mini|Hengameh Yaghoobifarah, Akademie der Künste 2026

Hengameh Yaghoobifarah (; geboren 1991 in Kiel) ist eine deutsch-iranische nichtbinäre Person, die journalistisch und schriftstellerisch tätig ist.

Leben Yaghoobifarah wuchs in Buchholz in der Nordheide in einem Akademikerhaushalt auf. Die Eltern stammen aus dem Iran.Hengameh Yaghoobifarah im Gespräch mit Anja Sackarendt und Stefan Forth: Die Leute sagen: „Geh zurück in Deine Heimat“. In: NDR Kultur:Podcast. 26. Juli 2019, abgerufen am 4. Juli 2020 (mit Audio: 29:30 Minuten). In der Mittelstufe trat Yaghoobifarah der Linksjugend bei. Nach dem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz studierte Yaghoobifarah ab 2011 Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Universität in Freiburg im Breisgau sowie der Universität Linköping mit dem Abschluss Bachelor und einer Arbeit über die Farbe Pink im feministischen Diskurs.Profil: In: Missy Magazine. 30. Juni 2020, abgerufen am 4. Juli 2020; Zitat: „Hengameh Yaghoobifarah *1991, Redakteur*in […] und arbeitet jetzt als freie*r Journalist*in, Essayist*in und Redakteur*in in Berlin […]“.Profil: In: Speakerinnen.org. Ohne Datum, abgerufen am 4. Juli 2020 (deutsch).

Yaghoobifarah identifiziert sich als nichtbinär und nutzt für sich im Englischen das Pronomen „they“, im Deutschen „dey“, „er“ oder gar keine Pronomina.Hengameh Yaghoobifarah: Prada Loth @habibitus. In: Twitter.com. Abgerufen am 11. Februar 2021; Angabe der Pronomen: „they/them / de: kein pronomen […] Seit Januar 2013 bei Twitter […] 31.131 Follower“.Aurelie von Blazekovic: Gendergerechte Sprache: Neue Pronomen braucht das Land. In: Süddeutsche Zeitung. 10. März 2021; Zitat: „Im Magazin dieser Zeitung gab es vor einigen Wochen ein Porträt über Hengameh Yaghoobifarah anlässlich des Romandebüts. Darunter stand eine Anmerkung: ‚Hengameh Yaghoobifarah identifiziert sich als non-binär. Da es im Deutschen bisher kein geschlechtsneutrales Pronomen gibt, signalisiert dies hier im Text der Genderstern hinter sie*/ihr*.‘ Yaghoobifarah nutzt laut eigenen Angaben normalerweise gar keine Pronomen, schrieb auf Twitter: Das ‚sie*‘ sei ‚ein absoluter Ausnahmefall‘.“.Hengameh Yaghoobifarah: Genderfluidität: Was für ein Glück, ein 90s Kid zu sein. In: Die Zeit. 2. September 2018, abgerufen am 4. Juli 2020; Zitat: „Ich bin non-binary oder auf Deutsch: nicht-binär. Das ist ein Schirmbegriff für sehr viele unterschiedliche Gender, von genderfluide bis geschlechterlos (agender), die eins gemeinsam haben: Sie passen nicht in die binären Kategorien Mann und Frau.“ Seit 2014 lebt Yaghoobifarah in Berlin. Yaghoobifarah erhielt neben sehr vielen Hasskommentaren auch zahlreiche Morddrohungen und wechselte deswegen den Wohnort.Juliane Liebert: Hengameh Yaghoobifarahs Debüt „Ministerium der Träume“: Pöbeln auf Leben und Tod. In: Süddeutsche Zeitung. 11. Februar 2021, abgerufen am 11. März 2021.

Wirken mini|Hengameh Yaghoobifarah (2016) Yaghoobifarah arbeitet redaktionell für das Missy Magazine und schreibt freiberuflich für deutschsprachige Medien wie Spex, an.schläge – hier insbesondere von 2014 bis 2017 die rotierende Kolumne neulandArtikelbeiträge: Hengameh Yaghoobifarah. In: an.schläge. 2020, abgerufen am 3. März 2020. – sowie von 2016 bis 2022 die Kolumne Habibitus in der taz.Artikelbeiträge: Hengameh Yaghoobifarah. In: taz.de. 2020, abgerufen am 3. März 2020. Der Name der Kolumne war ein Kofferwort aus dem arabischen Wort Habibi („mein Liebling“) und dem soziologischen Begriff Habitus. In der Kolumne beschäftigte sich Yaghoobifarah mit Modefragen, aber auch mit Rassismus und Kritik am linken Milieu. Ein Sammelband mit den Kolumnen und anderen Texten erschien 2023 unter dem Titel Habibitus bei Blumenbar und war im selben Jahr für den Kurt-Tucholsky-Preis nominiert. Mit Queer Vanity betrieb Yaghoobifarah von 2014 bis 2017 einen Blog, der sich mit Mode und „Körperpolitik“ beschäftigte.

