Isla de San José () ist die zweitgrößte der Perleninseln im Golf von Panama. Die 45,3 Quadratkilometer große Insel weist eine steinige Küste mit mehr als 50 Stränden auf.Woods 2009: 135. Sie gehört verwaltungstechnisch zum Corregimiento Pedro González im Distrikt Balboa der Provinz Panamá. Nach einem Zensus aus dem Jahr 2010 besaß San José 10 Einwohner.Algunas características importantes de las viviendas particulares ocupadas y de la población de la República, por provincia, distrito, corregimiento y lugar poblado: Censo 2010. In: Volumen I: Lugares Poblados de la República. (Abgerufen am 30. Dezember 2022)

Von 1944 bis 1948 befand sich ein US-amerikanischer Militärstützpunkt auf der Insel. Im Rahmen des San Jose Project wurden hier Chemiewaffen getestet, auch an Menschen. Man wollte unter anderem herausfinden, ob die Gifte sich auf verschiedene „Menschenrassen“ unterschiedlich auswirken. Es folgte eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen Panama und den USA um die Säuberung der Insel von Überresten der Waffentests. Die potentiell noch immer mit Blindgängern belastete Insel befindet sich heute in Privatbesitz und wird mit einem Resort touristisch genutzt.

Geographie San José ist eine Kontinentalinsel, ruht also auf dem Kontinentalsockel. Aufgrund des schwankenden Meeresspiegels im gegenwärtigen Eiszeitalter bildete der Golf von Panama immer wieder eine Ebene. Aus dieser Zeit fanden sich im Meer um San José Fossilien von Gomphotherien.Gary S. Morgan, Bruce J. MacFadden, Martín Martínez: Quaternary gomphotheres (Mammalia: Proboscidea: Gomphotheriidae) from the continental shelf, Pearl Islands, Panama. In: Quaternary International, Volume 392, 2016, S. 335–348. Hier: S. 337. Bei steigendem Meeresspiegel ragen nur noch Berge vulkanischen Ursprungs als Inseln aus dem Meer. 10.000 bis 9000 Jahre vor heute trennte sich der Archipel das letzte Mal vom panamaischen Festland. Bis zwischen 9000 und 8300 Jahren vor heute war San José mit der heutigen Nachbarinsel Isla de Pedro González verbunden.Georges A. Pearson, Juan Guillermo Martín, Sergio Andrés Castro, Máximo Jiménez Acosta, Richard G. Cooke: The mid holocene occupation of the Pearl Islands: A case of unusual insular adaptations on the Pacific Coast of Panama. In: Quaternary International, Volume 578, 2021, S. 155–169. Hier: S. 155 f. Die Insel erreicht heute am höchsten Punkt 135 m über dem Meeresspiegel.Woods 2009: 135.

Die Insel ist hügelig und besitzt eine meist steile, irreguläre Küste mit vielen Stränden. Der größte Sandstrand ist die Bucht Ensenada Playa Grande im Osten der Insel. Hier mündet auch der größte Bach San Josés, der Río Marina. Die größte Bucht im Westen der Insel ist die Ensenada de la Boga. Der zweitgrößte ganzjährige Bach der Insel, der Río Mata Puerco entspringt im Süden, fließt nach Norden und mündet im Westen. Während der Regenzeit von April bis Oktober bilden sich viele weitere Bäche, von November bis März herrscht Trockenzeit.Erlanson 1946: 2 f.Wetmore 1946: 2 f.

Flora und Fauna Touristeninformationen zufolge soll es auf der Insel verwilderte Hausschweine, Weißwedelhirsche, Spießhirsche, Krokodile, Agutis, Zwergameisenbären sowie mehr als einhundert verschiedene Vogelarten geben.https://www.cebacobay.com/isla-san-jose (Abgerufen am 7. Januar 2023).Woods 2009: 135.

Während die Weißwedelhirsche nach 1970 vom Festland aus eingeführt wurden, handelt es sich bei der zweiten Hirschart um eine endemische Zwergform, die heute nur noch auf San José vorkommt. Auf der Nachbarinsel Isla de Pedro González, mit der San José ursprünglich verbunden war, ist die Art ausgestorben. Die inselverzwergten Tiere wurden während der US-amerikanischen Nutzung der Insel in den 1940er Jahren entdeckt. Ihre genaue biologische Verwandtschaft zu anderen Hirscharten ist in der Forschung umstritten. Die Population ist durch Wilderei gefährdet.Michael Buckley, Richard G. Cooke, María Fernanda Martínez, Fernando Bustamante, Máximo Jiménez, Alexandra Lara, Juan Guillermo Martín: Archaeological Collagen Fingerprinting in the Neotropics; Protein Survival in 6000 Year Old Dwarf Deer Remains from Pedro González Island, Pearl Islands, Panama. In: Zooarchaeology in the Neotropics, 2017, S. 157–175. (Volltext)María Fernanda Martínez-Polanco, Florent Rivals, Nawa Sugiyama, Christine A. M. France, Sergio Andrés Castro Méndez, Máximo Jiménez-Acosta, Juan G. Martín, Richard George Cooke: Human ecological impacts on islands: Exemplified by a dwarf deer (Cervidae: Mazama sp.) on Pedro Gonzalez Island, Pearl Island Archipelago, Pacific Panama (6.2–5.6 kya). In: Journal of Archaeological Science, Volume 143, 2022. (Volltext)

Während der Nutzung San Josés durch das amerikanische Militär konnten Forscher der Smithsonian Institution die dortige Flora und Fauna erstmals umfassend erforschen. Dabei wurde eine Reihe neuer Arten entdeckt, neben den genannten HirschenKellog 1946: 3 f. auch 27 SchneckenMorrison 1946: 2.https://www.molluscabase.org/aphia.php?p=sourcedetails&id=303089#taxa (abgerufen am 10. Januar 2023). und 17 Pflanzen.Johnston 1949: 296.

