Mit digitalem Rundfunk wird der Rundfunk bezeichnet, der eine digitale Übertragungstechnik verwendet. Es gibt hierbei verschiedene, nur bedingt zueinander kompatible Verfahren.

Standards und Unterschiede Digitales Fernsehen

Beim digitalen Fernsehen ( digital television, DTV) gibt es folgende Unterschiede: D2-MAC und HD-MAC waren hybride Analog-/Digital-Standards, die sich nicht durchgesetzt haben. Digital Video Broadcasting (DVB) ist der mittlerweile am weitesten verbreitete Standard für die digitale Fernsehübertragung. Er bietet Komponenten für die verschiedenen Übertragungsverfahren: DVB-S, DVB-S2 (Satellite – Satellitenrundfunk), DVB-SH (Satellite Services To Handheld Devices – Satellitenrundfunk speziell für mobile Geräte wie Handys; wurde nie eingeführt), DVB-T, DVB-T2 (Terrestrial – Terrestrische Übertragung, also über Funktürme), DVB-H (Handhelds – Terrestrische Übertragung speziell für mobile Geräte wie Handys; wird seit 2012 nicht mehr unterstützt), DVB-C, DVB-C2 (Cable – Kabelfernsehen), DVB-IPI (Internet Protocol Infrastructure – Übertragung über das Internetprotokoll (IP)) DVB-I (Internet – Bereitstellung per DVB-IPI empfangener Inhalte und deren Integration bei Hybrid-TVs) ATSC ist der nordamerikanische DTV-Standard, ähnlich dem DVB-T-Standard. Dieser wird nur in den USA, Kanada, Mexiko und Südkorea genutzt. ISDB ist der japanische DTV-Standard, der DVB sehr ähnlich ist, auch bei der Unterscheidung: ISDB-S, ISDB-C und ISDB-T. DTMB und die Weiterentwicklung DTMB-A ist der chinesische DTV-Standard für die terrestrische Übertragung CMMB ist der Satellitenrundfunk in China speziell für mobile Geräte wie Handys Digital Multimedia Broadcasting (DMB) ist ein in Deutschland maßgeblich von der Firma Bosch entwickeltes Verfahren, fraunhofer.de das in Südkorea und China für die digitale Fernsehübertragung, insbesondere auf Mobiltelefone eingesetzt wird und auch in Europa erprobt wurde. DMB basiert technisch auf dem DAB-System, das um einige Video/Audio-Codecs erweitert wurde. Je nach Übertragungsweg wird unterschieden zwischen T-DMB (terrestrisch; die Nutzung in Südkorea ist stark rückläufig) und S-DMB (über Satellit; wurde nur bis 2012 in Südkorea eingesetzt).

Digitaler Hörfunk

Beim digitalen Hörfunk ( digital radio) gibt es folgende Standards: für die terrestrische Übertragung: Digital Audio Broadcasting (DAB) benutzt das VHF-Band III, galt bis Mitte 2011 als das am weitesten fortgeschrittene aller terrestrischen Digitalhörfunkverfahren und wurde zum europäischen Standard gewählt. Weiterentwicklungen sind: DAB+, der in Deutschland ab 2011 DAB abgelöst hat und dank des effizienteren Advanced Audio Coding (HE-AAC) bzw. MP4 die Verbreitung von mehr Programmen mit besserer Tonqualität ermöglicht (siehe auch Digital Audio Broadcasting in Deutschland), und Digital Multimedia Broadcasting (DMB), genauer T-DMB, das eine Erweiterung für bewegte Bilder sowie in Korea und der Volksrepublik China verbreitet ist. Digital Radio Mondiale (DRM) ermöglicht digitalen Hörfunk auch über Lang-, Mittel- und Kurzwelle und wird im asiatischen Raum hauptsächlich in Indien (Mittelwelle), Indonesien, Pakistan, China und Ozeanien genutzt. Eine Weiterentwicklung ist DRM+ für UKW auf breiteren Bändern (100 kHz) und mit besserer Qualität (bei Datenraten von 37 bis 185 kbps statt 5 bis 15 kbps), das somit eine Alternative zu DAB ist, wo DAB noch nicht und/oder DRM schon eingesetzt wird. DVB-T eignet sich auch für die Übertragung von Radioprogrammen und wird in einigen europäischen Ländern auch entsprechend eingesetzt. Der mobile Empfang bei hohen Geschwindigkeiten ist aber nicht möglich. Die Weiterentwicklung DVB-T2 ist in diesen Situationen einsetzbar, aber es werden keine speziellen Empfangsgeräte (z. B. Autoradios) angeboten. Der Radioempfang erfolgt über die reguläre Set-Top-Box oder einen DVB-T-Fernsehempfänger. In Deutschland strahlt nur der NDR alle seine Radioprogramme über DVB-T2 aus, für die Übertragung über Satellit: DVB-S und die Weiterentwicklung DVB-S2 ermöglicht in Deutschland je nach Antenne den stationären Empfang von über 100 oder über 1000 Radioprogrammen. Satellite Digital Audio Radio Services (SDARS) ermöglicht in Nordamerika den kostenpflichtigen und werbefreien mobilen Empfang (Empfänger ist in vielen Neu- und Mietwagen bereits eingebaut) von über 200 Programmen via Satellit und wird von rund 33 Mio. Abonnenten genutzt. DAB-S ist ein diskutierter Standard für den mobilen Empfang in Europa. für die Übertragung über Kabel: DVB-C ermöglicht auch den Empfang von Radioprogrammen, z. B. über 350 im deutschen Kabelnetz der Vodafone GmbH. DAB lässt sich prinzipiell auch im Kabel übertragen, aber der für die terrestrische Übertragung ausgelegte Fehlerschutz ist für eine Kabelübertragung besser als notwendig und ein Regelbetrieb von DAB oder DAB+ über das Kabelfernsehnetz ist nicht beabsichtigt.