Beim „listen to berlin Award“ 2018 wurde Yaghoobifarah in der Kategorie „Preis für Musikjournalist*innen“ nominiert.Nominierte 2018: Preis für Musik-journalist*innen. In: listen-to-berlin-award.de. 2018, abgerufen am 4. Juli 2020; Zitat: „Prämiert wird eine Person, die sich wegweisend für die Künstler*innenentwicklung in Berlin engagiert hat.“ Gemeinsam mit Fatma Aydemir gab Yaghoobifarah 2019 das Sachbuch Eure Heimat ist unser Albtraum heraus, ein Manifest gegen einen als antisemitisch und rassistisch verstandenen deutschen Heimatbegriff, mit Texten von Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Margarete Stokowski, Olga Grjasnowa, Reyhan Şahin, Deniz Utlu, Enrico Ippolito, Nadia Shehadeh, Vina Yun und Simone Dede Ayivi.Rezensionsnotizen zu Eure Heimat ist unser Albtraum. In: Perlentaucher.de Abgerufen am 4. Juli 2020. In der Neuauflage 2024 kamen noch drei weitere Essays hinzu.

Die 2020 von Amina Aziz herausgegebene Anthologie Encyclopaedia Almanica versammelt Tweets von Yaghoobifarah und fünf People of Color aus ihrem Alltag. Der Titel spielt an auf die Bezeichnung Alman, einen Ethnophaulismus für Deutsche ohne erkennbaren Migrationshintergrund.Amina Aziz (Hrsg.): Encyclopaedia Almanica. Edition Assemblage, Münster 2020, ISBN 978-3-96042-073-6, Vorwort S. 3 (Seitenvorschau auf dropbox.com); Zitat: „Der Account habibitus von Hengameh Yaghoobifarah ist der vielleicht prominenteste der abgebildeten Accounts. […] They, Hengamehs Pronomen als nicht-binäre Person, erhält unter fast jedem Tweet Beleidigungen […]“.Sebastian Doerfler im Gespräch mit Nana Brink: „Encyclopaedia Almanica“: So tickt er, der Alman. In: Deutschlandfunk Kultur. 26. März 2020, abgerufen am 16. Juni 2020. Von 2020 bis 2021 veröffentlicht Yaghoobifarah den wöchentlichen Podcast Auf eine Tüte, auf dem Yaghoobifarah mit Gästen wie Mohamed Amjahid, Tucké Royale oder Nura über mentale Gesundheit und Alltagsthemen spricht. Seit Oktober 2025 erscheint der Podcast als Produktion von Studio Soma zweiwöchentlich als Videoformat.

Im Jahr 2021 erschien Yaghoobifarahs Debütroman Ministerium der Träume, der vom Leben iranischstämmiger Jugendlicher vor dem Hintergrund der rassistischen Anschläge von Hoyerswerda 1990 und Rostock und Mölln 1992 handelt.

2023 gründete Yaghoobifarah gemeinsam mit Fatma Aydemir, Enrico Ippolito und Miryam Schellbach die Literaturzeitschrift Delfi. Magazin für neue Literatur, das zwei Mal im Jahr beim Ullstein Verlag erscheint. Veröffentlicht werden deutschsprachige sowie internationale Stimmen aus Prosa, Essay, Lyrik, Drama und Comic.

2024 trat Yaghoobifarah in die Partei Die Linke ein.

Der Roman Schwindel (2024) erzählt die Geschichte von Ava, einer jungen Frau, die in komplexe Beziehungen verwickelt ist. Nach mehreren Affären flüchtet Ava vor den Konfrontationen mit diesen Beziehungspartnern auf das Dach ihres Hochhauses. Es entfaltet sich ein Machtgerangel, das Themen wie queeres Begehren, Identität und zwischenmenschliche Konflikte berührt. Yaghoobifarah verwendet eine vielfältige Erzählweise und eine auf die queere und digitale Kultur bezugnehmende Sprache.

