mini|hochkant=1.3|Marktplatz in Kasendorf mini|Kirchstraße Kasendorf ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern.
Gemeindegliederung Die 16 Gemeindeteile sind (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Azendorf, Döllnitz, Heubsch, Lopp (Gemarkungsteil 0), Peesten und Schirradorf (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Kasendorf hat eine Fläche von 9,224 km². Sie ist in 1553 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lindenberg und Zultenberg.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Kasendorf stammt aus dem Jahre 1286. Im Jahre 1307 erwarben ihn die Burggrafen von Nürnberg, die späteren Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Im Jahr 1328 erhielt er durch kaiserliches Privileg Markt- und Stadtrechte. Kasendorf wurde vermutlich 1528 protestantisch, als in der gesamten Markgrafschaft die Reformation eingeführt wurde. Kasendorf hieß im frühen 13. Jahrhundert noch Kazendorf bzw. Kazenstatthttp://www.kasendorf.de/, daher ist auch im Wappen von Kasendorf eine Katze abgebildet. Erst im Laufe der Jahrhunderte kam der Name Kasendorf zustande.
Das Amt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth lag ab 1500 im Fränkischen Reichskreis. Es fiel im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Historisches Verbrechen In Kasendorf wurde 1808 die Ehefrau von Justizamtmann Wolfgang Conrad Glaser, dem Leiter des dortigen Justizamtes, von der Witwe Anna Margaretha Zwanziger, der Haushälterin, mit Arsen vergiftet. Der Kasendorfer Giftmord wurde erstmals durch den bayerischen Juristen Paul Johann Anselm von Feuerbach (1765–1835) in seinem Werk Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen, 2 Bde. (1828/29) veröffentlicht. Der Kasendorfer Fall ist seitdem in zahllosen Sammlungen historischer Kriminalliteratur in aller Welt (zum Beispiel im Neuen Pitaval) nachgedruckt bzw. nacherzählt worden. Das Familien- und Gesellschaftsleben Glasers ist in kultur- und sozialgeschichtlich reizvollen Details geschildert. Feuerbachs Werk ist daher für die Kasendorfer Ortsgeschichte von besonderer Bedeutung. Gerold Schmidt hat die wichtigsten historischen Angaben Feuerbachs zu Personen, Daten usw. überprüft und ergänzt.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurden im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinden Azendorf, Döllnitz und Heubsch sowie Teile der aufgelösten Gemeinden Lopp und Schirradorf eingegliedert. Peesten kam am 1. Juli 1976 hinzu. Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Neudorf (Zultenberg) folgten am 1. Januar 1978.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 2241 auf 2417 um 176 Einwohner bzw. um 7,9 %. Am 31. Dezember 2006 hatte Kasendorf 2617 Einwohner. 1961: 2564 Einwohner 1970: 2385 Einwohner 1987: 2257 Einwohner 1991: 2428 Einwohner 1995: 2539 Einwohner 2000: 2587 Einwohner 2005: 2594 Einwohner 2010: 2514 Einwohner 2015: 2467 Einwohner
Politik und Öffentliche Verwaltung mini|Rathaus mini|Altes Rathaus mini|hochkant|Mühlkanal des Friesenbachs Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kasendorf.
Bürgermeister Erste Bürgermeisterin ist seit 2026 Tanja Friedrich. Ihr Vorgänger war Norbert Groß (CSU). Dieser war seit 1. Mai 2020 im Amt und Nachfolger von Bernd Steinhäuser (CSU/Offene Liste).
Marktgemeinderat Die Kommunalwahlen seit 2002 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: Partei/Liste 2002 2008 2014 2020 CSU/Offene Liste 10 11 10 9 Überörtliche Wählergemeinschaft 3 3 4 4FDP – – – 1 SPD 1 n. a. n. a. n. a. Gesamt 14 14 14 14
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-weiß-blau.
Wirtschaft und Infrastruktur Zu den größten im Ort ansässigen Unternehmen gehören das Kalkwerk Johann Bergmann Kalk und Franken Maxit, ein Hersteller von Baustoffen. Außerdem sind die Firmen Richter Steuerungstechnik GmbH, W. E. T. GmbH und Alpha-InnoTec GmbH sowie die Möbelfabrik MAJA-Möbel vertreten.
Verkehr mini|Bahnstation und Streckengeherhaus (im Vordergrund) am Eröffnungstag der Eisenbahn Kasendorf liegt an der Staatsstraße 2190 von Kulmbach nach Würgau. Im Ort beginnen die St 2189 nach Thurnau und die Kreisstraße KU 31 in Richtung Weismain. Nächste Autobahn-Anschlussstelle ist Thurnau-West an der Bundesautobahn 70.
Mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Kulmbach nach Thurnau am 11. Oktober 1908 erhielt Kasendorf eine Haltestelle mit einem Ladegleis. Das in Holzbauweise errichtete Agenturgebäude umfasste einen Dienstraum, einen Warteraum für Fahrgäste und eine Güterhalle mit Laderampe. Etwas abseits entstand ein Wohnhaus für den Streckengeher. Der letzte reguläre Personenzug zwischen Kulmbach und Thurnau verkehrte am 3. September 1993. Nach der Stilllegung der Bahn wurden die Gleise abgebaut.
Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Johanneskirche mini|Herkulesbrunnen Johanneskirche mit Deckengemälden aus dem frühen 18. Jahrhundert Herkulesbrunnen auf dem Marktplatz aus dem Jahr 1737 Turmberg mit vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen und dem Magnusturm, siehe: Burg Kasendorf Tanzlinde im Gemeindeteil Peesten Görauer Anger, im Winter Skigebiet für Snowboarder und Skifahrer mit Tellerlift und Almhütte Die Friesenquelle ist eine Karstquelle und zählt mit einer durchschnittlichen Schüttung von 400 Litern pro Sekunde zu den stärksten Quellen in Oberfranken.
Bau- und Bodendenkmäler
Rathaus (Kasendorf)
Söhne und Töchter des Marktes Friedrich Christian Wilhelm Vogel (1776–1842), Buchhändler, Verleger und Buchdrucker Carl Noebe (1800–1866), Organist und Orgelbauer im mecklenburgischen Güstrow Eduard Rupprecht (1837–1907), lutherischer Pfarrer und apologetischer Schriftsteller, wurde in Azendorf geboren Matthäus Schneider (1877–1944), Brauereiarbeiter und Politiker, Abgeordneter des Bayerischen Landtags Siegfried Leffler (1900–1983), protestantischer Theologe, Ehrenbürger von Hengersberg
Literatur
Paul Johann Anselm von Feuerbach: Alltag im Alten Bayern. Die frech-sexy'en Reportagen des alten Ritters von Feuerbach aus dem Bayern von 1730–1830. Eingeleitet, ausgewählt und nacherzählt von Gerold Schmidt. Norderstedt 2006, ISBN 978-3-8334-6060-9
Weblinks
Homepage des Marktes Kasendorf Die vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen auf dem Turmberg (Landschaftsmuseum Obermain) Das hallstattzeitliche Gräberfeld im Pfarrholz (Landschaftsmuseum Obermain)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Kategorie:Obermainland Kategorie:Ersterwähnung 1286 Kategorie:Markt in Oberfranken Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach