mini|Maurice Kamto nach der Wahl 2018 Maurice Kamto (* 15. Februar 1954 in Bafoussam) ist ein kamerunischer Jurist, Politiker und Hochschullehrer.
Jugend und Ausbildung Maurice Kamto gehört der Ethnie der Bamileke an. Er studierte Rechtswissenschaft an der Universität Yaoundé, in Nizza und in Paris. 1983 promovierte er.
1985, als Kamto als junger Lehrer am Institut für Internationale Beziehungen arbeitete, wurde er wegen eines Artikels verhaftet, in dem er sich kritisch über den Präsidenten Paul Biya äußerte. Durch Druck seiner internationalen Studenten kam bald wieder frei.
1988 erhielt er einen Preis der Académie des Sciences d’Outre-Mer.
Akademische Karriere Kamto unterrichtete und arbeitete in fast allen der zehn Regionen Kameruns. Ab 1994 lehrte er als Professor an verschiedenen kamerunischen Universitäten. Außerdem war er Gastprofessor an mehreren Universitäten in Frankreich und im Senegal. Von 1999 bis 2004 war er Dekan der Fakultät für Rechts- und Politikwissenschaften der Universität Yaoundé II.
Kamto arbeitete über viele Jahre als Forscher und Vortragender an der Haager Akademie für Völkerrecht und saß 2015 auch in ihrem Kuratorium.
Ab 2005 war Kamto assoziiertes Mitglied des Instituts für Internationales Recht, 2013 wurde er Mitglied.
Er verfasste Fachpublikationen und gründete mehrere wissenschaftliche Fachzeitschriften.
Beratertätigkeiten Er arbeitete als Berater bei zahlreichen Projekten verschiedener Internationalen Organisation mit. Als Experte für die Internationale Fernmeldeunion war er 1996–1998 an der Ausarbeitung der Telekommunikationsgesetze von Mali, Ruanda, Mauretanien, Burkina Faso, Guinea-Bissau und den Komoren beteiligt.
Von Mai 1999 bis August 2016 war er Mitglied der Völkerrechtskommission, 2011/12 war er auch ihr Präsident.
Er war Projektmitarbeiter der UNO-Organisationen UNDP, UNEP und FAO. Er ist Mitglied zahlreicher Internationaler Nichtregierungsorganisationen wie IUCN, Internationale Juristenkommission oder International Law Association.
Politisches Engagement Kamto war Mitglied der zwischenstaatlichen Kommission von Kamerun und Nigeria für die Umsetzung des Urteils des Internationalen Gerichtshofs vom 10. Oktober 2002 über die Frage der Land- und Seegrenze zwischen den beiden Staaten.
Von Dezember 2004 bis November 2011 war er in der kamerunischen Regierung. Er übte die Funktionen Beigeordneter Minister des stellvertretenden Premierministers, Justizminister und Generalstaatsanwalt aus.
Nach dem Ausscheiden aus der Regierung gründete Kamto im August 2012 die Partei Bewegung für die Wiedergeburt Kameruns (Mouvement pour la renaissance du Cameroun – MRC).
Bei der Präsidentschaftswahl in Kamerun 2018 trat Kamto gegen den regierenden Präsidenten Paul Biya an. Er erklärte sich bereits vor Verlautbarung der offiziellen Ergebnisse zum Sieger der Wahl. Das offizielle Wahlergebnis, wonach Biya mit 71 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden sein soll, erkannte er nicht an. Seine Partei sprach von Wahlbetrug und organisierte in der Folge mehrere Proteste.
Das MRC boykottierte die Parlaments- und Kommunalwahlen 2020.Cameroon's opposition leader Kamto re-elected at the helm of MRC. In: africanews.com. 11. Dezember 2023, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
Inhaftierung und Repression Am Abend des 28. Januar 2019 wurde Kamto gemeinsam mit weiteren Parteimitgliedern in der Hafenstadt Douala verhaftet. Es werden ihm Aufruhr, Beleidigung des Präsidenten und weitere Anklagepunkte vorgeworfen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International forderten seine Freilassung und kritisieren, dass das Verfahren gegen Kamto vor einem Militärgericht geführt werden soll. Zahlreiche prominente Juristen forderten die Europäische Union auf, die Unterstützung für Kamerun über Gelder des 11. Europäischen Entwicklungsfonds einzufrieren, bis die Behandlung Kamtos und seiner Anhänger grundlegenden rechtsstaatlichen Standards entspricht. French Society of International Law. 14. März 2019, abgerufen am 28. Juli 2019 (englisch). Das Europäische Parlament verabschiedete im April 2019 eine Resolution, in der Kamerun aufgefordert wurde, Kamto freizulassen und die Menschenrechte zu wahren.Entschließung des Europäischen Parlaments vom 18. April 2019 zu Kamerun (2019/2691(RSP)). In: europarl.europa.eu. 18. April 2019, abgerufen am 29. Juli 2019. Anfang Juni 2019 fanden in Kamerun Protestkundgebungen statt, bei denen die Freilassung Kamtos und anderer Gefangener gefordert wurde. Dabei wurden weitere etwa 350 Menschen festgenommen, 75 davon wurden später wieder freigelassen.Ilaria Allegrozzi: Mass Arrests of Opposition Members in Cameroon – Hundreds Detained After Defying Ban on Demonstrations. In hrw.org. 4. Juni 2019, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch).
Anfang Oktober 2019 ließ Präsident Biya überraschend die Strafverfolgung von mehreren Oppositionellen einstellen. Daraufhin wurde Kamto am 5. Oktober 2019 in Yaoundé freigelassen.Cameroon opposition leader Maurice Kamto, supporters freed from prison. In: Deutsche Welle. 5. Oktober 2019, abgerufen am 6. Oktober 2019 (englisch).
Nach Protesten gegen Biya wurde Kamto von 22. September 2020 bis Dezember 2020 de facto unter Hausarrest gestellt; Schwer bewaffnete Polizisten wurden bei seinem Haus positioniert.Moki Edwin Kindzeka: Cameroon Opposition Leader’s De Facto House Arrest Ends. In: voanews.com. 9. Dezember 2020, abgerufen am 4. Januar 2021 (englisch).
Als Kamto im Dezember 2023 als Vorsitzender der MRC wiedergewählt wurde, kündigte er die Gründung der Koalition Alliance Politique pour le Changement (APC) an. Da die Wahlkommission vor der Präsidentschaftswahl 2025 argumentierte, das MRC sei wegen ihres Wahlboykotts 2020 nicht berechtigt, einen Kandidaten aufzustellen,Martina Schwikowski: Kamerun: Jugend vor der Wahl gespalten. In: dw.com. 9. Oktober 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025. wollte Kamto für eine andere Partei innerhalb der APC, das Mouvement africain pour la nouvelle indépendance et la démocratie (MANIDEM), antreten.Cameroon 2025: Maurice Kamto seeks to vie on a different political outlook. In: africanews.com. 17. Juli 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch). Die Wahlbehörde ließ Kamtos Kandidatur jedoch nicht zu, weil MANIDEM auch einen weiteren Kandidaten nominiert hatte.Cameroonian opposition leader Maurice Kamto appeals election disqualification. In: africanews.com. 29. Juli 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch). Nach juristischer Anfechtung dieser Entscheidung bestätigte das Verfassungsgericht im August 2025 Kamtos Ausschluss von den Wahlen.Constitutional council's decision leaves Kamto out of presidential race. In: africanews.com. 5. August 2025, abgerufen am 12. Oktober 2025 (englisch).
Belege
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