Das Infanterie-Regiment „Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin“ (4. Brandenburgisches) Nr. 24 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee. Das Regiment wurde 1813 in Schlesien gebildet, dann 1817 in die Provinz Brandenburg verlegt. Wichtigster Garnisonsort war Neuruppin. Das Regiment nahm Zeit seines Bestehens an allen wesentlichen Kriegen Preußens und des Deutschen Reichs teil, u. a. an den Befreiungskriegen 1813–1815 und den drei Einigungskriegen 1864–1871. Als Namensgeber des Regiments wurde Friedrich Franz II. geehrt. Nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg 1914–1918 wurde das Regiment aufgelöst.

Geschichte Formierung und Befreiungskriege (1813–1817) Im Herbst und Winter 1812 scheiterte Napoleons Russlandfeldzug, das französische Expeditions-Heer wurde vernichtend geschlagen. Am 30. Dezember 1812 trat auf Verantwortung des preußischen Generals Yorck der Waffenstillstand zwischen Preußen und Russland in Kraft. Praktisch verließen die preußischen Truppen damit das aufgezwungene Bündnis mit der französischen Armee und stellten sich auf die Seite der Alliierten im Kampf gegen Napoleon. Am 9. Februar 1813 wurde in Preußen die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, vorerst nur für die Zeit des Krieges. Am 17. März 1813 rief der preußische König das Volk zum Befreiungskampf auf („An Mein Volk“) und erklärte am selben Tag Frankreich den Krieg.

Im Zuge der Wiederaufbau der preußischen Armee wuchs die Stärke des Heeres von 42.000 Mann (1807 – Obergrenze gemäß Frieden von Tilsit) auf 300.000 Mann (1813). Am 1. Juli 1813 wurden gemäß A.K.O. in den nicht französisch besetzten östlichen Provinzen Preußens zwölf Reserve-Infanterie-Regimenter gebildet.Das preußische Heer der Befreiungskriege. Band 2 („Das preussische Heer im Jahre 1813“). Mittler-Verlag, Berlin 1914, S. 308f. und Anhang 25 (Kabinettsorder vom 1. Juli 1813). Jedes der zwölf Reserve-Infanterie-Regimenter wurde einem der bestehenden zwölf Linien-Infanterie-Regimenter zugeordnet, Regimentsnummer und Garnison waren jeweils identisch. Entsprechend wurde das spätere Infanterie-Regiment Nr. 24 zunächst als 12. Reserve-Infanterie-Regiment in Breslau und Neiße aufgestellt.

Während der Befreiungskriege nahmen die Reserve-Bataillone 1813 am Gefecht bei Luckau teil. Das neugebildete 12. Reserve-Infanterie-Regiment wurde Teil der 8. Brigade im I. Armeekorps und nahm damit am Herbstfeldzug von 1813 teil, davor anderem am Gefecht bei Möckern am 5. April 1813 und an der Schlacht an der Katzbach am 26. August 1813.

1814 nahm das Regiment unter anderem am Gefecht von Méry am 22.–23. Februar 1814 teil, weiter an der Schlacht bei Laon am 9.–10. März 1814 und an der Schlacht bei Paris am 30. März 1814.

Mit A.K.O. vom 25. März 1815 wurde das 12. Reserve-Infanterie-Regiment in 24. Infanterie-Regiment umbenannt und war damit ein Linien-Regiment. Ebenso verfuhr man dem 1. bis 11. Reserve-Infanterie-Regiment, der Nummernversatz war einheitlich 12.

Im Sommerfeldzug von 1815 nahm das Regiment als Teil der 1. Brigade im I. Armeekorps teil, unter anderem an der Schlacht bei Ligny am 16. Juni 1815 und der Schlacht bei Waterloo (Belle Alliance) am 18. Juni 1815. Am 2. November 1815 trat das Regiment den Fußmarsch in die Heimat an, der über Brüssel, Köln, Braunschweig und Magdeburg in seine Garnisonsorte Breslau und Neiße führte – eine Strecke von mehr als 1000 km. Dort wurde das Regiment dann in den Friedenszustand überführt. Das Regiment gehörte hier dem Schlesischen Generalkommando (später VI. Armeekorps) an.Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 1 (Die Grafschaft Ruppin). Hertz, Berlin 1862, S. 152.

Verlegung nach Brandenburg, Märzrevolution und Garnisonszeit (1817–1860) 1817 wurde das Regiment dem III. (brandenburgischen) Armee-Korps zugeordnet, und nach Frankfurt (Oder) verlegt. Dort stand das Regiment nur drei Jahre, bevor es im September 1820 nach Ruppin und Prenzlau verlegt wurde.

1849 nahm das Füsilier-Bataillon des Regiments an der Seite von leichter sächsischer Infanterie und zweier Bataillone des preußischen Kaiser Alexander Grenadier-Regiments an der Niederschlagung des Dresdner Maiaufstands teil. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai verlegte das Füsilier-Bataillon von Berlin per Bahn nach Dresden-Neustadt. Der Hauptangriff auf die Barrikaden der Aufständischen fand am 9. Mai statt. Am 11. Mai verließ das Füsilier-Bataillon Dresden, vereinigte sich mit den Musketier-Bataillonen des Regiments und verlegte nach Westfalen.Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1 (Die Grafschaft Ruppin.) Hertz, Berlin 1862, S. 154–155. Insgesamt erlitten die sächsischen und preußischen Truppen Verluste von 31 Toten und 94 Verwundeten,Oskar Wilhelm Schuster, F. A. Franke: Geschichte der Sächsischen Armee. Teil III. Leipzig 1885, S. 65. davon 6 Tote und 13 Verwundete beim Füsilier-Bataillon des Regiments. Auf Seiten der Aufständischen wurden kamen 250 Menschen zu Tode, und es gab 400–500 Verwundete.

Am 17. Mai 1849 schlug das vereinigte Regiment den Iserlohner Aufstand nieder. Dabei fielen der Kommandeur des Füsilier-Bataillons, Oberstleutnant Schrötter, sowie ein weiterer Soldat des Regiments.Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1 (Die Grafschaft Ruppin.) Hertz, Berlin 1862, S. 155. Auf Seiten der Aufständischen und Zivilisten gab es mehr als 100 Tote, wohl überwiegend durch ein Massaker: Soldaten des Regiments, erbost durch den Tod ihres aus dem Hinterhalt erschossenen Bataillonskommandeurs, durchsuchten die Häuser und exekutierten beim Fund von Waffen oder Munition deren Bewohner wie auch Fliehende.Peter Bürger: "Schieß ihn um, den Hund von Demokraten!" In: Telepolis vom 17. Mai 2016.

Nun wurde das Regiment wieder aufgeteilt, I. und II. Bataillon traten zur 2. Division und das Füsilier-Bataillon zur 4. Division. Beide Divisionen gehörten zum I. Armee-Korps unter General Moritz von Hirschfeld, das von Norden und Westen her zwischen dem 11. und 18. Juni die Rheinpfalz und Baden besetzten. Dabei nahm das Füsilier-Bataillon am 14. Juni 1849 am Gefecht bei Kirchheimbolanden teil. Zusammen mit einem Bataillon der Landwehr und zwei Schwadronen Ulanen gingen die Truppen gegen Freischärler vor. Dabei gab es auf Seiten der regulären Truppen drei Verwundete, auf Seiten der Aufständischen hingegen 50 Tote. Weiter nahmen die Bataillone des Regiments im Laufe des Juni 1849 an einer Reihe kleinerer Gefechte teil: am 21. Juni in Wiesental, am 24. Juni in Neudorf, am 25. Juni in Durlach, am 28. Juni in Michelbach, am 29. Juni bei Nauenthal, am 30. Juni zwischen Kuppenheim und Muggensturm, und schließlich am 30. Juni am Verfolgungsgefecht bei Iffezheim. Insgesamt hatte das Regiment in der badischen Kampagne 3 Tote und 18 Verwundete zu verzeichnen.Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1 (Die Grafschaft Ruppin.) Hertz, Berlin 1862, S. 156.

Nach Ende der Kämpfe wurde das Regiment dem Okkupations-Korps zugeteilt und verblieb bis November 1850 in Baden.

Deutsch-Dänischer Krieg (1864) Am Krieg gegen Dänemark von 1864 nahm das Regiment als Teil der 6. Infanterie-Division im kombinierten Armeekorps teil. Der erste Kampfeinsatz war das Gefecht von Missunde am 2. Februar 1864. Daran nahm seitens des Regiments nur das Füsilier-Bataillon teil, das vom Regimentskommandeur Oberst von Hacke geführt wurde. Das Bataillon erlitt an diesem Tag Verluste von 5 Toten und 8 Verwundeten.Michael Embree: Bismarck's First War: The Campaign of Schleswig and Jutland 1864. Helion, Solihull 2006, ISBN 978-1-87462-277-2, S. .