Zu den ehemaligen Standards gehören: DVB-H, das auch Radioprogramme terrestrisch übertragen konnte, aber seit 2012 nicht mehr eingesetzt wird, Digitales Satellitenradio (DSR), das bis 1999 in Deutschland 16 Radioprogrammen übertrug, Astra Digital Radio (ADR) als Nachfolger von DSR, das bis 2012 den stationären Empfang digitaler Radioprogramme, wozu alle UKW-Programme der ARD, fast alle Programme der schweizerischen SRG und etwa zehn Privatradios gehörten, über die Astra 1-Satelliten auf 19,2° Ost ermöglichte, und S-DMB, das auch den mobilen Empfang von Radioprogrammen über Satellit ermöglichte und Ende August 2012 in Südkorea eingestellt wurde.

Digitale Verbreitung Für die digitale Verbreitung muss das Programmsignal zunächst digitalisiert und komprimiert werden, sofern das Signal nicht schon digital vorliegt. Heute wird jedoch fast nur noch digital produziert und hergestellt. Anschließend werden mehrere digitale Programme für die Übertragung gebündelt (multiplexing). Die Datenbündel werden dann via Kabel, Satellit oder Antenne zum Empfänger gesendet. Dort wird das Signal durch das Empfangsgerät selbst oder die Set-Top-Box decodiert.

Analogabschaltung In Deutschland war geplant, die Übertragung des Rundfunkes mit analogen Sendeverfahren bis zum Jahr 2010 endgültig einzustellen und Rundfunk danach nur noch digital zu verbreiten. In den Mitgliedsstaaten der EU sollte diese Umschaltung bis spätestens 2012 stattfinden.Pressemitteilung der EU-Kommission zur Abschaltung des analogen Rundfunks (Hörfunk und Fernsehen) in der EU bis Anfang 2010 bzw. bis Ende 2012 – Die Europäische Kommission erwartet, dass Radio und Fernsehen bis 2010 fast überall in der EU digital sindAnaloger Rundfunk endet in der EU 2010 auf WikinewsAbschaltung des analogen Rundfunks in Deutschland bis Ende 2010 Heise-Newsticker: „Die meisten EU-Mitgliedstaaten, die ein Datum für die Abschaltung des analogen Rundfunks festgelegt haben, hätten sich für 2010 entschieden, darunter auch Deutschland.“Heise-Newsticker, 10. Februar 2006: „Nach dem aktuellen Stand soll bis 2010 der Rundfunkempfang über Kabel, Antenne und Satellit komplett auf Digitaltechnik umgestellt werden.“blm.de: schon 1998: „Nach einem Beschluß der noch amtierenden Bundesregierung soll der Übergang in die digitale Rundfunktechnologie bis zum Jahr 2010 weitgehend abgeschlossen sein. Dazu ist ein zeitlicher Fahrplan mit allen Interessengruppen vereinbart worden. Die Umstellung betrifft die Verbreitung über Kabel, Satellit und Terrestrik.“ Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt. In Deutschland und Österreich konnte sich DAB mit dem Audiocodec MUSICAM nicht durchsetzen, daher wurde es in Österreich zwischenzeitlich ganz eingestellt und inzwischen mit dem effizienteren, aber zur Vorgängernorm inkompatiblen Audiocodec HE AAC v2 (DAB+) in beiden Ländern neu gestartet. In der Schweiz war die Einführung von DAB erfolgreicher, wurde aber ebenfalls auf DAB+ umgestellt. Im Rest von Europa ist die Situation unübersichtlich, mancherorts wurde der Betrieb wieder eingestellt, in anderen Ländern scheint er teilweise erfolgreich zu sein. Siehe auch Digital Audio Broadcasting in Europa.

