mini|St. Michael
Nurn ist ein Gemeindeteil des Marktes Steinwiesen im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern.
Geographie Das Pfarrdorf Nurn liegt im Naturpark Frankenwald auf einem Höhenrücken entlang einer kesselartigen Mulde. Im Osten befindet sich die Ködeltalsperre. Die Kreisstraße KC 16 führt nach Steinwiesen zur Staatsstraße 2207 (2,3 km südlich) bzw. an der Hubertushöhe vorbei nach Tschirn zur Staatsstraße 2198 (8 km nördlich).Entfernungsangaben gemessen, jeweils Luftlinie.
Geschichte Der Ortsname bedeutet zum Felsen, Felseck. Ein „Nurnburg“ wurde 1317 erwähnt, im Jahr 1333 ein „Norn“ als Besitz des Bamberger Bischofs. 1348 folgt die Nennung des Namens „Nueren“ (Nürn). Das Jahr 1349 feierte der Ort als Erstnennung.
Im Jahr 1618 hatte Nurn 22 Häuser. Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs zogen viele Truppen durch den Ort.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Nurn 26 Anwesen (18 halbe Güter, vier Söldengütlein und eine halbe Sölde sowie drei Tropfhäuser). Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Kronach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Vogteiamt Kronach inne, die Grundherrschaft über alle Anwesen das Kastenamt Kronach. Neben den Anwesen gab es noch das Forsthaus, das der Forstmeisterei Nordhalben unterstand. Außerdem gab es eine Kapelle, ein Gemeindehirtenhaus und eine Gemeindeschmiede.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 495. Hier werden abweichend unter Einberechnung der herrschaftlichen und kommunalen Gebäude 29 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
Nurn ging durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 zusammen mit den restlichen Gebieten des Hochstifts Bamberg in den Besitz des Kurfürstentums Bayern über. Mit dem Gemeindeedikt wurde Nurn dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Steinwiesen zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Nurn, zu der Ehrenbachsschneidmühle und Teichenbach gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Teuschnitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Rothenkirchen (ab 1919 in Finanzamt Rothenkirchen umbenannt). 1837 wurde Nurn dem Landgericht Nordhalben zugewiesen. Von 1862 bis 1880 und von 1888 bis 1931 gehörte Nurn zum Bezirksamt Teuschnitz, von 1880 bis 1888 und ab 1931 zum Bezirksamt Kronach (ab 1939 Landkreis Kronach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Nordhalben (1879 in das Amtsgericht Nordhalben umgewandelt), seit 1929 ist das Amtsgericht Kronach zuständig. Die Finanzverwaltung übernahm 1929 das Finanzamt Kronach.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 594. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 9,170 km², die sich vor 1904 auf 4,032 km² und vor 1964 auf 3,904 km² verringerte.
Am 1. Mai 1978 wurde Nurn im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Gemeinde Steinwiesen eingegliedert.
Zwischen 1980 und 1982 errichtete ein Mehrzweckhaus-Bauverein ein Gemeinschaftshaus mit Saal und mehreren Zimmern für die örtlichen Vereine. Der Bauverein wurde alleiniger Träger und damit Unterhalter des Hauses, das 2021 saniert werden soll. Im November 2019 wurde die Dorferneuerung und Flurneuordnung nach 40 Jahren mit der Aufstellung eines Gedenksteins mit einem Kupferrelief des Ortes abgeschlossen. Bei der Flurneuordnung wurden rund 170 Besitzstände im 300 Hektar großen Verfahrensgebiet durch Zusammenlegung neu geordnet und die Wirtschaftswege auf einer Länge von insgesamt acht Kilometern ausgebaut. Zusätzlich fand eine Neugestaltung der Plätze und ein Ausbau der Ortsstraßen statt.Landkreisinformation 2019 Ländliche Entwicklung im Landkreis Kronach Für die Bodenordnung und das Beweidungskonzept wurde 2012 an die Teilnehmergemeinschaft der Staatspreis/Sonderpreis für die Land- und Dorfentwicklung in Höhe von 2000 Euro verliehen.kuratie-nurn.de: Kirchliche Segnung des Flurgedenksteins und Feierstunde, 3. November 2019
Baudenkmäler Forsthaus Bildstock
Haus Nr. 20: Modernes Gebäude, am Keller ein Türsturz wiederverwendet, der „GD 1828“ bezeichnet ist.T. Breuer: Landkreis Kronach, S. 218. Ursprüngliche Hausnummerierung. Das Haus listete Tilmann Breuer in dem Buch Landkreis Kronach von 1964 mit seiner ursprünglichen Hausnummer als Kunstdenkmal auf. Es wird in der Denkmalschutzliste nicht geführt, da es entweder nicht aufgenommen, abgebrochen oder stark verändert wurde.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Nurn Jahr Einwohner Häuser Quelle 1840 320 1852 365 1855 384 1861 363 1867 366 1871 399 58 1875 371 1880 382 1885 376 59 1890 365 59 1895 354 1900 381 64 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1905 378 1910 395 1919 387 1925 400 74 1933 434 1939 469 1946 560 1950 593 84 1952 587 1961 545 111 1970 635
Pfarrdorf Nurn Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2019Einwohner 227 352 380 362 375 400 540 593 635 616 471Häuser 38 57 63 73 84 110 151 Quelle
Religion Mitte des 17. Jahrhunderts entstand wohl eine kleine Kapelle mit dem Erzengel Michael als Schutzpatron. 1806 erweiterte die Gemeinde die Kapelle zur Dorfkirche. Ab 1923 war ein Geistlicher ständig im Dorf. Bis dahin war der Ort nach Mariä Geburt (Steinwiesen) gepfarrt.
In der Silvesternacht 1954 brach ein Brand im Beichtstuhl aus, zerstörte diesen sowie die Orgel und beschädigte durch Ruß die alte Kirche, die in der Ortsmitte stand. In der Folge wurde am 19. Mai 1955 etwa 150 Meter westlich der alten Kirche der Grundstein für einen Neubau gelegt. Planungen dafür bestanden seit dem Jahr 1938, sie waren aufgrund des ausbrechenden Zweiten Weltkriegs nicht realisiert worden. Den Entwurf verfasste der Kronacher Architekt Lothar Porzelt.Robert Wachter: Kirchenbauten im Erzbistum Bamberg während der Amtszeit von Erzbischof Dr. Josef Schneider (1955–1976). Band 2. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0084-9, S. 778. Das Richtfest fand am 20. August 1955 statt, am 6. Mai 1956 war die Weihe der drei Glocken Sankt Michael, Sankt Gabriel und Sankt Raphael, die zusammen 1068 Kilogramm wiegen und knapp 13.000 Mark kosteten. Am 22. Juli 1956 weihte der Bamberger Erzbischof Josef Schneider die Kirche. Die Gesamtkosten für deren Errichtung beliefen sich auf 181.610 Mark. Die Geldmittel stammten zu großen Teilen von der amerikanischen Aktion „Wooden Church Crusade“, die 60.000 Mark für den Bau beisteuerte, und aus Spendengeldern der umliegenden Gemeinden. Die alte Kirche wurde 1958 abgebrochen. Im November 1962 wurde eine vierte Glocke, die Marienglocke, angeschafft. 1988 wurde der Kirchturm wegen Bauschäden vollständig abgetragen und neu aufgebaut. An der linken Seite des Altarraums befinden sich Sitzfiguren der vier Evangelisten, die von der Kanzel der alten Kirche gerettet wurden. Den Innenraum gestaltete der Bamberger Künstler Hermann Leitherer.
Der Ort blieb bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rein katholisch. Die Protestanten waren ursprünglich nach St. Michael in Unterrodach gepfarrt, mittlerweile gehören sie zur Pfarrei Heinersberg-Nordhalben.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Hans Franz: Nurn. In: Frankenwald, Saalfrank, Helmbrechts 2016, S. 16–17. steinwiesen.de: Jubiläum in Nurn – 18. Juli 2016: 60 Jahre Kirche St. Michael in Nurn.
Anmerkungen Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet.
Kategorie:Geographie (Steinwiesen) Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kronach) Kategorie:Ersterwähnung 1349 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)