Das Infanterie-Regiment Nr. 24 gehörte von nun an zur 12. Infanterie-Brigade unter Generalmajor von Roeder. Mit diesem Großverband folgten verschiedene Erkundungs- und Vorpostengefechte vor Düppel und Rackebüll (heute Sønderborg-Ragebøl), dann die Teilnahme an Einschließung und Belagerung der Düppeler Schanzen. Während der Einschließung der Schanzen am 17. März 1864 wurden sieben Soldaten des Regiments verwundet.Michael Embree: Bismarck's First War: The Campaign of Schleswig and Jutland 1864. Helion, Solihull 2006, ISBN 978-1-87462-277-2, S. . Am 18. April 1864 erstürmten die preußischen Truppen unter Prinz Friedrich Karl schließlich die Schanzen. Zwei Kompanien des Regiments gehörten dabei zur Sturmkolonne 5, die von Major von Krohn geführt wurde,Michael Embree: Bismarck's First War: The Campaign of Schleswig and Jutland 1864. Helion, Solihull 2006, ISBN 978-1-87462-277-2, S. . Kommandeur des Füsilier-Bataillons. Bei der Erstürmung der Schanzen fielen 8 Soldaten des Regiments, weitere 54 Soldaten wurden verwundet, dazu vier verwundete Offiziere.Michael Embree: Bismarck's First War: The Campaign of Schleswig and Jutland 1864. Helion, Solihull 2006, ISBN 978-1-87462-277-2, S. .

Nach zeitweisem Waffenstillstand und Abbruch der Konferenz von London nahm das Regiment am 29. Juni 1864 am Übergang auf die Insel Alsen teil. Dabei erlitt das Regiment Verluste von 28 Toten und 75 Verwundeten.Michael Embree: Bismarck's First War: The Campaign of Schleswig and Jutland 1864. Helion, Solihull 2006, ISBN 978-1-87462-277-2, S. . Im Juli 1864 endete der Krieg siegreich für die preußisch-österreichische Allianz. Insgesamt hatte das Regiment im Deutsch-Dänischen Krieg unwiederbringliche Verluste von 54 Toten und Vermissten zu beklagen, dazu kamen 54 Schwerverwundete sowie 116 Leichtverwundete bzw. Erkrankte.Verlustlisten für die Preußische Armee im Deutsch-Dänischen Krieg. In: Militär-Wochenblatt. Mittler, Berlin 1864, Beilagen Nr. 1540, 1557, 1568, 1577, 1584, 1615, . (Online-Recherche)

Krieg gegen Österreich (1866) 1866 nahm das Regiment am Deutschen Krieg teil, Gegner war der Deutsche Bund unter Führung Österreichs. Das Regiment gehörte im Krieg zur 6. Infanterie-Division in der I. Armee, und nahm an der Schlacht bei Königgrätz (Sadowa) in der Reserve unter Führung von General von Manstein teil. Diese Schlacht war insgesamt sehr verlustreich. Da das Regiment mit der Reserve nicht zum Einsatz kam, waren die Verluste des Regiments im gesamten Krieg von 1866 mit einem Toten, einem Verwundeten und sieben Leichtverwundeten vergleichsweise gering – alle vom 3. Juli 1866, dem Tag von Königgrätz.Preußische Verlustlisten 1866. In: Militärisches Wochenblatt. Berlin 1867, Nr. 121, 249, 257. (Online-Suche)

Deutsch-Französischer Krieg (1870/71) Das Regiment nahm 1870/71 am Krieg gegen Frankreich teil und kämpfte wieder im Bestand der 6. Infanterie-Division im III. Armee-Korps. Die Division stand unter Führung von General von Buddenbrock. Außerordentlich verlustreich war die Teilnahme des Regiments an der Schlacht bei Mars-la-Tour (Vionville) am 16. August 1870, zusammen mit dem durch diese Schlacht ebenfalls stark dezimierten Infanterie-Regiment Nr. 64. Beide Regimenter bildeten zusammen die 12. Infanterie-Brigade, die unter dem Kommando von Oberst von Bismarck stand.Theodor Fontane: Regiment Mecklenburg-Schwerin Nr. 24. In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1, aktualisierte Ausgabe ab 1875, Abschnitt Das 24. Regiment im Kriege gegen Frankreich 1870 und 1871. In der Schlacht bei Mars-la-Tour hatte das Regiment an einem Tag Verluste von 1141 Mann zu verzeichnen, darunter 268 Tote, 142 Vermisste und 181 Schwerverwundete.Verlust-Listen der Königlich Preussischen Armee und der Grossherzoglich Badischen Division aus dem Feldzuge 1870-1871. In: Militärisches Wochenblatt. Berlin 1871, , Nr. 27, 28, 30, 52. (Online-Suche) An die Kriegstoten der 24er und 64er in der Schlacht erinnert ein Denkmal bei Vionville.

Vom 10. bis 12. Januar 1871 nahm das Regiment an der Schlacht bei Le Mans teil.

Garnisonszeit im Kaiserreich (1872–1913)