Harsdorf (oberfränkisch: Hoasch-doafE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 200. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „håʳschdoʳf.“) ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern.
Geographie Lage Harsdorf liegt am Rande des breiten Talbeckens der Trebgast, das im Osten zu einem Höhenzug des Obermainischen Hügellandes ansteigt. Im Norden wird der Ort von der Bundesautobahn 70 tangiert. Im Ortszentrum sind drei Bäume als Naturdenkmäler ausgezeichnet.
Gemeindegliederung Harsdorf hat 15 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Dort sind nur 14 Gemeindeteile angegeben, da Oberaltenreuth noch nicht berücksichtigt wurde.
Der ehemalige Weiler Seierhaus zählt zum Gemeindeteil Oberlaitsch.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Harsdorf und Trebgaster Forst (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Harsdorf hat eine Fläche von 8,492 km². Sie ist in 1815 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4679 m² haben. In ihr liegen sämtliche Gemeindeteile.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Bodenfunde deuten auf eine erste Besiedlung der Gegend in der Bronzezeit hin (Fund eines Lappenbeiles im Edelmannshof). Man fand auch ein Reihengräberfeld aus karolingisch-ottonischer Zeit. Vermutlich bestatteten fränkische Siedler ihre Toten auf der Anhöhe oberhalb des sumpfigen Trebgasttales. Innerhalb der Kirche wurden anlässlich einer Renovierung unter dem Estrich der Sakristei die Reste eines Wehrturmes gefunden.
Im Jahre 1322 wurde im Schriftgut erstmals eine Kirche erwähnt. 1398 wurden die Herren von Künsberg aus dem Schloss Wernstein mit der Pfarrei belehnt. Der Ort bestand zu jener Zeit aus etwa 20 Gebäuden.
Harsdorf wurde 1373 erstmals urkundlich erwähnt, schon damals in der heutigen Schreibweise. Das Bestimmungswort ist Hartarat bzw. Hachart, wohl der Personenname des Siedlungsgründers.E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach. S. 53 f.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 94 f.
Harsdorf bildete eine Realgemeinde mit Altenreuth, Brauneck, Haselbach, Hettersreuth, Oberlaitsch, Oberlohe und Unterlohe. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Harsdorf aus 29 Anwesen. Das Hochgericht übte das bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Dieses hatte zugleich die Dorf- und Gemeindeherrschaft. Grundherren waren das Kastenamt Kulmbach (7 Anwesen: 1 Wirtshaus, 1 Hof, 1 Söldengut, 1 Tropfsölde, 3 Tropfhäuser), der Markgräfliche Lehenhof Bayreuth (4 Viertelhöfe), das Stiftskastenamt Himmelkron (10 Anwesen: 3 Höfe, 2 Halbhöfe, 1 Sölde, 4 Tropfhäuslein), das Rittergut Goldkronach (7 Anwesen: 1 Halbhof, 6 Söldengüter), die Pfarrei Harsdorf (1 Sölde). Außerdem gab es eine Kirche, ein Pfarrhaus und ein Schulhaus.R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis. S. 599.
Als Teil des preußischen Fürstentums Bayreuth fiel Harsdorf im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 zu Bayern.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Kulmbach. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Harsdorf gebildet, zu dem Altenreuth, Brauneck, Haselbach, Hettersreuth, Holzlucken, Lettenhof, Oberlaitsch, Oberlohe, Ritterleithen, Sandreuth, Unitz, Unterlohe und Zettmeisel gehörten. 1812 entstand die Ruralgemeinde Harsdorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach (1919 in Finanzamt Kulmbach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit gehörten einige Anwesen bis 1848 Patrimonialgerichten an, die aus den ehemaligen Rittergütern entstanden sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Gemeindegebiet Michelsreuth gegründet. Ab 1862 gehörte Harsdorf zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kulmbach (1879 in Amtsgericht Kulmbach umbenannt).R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 753. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 8,555 km², die sich durch die Umgliederung von Michelsreuth nach Trebgast im Jahre 1954 auf 8,453 km² verkleinerte.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 748 auf 983 um 235 Einwohner bzw. um 31,4 %, das ist der stärkste prozentuale Einwohnerzuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum.
Gemeinde Harsdorf Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2011 2015 2017 2021Einwohner 428 509 621 642 612 625 617 773 768 710 758 708 701 725 729 687 630 624 846 886 745 750 751 1047 1006 980 988 957HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 75 103 109 108 110 117 117 143 205 321 321 Quelle
Ort Harsdorf Jahr 1809 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 162 154 248 256 367 317 335 475 468 483 519Häuser 29 49 50 56 57 83 136Quelle R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis. S. 725. mini|hochkant|Kirche in Harsdorf
Politik und Öffentliche Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2008 Günther Hübner (CSU). Sein Vorgänger war Alfred Baumgärtner (CSU), der das Amt ab 1990 innehatte.
Gemeinderat Die Kommunalwahlen führten zu folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat: Partei/Liste 2002 2008 2014 2020 2026 CSU 6 5 5 5 4 SPD/Wählervereinigung 3 3 3 3 1 Freie Wähler 3 4 4 4 3 Gesamt 12 12 12 12 8
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Bahnhof Harsdorf vor Umbau mini|Bahnhof Harsdorf nach Umbau
Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab im Jahr 2021 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 21 und im Bereich Handel und Verkehr 21 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren 54 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 413.
Im verarbeitenden Gewerbe existierte ein Betrieb, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe.
Zudem bestanden im Jahr 2020 15 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 380 Hektar, davon waren 253 Hektar Ackerfläche und 127 Hektar Dauergrünfläche.
Verkehr Die Staatsstraße 2183 führt über Sandreuth nach Ramsenthal (3 km südöstlich) bzw. an Unterlaitsch vorbei nach Trebgast (4,5 km nördlich). Die Kreisstraße KU 14 führt an der Zoltmühle vorbei nach Pechgraben (2,2 km südwestlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verbindet über Hettersreuth mit Altenreuth (1,7 km südöstlich), eine weitere verbindet über Haselbach und Brauneck mit Zettmeisel (1,3 km nordöstlich). Ein Anliegerweg führt nach Unterlohe (0,7 km nordwestlich).
Der Bahnhof Harsdorf an der Bahnstrecke Bayreuth–Neuenmarkt-Wirsberg wurde 1901 erbaut, das Stellwerk kam 1936 hinzu. Der Mittelbahnsteig wurde 2012 entfernt und durch zwei Außenbahnsteige ersetzt. Das Anschlussgleis zur Harsdorfer Malzfabrik wurde in den 1990er Jahren abgebaut. 2014 wurde nach Umbauarbeiten der neue Gesundheitsbahnhof eingeweiht.https://bahnland-bayern.de/de/aktuelles/neuer-gesundheitsbahnhof-in-harsdorf
Bildung 2022 gab es in Harsdorf folgende Bildungseinrichtungen: 1 Kindestageseinrichtung: 37 genehmigte Betreuungsplätze, 39 betreute Kinder
Persönlichkeiten Adam Hereth (1897–1934), Arbeiter und eines der Opfer des sogenannten Röhm-Putsches
Literatur
Weblinks
Homepage der Gemeinde Harsdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Kategorie:Ersterwähnung 1373 Kategorie:Gemeindegründung 1812
Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach