Untersteinach ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach.
Geografie Untersteinach liegt im Naturpark Frankenwald. Im Ort mündet die Untere Steinach als rechter Zufluss der Schorgast.
Gemeindegliederung Es gibt drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gumpersdorf (Dorf) Hummendorf (Weiler) Untersteinach (Pfarrdorf)
Die Einöde Neumühle zählt zum Gemeindeteil Untersteinach.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Untersteinach. Sie hat eine Fläche von 11,425 km² und ist in 2054 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5562,5 m² haben.
Geschichte Der Ort wurde im Jahre 1281 als „Nydernsteinach“ erstmals urkundlich erwähnt. Benannt wurde der Ort nach dem Fluss Steinach. Im Gegensatz zu Stadtsteinach, das ursprünglich ohne den Zusatz Stadt- auskam, hatte Untersteinach von Anfang an den Zusatz Nydern-, woraus sich schließen lässt, das Untersteinach die jüngere Siedlung ist.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 228. Die Adelsfamilie Varell prägte über sechs Generationen bis zu ihrem Aussterben 1765 die Geschichte des Orts.
Am 10. August 1706 kam es durch einen Bubenstreich zu der bisher größten Katastrophe in der Geschichte von Untersteinach. Drei Jugendliche hatten in einer Scheune mit einer Schlüsselbüchse gespielt, woraufhin das Gebäude Feuer fing. Aufgrund des schönen Wetters und der beginnenden Erntesaison befanden sich fast alle Bürger des Ortes auf den Feldern. So konnte sich das Feuer rasch ausbreiten und fast das komplette Dorf brannte ab. Es war ein Todesopfer zu beklagen. Die Untersteinacher wurden nach dem Unglück in den Nachbardörfern aufgenommen. Zwei Häuser blieben verschont, von denen eines das älteste Gebäude in Untersteinach ist. Es befindet sich in Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Untersteinach aus 100 Anwesen und 1 Kirche, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus und 1 Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft oblag dem Stadtvogteiamt gemeinsam mit dem Kastenamt Kulmbach. Grundherren waren das Kastenamt Kulmbach (39 Anwesen: 2 Mahlmühlen, 1 Wirtshaus, 1 Schmiede, 1 Badstube, 2 Höfe, 3 Halbhöfe, 1 Viertelhof, 1 unbebauter Viertelhof, 17 Sölden, 8 Tropfgütlein, 1 ödes Tropfgütlein, 1 Wohnhaus) das Klosteramt Kulmbach (17 Anwesen: 3 Halbhöfe, 8 Viertelhöfe, 2 Dreiachtelhöfe, 2 Söldengütlein, 1 Häuslein, 1 Tropfhaus), die Verwaltung Burghaig (4 Anwesen: 1 Gut, 3 Gütlein), das Ritterkanton Gebürg mittelbar für das Rittergut Steinenhausen (1 Viertelhof), das Rittergut Untersteinach (31 Anwesen: 1 Schloss, 1 Gasthof mit Bräuhaus, 2 Güter, 12 Sölden, 2 unbebaute Sölden, 1 Halbsölde, 1 Halbsöldenhaus, 1 Söldenhäuslein, 3 Häuser, 2 Tropfhäuser, 5 Tropfhäuslein). das Seniorat von Redwitz (1 Halbhof), das Seniorat von Guttenberg-Guttenberg (5 Anwesen: 1 Mahlmühle, 1 Söldengütlein, 1 Halbsölde, 1 Haus, 1 Hofstatt), die Pfarrei Untersteinach (1 Tropfgütlein), die Pfarrei Guttenberg (1 Halbhof).
Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1802 gehört Untersteinach zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Untersteinach gebildet, zu dem Gumpersdorf und Hummendorf gehörten. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Untersteinach, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach. Am 1. Oktober 1840 wurde sie an das Landgericht Stadtsteinach und dem Rentamt Stadtsteinach überwiesen (1919 in Finanzamt Stadtsteinach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 46 Anwesen bis 148 dem Patrimonialgericht Untersteinach. Ab 1862 gehörte Untersteinach zum Bezirksamt Stadtsteinach (1939 in Landkreis Stadtsteinach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Stadtsteinach (1879 in Amtsgericht Stadtsteinach umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 11,428 km².
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1941 auf 1811 um 130 bzw. um 6,7 %. Am 31. Dezember 1997 hatte Untersteinach 2076 Einwohner.