Nach dem Medien- und Kommunikationsbericht 2008 der Bundesregierung wird der „äußerst komplizierte“ Digitalisierungsprozess jedoch „wahrscheinlich bis weit über das Jahr 2015 hinausgehen“. Dabei bezieht man sich hauptsächlich auf Radioprogramme im UKW-Bereich.Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung 2008 Ein Beschluss des Bundestages vom 27. Oktober 2011 berücksichtigt diese Erkenntnis und hebt die für 2015 gesetzte Frist zur analogen UKW-Verbreitung auf.

Von der Umstellung verspricht man sich eine größere Übertragungskapazität und geringere Kosten bei geringerer Störanfälligkeit. Als Nebeneffekt wird dabei jedoch die Reichweite auf das offizielle Sendegebiet reduziert. Empfang ist dann nur noch in näherer Umgebung des Senderverbundes des Gleichwellennetzes möglich. Für herkömmliche, analoge Fernsehempfangsgeräte ist dann ein digitales Empfangsgerät (Set-Top-Box) nötig, das die digitalen Signale umwandelt. Neue Fernsehempfangsgeräte können das digitale Signal zunehmend direkt empfangen. Für den Hörfunk werden dann spezielle Radioempfangsgeräte benötigt, die seit 2017 von TechniSat und Vistron als Tuner für die HiFi-Anlage angeboten werden.

Die analoge Ausstrahlung über Satellit der deutschen öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehprogramme wurde am 30. April 2012 beendet. Gemeinsame Informationsseite der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehanbieter sowie der Landesmedienanstalten

In der Schweiz wurde bis 2015 das analoge Kabelfernsehen weitestgehend durch DVB-C ersetzt. In Deutschland wurde ab 2017 damit begonnen, schrittweise die analoge Ausstrahlung in der PAL-Norm einzustellen sowie durch DVB-C zu ersetzen und wurde 2019 endgültig beendet.

Verbraucher konnten unter anderem durch Aufrufen der Videotextseite 198 bei verschiedenen Sendern überprüfen, ob sie bereits das digitale Signal empfingen. Im Videotext wurde in dem Fall eine entsprechende Information ausgegeben.

DVB-T ersetzt analoges Antennenfernsehen In Deutschland wurde zwischen 2002 und 2008Ueberallfernsehen siehe Karte dort die Umstellung für das terrestrische Fernsehen (von PAL auf DVB-T) durchgeführt (siehe auch DVB-T-Umstellung in Deutschland). In Österreich wurde die Umstellung 2006 und 2007 durchgeführt (siehe auch DVB-T-Umstellung in Österreich).der Standard: „Die Umstellung soll bis Herbst 2007 von West nach Ost in Intervallen abgeschlossen werden, kleine Nebensender werden hingegen noch länger in PAL betrieben. Die ersten österreichischen Haushalte in den neun Landeshauptstädten und Umgebung können bereits ORF1, ORF2 und ATVplus digital über Antenne empfangen. Die komplette Abschaltung aller analogen TV-Frequenzen erfolgte bis 2010.“ In der Schweiz wurde die Umstellung 2007 beendet (siehe DVB-T-Umstellung in der Schweiz).

DVB-T2 ersetzt DVB-T Im Herbst 2009 wurde der DVB-T-Nachfolgestandard DVB-T2 veröffentlicht. In Deutschland startete im Sommer 2016 ein Pilotbetrieb von DVB-T2 HD in mehreren Ballungszentren. Zwischen März 2017 und Mitte 2019 wurde der neue Standard in weiteren Regionen eingeführt. Zeitgleich erfolgte die DVB-T-Abschaltung, da ein Parallelbetrieb nicht vorgesehen war. auf verbraucherzentrale.de, abgerufen am 31. Dezember 2020. Österreich nahm die Umstellung des digitalen Antennenfernsehens von DVB-T auf DVB-T2 schrittweise von 2014 bis 2017 vor. Seit Oktober 2017 wird dort nur noch im Standard DVB-T2 gesendet.Digitales Antennen-TV auf ors.at, abgerufen am 31. Dezember 2020. Die Schweiz dagegen schaltete Mitte 2019 DVB-T ersatzlos ab.Schweiz verabschiedet sich vom digitalen Antennenfernsehen swissinfo.ch, abgerufen am 31. Dezember 2020.

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