Trebgast (oberfränkisch: DrechedsE. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach. S. 201.) ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kulmbach und Sitz der Gemeindeverwaltung sowie der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast.

Geographie Lage Der Hauptort liegt etwa acht Kilometer südöstlich der Kreisstadt Kulmbach linksseits des Weißen Mains am Zufluss der Trebgast. Das Gemeindegebiet erstreckt sich insgesamt auf fast 15 Kilometer Länge, erst über den Bergrücken zwischen beiden Gewässern, dann auch rechtsseits des Weißen Mains nach Nordosten, und reicht bis an die Stadtgrenze von Kulmbach. Es ist bis zu sechs Kilometer breit.

Gemeindegliederung Es gibt elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Hier werden noch 12 Gemeindeteile aufgeführt. Weiherhaus ist aber mittlerweile im Gemeindeteil Trebgast aufgegangen.

Rinnlas und Weiherhaus sind mittlerweile keine Gemeindeteile mehr.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Lindau (Gemarkungsteil 1), Trebgast und Trebgaster Forst (Gemarkungsteil 1). Die Gemarkung Trebgast hat eine Fläche von 10,233 km². Sie ist in 1896 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5397 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Eichholz, Feuln, Michelsreuth, Tauschthal, Waizendorf, Weiherleithen und Wolfsbach.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Trebgasts stammt aus dem Zeitraum zwischen 1028 und 1040. In dieser Urkunde wurde bestätigt, dass Regenold Walpoto „Trebegast“ dem Bistum Bamberg übergab. Der Ortsname wie auch der Flussname leitet sich vom slawischen Personennamen Trěbgost ab, vermutlich der Name des Siedlungsgründers.E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach. S. 166 f.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 223.

Die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth hatten die Landeshoheit seit dem 14. Jahrhundert inne. Das Markgraftum gehörte ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Trebgast aus 50 bewohnten Anwesen. Außerdem gab es eine Kirche und ein Pfarrhaus. Das Hochgericht übte das bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Dieses hatte zugleich die Dorf- und Gemeindeherrschaft. Grundherren waren das Kastenamt Kulmbach (38 Anwesen: 1 Mühle, 1 Wirtshaus, 1 Hof, 1 Gut, 1 Söldengut, 17 Sölden, 1 Sölde mit Schmiedegerechtigkeit, 1 Halbsölde, 1 Haus mit Beckenbauerrecht, 1 Kellerhaus, 12 Tropfhäuser, 2 öde Hofstätten, 1 Tropfhofstatt, 1 öde Tropfhofstatt), der Markgräfliche Lehenhof Bayreuth (1 Halbhof, 1 Gut), das Stiftskastenamt Himmelkron (3 Halbhöfe, 1 unbebauter Halbhof, 1 Tropfhäuslein), die Pfarrei Trebgast (6 Sölden).R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis. S. 644.

Als Teil des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel Trebgast im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und wurde 1810 von Napoleon an Bayern verkauft.

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Kulmbach. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Trebgast gebildet, zu dem Eichholz, Feuln, Tauschthal, Waizendorf, Weiherhaus und Wolfsbach gehörten. 1812 entstand die Ruralgemeinde Trebgast, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach (1919 in Finanzamt Kulmbach umbenannt). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auf dem Gemeindegebiet Michelsreuth, Rinnlas und Weiherleithen gegründet. Ab 1862 gehörte Trebgast zum Bezirksamt Kulmbach, 1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kulmbach (1879 in Amtsgericht Kulmbach umbenannt).R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 775. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 9,957 km².

Eingemeindungen 1954 wurden die Anwesen von Michelsreuth, die auf dem Gemeindegebiet von Harsdorf und Himmelkron lagen, nach Trebgast umgegliedert. Am 1. Januar 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern ein Teil der aufgelösten Gemeinde Lindau mit dem Ort Lindau eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1627 auf 1595 um 32 bzw. um 2 %. Am 31. Dezember 2000 hatte Trebgast 1776 Einwohner.

Gemeinde Trebgast Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2000 2008 2015 2017 2025Einwohner 580 675 793 794 815 843 856 863 857 844 892 890 933 955 892 937 948 931 1311 1348 1436 1418 1652 1776 1660 1588 1610 1514HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 92 121 133 133 136 162 173 243 452 539 541 Quelle

Ort Trebgast Jahr 1809 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 322 347 454 513 525 552 633 887 920 953 1081Häuser 54 76 85 104 107 148 297Quelle R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis. S. 726.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist ab Mai 2026 Martin Sesselmann (SPD/Wählergemeinschaft). Vorgänger waren von 2020 bis 2026 Herwig Neumann (CSU/Neue Wählergemeinschaft), von 2008 bis 2020 Werner Diersch (SPD/Wählergemeinschaft) sowie bis 2008 Siegfried Küspert (SPD/Wählergemeinschaft).