Gemeinde Untersteinach Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2010 2015 2021Einwohner674 786 867 845 852 875 908 961 979 971 997 993 999 1033 1053 1082 1110 1141 1696 1786 1759 2043 1966 1945 1848 1837 1783 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 131 138 137 142 155 201 279 489 599 610Quelle Für die Gemeinde Untersteinach zuzüglich der Einwohner von Gumpersdorf (S. 41) und Hummendorf (S. 55)
Ort Untersteinach Jahr 1809 1818 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 539 554 723 739 840 872 947 1628 1665 1946 1889 Häuser 102 120 124 138 183 261 465Quelle Rüdiger Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 38). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2012, ISBN 978-3-7696-6554-3.
Religion Untersteinach hat die evangelische St.-Oswald-Kirche und die römisch-katholische Kirche Mariae Heimsuchung. mini|St. Oswald Die St.-Oswald-Kirche ist eine alte Wehrkirche mit Elementen des gotischen Baustils. Die alten Wehranlagen aus Sandstein mit dem Torhaus sind noch erhalten und können besichtigt werden. Auch das alte Pfarrhaus ist noch von einer Mauer umgeben.
Urkundlich erstmals erwähnt wurde die Pfarrei im Jahre 1281 anlässlich eines Streits zwischen den von Blassenberg und dem Grafen Otto von Orlamünde.. Website der Kirchengemeinde Untersteinach. Abgerufen am 29. September 2011.
Bereits im Jahre 1553 nahm die St.-Oswald-Gemeinde die evangelisch-lutherische Lehre an. thumb|Alte Steinbrücke über die Untere Steinach
Politik Bürgermeister Erste Bürgermeisterin ist seit 2026 Cornelia Wehner (SPD). Ihre Vorgänger waren (chronologisch absteigend) Volker Schmiechen (SPD), Heinz Burges (SPD) und Walter Arlt (SPD).
Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen 2026 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: +ParteiSitzeSPD5CSU4UBG3
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.
Städtepartnerschaften Die Gemeinde unterhält eine kommunale Partnerschaft zur Gemeinde Mogilany in Polen.
Bau- und Bodendenkmäler
Infrastruktur und Wirtschaft Wirtschaft In Untersteinach gibt es zahlreiche Industrie- und Dienstleistungsbetriebe.
Verkehr Der Bahnhof Untersteinach (b Stadtsteinach) liegt an der Bahnstrecke Bamberg–Hof. Hier zweigt die Bahnstrecke Untersteinach–Stadtsteinach, die heute nur dem Güterverkehr dient, ab. Die Bundesstraße 303 führt nach Stadtsteinach (4 km nordwestlich) bzw. nach Wirsberg (5,5 km südöstlich). Die Bundesstraße 289 führt nach Kulmbach (6,5 km westlich) bzw. nach Ludwigschorgast (2,3 km östlich). Die Kreisstraße KU 13 verbindet mit Guttenberg (3 km nordöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Gumpersdorf (3,1 km westlich) und nach See (3 km südlich). Eine Anliegerstraße verbindet mit Hummendorf (1,7 km nordwestlich).
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Bildung Volksschule Untersteinach-Ludwigschorgast Untersteinach verfügt über eine Grundschule. In der Volksschule Untersteinach-Ludwigschorgast werden, aufgeteilt auf die beiden Schulgebäude in Untersteinach und Ludwigschorgast, derzeit 140 Schüler der Klassen eins bis vier unterrichtet (Stand 2010/11). Die Klassen 1 und 2 befinden sich im Gebäude in Ludwigschorgast, die Klassen 3 und 4 in Untersteinach.. Website der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach. Abgerufen am 23. September 2011.
Mittelschule Stadtsteinach-Untersteinach Untersteinach ist Mitglied im Mittelschulsprengel Stadtsteinach-Untersteinach. Die Klassen 5 und 6 werden im Schulgebäude Untersteinach unterrichtet, die übrigen in der Nachbargemeinde Stadtsteinach.. Website der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach. Abgerufen am 23. September 2011.
Persönlichkeiten Johann Gottfried Biedermann (* 19. August 1705 in Plauen, † 11. Juli 1766 in Untersteinach), („Hochfürstlich Brandenburg-Culmbachischer“) Pfarrer und Genealoge. Er erstellte die genealogischen Tabellen des fränkischen Adels. Georg Adam von Varell (* 28. Juni 1709 in Untersteinach, † 6. November 1765 in Untersteinach), Kaiserl. Rat und Generalfeldmarschall-Leutnant des Fränkischen Kreises, Oberst über ein Infanterieregiment im Siebenjährigen Krieg. Er war der letzte Vertreter seines Geschlechts und wohnte im Schloss Untersteinach, welches nach seinem Tod an die Familie Guttenberg zurückfiel (ab 1869 Sitz der Schlossbrauerei, 1982 in baufälligem Zustand abgebrochen).
Literatur
Weblinks
Homepage der Gemeinde Untersteinach
Einzelnachweise
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