300px|mini| Friesisch-sächsisch ist eine Bezeichnung für eine Gruppe westgermanischer Varietäten an der südlichen Nordseeküste in den Niederlanden und Deutschland. Er wurde von dem niederländischen Dialektologen Johan Winkler im 19. Jahrhundert für seine Einteilung der niederdeutschen, niederländischen und friesischen Dialekte eingeführt und in der Folgezeit zunächst noch einige Male rezipiert.vgl. Hoppenbrouwers, Cornelis Antonius Johannes / Hoppenbrouwers, Geer A. J. (2001): De indeling van de Nederlandse streektalen - dialecten van 156 steden en dorpen geklasseerd volgens de FFM. Assen, S. 50ff. In der modernen Linguistik ist er nicht als Sprachklassifikation gebräuchlichVgl. dazu z. B. das Fehlen dieses Begriff im Referenzwerk der modernen Frisistik Handbuch des Friesischen: Horst H. Munske (Hrsg.): Handbuch des Friesischen. Niemeyer, Tübingen 2001., heute wird er ausschließlich als Sammelbegriff verwendet.

Für gemeinhin werden unter dem Begriff friesisch-sächsisch (oder friso-sächsisch) jene niederdeutschen bzw. niedersächsischen Dialekte zusammengefasst, die sich in ehemals friesischsprachigen Regionen ab dem Mittelalter etablierten und das Friesische als Volkssprache ersetzten. In solchen Dialekten ist häufig ein friesisches Substrat deutlich erkennbar. Dies betrifft hauptsächlich das ostfriesische und nordoldenburgische Niederdeutsch sowie das Groninger Niedersächsische, die sich beide in ähnlicher Weise auf Grundlage der ostfriesischen Sprache entwickelten, eingeschränkt aber auch auf das Niederdeutsche im Land Wursten.

Die linguistische Inkonsistenz des Begriffs zeigt sich daran, dass verschiedene Varietäten unter denselben Terminus fallen, die zu unterschiedlichen Zeiten unter unterschiedlichen Bedingungen von unterschiedlichen friesischen Sprachen beeinflusst wurden und dementsprechend keine einheitlichen Merkmale zeigen können, die auf diesen Sprachkontakt zurückgehen. Beispielsweise wird auch das Stellingwerfs als friesisch-sächsischer Dialekt bezeichnet. Anders als etwa das ostfriesische Niederdeutsch weist diese Varietät wahrscheinlich kein friesisches Substrat auf, da angenommen wird, dass Friesisch ursprünglich nicht in den Stellingwerven gesprochen wurde. Stattdessen handelt es sich in diesem Fall um ein westfriesisches Adstrat.

Ein analog verwendeter und ebenso von Johan Winkler 1874 eingeführter Terminus ist friso-fränkisch, der auf gleiche Weise die niederfränkischen bzw. niederländischen Varietäten zusammenfassen soll, die sich im Kontakt mit der der westfriesischen Sprache entwickelt haben, z. B. Stadtfriesisch, Bildts und die west-friesischen Dialekte.

Analog zu „friso-sächsisch“ schlug auch Johan Winkler den Begriff „ostfriesisches Niederdeutsch“ für die niederdeutsche Sprache in Ostfriesland vor.Winkler, Johan (1874): Algemeen Nederduitsch en Friesch Dialecticon. 2 Bände. 's-Gravenhage.

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