mini|Heinrich Waentig Heinrich Eugen Waentig (* 21. März 1870 in Zwickau; † 22. Dezember 1943 in Baden-Baden) war ein deutscher Nationalökonom und Politiker (SPD). Er hatte von 1904 bis 1933 einen Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Halle inne. Von 1921 bis 1928 war er Mitglied des Preußischen Landtags, von 1927 bis 1930 Oberpräsident der preußischen Provinz Sachsen und von März bis Oktober 1930 preußischer Minister des Inneren.

Leben Waentig war der Sohn des sächsischen Ministerialbeamten Karl Heinrich Wäntig. Nach dem Schulbesuch in Dresden und Zwickau leistete er 1888 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger. Anschließend studierte er in München, Berlin, Leipzig, Wien. In Leipzig wurde er 1893 mit einer Arbeit über Die Vorläufer Auguste Comtes zum Dr. phil. promoviert. Anschließend unternahm er Reisen durch die USA und Ostasien.

Mit einer Schrift über die Gewerbeordnung im Österreich des 19. Jahrhunderts habilitierte sich Waentig 1896 an der Philipps-Universität Marburg für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft, wo er anschließend als Privatdozent lehrte und 1897 zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Nachdem er ab 1897 das Ordinariat für Staatswissenschaften an der Universität Greifswald vertreten hatte, wurde er dort 1899 zum ordentlichen Professor ernannt. 1902 wechselte er als Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften an die Universität Münster.

Als ordentlicher Professor für Nationalökonomie und Mitdirektor des Staatswissenschaftlichen Seminars wechselte er 1904 nach Halle. Von 1909 bis 1914 war er dort beurlaubt und lehrte in dieser Zeit an der Kaiserlichen Universität Tokio Nationalökonomie und Finanzwissenschaft, er wurde u. a. deswegen ausgewählt, da er auf Englisch unterrichten konnte. 1913 wurde er durch den preußischen Kultusminister aus Japan abberufen und kehrte auf seinen Lehrstuhl an der Universität Halle zurück, den er bis 1933 innehatte. Während des Ersten Weltkriegs war er ab Februar 1915 in der politischen Abteilung beim deutschen Generalgouverneur im besetzten Belgien beschäftigt und leitete die Nachrichtenabteilung der Pressezentrale.

In der Zeit der Weimarer Republik war Waentig von 1921 bis 1928 für die SPD Mitglied des Preußischen Landtags. 1927 ernannte ihn die preußische Regierung des Ministerpräsidenten Otto Braun zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen mit Sitz in Magdeburg. Als Nachfolger des zurückgetretenen Albert Grzesinski wurde Waentig im März 1930 preußischer Minister des Inneren in der dritten Regierung Braun. Dieses Amt übte er bis zum 21. Oktober 1930 aus, sein Nachfolger wurde Carl Severing. 1931 trat Waentig aus der SPD aus.

In Berlin wohnte er 1935 in Dahlem, Schweinfurthstraße 43/7. Als Pensionär wohnte er in Baden-Baden.

Werke Die Vorläufer Auguste Comtes. 1893. August Comte und seine Bedeutung für die Entwicklung der Socialwissenschaft. Duncker & Humblot, Leipzig 1894 (Online im Internet Archive). Die Entwicklung des österreichischen Gewerberechts im 19. Jahrhundert. 1896. Gewerbliche Mittelstandspolitik. Eine rechtshistorisch-wirtschaftspolitische Studie auf Grund österreichischer Quellen. Duncker & Humblot, Leipzig 1898. Die wirtschaftliche Bedeutung der Großstädte. 1903. Das Buchgewerbe und die Volkswirtschaft. 1907. Wirtschaft und Kunst. 1909. Belgiens Volkswirtschaft. 1918. Belgien. 1919. Die japanische Revolution 1867. K. Schroeder, Bonn/Leipzig 1920. Zusammenbruch und Wiederaufbau – Ein Versuch zum Deutung der grossen Fragen unserer Zeit im Hinblick auf Deutschlands Zukunft. K. Schroeder, Bonn/Leipzig 1920 (Online im Internet Archive). Herausgabe: Sammlung sozialwissenschaftlicher Meister. Jena: Gustav Fischer; Aalen: Scientia Verlag 1903-10. 13 Bände, davon 4/II, 10, 12 nicht erschienen.

Literatur Bärbel Holtz (Bearb./Hrsg.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1925-1938/38. Bd. 12/II: 1925-1938. Olms-Weidmann, Hildesheim 2004, ISBN 3-487-12704-0 (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]: Acta Borussica. Neue Folge.)

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Einzelnachweise

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