in Höhe von 55.000 Euro gewährt.

Besetzung, Dreharbeiten und Ausstattung mini|hochkant=1.3|Eine Brücke über den Fluss Samaná, in dessen Canyon große Teile der Dreharbeiten stattfanden Landes besetzte die Rollen der Kindersoldaten mit Laiendarstellern. Sofia Buenaventura spielt Rambo, eine Rolle, die als männlich gedacht war und die Landes als „post-gender“ beschreibt. In weiteren Rollen sind Julián Giraldo als der Lobo, Karen Quintero als die Leidi, Laura Castrillón als der Sueca, Deiby Rueda als Pitufo, Paul Cubides als Perro und Sneider Castro als Boom Boom zu sehen. Zu den beiden professionellen Schauspielern in dem Film gehören Moisés Arias, der die Rolle von Patagrande übernahm und Julianne Nicholson, die Sara Watson spielt, die US-amerikanische Geisel der Kindersoldaten, die als „Doctora“ bezeichnet wird.Daniel Theophanous: London Film Festival: Monos. In: thelondoneconomic.com, 10. Oktober 2019.

Die Dreharbeiten fanden in Kolumbien statt, im Nationalpark Páramo de ChingazaBladimir Martínez: „Monos“ sacude conciencias en el festival de cine de San Sebastián. In: soynuevaprensadigital.com, 23. September 2019.Alicia García de Francisco: Alejandro Landes deslumbra con „Monos“ en San Sebastián. In: elespectador.com, 23. September 2019. und vier Wochen lang im Dschungel rund um den Fluss Samaná und dessen Canyon im Departamento de Antioquia, fünf Stunden südöstlich von Medellín. Es war Landes Idee, im Film dem Fluss zu folgen, um dem Zuschauer das Gefühl zu geben, nicht vom Ufer aus zuschauen, sondern sich innerhalb des Flusses und des Konflikts wiederzufinden. Die kolumbianische Kajak-Nationalmannschaft half beim Filmen der Stromschnellen. Teils entstanden Aufnahmen auf Berggipfeln in 4.300 Metern Höhe. Eine Familie von Goldminenarbeitern errichtete die Militärzelte.María Claudia Peña: Alejandro Landes’ Monos delves into the plight of children in war. In: thecitypaperbogota.com, 12. August 2019.

Filmmusik, Sounddesign und Veröffentlichung Die Filmmusik komponierte die britische Musikerin und Komponistin Mica Levi, die zuvor lediglich an zwei Spielfilmen in dieser Funktion beteiligt war, Jonathan Glazers Under the Skin und Pablo Larrains Jackie. Beide Arbeiten waren von Kritikern gelobt worden.Chris O’Falt: Mica Levi’s Monumental ‘Monos’ Score Started With Blowing Into a Glass Bottle. In: indiewire.com, 13. September 2019. Das Soundtrack-Album, das 15 Musikstücke umfasst, wurde am 30. August 2019 von Lakeshore Records als Download und am 13. September 2019 auf Vinyl veröffentlicht.‘Monos’ Soundtrack Album Announced. In: filmmusicreporter.com, 8. August 2019.Mica Levi: Monos (Original Motion Picture Soundtrack). In: resident-music.com. Abgerufen am 13. Oktober 2019. Insgesamt sind nur 22 Minuten des 102-minütigen Films mit Musik unterlegt. „I feel you don’t need a lot of score over that sound of the jungle, because there’s so much going on“, so Levi.

Levi, die eigentlich bei ihrer Arbeit überwiegend Saiteninstrumente verwendet, hatte Landes mit Synthesizer-Sounds, aber auch mit Klängen überzeugen können, die sie mit dem Ort verbundenen Gegenständen erzeugte: „Als wäre jemand eines Tages zu diesem abgelegenen Berg gefahren und hätte alle Elemente gefunden, die den Film ausmachen, alle Objekte“, so Levi. Die so entstandenen, elementaren Klänge, wie das Blasen in eine Flasche, beschreibt Landes als ähnlich wie in einem Spaghetti-Western, die Synthesizer-Klänge hingegen wirkten wie Geräusche, die aus einem Berliner Nachtclub kommen könnten. „Wie ich lässt sich Lena gerne von dem inspirieren, was da ist und was natürlich ist“, sagte Landes, und da habe sie auf eine Weise stilisiert, die jenseitig erscheint.