Gemeinderat Die Kommunalwahlen seit 2002 führten zu folgenden Stimmenanteilen bzw. Sitzverteilungen im Gemeinderat: Partei/ListeSitze202620022008 20142020%Sitze CSU/Neue Wählergemeinschaft454325,63 SPD/Wählergemeinschaft666548,46Gemeinsam für Trebgast (GfT)–––216,22Trebgaster Bürgergemeinschaft (TBG)–––29,81 Wählerblock212––– Gesamt1212 12 1210012

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|links|Pfarrkirche St. Johannes mini|Abendstimmung am Badesee im Winter mini|Heilig Abend in Trebgast mit der Strohberta Die Pfarrkirche St. Johannes ist als Wahrzeichen des Ortes weithin sichtbar. Zusammen mit Beinhaus, Pfarrhaus, Gemeindehaus und den dazugehörenden Mauern bildet sie ein architektonisches Ensemble. Der Innenraum ist mit Stuckarbeiten des italienischen Künstlers Francesco Andreioli ausgestattet.

Großer Beliebtheit erfreut sich das Naherholungszentrum Trebgast mit dem Trebgaster Badesee. Der See ist 680 Meter lang, 220 Meter breit und ca. 68.000 Quadratmeter groß. Der Wanderweg um den See hat eine Länge von 1500 Metern. Die Insel ist 7200 Quadratmeter groß. Die Gesamtfläche des Naherholungszentrums umfasst 18,951 Hektar und wurde von 24 Eigentümern erworben. Die Baukosten betrugen 2,8 Millionen Mark. Die Einweihung und Eröffnung erfolgte am 12. Juni 1975.

Bekannt ist der Hauptort durch die Naturbühne. Der Verein Naturbühne Trebgast e. V. ging aus dem ehemaligen Verkehrs- und Verschönerungsverein Trebgast hervor, den am 30. Mai 1892 der örtliche Pfarrer Benker gründete.

Trebgast hat mehrmals am Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden. Unser Dorf hat Zukunft teilgenommen. Auf Landesebene hat der Ort eine Goldmedaille und zwei Silbermedaillen, auf Bundesebene eine Silbermedaille erhalten.

Alljährlich zieht am Heiligen Abend die „Strohberta“ durch Trebgast. Die Gruppe besteht aus zehn unverheirateten jungen Männern in Verkleidung.Die Strohberta geht wieder um in: Nordbayerischer Kurier vom 22. Dezember 2023, S. 20. Allen voran gehen der Strohbär (Strohberta), das „Christkindla“ und der Schlotfeger. Sie laufen am 24. Dezember von Tür zu Tür durch den Ort. Der Sinn des alten Brauches ist, einerseits das alte Jahr, für das die Strohberta steht, zu vertreiben, andererseits das Glück und einen reichlich gefüllten Geldbeutel für das neue heraufzubeschwören.

Baudenkmäler mini|Wohnstallhaus von 1814 in der Berliner Straße

Bodendenkmäler

Sport Der TSV Trebgast spielte von 1977 bis 1981 vier Saisons in der Bayernliga, der obersten bayerischen Spielklasse im Fußball.

Verkehr mini|links|Bahnhof vor dem Umbau mit Regionalexpress von Bayreuth Hauptbahnhof, April 2012 mini|hochkant|Bahnhofsgebäude mit Hebelstellwerk mini|Infotafel Rundwanderwege am Bahnhof Die Staatsstraße 2183 führt an Unterlaitsch vorbei nach Harsdorf (4,4 km südlich) bzw. über Schlömen nach Neuenmarkt (3,5 km nordöstlich). Die Staatsstraße 2182 führt über Waizendorf nach Ködnitz (3,2 km nordwestlich) bzw. an Ziegelhütte vorbei nach Himmelkron zur Bundesstraße 303 (3,7 km östlich), die ihrerseits zu der Anschlussstelle 39 der Bundesautobahn 9 führt. Die Kreisstraße KU 15 verbindet mit Lindau (3 km südwestlich). Die Kreisstraße KU 10 führt an Eichholz vorbei nach Heinersreuth (3,4 km nordwestlich). Ein Anliegerweg führt an Weiherleithen vorbei nach Michelsreuth (1,8 km südöstlich).

Der Bahnhof Trebgast liegt an der 1853 eröffneten eingleisigen Bahnstrecke Bayreuth–Neuenmarkt-Wirsberg. In der zweigleisigen Anlage kreuzen fahrplanmäßig Züge. Der Mittelbahnsteig wurde Ende 2012 umgebaut und verbreitert, der Hausbahnsteig am Empfangsgebäude entfiel. Einst existierte am Hausbahnsteig ein drittes Gleis, von dem ein stumpfes Ladegleis in Richtung Ortsmitte abging.

Bis März 2012 war als örtliches Stellwerk in Trebgast ein Hebelstellwerk mit Formsignalen in Betrieb. Am Nordkopf des Bahnhofs quert die Bayreuther Straße die Gleise an einem mit Schranken gesicherten Bahnübergang. Pro Richtung verkehrt mindestens ein Zug pro Stunde.

Persönlichkeiten

Adam Sühler (1889–1964), Politiker (DNVP, CSU)

Literatur

Weblinks

Gemeinde Trebgast (PDF; 1,66 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Trebgast Kategorie:Ersterwähnung im 11. Jahrhundert Kategorie:Gemeindegründung 1812 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Deutscher Ortsname slawischer Herkunft Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach