mini|Wasserfall auf der Insel

Die Kokos-Insel (, ) ist eine unbesiedelte Insel im östlichen Pazifischen Ozean. Sie gehört politisch zum Kanton Puntarenas der gleichnamigen Provinz des zentralamerikanischen Staates Costa Rica.

Die Insel ist vor allem durch zahlreiche Publikationen über Schätze populär geworden, die Piraten wie William Dampier, Benito Bonito oder Henry Morgan dort versteckt haben sollen. Es gab in der Vergangenheit mehrere Expeditionen, die große Teile der Insel durchwühlten, bislang ist jedoch kein größerer Schatzfund bekannt. Die weitere Schatzsuche ist untersagt, die Insel steht seit 1978 unter Naturschutz.

Geographie Die vorwiegend aus vulkanischen Gesteinen bestehende Insel liegt 494 km vor der Pazifikküste Costa Ricas auf dem sogenannten Kokosrücken (Cocos Ridge), einer über 1000 km langen und 250 bis 500 km breiten untermeerischen Struktur, die allgemein als Spur des Galápagos-Hotspot gedeutet wird.Christian H. E. Walther: The crustal structure of the Cocos ridge off Costa Rica. In: Journal of Geophysical Research. Band 108, 2003, S. 2136. Nach der Kokosinsel ist die Kokosplatte benannt, die der Karibischen Platte aufliegt. In dieser tektonisch unruhigen Zone kann es zu Seebeben und Tsunamis kommen.

Die Kokosinsel ist annähernd rechteckig geformt, 7,49 km lang, bis zu 4,61 km breit und hat eine Fläche von 23,85 km². Die höchste Erhebung ist der Cerro Iglesias mit 634 m im Westen.

mini|Chatham Bay Der größte Teil der rund 24 km langen Küstenlinie besteht aus steilen Kliffen, die bis zu 200 m aus dem Meer aufragen. Nur an einigen Stellen sind schmale Strände und kleine Buchten entstanden. Im Norden gewähren zwei größere Buchten Zugang: die Chatham-Bucht (Bahía Chatham) und die Wafer-Bucht (Bahía Wafer), von denen jeweils breite Täler ins Inselinnere führen. Die häufigen Regenfälle haben zahlreiche Fließgewässer erzeugt, die oft mit spektakulären Küstenwasserfällen direkt ins Meer münden.

Vor der Südküste der Kokos-Insel liegen die kleinen Nebeninseln Bayo Alcyone und Isla Muela, im Osten die Isla Cóníco und im Norden Isla Manuelita. Zudem gibt es mehrere vorgelagerte Felsen, die das Ansteuern gefährlich machen, da sie teilweise unter Wasser liegen. Ein umgebendes Saumriff fehlt, eine starke Brandung erreicht die Insel unmittelbar.

Die Kokosinsel liegt in der tropischen Klimazone, und die häufigen und heftigen Regenfälle begünstigen eine üppig wachsende Vegetation. Die durchschnittliche Jahresregenmenge beträgt 1930 mm, fast das Vierfache dessen, was zum Beispiel jährlich in Leipzig niedergeht. Die Jahresdurchschnittstemperatur bewegt sich um 26 °C, wobei sich die einzelnen Monate nur geringfügig unterscheiden.Wetterbase

Flora und Fauna Seit 1978 ist die Kokosinsel ein Nationalpark von Costa Rica. 1997 wurde sie in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

Flora Der Name Kokosinsel ist insoweit irreführend, als Kokospalmen heute nur in geringer Zahl vorkommen. Der Pirat und Entdecker William Dampier beschrieb 1684 die Insel noch wie folgt:William Dampier: A New Voyage Round the World. James and John Knapton, London 1697, S. 111 ff.

Ein anderer Pirat, Lionel Wafer (1640–1705), besuchte die Kokosinsel im Jahre 1685:Lionel Wafer: A New Voyage and Description of the Isthmus of America. James Knapton, London 1704, S. 353

Aber bereits 1838 stellte Edward Belcher festEdward Belcher: Narrative of a Voyage Round the World […]. Band 1, Henry Colburn, London 1843, S. 189:

Heute ist die Insel mit einem dichten Regenwald bedeckt, doch sind Kokospalmen im Vergleich zu anderen tropischen Pazifikinseln, zum Beispiel den Tuamotus, nicht häufig. Was den Umbruch in der Vegetation seit dem 17. Jahrhundert bewirkt hat, ist ungeklärt. Der britische Botaniker William Botting Hemsley war der Auffassung, Bukanier und Walfänger hätten die Palmen gefällt, um die Kokosnüsse bequemer ernten zu können.William Botting Hemsley: Report on the present state of knowledge of various insular floras, being an introduction to the Botany of the Challenger Expedition, London 1885. Es scheint jedoch zweifelhaft, ob gelegentliche Besucher oder die kurze Besiedlung der Insel zwischen 1888 und 1903 mit nur wenigen Menschen einen derart verheerenden Eingriff in die Vegetation hätten bewirken können.

Die heutige Flora im Inselinnern besteht vorwiegend aus Arten, die mit denen des benachbarten amerikanischen Kontinentes verwandt sind, jedoch gibt es zahlreiche Endemiten. Auffallend ist die Abwesenheit der ansonsten an den Küsten Mittelamerikas häufigen Mangroven. Die mittleren Strandbereiche haben Strandwinden (Ipomoea pes-caprae) erobert. Daran schließen sich lichte Haine mit Hibiscus tiliaceus und Balsamapfel (Clusia rosea) an.

Der üppige, nahezu undurchdringliche Regenwald der Hochebene setzt sich aus verschiedenen Ficus-Arten, Brosimum guianense, Ameisenbäumen (Cecropia) und Balsabäumen (Ochroma) zusammen, die ein dichtes Gewirr von Epiphyten und Kletterpflanzen bedeckt. Als buschig wachsende Rand- und Unterpflanzen kommen die endemische Eugenia pacifica, der Seifenstrauch (Clidemia hirta), und Miconia dodecandra vor.Dieter Mueller-Dombois, F. Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer-Verlag, Berlin 1998, ISBN 0-387-98313-9, S. 584–585. In den höchsten Lagen wachsen Bäume der ursprünglich aus Asien stammenden Gattung Melastoma.

Die Farnartigen Pflanzen (Pteridophyta) sind häufig, besonders in den schattigen und feuchten Spalten. Darunter sind sechs Endemiten: Cyathea alfonsiana, Cyathea notabilis, Lycopodium brachiatum, eine Sumpffarnart (Thelypteris), Trichipteris nesiotica und der zu den Schleierfarnen gehörende Trichomanes capillaceum. Die am weitesten verbreitete Gattung ist die der Schwertfarne (Nephrolepis).Luis Diego Gomez: The Ferns and Fern-Allies of Cocos Island, Costa Rica. In: American Fern Journal. Band 65, Nr. 4, 1975, S. 102–104.

Fauna Von den 87 auf der Insel vorkommenden Vogelarten sind drei endemisch: Kokosinsel-Kuckuck (Coccyzus ferrugineus), Kokosinsel-Tyrann (Nesotricus ridgwayi) und Kokosfink (Pinaroloxias inornata). Auf den umgebenden Inselchen und Felsen brüten zahlreiche Seevögel, darunter Fregattvögel (Fregatidae), Rotfußtölpel (Sula sula), Feenseeschwalben (Gygis alba) und Noddis (Anous stolidus).

Die kleinen Strände sind bedeutende Brutplätze von Grünen Meeresschildkröten (Chelonia mydas). Zwei Arten von Echsen kommen vor: Anolis townsendi und Sphaerodactylus pacificus, beide endemisch. Säugetiere sind auf der Insel nicht indigen.UNESCO-Welterbe-ListeF. Cortés: Coco Island: Management and development plan. Service of National Parks, San José 1986

Geschichte Vorgeschichte mini|Die Kokosinsel aus dem Theatrum Orbis Terrarum von Abraham Ortelius, Amsterdam 1589

Ob die Kokosinsel vor der europäischen Entdeckung bewohnt war, ist unklar. Die Fülle von Kokospalmen, die der Pirat Lionel Wafer beschreibt, könnte darauf hindeuten, dass Polynesier die Insel zumindest als zeitweiligen Aufenthalt gewählt haben. Der amerikanische Botaniker Elmer Drew Merrill war der Auffassung, das Vorkommen von Kokospalmen sei ein Indiz für die Besiedlung durch Polynesier.Elmer Drew Merrill: The Botany of Cook’s Voyages and its unexpected significance in relation to anthropology, biogeography, and history. In: Chronica Botanica. Band 14, Waltham (Mass.) 1954, S. 190 ff. Polynesische Seefahrer führten auf ihren Reisen Samen und Stecklinge von Nutzpflanzen mit und pflanzten sie auf den von ihnen entdeckten Inseln aus.