An der Küste von San José finden sich Mangrovenwälder. Diese bestehen vor allem aus der Roten Mangrove (Rhizophora mangle), auch die Weiße Mangrove (Laguncularia racemosa) kommt vor. 1974 besaß San José 105,9 Hektar an Mangrovenwald. Die Fläche sank durch menschlichen Einfluss bis 1986 auf 85,1 Hektar und 68,7 Hektar im Jahr 2000.McGowan, Tom, Cunningham, Sarah L., Guzmán, Héctor M., Mair, James M., Guevara, Jose M., und Betts, Tanja: Mangrove forest composition and structure in Las Perlas Archipelago, Pacific Panama. In: Revista De Biología Tropical, Volume 58 (3), 2010, S. 857–869. Hier S. 860 ff. (Volltext)

Auf einer Anhöhe im Norden der Insel liegt eine etwa 5 Hektar große und ungefähr dreiecksförmige Savanne. Die Amerikaner nannten sie den „Bald Spot“ auf dem „Bald Hill“.Johnston 1949: 6 f. Hier nisten Leguane. Es ist unklar, ob die Savanne natürlichen Ursprungs ist oder durch die von Nachbarinseln kommenden Leguanjäger aufrechterhalten wird, die sie – Stand 1973 – jährlich in der Trockenzeit abbrennen.Dennis H. Knight: Maintenance of a Tropical Savanna by Iguana Hunters. In: BioScience, Volume 23 (4), 1973, S. 210. (Volltext in der Vorschau)A. Stanley Rand: Iguana Egg Mortality within the Nest. In: Copeia, Vol. 1980 (3), 1980, S. 531–534. Hier: S. 531.

Geschichte

Geschichte vor 1944 Über die Geschichte San Josés ist wenig bekannt, aber die kleinere Nachbarinsel Pedro González war von 5540 bis 4880 vor heute von einer präkeramischen Bevölkerung besiedelt. Es folgte eine etwa 3000 Jahre lange Periode, in der Pedro González wohl aufgrund starker El Niño Ereignisse unbewohnt blieb, bevor sich wieder eine nun Keramik produzierende Gesellschaft nachweisen lässt. Die Einwohner betrieben Landwirtschaft, angebaut wurden Mais, Yams und eventuell Pfeilwurz.Pearson et al. 2021: 156, 165.

Für den Zeitraum zwischen 500 und 800 n. Chr. werden die Perleninseln archäologisch der Gran Coclé Kultur zugeordnet, die ihren Schwerpunkt in der heutigen Provinz Coclé auf dem Festland hatte. Nach 800 kam es zu einer deutlichen Veränderung der materiellen Kultur, was eventuell auf soziale Veränderungen hindeutet. Diese könnten mit dem von den Spaniern Cueva genannten Volk zusammenhängen, das sich zu dieser Zeit auf dem Festland in der heutigen Provinz Darién konsolidierte.Richard G. Cooke: The Gilcrease Collection and Gran Coclé. In: Richard G. Cooke, Nicholas J. Saunders, John W. Hoopes (Hrsg.): To Capture the Sun: Gold of Ancient Panama. Gilcrease Museum, Tulsa (Oklahoma) 2011, ISBN 978-0-9819799-1-5, S. 115–160. Hier: S. 139. (Volltext) mini|Karte der Perleninseln von 1682 Der Archipel wurde 1513 von Vasco Núñez de Balboa entdeckt. Die Perleninseln wurden von den kolonisierenden Spaniern nach den Perlen benannt, die dort aus Perlmuscheln geerntet wurden. In der Folge wurde die indigene Bevölkerung der Inseln durch die Konquistadoren versklavt und durch die intensive Zwangsarbeit ausgelöscht.Filmdokumentation von Hugo Metz: Panama: Im Reich der Perlentaucher. Arte, 2024, Reihe Stadt, Land, Kunst, 14 Min. Um die Perlenernte weiterführen zu können, wurden karibische und afrikanische Sklaven auf die Inseln verschleppt, deren Nachfahren heute die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Zeitweise dienten die Inseln Bukanieren und anderen Piraten als Unterschlupf.Eintrag Pearl Islands in: Thomas M. Leonard: Historical Dictionary of Panama. Rowman & Littlefield, Lanham 2015, ISBN 978-0-8108-7835-8, S. 231 f. (Onlinezugriff)

Nach damaligen Angaben von Forschern der Smithsonian Institution sei San José vor 1944 etwa 80 Jahre lang unbewohnt und auch davor nur gering besiedelt gewesen. Mangos und andere verwilderte Kulturpflanzen sowie teilweise gerade Grenzlinien zwischen Wald und Buschland deuteten auf eine frühere landwirtschaftliche Nutzung hin.Erlanson 1946: 3f.

The San Jose Project (1944–1948)