Freiherr Johann Friedrich August Rudolf Hiller von Gaertringen (* 4. Mai 1801 in Dramburg; † 27. Oktober 1866 in Berlin) war ein deutscher Gutsbesitzer und Politiker.

Leben Hiller von Gaertringen entstammte dem ursprünglich schwäbischen Adelsgeschlecht der Hiller von Gaertringen. Er war der Sohn des preußischen Generalmajors der Kavallerie, Johann Christoph Wilhelm Rudolf Freiherr Hiller von Gaertringen (1771–1831) und dessen Ehefrau Ulrike Hermine Philippine von Heising (* 3. April 1778; † 21. Februar 1849), eine Tochter des Generalleutnants Ludwig Ferdinand Friedrich von Heising.

Hiller von Gaertringen, der evangelischer Konfession war, heiratete am 19. September 1826 in Berlin Sophie Mathilde Auguste von Motz (* 19. Februar 1807 in Vollenborn; † 9. Dezember 1856 in Betsche), die Tochter des preußischen Finanzministers Friedrich von Motz. Gut Betsche bei Meseritz samt Zubehör war lange Hauptwohnsitz der Familie.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. 1857. Band Provinz Posen. XV. Meseritz. Nr. Betsche, Selbstverlag, Berlin 1857, S. 318–319.

Rudolf und Sophie Hiller von Gaertringen hatten zwei Töchter. Tochter Sophie heiratete den Offizier Bernhard Graf zu Dohna-Kotzenau, kurzzeitig u. a. Besitzer vom Gut und Schloss im westpreußischen Tirschtiegel, dann anderer Güter.Vgl. Lothar Graf zu Dohna: Die Dohnas und ihre Häuser. Profil einer europäischen Adelsfamilie. Band 2, Wallstein, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1237-1, S. 523. Tochter Anna ehelichte den Offizier Anton Freiherr von Bredelow.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1858. Achter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1857, S. 267–269.

Politik Er war Kreisdeputierter im Landkreis Meseritz und 1849 zeitweise kommissarischer Verwalter des Landratsamtes. Ab 1835 war er Mitglied des Provinziallandtags der Provinz Posen. 1843 bis 1847 war er stellvertretender Landtagsmarschall und wurde 1847 Landtagsmarschall. 1847 war er Mitglied des Vereinigten Landtags und 1848 der Vereinigten Ständischen Ausschüsse. Von 1849 bis 181 gehörte er der II. preußischen Kammer an. 1850 war er Mitglied des Staatenhauses des Erfurter Unionsparlaments.

Kommendator des Johanniterordens Während der Johanniterorden zu Beginn des 19. Jahrhunderts faktisch nur noch als Verein und als Verdienstorden, in der Titulatur Königlich Preußischer St. Johanniter-Orden agierte, stellte per Kabinettsorder vom 15. Oktober 1852 König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wieder die alten Rechte der für den evangelischen Landadel so wichtigen Kongregation her. Namhafte Vertreter wurden per Ritterschlag neu aufgenommen und erhielten zunächst den Status eines Rechtsritters. Anschließend wurden aus diesem erwählten Kreis, unter anderem Carl von Bodelschwingh, Richard Friedrich Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten, Ernst Freiherr von Friesen, Julius von Haeften, Graf von Krassow oder Adolf Friedrich August von Rochow-Stülpe, sämtliche Protagonisten für die verschiedenen Regionen bestimmt. Diese Herren stammten zumeist aus dem Uradel, außer Rudolf Hiller von Gaertringen, er wurde aus dem Briefadel stammend auch Kommendator des Johanniterordens. Er stand der Provinzial-Genossenschaft Posen vor und ließ zu seiner Amtszeit ein Krankenhaus bei Bromberg errichten.

Auszeichnungen Am 27. Februar 1835 wurde er zum Kammerherren ernannt. Am 18. Januar 1840 erhielt er den Roten Adlerorden 3. Klasse, am 25. Juni 1842 die Schleife dazu, am 18. Januar 1854 die 2. Klasse und am 10. Oktober 1861 den Stern dazu. 1851 erhielt er das Komturkreuz des Hohenzollernschen Hausordens.

Literatur Kommendator Rudolf Freiherr Hiller v. Gärtringen. In: Walther Threde, Thora von Bonin: Johanniter im Spannungsfeld an Weichsel und Warthe. Die wechselvolle Geschichte der Posen-Westpreußischen Genossenschaft des Johanniterordens. Ars Una Verlags-Gesellschaft, Neuried 1998, ISBN 978-3-89391-610-8. S. 110–113. Ute Niethammer: Evangelischer Adel und Moderne. Ein Beitrag zur Geschichte Geschichte des Johanniterordens (1852–1919). LIT, Berlin 2018. ISBN 978-3-643-13892-7. S. 208. Digitalisat Jochen Lengemann: Das Deutsche Parlament (Erfurter Unionsparlament) von 1850. Ein Handbuch: Mitglieder, Amtsträger, Lebensdaten, Fraktionen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Große Reihe Bd. 6). Urban & Fischer, München 2000, ISBN 978-3-437-31128-4. S. 168–169.

Einzelnachweise

Kategorie:Mitglied des Staatenhauses des Erfurter Unionsparlaments Kategorie:Landtagsmarschall (Posen) Kategorie:Mitglied des Ersten Vereinigten Landtages für die Provinz Posen Kategorie:Mitglied des Zweiten Vereinigten Landtages für die Provinz Posen Kategorie:Mitglied der Preußischen Zweiten Kammer Kategorie:Kammerherr (Preußen) Kategorie:Kommendator (Johanniterorden) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 2. Klasse Kategorie:Parlamentspräsident Rudolf Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Geboren 1801 Kategorie:Gestorben 1866 Kategorie:Mann