Archäologen der „Norwegischen Archäologischen Expedition zur Osterinsel und in den Ostpazifik“ von Thor Heyerdahl untersuchten am 25. und 26. Juli 1956 die Bahía Wafer und die Bahía Chatham, ohne jedoch Grabungen vorzunehmen. Dabei wurden von Menschen angelegte Erdterrassen auf dem nördlichen Kap, das die Wafer- von der Chatham-Bucht trennt, festgestellt, sowie zwei parallele Reihen von eingegrabenen Felsblöcken unweit des Strandes in der Wafer-Bucht, die möglicherweise Überreste eines Fundamentes sind. Das Alter der Strukturen ist unbekannt. Es können Überreste der Gissler-Siedlung aus dem späten 19. Jahrhundert sein, es ist aber auch nicht auszuschließen, dass sie aus voreuropäischer Zeit stammen.Thor Heyerdahl, Edwin Ferdon: Reports of the Norwegian Archaeological Expedition to Easter Island and the East Pacific. Band 2, George Allen and Unwin Ltd., London 1965, S. 465–466.

Entdecker, Forscher und Wissenschaftler Wer die Kokosinsel für Europa entdeckt hat, ist ebenfalls ungeklärt. Fest steht, dass sie bereits auf der Weltkarte von Nicolas Desliens von 1566 unter dem Namen „Y. de Coques“ und auf anderen Karten des 16. Jahrhunderts eingezeichnet ist, wenn auch mit unterschiedlichen Positionen. Die ungenaue Positionsbestimmung hatte zur Folge, dass die Insel von Fischern, Piraten und Handelsseglern gleich mehrfach neu „entdeckt“ wurde. Im 19. Jahrhundert war die Kokosinsel häufig Anlaufstelle von Walfängern, die dort ihre Frischwasservorräte ergänzten.

Am 25. Juli 1793 erreichte das britische Handelsschiff Rattler unter dem Kommando von James Colnett die Kokosinsel. Colnett interessierte sich nicht für die sagenhaften Schätze, sondern mehr für die unvergleichliche Natur.

Er sah die Insel als möglichen Versorgungsstützpunkt für künftige Walfänger und Handelsfahrer, ließ daher in der Chatham-Bucht einen Eber und eine Sau sowie eine Ziege und einen Ziegenbock frei und brachte in der Wafer-Bucht Saatgut aus „jeder Art zum Nutzen und zur Bequemlichkeit derer, die uns folgen mögen“ ([…] of every kind, for the benefit and comfort of those who might come after us).James Colnett: A voyage to the South Atlantic and round Cape Horn into the Pacific Ocean, for the purpose of extending the spermaceti whale fisheries, and other objects of commerce, by ascertaining the ports, bays, harbours, and anchoring births [sic], in certain islands and coasts on those seas at which the ships of the British merchants might be refitted: undertaken and performed by Captain James Colnett, of the Royal Navy, in the ship Rattler (1798). W. Bennett, London 1798, S. 66–74. Seinem 1798 veröffentlichten Bericht fügte Colnett eine detaillierte Karte der Insel bei.

Am 15. September 1789 startete der spanische Marineoffizier Alejandro Malaspina mit den Korvetten Descubierta und Atrevida (Kommandant Don José de Bustamante y Guerra) zu einer Reise um die Welt. Die Expedition wurde von führenden spanischen Wissenschaftlern begleitet. 1791 trennten sich die Schiffe, während Malaspina mit der Descubierta die mittelamerikanische Küste erforschte, segelte Bustamante mit der Atrevida zur Kokos-Insel, mit dem Ziel, deren nautische Position genau zu bestimmen. Wegen widriger Wetterverhältnisse, die vom 12. bis 14. Januar 1791 andauerten, war eine Landung nicht möglich. Bustamante beschränkte sich in seinen Aufzeichnungen daher auf eine kurze Beschreibung.Alessandro Malaspina: Viaje politico-cientifico alrededor del mundo por las corbetas Descubierta y Atrevida al mando de los capitanes de navio D. Alejandro Malaspina y Don José de Bustamante y Guerra desde 1789 a 1794. Imprenta Abieno Isabel La Católica, Madrid 1885, S. 186 f.