mini|310px|Der israelische Kampfpilot Amos Lapidot, späterer Kommandeur der IAF, bereitet sich im Juli 1956 auf einen Einsatz in einem Dassault-Ouragan-Jet auf dem Militärflugplatz Chazor vor. mini|310px|Amos Lapidot (rechts) und ein weiterer israelischer Pilot nach dem Ausstieg aus ihren Dassault Ouragan Kampfjets im Juli 1956 auf Chazor
Der Militärflugplatz Chazor (, ) ist ein Stützpunkt der Israelischen Luftwaffe (IAF). Er befindet sich in der Mitte Israels – knapp im Südbezirk – etwa 10 Kilometer östlich des Mittelmeeres, nahe dem Kibbuz Chazor Aschdod, von dem der Militärflugplatz seinen Namen hat. Er besitzt drei Start- und Landebahnen von jeweils knapp 2,5 Kilometer Länge. Es sind aber seit 2021 keine Kampfjets mehr auf ihm stationiert, sondern nur noch Patrouillenflugzeuge, Drohnen und Abwehrraketen.
Geschichte RAF Qastina Im Jahr 1942 wurde der Militärflugplatz von der Royal Air Force (RAF) unter dem britischen Mandat über Palästina als RAF Qastina angelegt, benannt nach einer südöstlich gelegenen palästinensischen Ortschaft Qastina, die 1948 im Palästinakrieg unterging und dem benachbarten britischen Militärlager Camp Qastina, das seit Anfang 1940 bestand. Zwei britische Staffeln, die Dakota- und Halifax-Flugzeuge betrieben, waren anfangs auf dem Stützpunkt stationiert.
Auf der Airbase RAF Qastina befanden sich danach abwechselnd mehrere britische Flugzeug-Staffeln mit Bombern, Transport- und Aufklärungsflugzeugen, die von hier aus eingesetzt wurden. Im entsprechenden englischen Wikipedia-Artikel sind einige dieser Staffeln aufgelistet. Auch über den untergegangenen palästinensischen Ort Qastina finden sich dort Informationen.
Polnische Kadettenanstalt Junacka Szkoła Kadetów (JSK) Am 19. Oktober 1942 zog die im August des Jahres in Baschschit gegründete Junacka Szkoła Kadetów (JSK) der polnischen Anders-Armee mit 342 Kadetten auf die Airbase RAF Qastina.Zbigniew Raczkowski, „Junacka Szkoła Kadetów 1942–1948 (81)“ (5. August 2016), auf: Kadeci II RP - strona kedecka i sympatyków (Webseite inaktiv); abgerufen am 25. April 2023 (polnisch).
Die JSK war eine polnische Kadettenanstalt, die vor allem polnische Knaben besuchten, deren Eltern durch die sowjetische Ausmerzung polnischer Intelligenz und Widerständigkeit ermordet oder in Arbeitslager verschleppt worden waren.NN, “The Polish Army in the Middle East, 1942–1943”, auf: Imperial War Museums; abgerufen am 25. April 2023 (englisch). Tausende polnische Jugendliche hatten sich zu Standorten der Anders-Armee im russischen Tozkoje sowie in den usbekischen und kirgisischen Orten Dschalalabat, Gʻuzor, Kermine, Narpay und Olmazor (Wrjeskij) durchgeschlagen, in der Hoffnung mit der Armee aus der Sowjetunion zu entkommen. General Władysław Anders setzte sich sehr dafür ein, möglichst viele Jugendliche mitzunehmen. Major Andrzej Kulczycki leitete die Kadettenanstalt bis 1945,NN, „Honorowy Obywatel Miasta Skierniewice“, auf: Miasto Skierniewice: Stolica nauk ogrodniczych; abgerufen am 25. April 2023 (polnisch). die dem 3. Karpaten-Schützen Division im 2 Korpus Polski zugeordnet war.
Am 28. Juni 1943 besuchte der polnische Ministerpräsident Władysław Sikorski die Kadettenanstalt, letzter offizieller Termin vor seinem Flugzeugabsturz bei Gibraltar (1943). Anders war häufig Gast der Kadettenanstalt, so am 26. November 1942, Juni 1943 (mit Sikorski), am 17. November 1943, am 5. Januar 1944, am 21. September 1945 und im Juni 1946, bei dieser Gelegenheit begleitet von General Antoni Chruściel, dem Kommandanten der Heimatarmee im Bezirk Warschau. Vom 29. Juli 1943 bis 31. Juli 1947 domizilierte die Kadettenanstalt in , heute Mavqiʿim. Die Anstalt absolvierten 1.171, nach anderen Angaben 1.276, Kadetten der Jahrgänge von 1927 bis 1931, von denen 440 jeweils einer Einheit des 2 Korpus Polski beitraten. Am gregorianischen Karfreitag 1943 nahmen Kadetten am Kreuzweg durch Jerusalem teil und hielten Ostervigil am Grabe Jesu.
