Ren’ai () ist eine Landgemeinde () im Landkreis Nantou in der Republik China (Taiwan).
Beschreibung Ren’ai liegt im Zentrum der Insel Taiwan. Mit einer Fläche von 1273 km² ist es die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Nantou und die drittgrößte in Taiwan. Das Gemeindegebiet liegt vollständig im Bereich des Taiwanischen Zentralgebirges und ist durch Berge, die Höhen über 3000 Meter erreichen, und schmal eingeschnittene Täler gekennzeichnet. Die Höhe variiert zwischen 400 Metern in der Flussebene des Beigang im Dorf Huzhu und dem 3590 Meter hohen Hauptgipfel des Qilaishan (, ) an der Grenze zum Landkreis Hualien. Es gibt mehr als 70 über 2000 Meter hohe Berggipfel. Zu den bekannteren zählen der Hehuanshan (), Nenggaoshan (), Zhuoshedashan (), Guandaoshan () und Shouchengdashan (). Im Allgemeinen nimmt die Höhe von Westen nach Osten zu. mini|Rathaus von Ren’ai Die Nachbargemeinden von Ren’ai sind Heping (Taichung) im Norden, Xiulin und Wanrong (Landkreis Hualien) im Osten, Xinyi im Süden sowie Yuchi, Puli und Guoxing im Westen. Das Gemeindegebiet umfasst im Nordosten einen Teil (77 km²) des Taroko-Nationalparks sowie zwei kleinere Naturparks: das Nationale Walderholungsgebiet Aowanda () und das Nationale Walderholungsgebiet Hehuanshan ().
In Ren’ai liegen die Quellflüsse des Zhuoshui, unter anderem der von Nordosten kommende Wushe () und der von Osten kommende Wanda (). Der erstgenannte wird durch den Wushe-Staudamm zum Wushe-Stausee aufgestaut. Im Norden Ren‘ais entspringt der Fluss Beigang (), der nach Westen in die Nachbargemeinde Guoxing fließt.
Das Klima Ren’ais ist subtropisch, jedoch durch die Höhenlage sehr gemäßigt. Es bestehen deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 18 °C mit höchsten Temperaturen zwischen Juni und September. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 2100 mm. Die Auswirkungen der in Taiwan regelmäßig auftretenden Taifune werden durch die Hochgebirgslage abgemildert.
Geschichte Die ursprünglichen Bewohner der Gegend waren Angehörige der austronesischen Ureinwohner Taiwans. Als Taiwan zum Kaiserreich China gehörte (1683 bis 1895), stand das unzugängliche Gebiet praktisch nicht unter Kontrolle der chinesischen Verwaltung und wurde auch nicht von Han-Chinesen besiedelt. Die administrative Erfassung des Gebiets und die Unterwerfung der Urbevölkerung fand erst während der japanischen Kolonialherrschaft (1895–1945) statt.
Von Oktober bis Dezember 1930 war Ren’ai das Zentrum des Wushe-Zwischenfalls, des größten Aufstands gegen die japanischen Kolonialherren, bei dem sich die Sediq unter Mona Rudao erhoben. Der Aufstand, den die Kolonialverwaltung mit großer Härte niederschlug, forderte auf beiden Seiten etwa tausend Todesopfer. Dabei machten sich die Japaner die Feindschaft zwischen verschiedenen Stämmen zunutze.
Nach der Übergabe Taiwans an die Republik China im Jahr 1945 wurde Ren’ai als Landgemeinde im 1950 neu gegründeten Landkreis Nantou organisiert.
Bevölkerung Mit einer Bevölkerungsdichte von nur 11 Einwohnern pro km² gehört Ren’ai zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Taiwans (durchschnittliche Bevölkerungsdichte auf Taiwan: > 600 E./km²). Die ethnische Zusammensetzung ist komplex. Ende 2017 gehörten 12.666 Personen (knapp 80 %) den indigenen Völkern Taiwans an. Nach undatierten Angaben auf der Webseite der Gemeinde befanden sich darunter 2631 Bunun (hauptsächlich in den Dörfern Wanfeng, Fazhi und Zhongzheng),, 9751 Sediq (überwiegend in Hezuo, Jingying, Chunyang, Nanfeng und Huzhu) sowie 2613 Atayal (Dörfer Faxiang, Lixing, Cuihua und Xinsheng).
Eine weitere, nicht in Taiwan wurzelnde ethnische Minderheit sind die Dai. Nach Ende des Chinesischen Bürgerkrieges (1949) waren Reste der geschlagenene Kuomintang-Truppen nach Birma ausgewichen, von wo aus sie wiederholt Offensiven in die chinesische Provinz Yunnan starteten (siehe Kuomintang in Birma). Es kam zu engen Verbindungen zwischen den örtlichen Bergvölkern und den Kuomintang-Soldaten. Als die letzten Soldaten 1961 nach Taiwan evakuiert wurden, zogen mehr als 200 Angehörige des Dai-Volkes mit. Sie erhielten in Ren’ai, in einer sie an ihre Heimat erinnernden Landschaft, 765 Hektar frisch gerodetes Ackerland. Heute gibt es Bemühungen von offizieller Seite, ihre Kultur zu erhalten bzw. wiederzubeleben.
Verwaltungsgliederung Gliederung von Ren’ai285px Ren’ai ist in 16 Dörfer () untergliedert:
Verkehrsverbindungen Ren’ai wird von der aus Puli kommenden Provinzstraße 14 von West nach Ost durchquert. Sie endet im Dorf Jingying. Nördlich des Wushe-Stausees zweigt von ihr die Provinzstraße 14A (14) ab, die nach Nordosten in Richtung Hehuanshan und Xiulin (Landkreis Hualien) führt.
Sehenswürdigkeiten, Tourismus Neben den oben erwähnten National- und Naturparks, die viele Möglichkeiten des Naturtourismus bieten, gibt es eine Reihe anderer Sehenswürdigkeiten: den Qingjing-Bauernhof () im Dorf Datong, der 1961 als Musterbauernhof im alpinen Stil eingerichtet wurde, den Gedächtnispark für den Wushe-Aufstand (), der an den Widerstand gegen die japanische Kolonialherrschaft erinnert, die Lushan-Thermalquellen () im Dorf Jingying.
Persönlichkeiten Kung Wen-chi (* 1957), Politiker Mona Rudao (1882–1930), Sediq-Häuptling
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort auf Taiwan Kategorie:Ort in der Provinz Taiwan Kategorie:Landkreis Nantou