Kontroversen um Artikel Im Missy Magazine veröffentlichte Yaghoobifarah 2016 den Artikel Fusion Revisited: Karneval der Kulturlosen, der dem „weißen Publikum“ des Fusion Festivals und dessen Veranstaltern kulturelle Aneignung und Rassismus vorwarf, unter anderem wegen nur mild gewürzter „exotischer“ Imbissangebote und des Tragens von Dreadlocks. Der Text wurde von Teilen der deutschen Linken kontrovers aufgenommen und diente als Ausgangspunkt für Debatten in linken Medien. Einige sahen in Yaghoobifarahs Text ein Beispiel für neurechte oder ethnopluralistische Argumentationsmuster in der „antirassistischen Szene“.Marcus Latton: Kulturelle Aneignung wird mit Rassismus gleichgesetzt – Jedem Stamm seine Bräuche. In: Jungle World. 1. September 2016, abgerufen am 3. März 2020.Anja Hertz: Kommentar: Neurechts argumentierende Linke. In: Neues Deutschland. 2. September 2016, abgerufen am 3. März 2020.Dominique Haensel: Der böse, böse Essenzialismus. In: analyse & kritik. 18. Oktober 2016, abgerufen am 3. März 2020. Yaghoobifarah erweiterte den Artikel 2018 zu dem Essay Ich war auf der Fusion, und alles was ich bekam, war ein blutiges Herz.

Im Oktober 2017 zog Yaghoobifarah mit einem Beitrag in der taz-Kolumne Rassismus-Vorwürfe auf sich, weil im Text die deutsche Kultur mit „Dreckskultur [von] Kartoffeln“ verglichen wurde, angelehnt an den Slangausdruck „Kartoffel“.Hengameh Yaghoobifarah: Kolumne Habibitus: Deutsche, schafft Euch ab! In: taz.de. 22. Oktober 2017, abgerufen am 23. Juni 2020; Zitat: „Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen. Lieber eine Schweinefleisch-Lobby gründen als halal-Fleisch in ihrer Kantine akzeptieren.“ Der Journalist Jan Fleischhauer kritisierte, „dass man die Maßstäbe, die man an andere anlegt, nicht für sich selbst gelten lässt“.Jan Fleischhauer: Kampf gegen rechts: Hater sind immer die anderen. In: Der Spiegel. 26. Oktober 2017, abgerufen am 23. Juni 2020. Die Journalistin Elke Halefeldt kommentierte: „Wir lernen: Rassismus gegen Deutsche ist kein Rassismus.“Elke Halefeldt: Rassismus-Debatte im Netz: Guter Hass, böser Hass. In: Cicero.de. 30. Oktober 2017, abgerufen am 23. Juni 2020. Die stellvertretende taz-Chefredakteurin Katrin Gottschalk verteidigte die Kolumne gegen solche Vorwürfe: „In ihren* Kolumnen spiegelt sie* Ressentiments, denen Minderheiten ausgesetzt sind, zurück auf die Mehrheitsgesellschaft. Sie* beleidigt absichtsvoll so, dass klar wird, welche Beleidigungen Minderheiten erdulden müssen.“

„All cops are berufsunfähig“

Im Juni 2020 griff Yaghoobifarahs Kolumne Habibitus in der Tageszeitung taz die transnationale Bewegung Black Lives Matter und Rassismus bei der Polizei „auch in Deutschland“ auf. In der Druckausgabe war dem Titel die Abkürzung „ACAB“ vorangestellt (All Cops Are Bastards).Meldung: In: Deutschlandfunk. 9. September 2020, abgerufen am 2. Dezember 2020 (Foto zum 1. Abschnitt Presserat: Seehofer kritisiert Entscheidung zu umstrittener „taz“-Kolumne; der DLF hält Meldungen grundsätzlich nur 1 Woche online). In dem Text wird ein Gedankenspiel angestellt, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Zum Schluss der Kolumne heißt es:

Einige Journalisten und Politiker kritisierten den Text als Gleichsetzung von Menschen mit Müll.Boris Rosenkranz: Polizist*innen als „Abfall“ bezeichnet: „taz“ verteidigt Müll-Kolumne. In: Übermedien.de. 17. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020. Andere sahen darin eine Satire und Kritik an der Polizei.Meldung: Saskia Esken: SPD-Chefin kritisiert Horst Seehofer. In: Die Zeit. 23. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020. Der Journalist Marc Felix Serrao nannte die Kolumne in der Neue Zürcher Zeitung eine „als Satire verbrämte Volksverhetzung“.Marc Felix Serrao: Kommentar: Polizisten auf den Müll? Bei der «TAZ» darf Satire auch volksverhetzend sein. In: NZZ.ch. 16. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.Constantin van Lijnden: Kolumne über Polizei: Die Müllabfuhr der „taz“. In: FAZ.net. 17. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020. Nach Ansicht von Brigitte Baetz im Deutschlandfunk enthielt der Text „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“.Brigitte Baetz: Polizei-Kolumne der „taz“: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In: Deutschlandfunk. 18. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020 Dagegen verteidigte der Schauspieler und Autor Schlecky Silberstein die Kolumne in Deutschlandfunk Kultur als gelungene Satire und warf den Kritikern ein falsches Textverständnis vor.Schlecky Silberstein im Gespräch mit Julius Stucke: Polizei-Kolumne der „taz“: Der Maßstab für Texte kann nicht der geistig Geringste sein. In: Deutschlandfunk Kultur. 17. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020.