Der prosowjetische Bund Polnischer Patrioten griff alles Polnische an, was nicht Moskau unterstellt war. Die Vorsitzende des Bundes, Wanda Wasilewska, verleumdete in ihrem Artikel „Faschisten, Betrüger und Erpresser“ im Bundesorgan Ku Wolnej Polska die Kadetten als „Anders' Janitscharen“ und die JSK als „Nest reaktionärer Fürsten und Grafen“. Ab 15. August 1947 hatte die JSK ihren letzten Sitz auf der englischen Airbase RAF Bodney, wo mit den letzten Abschlussprüfungen vom 23. bis 28. Februar 1948 die Anstalt ihren Lehrbetrieb einstellte. Unter den Vorwürfen aus Polen gingen nur etwa 20 Kadetten ins kommunistische Polen, die Heimat der meisten lag ohnehin in jenen 52 % des polnischen Staatsgebietes von 1938, die die Sowjetunion 1939 im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes für sich beanspruchte und 1945 dann in etwa einbehielt.
Die Nacht der Flugzeuge In der Nacht des 25. Februar 1946 griffen Untergrundkämpfer der Irgun die Airbase RAF Qastina an und zerstörten mehrere der dort geparkten Handley Page Halifax Bomber, die zuletzt als Transportflugzeuge genutzt worden waren. Auch zwei weitere RAF-Basen wurden in dieser Nacht angegriffen, die man später Die Nacht der Flugzeuge nannte. Insgesamt wurden 20 Flugzeuge zerstört und etliche beschädigt, so dass die RAF sich gezwungen sah, viele ihrer Maschinen auf Basen nach Ägypten zu verlegen.
Israeli Air Force Base Hatzor Als sich das Völkerbundsmandat für Palästina seinem Ende näherte, wurde die Airbase RAF Qastina am 15. März 1948 von den Briten geräumt und von der israelischen Hagana übernommen. Anschließend wurde sie in Chazor (Hatzor Airbase) umbenannt, nach dem nahe gelegenen Kibbuz Chazor Aschdod, direkt nordwestlich gelegen (siehe Karte).
Ehemals stationierte Flugzeugstaffeln
101. Staffel „First Fighter“ links|80px Die 101. Staffel „First Fighter“ wurde im Mai 1948 auf der Ekron Airbase (heute Tel Nof) als erste Militärflugzeug-Staffel in Israel gegründet und im November nach Chazor verlegt – damals noch mit Avia S-199-Jagdflugzeugen, die aus übrig gebliebenen Teilen der Messerschmitt Bf 109 zusammengebaut waren. 25 Exemplare davon wurden (laut einem Infoschild im IAF-Museum) insgesamt aus der Tschechoslowakei importiert, wo während des Zweiten Weltkrieges in den Avia-Werken deutsche Flugzeuge hergestellt worden waren. Es folgten die britische Supermarine Spitfire zusammen mit der North American P-51 Mustang aus Beständen der WKII-Alliierten. Während dieser Zeit war die Staffel auf dem Militärflugplatz Ramat David stationiert.
mini|300px|Die berühmte Dassault Mirage IIICJ Shahak „Nr. 158“ der 101. Staffel „First Fighter“ von Chazor mit dreizehn Abschüssen („Kill Markings“) im IAF-Museum beim Militärflugplatz Chazerim Im April 1956 kehrte die 101. Staffel nach Chazor zurück und erhielt mit der Dassault Mystère IV A ihren ersten Jet (siehe: Operation Schacharit), dem ab 1962 die weiter entwickelte Dassault Mirage IIICJ Shahak folgte (siehe Bild rechts). Diese kam dann mit großen Erfolg während des Sechstage-, des Abnutzungs- und des Jom-Kippur-Krieges zum Einsatz. Ab 1971 bzw. 1976 wurden die in Israel gebauten und auf der Dassault Mirage 5 basierenden IAI Nescher (Gänsegeier) und die verbesserte IAI Kfir (junger Löwe) als zusätzliche Flugzeuge an die Staffel übergeben. Ab 1987 flog sie schließlich die F-16C/D Barak und war seit ihrer Gründung an zahlreichen Einsätzen und Kriegen beteiligt gewesen.
105. Staffel „Scorpion“ links|80px Auf dem Militärflugplatz Ramat David im August 1950 wurde eine Gruppe innerhalb der 101. Staffel gegründet, die Piloten für Angriffe auf Bodenziele schulen sollte. Sie erhielt daher den Spitznamen „Scorpion“ und wurde bald darauf als 105. Staffel ausgegliedert. Sie flog zunächst die englische Spitfire, später die US-amerikanische P-51 Mustang. 1958 zog sie nach Chazor um und erhielt als einzige Staffel in Israel die neue Super Mystère B2 (SMB2) Sambad. Diese Jets wurden schließlich unter dem Namen Saar von IAI aufgerüstet (siehe Bild in unterer Galerie) und flogen dann noch bis Ende der 1970er Jahre – zuletzt in anderen Staffeln. Ab 1975 wurde die F-4 Phantom II Kurnas eingeführt und ab 1991 schließlich die F-16C/D Barak. Auch sie war an zahlreichen Einsätzen beteiligt.
109. Staffel „The Valley“ links|80px Die 109. Staffel „The Valley“ wurde 1951 noch unter anderem Namen auf Tel Nof gegründet und von 1952 bis 1956 nach Chazor verlegt, wo sie insgesamt 25 von den Briten gekaufte De Havilland Mosquitos als Jagdbomber und als Aufklärungsflugzeug flog. 1956 nahm sie mit diesen an den Auseinandersetzungen der Suezkrise teil. Danach wurden ihre Mosquitos stillgelegt und die Staffel nach Ramat David verlegt, wo sie andere Flugzeuge und ihren heutigen Namen „The Valley“ erhielt.
113. Staffel „Hornet“ links|80px Die 113. Staffel „Hornet“ wurde 1955 auf Chazor als zweite Jet-Staffel der IAF gegründet – nach der 1953 auf Ramat David gegründeten 117. Staffel „First Jet“ – und flog die Dassault Ouragan (Hurrikan), ab 1973 die IAI Nescher (Gänsegeier) und ab 1976 die verbesserte IAI Kfir (junger Löwe). 1986 wurde die Staffel auf Chazor geschlossen und 1989/90 auf dem Militärflugplatz Ramon mit AH-64 Apache Kampfhubschraubern wieder neu aufgestellt.
116. Staffel „Lions Of The South“ links|80px Die 116. Staffel „Lions Of The South“ wurde 1956 mit P-51 Mustang Flugzeugen auf dem Militärflugplatz Tel Nof aufgestellt – noch unter anderem Namen. Im Oktober 1961 zog sie nach Chazor um und erhielt die Dassault Mystère IV A Kampfjets von der 101. Staffel. 1971 wurden die Mystère IV stillgelegt und sie erhielt neue Douglas A-4H Skyhawk Jets, die bald durch das neuere Model A-4N ersetzt wurden. Im Oktober 1983 zog sie auf den neu errichteten Militärflugplatz Nevatim um.
201. Staffel „The One“ links|80px Die 201. Staffel „The One“ wurde im September 1969 auf Chazor als erste von später fünf F-4E Phantom II Kurnass Staffeln eröffnet. Diese nahm dann am Abnutzungskrieg mit Ägypten und am Jom-Kippur-Krieg teil und erlitt in letzterem schwere Verluste. Im Juni 1988 wurde die Staffel mit ihren Phantoms nach Tel Nof verlegt, wo diese bis 2004 im Dienst blieben. Im Jahr 2020 wurde vor dem Haupttor der Ramon Airbase eine restaurierte F-4E Phantom II Kurnass aufgestellt und eine Gedenkstätte für die 201. Staffel errichtet.
Galerie ehemals stationierter Flugzeuge Die meisten Flugzeugtypen aus früheren Zeiten befinden sich heute im IAF-Museum direkt neben dem Militärflugplatz Chazerim:
Nachdem in der Anfangszeit der IAF ab 1948 Propellerflugzeuge noch aus verschiedenen Ländern eingekauft worden waren, wurden ab Mitte der 1950er Jahre die französischen Hersteller Sud und Dassault zu den alleinigen Lieferanten für israelische Kampfjets, was bis zum Sechstagekrieg 1967 auch so blieb. Als dann aber der französische Staatspräsident Charles de Gaulle aufgrund dieses Krieges und weiterer Ereignisse ein totales Waffenembargo seines Landes gegenüber Israel verhängte, wandte man sich den Vereinigten Staaten zu und baute auch eigene Jets, wie die IAI Nescher und die IAI Kfir. All dies lässt sich anhand der oberen Foto-Galerien gut nachvollziehen.
In den ersten 18 Jahren des neu gegründeten Staates Israel gab es nur die drei von den Briten übernommenen Militärflugplätze Tel Nof, Ramat David und Chazor, wobei auf letzterem meist die neuesten und leistungsfähigsten Kampfjets stationiert wurden. Dies änderte sich aber im Laufe der Zeit als weitere Airbases gebaut wurden, bis schließlich im Jahr 2021 die letzten auf Chazor verbliebenen Staffeln 101 und 105 mit F-16C/D Kampfjets nach Ramat David im Norden Israels umzogen, sodass von da an keine bemannten Jets mehr auf Chazor stationiert waren (siehe Einheiten).
Operation Schacharit